Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Zensur (1)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Sachbücher



Michael Petzel

Das Karl May Filmbuch

rezensiert von Thomas Harbach

Der Karl May Kenner und Filmliebhaber Michael Petzel hat schon 1998 das querformatige und reichhaltig bebilderte “Karl May Filmbuch” zusammengestellt und als Hardcover im Karl May Verlag veröffentlicht. Ein derartiges Projekt kann nur in den sechziger Jahren und mit persönlichen Eindrücken beginnen. Dabei reicht das Spektrum der Stimmen von den ersten Fernsehausstrahlung des “Schatz im Silbersee” bis zurück zu den Plüschkinos und Filmpalästen. Michael Petztel versucht in der Einleitung eher ambivalent Stellung zu nehmen zur Qualität der unterschiedlichen Verfilmungen im Vergleich zu den originalen Texten. Sicherlich wird man - wie bei jeder Adaption eines Buches - das Original nur in Form des Buches wieder finden. Dazu sind Verfilmungen nicht gedacht. Angesichts der zahlreichen, nicht immer wirklich Zielfördernden Dialoge, der mehr oder minder authentisch “kopierten” oder entliehenen Landschaftsbeschreibungen und schließlich auch Mays schriftstellerischer Fähigkeit, einfachste Plots auf Romanlänge zu dehnen und umständlich immer wieder ähnliche bis gleiche Szenarien zu wiederholen würden die Karl May Verfilmungen eng am Original mindestens drei Stunden lang sein und schon in den sechziger Jahren niemanden mehr interessiert haben. Es ist nachvollziehbar, das ein Tausendsassa mit einem überquellenden Selbstbewusstsein, das seine kriminelle Vergangenheit wie auch die Jahre der ärmlichen Existenz zu, im Grunde fürs Kino geboren worden ist und die ersten Stummfilme zumindest nach einigen Quellen auch genossen hat. Es ist für ihn sicherlich keine Überraschung gewesen, das einer der ersten Filme “Die große Eisenbahnüberfall” gewesen ist, ein Western. Wie kaum ein anderer deutscher Schriftsteller hat Karl May von der Wiederentdeckung seines Werkes für die Leinwand profitiert. Das Publikum strömte nicht nur in die Lichtspieltheater, sondern kaufte wahrscheinlich auch wieder seine Romane. Die Karl May Filme gehören aber auch, wie Michael Petzel passend herausstellt, in die Zeit des Wirtschaftswunders, der sechziger Jahre, als die Deutschen neben Italien Jugoslawien als neues Urlaubsziel entdeckten und die Gestaltung der eigenen Freizeit wichtiger wurde als die immer noch vorherrschenden sechs Tage Wochen. Unter diesem Gesichtspunkte müssen die damals ungemein unterhaltsamen und heute noch interessanten Streifen gesehen werden. Nichts von der christlichen Belehrung, die sich auch erst im Verlaufe der Jahre in Karl Mays Werk eingeschlichen hat. Nichts von Schwermut. Die Schurken müssen besiegt, die Weißen gerettet, die Indianer befriedet und die Freundschaft zwischen Winnetou und Old Shatterhand vertieft werden. Das die Drehbücher der Karl May Filme nicht selten schon auf mehrfach bearbeiteten literarischen Vorlagen basierten und die Werke der letzten Hand in Vergessenheit geraten sind, wird nicht selten außer acht gelassen und von Michael Petzel eher ungenügend herausgearbeitet. Es reicht nicht, herauszustellen, das Lex Barker und Pierre Brice zu Idolen/ Ikonen eine neuer Generationen geworden sind. Vielleicht liegt ihr Erfolg wirklich um Unterschied. Jahrzehnte später wird das Phänomen sich in den “Star Wars” Filmen widerspiegeln, der trotz technisch immer fortschreitender Innovation ihr träumendes Herz verloren haben. Wahrscheinlich wären die Figuren aus Karl Mays Romanen nicht derartig populär geworden wie es Barker und Brice schließlich geworden sind. Darüber lässt sich trefflich streiten, aber die Ideen Mays finden sich in den meisten Filmen wieder. Selbst mancher Dialog ist einfach übertragen worden. Karl May ist unbewusst ein sehr cineastischer Schriftsteller gewesen, dessen größtes Manko
entweder der Hang zur Weitschweifigkeit, zur Wiederholung oder leider aus zeitlichen Gründen zu einem flüchtigen Lektorat gewesen sind.
“Ein Mythos entsteht- Karl May im Film” ein neben den unzähligen und detailliert gesammelten Informationen eine interessante wie auch teilweise frustrierende Lektüre. Michael Petzel beginnt mit einem Hinweis auf die wenig bekannten Stummfilmadaptionen, die inzwischen als verschollen gelten. Zwar sollte man die Hoffnung niemals aufgeben, selbst der ursprüngliche Schnitt von “Metropolis” ist ja eher durch einen Zufall in Argentinien gefunden worden, aber die Wahrscheinlichkeit, das Filmmaterial in einem Moskauer Archiv schlummert, ist gering. Zu schnell schlägt Michael Petzel unnötigerweise den Bogen zu den Wendlandt Produktionen, um dann etwas ausführlicher in einem kurzen, lesenswerten Kapitel auf die frühen in Deutschland gedrehten Western einzugehen, dann zu den Stars der Wendlandt Produktionen überzuwechseln, um schließlich wieder zurück zu den Kinofilmen zu kehren. Das wirkt etwas sehr unorthodox, zumal der erste Hinweis auf die Stummfilmproduktionen keine halbe Seite einnimmt. Zumindest konnte Michael Petzel neben einigen Informationen über die Darsteller zwei sehr gut reproduzierte Fotos der ersten May- Filmen mit farbenprächtigen Titeln wie “Auf den Trümmern des Paradieses” oder “Die Todeskarawane” anbieten. “Durch die Wüste” ist während des Dritten Reiches (1935) entstanden. Michael Petzel ist dabei eher auf Spekulationen angewiesen, da 1997 ARTE von der Ausstrahlung der Ausschnittfassung auf Super 8 Abstand genommen hat. Aufgrund der Kürze der Super 8 Fassungen kann auch eher von einem Fragment gesprochen werden. Dem Autoren gelingt es aber überzeugend, auch mittels Zeitzeugen wie der nicht unumstrittenen Regisseurin Thea von Harbou einen soliden Eindruck von den Dreharbeiten zu machen und beendet seinen Artikel mit einigen positiven Bemerkungen des völkischen Beobachters über das Werk. Etwas differenzierter hätte Michael Petzel mit den Darstellern umgehen können. Erst zumindest impliziert zu argumentieren, das der Film eine derartige Katastrophe gewesen ist, das viele Schauspieler anschließend keine neuen Engagements gefunden hätten und diese Meinung mit gegenteiligen Informationen zu revidieren, wirkt nicht konsequent genug. Mit “Die Sklavenkarawane” und “Der Löwe von Babylon” erreicht Michael Petzels Filmographie die fünfziger Jahre. Auf diese eher unbekannten Streifen geht der Autor wohlwollend ausführlich ein und bereitet solide die Basis für die folgende intensive Auseinandersetzung mit den berühmten Produktionen um Barker und Brice. Die anschließenden Besprechungen - der erste Film der Reihe “Der Schatz im Silbersee” wird am ausführlichsten vorgestellt, da hier auch auf den gewichtigen Produzenten Horst Wendlandt genauso expliziert eingegangen werden muss wie auf die Drehorte in Jugoslawien - folgen einem eher standardisierten Schema: Die Story - also die Inhaltsangabe des Films - , die Schauspieler, die Vorgeschichte, kurze Hinweise auf Drehbuchautoren oder Regisseure, die eigentlichen Dreharbeiten, ein Exkurs zu Besonderheiten der jeweiligen Streiten wie schon Beispiel bei “Winnetou I”, ob es sich wirklich um eine echte Liebesgeschichte gehandelt hat bis zum Schlusswort in Form von Reaktionen des Publikums oder der Presse. Dieses starre Schema lädt nicht dazu ein, das ”Karl May Filmbuch” in einem Rutsch zu lesen. Auf der anderen Seite wird Fan mit seinem oder seinen persönlichen Liebesfilmen beginnen, die zahlreichen hervorragend wiedergegebenen Fotos betrachten und lächeln in Erinnerungen schwelgen. Es sind die eher unbekannten Produktionen, welche diese detaillierte Aufmerksamkeit benötigen und passender weise auch erhalten. Michael Petzel geht viel zu sehr in diesem Sujet auf, um nicht sein umfangreiches Fachwissen in die unterhaltsam geschriebenen Texte einzustreuen und auf subjektive Kritik zu verzichten. Immer mehr wird das Buch zu einer Zeitreise, denn der Autor versucht die einzelnen Streifen im Kontext ihrer historischen Entstehung zu betrachten und nicht aus einer Distanz von teilweise mehr als einer Generation. Neben einem sehr kurzen “Ausflug” über die Einspielergebnisse zu den Reaktionen des Auslandes auf die Karl May Filme ist der folgende Block mit den Fernsehfilmen von “Karl May im Orient” (1963) bis schließlich “Winnetous Rückkehr” (1998) reich bebildert sehr aufschlussreich. Einen würdigen Platz nehmen die inzwischen auf DVD leicht zu erhaltenen Fernsehserien “Kara Ben Nemsi” und “Mein Freund Winnetou” ein, während die eher freien Stoffe wie “Freispruch für Old Shatterhand” oder “Karl May” von Hans- Jürgen Syberberg die Masse an Adaptionen sehr gut ergänzen. Wie detailliert der Autor dabei vorgeht, lässt sich erkennen, wenn er in Syberbergs anderen Streifen die Hinweise auf Karl May herausarbeitet und kurz erwähnt. Neben den sonstigen Filmen von Fernsehsendungen über die Kinofilme, über nicht realisierte oder abgebrochene Projekte bis schließlich zu den Heim-/Privatfilmen beschließt Michael Petzel sein Buch mit einem Exkurs zu den Drehorten und den Fans, die inzwischen mehr und mehr dazu übergegangen sind, an den authentischen Drehplätzen sich selbst in Pose zu werfen. Der Anhang nimmt mit über fünfzig Seiten fast zehn Prozent des Gesamtwerkes ein. Hier werden die kompletten Credits - soweit ermittelbar - aufgelistet. Wer gerne seine Informationen kompakt hat, hätte diese Informationen unmittelbar im Anschluss an die Filmbeschreibungen als passender empfunden. Wem es alleine um das kompakte Nachschlagen von Informationen geht, wird mit der hier vorliegenden Anordnung besser bedient.

Das “Karl May Filmbuch” ist ein einzigartiges Nachschlagewerk mit zahllosen Informationen, das nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Fotos uneingeschränkt empfehlenswert ist. Die Farbfotos ziehen den Blick des Betrachters/ des Fans und schließlich des Käufers wie magisch ein. Schnell verbinden sich die Abbildungen mit den eigenen Erinnerungen zu einer Mischung, die anschließend zum Blättern, Studieren oder einfach nur Genießen der aus heutiger Sicht sicherlich auch kauzigen Krautwestern und ihres einmaligen Schöpfers einlädt. Das einzige Manko der immerhin schon 12 Jahre alten Ausgabe ist eine fehlende überarbeite Neuausgabe, die die zahlreichen DVD Veröffentlichungen insbesondere der seltenen Filme und ihre teilweise informativen und den vorliegenden Text ergänzenden Extras umfasst. Dann wäre das “Karl May Filmbuch” perfekt, so ist es nahe dran und ein Quell unendlicher Mußestunden, der manches Machwerk immer noch als kleines Meisterwerk in Karl May Kanon erscheinen lässt.

Michael Petzel: "Das Karl May Filmbuch"
Sachbuch, Hardcover, 543 Seiten
Karl May Verlag 1998

ISBN 9-7837-8020-1539

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::