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Sachbücher



Mark Kermode

It´s only a Movie

rezensiert von Thomas Harbach

Mit knapp Mitte Vierzig/ Anfang Fünfzig seine Autobiographie zu schreiben, ist sicherlich für die “Reel Life Adventure of a film Obsessive” . Daher lässt sich das vorliegenden Buch - obwohl die Inspiration überdeutlich zu erkennen ist - nicht mit dem berühmtesten “Weird” Autobiographie eines britischen Unikats vergleichen: Neal Hobbys “Fevre Pitch”, in dem Hornby seine lebenslange Obsession mit seinem Verein “Arsenal London” zu Papier gebracht hat. Mark Kermode - für den “The Exorzist sicherlich der beste Film aller Zeiten ist und auf dessen “Ruhm” er seine literarische Basis gebaut hat - gehört eher in die zweite Kategorie britischer Genrefilmkritiker. Während der ambivalente und leider viel zu glatte Alan Jones sich als markantes Gesicht des Genres in den auflagenstärksten Magazinen wie “Starburst” etabliert hat, ist der vielleicht intelligenste, wenn auch schwierigste Kritiker und Science Fiction Autor John Brosnan viel zu früh an seiner Alkoholkrankheit, seiner Einsamkeit und seinen Minderwertigkeitskomplexen verstorben. Auch wenn Kermode impliziert, das der Titel des Buches der markanten Reklamezeile für Wes Cravens “The Last House on the Left” entnommen worden ist, hat Brosnan mit seiner monatlichen Kolumne “It´s only a movie” bewiesen, wie man auf der einen Seite scharfzüngig und auf der anderen Seite zum Wohle des Genres mit den teilweise grottenschlechten Megabudgetproduktionen abrechnen konnte.

Es ist allerdings nicht so, das Mark Kermode sich nur von einer Filmkritik zur anderen handelt. Der Mann hat einiges zu erzählen. Wie es sich für einen B- Movie gehört, beginnt er mit einem Schuss, der während eines kurzen Gesprächs mit Werner Herzog aus dem Nichts heraus in Richtung Kritiker wie Filmemacher abgefeuert worden ist. Los Angeles ist eben eine gefährliche Gegend. Bevor er diese bedrohlichen Verschwörungstheorien auflösen kann, schlägt Kermode den Bogen in seine Jugend - Freundschaft mit einem heute bekannten Schauspieler, Klassenclown, still und heimlich trotz Verbots der Eltern im Fernsehen B- Filme sehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmkritikern - siehe insbesondere Tim “Video Watchdog” Lucas - scheint Kermode aus normalen bürgerlichen Verhältnissen mit Vater und Mutter sowie Geschwistern zu stammen. Obwohl einige der Episoden unterhaltsam und interessant sind, sowie sein Ansatz, die Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses - siehe bestimmte Filmtrailer, siehe moderne Klassiker wie “Krakatoa: East of Java” - als Ausgangspunkt seiner Erinnerungen zu nehmen, merkt ein aufmerksamer Leser deutlich, das sich Kermode irgendwie nicht ganz wohl in dem neuen, eher literarisch exhibitionistischen Gewand fühlt. Schülerhumor, sich selbst “dümmer” und kleiner machen als es man wahrscheinlich ist. Der schwierige Beginn sowohl in seiner Heimatstadt Manchester als auch London als Verantwortlicher für die Auslieferung der Magazine bzw. die Korrektheit der Kinoprogramme sollen die Kontrast zwischen Ambition - Filmkritiken schreiben - und Realität ausdrücken. Dabei geht Kermode manchmal durchaus kritisch mit den eigenen Arbeiten ins Gericht, ohne das sich der Leser dank ausreichender Zitaten ein unabhängiges Bild machen kann. Nach knapp der Hälfte des Buches beginnt der in einzelnen Episoden angeordnete Plot stringenter zu werden. Die Reise in die USA inklusiv der Interviews mit Wes Craven, Linda Blair - sicherlich eine der unterhaltsamsten Episoden des ganzen Text - und Sam Raimi. Spätestens ab diesem Augenblick - Video Nasties, kein Internet und vor allem gedruckte Magazine - erkennt der Leser, das Kermode im Grunde für die gleichaltrige Generation schreibt, die wie er lange Zeit von Zeitungsausschnitten, Magazinartikeln und der Erinnerung leben musste. Er gehört zu ersten Videocassettengeneration, für die billige B- Picture eine Art Offenbarung und geistige, aber lieb gewonnene Zumüllung des eigenen Gehirns bedeuten. Diese Aspekte betont der Autor immer wieder und folgende Lesergenerationen müssen diese geistige Grundhaltung sich stetig vor Augen führen, um manch freudiges Ereignis überhaupt verstehen zu können. Manches wirkt zu sehr nach Marke Zufall - der erste Radioauftritt mit seiner natürlichen, unbekümmerten aber auch ungeplanten Spontanität - als das es gänzlich glaubwürdig ist. Die Autobiographie lebt auf, als Mark Kermode von seiner Reise zu den Dreharbeiten an “Dark Waters” - ältere Leser werden sich erinnern, wie die Erwartungshaltung dieses im Grunde wirklich europäischen Projektes mit einem jungen italienischen Regisseurs fast ins Unermessliche dank der Setberichte, der Aufsehen erregenden Fotos gesteigert worden - nach Russland. Plötzlich ist der Leser endgültig in den frühen neunziger Jahren mit dem Ende des Kalten Krieges und dem leider vergänglichen Ideal eines neuen “Russlands” angekommen. Plötzlich beginnt das Buch wirklich nicht mehr wie die Erinnerungen eines “Nerds” zu erscheinen, sondern eines nicht unbedingt reifen, aber zumindest an Jahren erwachsenen Mannes, der etwas mehr als nur über den Exorzisten zu erzählen hat. Tagelang in einem frühkapitalistischen und spätkommunistischen Russland unterwegs zu einem Filmset, an dem nicht mehr gearbeitet werden kann, weil der Schwarzmarkt für bestimmte Waren astronomische Preise zahlt. Die Mischung aus Groteske – insbesondere die Fahrt in einem Lada auf drei heilen Reifen – und Tragödie – siebenundzwanzig Stunden in einem Zug mit furchtbar schmutziger Toilette und ohne Lebensmittel – funktioniert im Vergleich zu einigen anderen Passagen des Buches ausgesprochen gut. Kermode sprengt zwar ein wenig die Geduld des Lesers, in dem er die ihm endlos erscheinende Reise immer weiter „dehnt“ – ähnlich geht es ihm bei „Krakatoa- East von Eden“ – und der Leser sich manchmal ein wenig langweilt. Hinzu kommt der fehlende „Höhepunkt“, da Kermode die Ereignisse schließlich zum Mittelpunkt von Partyerzählungen mit viel Alkohol macht. Dieser Kontrast zwischen im Grunde irrealen Erlebnissen und Kermodes nicht immer treffenden und vor allem teilweise zu primitiven, auf die fünf Minuten des Ruhms schielenden Humor überschattet auch das „Attentat“ auf Werner Herzog. Während eines Interviews – jetzt schließt sich der „Kreis“ – geschossen. Während Kermode und sein Kameramann schockiert sind, führt Werner Herzog als Überlebensspezialist das geführte Interview weiter und versucht den Vorfall herunterzuspielen. Erst später bekommt die „Weltpresse“ durch Herzogs teilweise unbedachte Äußerungen Wind von der Sache.
Diesen beiden gelungenen Passagen gegenüber steht das anscheinend absichtliche proletenhafte Benehmens Kermodes. Wenn er sich rückblickend lange Gedanken macht, ob sein Körpergeruch vielleicht einen Interviewpartner aus der kleinen Radiokabine vertrieben hat oder er Helen Mirrens Streifen „the Queen“ nicht als einen echten Film bezeichnet oder Cannes inzwischen vor dem englischen Proll mit Haartolle zittert, es wirkt alles nicht unbedingt lustig. Vielmehr provoziert Kermode – ein Blick auf dessen Homepage zeigt, wer der heimliche Star in seinem so ganz privaten Film wirklich ist – den Leser insbesondere in den Kapiteln über seine Radioaktivitäten und was er wirklich lustig findet. Viele Anekdoten hätten deutlich pointierter und stilistisch ansprechender erzählt werden können. Unabhängig von der Tatsache, das sie irgendwie weder lustig noch wirklich hinsichtlich der Rückschlüsse auf den Autoren intelligent wirken. Da hilft auch nicht, das zumindest in einem Abschnitt seine Frau- eine Filmdozentin – ihm im übertragenen Sinne ins Kreuz springt. Im Vergleich zu manch humorvoll sarkastischer geschriebener Reflektion der eigenen Karriere in einem Haifischbecken voller Narzissten oder den überdrehten, aber einzigartig erscheinenden Kolumnen eines John Brosnan erscheint der vorliegende Bericht insbesondere auch hinsichtlich der stilistischen Einfachkeit – das Kermode inzwischen fast ausschließlich fürs Radio schreibt, ist zu deutlich zu erkennen – fast eindimensional. Sehr viele gute Ansätze – Stallone, der nur noch ernsthafte Filme machen möchte – werden leichtfertigerweise verschenkt. Als leichte Bettlektüre oder besser das Äquivalent eines B- Pictures, die Mark Kermode so sehr liebt, mit eingeschränktem schwarzen britischen Humor aber trotzdem irgendwie auch rührend. Nicht jeden Tag macht sich ein Filmkritiker oder kritisierender exzentrischer Radiostar literarisch betrachtet zu einem kleinen Narren.

Mark Kermode: "It´s only a Movie"
Sachbuch, Softcover, 344 Seiten
RH Books 2010

ISBN 9-7818-4794-6027

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