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Sachbücher



Walter Lord

A Night to remember

rezensiert von Thomas Harbach

Walter Lords 1955 entstandener semidokumentarischer Roman – Bericht wäre eine zu schwache Bezeichnung – „ A night to Remember“ – gehört sicherlich nicht nur aufgrund der kurze zeit später entstandenen Verfilmung zu den Standardwerken der „Titanic“ Forschung. Erst Mitte der achtziger Jahre nach dem Auffinden des Wracks durch den Unterwasserforscher Robert Ballard hat Walter Lord eine Art Fortsetzung verfasst, in welcher er die neuen Ergebnisse der „Titanic“ Forschung aufgegriffen hat.

Der 1917 in Baltimore geborene Walter Lord etablierte sich nach seinem Studium und dem Kriegsdienst als Anwalt, bevor er mit dem Schreiben von Sachbüchern sich etablierte. Nach der Geschichte der „Titanic“ setzte sich Lord in den folgenden Jahren mit dem Angriff auf Pearl Harbour, die Schlacht im Midway sowie die amerikanische Bürgerrechtsbewegung oder die Forschung der Polargebiete auseinander. 1997 engagierte ihn James Cameron als technischer Berater seiner „Titanic“ Verfilmung, wobei sich der Amerikaner teilweise nicht nur an Walter Lords Buch orientierte, sondern vor allem einige Szenen aus Roy Ward Bakers 1958 entstandenem Original ehrenvoll modernisierte.

Walter Lords Buch beginnt in der Nacht vom 14. auf den 15. April und ignoriert die bisherige Reise der „Titanic“. Als übergeordneter Erzähler und im Verlaufe der Handlung Koordinator und Kommentator beginnt Lord seine Geschichte mit den Ausgucken im vorderen Krähenneste der „Titanic“, welche die Sichtung des Eisberges berichten. Die knapp dreißig Sekunden zwischen der Sichtung der Kollision erscheinen allen Beteiligten als auch dem Leser wie eine Ewigkeit. Walter Lord nutzt sie, um die einzelnen Decks der „Titanic“ zu besuchen und die ersten Augenzeugen dieser Nacht einzuführen. Dabei legt der Autor auf sehr viele kleine Details wert, die sich aus den unzähligen Interviews mit Überlebenden wie auch Verwandten gegeben. Er versucht gleichzeitig die Ereignisse der Nacht zu rekonstruieren als auch den Passagieren wie Besatzungsmitgliedern der „Titanic“ eine über die dramatischen Ereignisse hinausgehend ein Gesicht zu geben. Walter Lord greift dabei weniger auf die zahlreichen, unmittelbar nach der Katastrophe in Buchform erschienenen Berichte der Überlebenden zurück, sondern versucht sich dank Interviews mit insgesamt sechzig Überlebenden – zu diesem Zeitpunkt noch möglich – ein eigenes Bild über die Katastrophe zu verschaffen. Dabei ist „A Night to remember“ im Grunde überraschenderweise in zwei gleichlange Teile aufgeteilt. Die erste Hälfte des Buches nimmt die Kollision mit dem Eisberg und das Sinken des Schiffes ein. Im zweiten Abschnitt geht es um das Überleben in den Rettungsbooten, das von Walter Lord eher ambivalent als verurteilend beschriebene Verhalten der Crew der „California“, die als einziges Schiff in Reichweite der untergehenden „Titanic“ im Eis festgelegen hat sowie die Reaktionen der Öffentlichkeit auf die zahlreichen Opfer. Etwas zu pathetisch teilt er das Buch in eine schon am Untergehen befindliche Vor „Titanic“ Ära, die vom Glauben an den unbegrenzten technischen Fortschritt geprägt worden ist und in der Männer echte Gentlemen gewesen sind, sowie in die erschrocken auf die Katastrophe reagierende Nachwelt, die sich eiligst bemüht, aus dem Unglück – wie so oft – Lehren zu ziehen und mit einer Erhöhung der Anzahl der Rettungsboote, einer ständigen Bemannung der Funkstation und letzt endlich einer regelmäßigen Eispatrouille auf den befahrenen Schiffsrouten reagiert hat.

So intensiv die Beschreibungen der Überlebenden während der knapp drei Stunden des Untergangs auch sind, selbst Walter Lord kommt nicht umhin, sie über alle Maßen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Er geht sogar einen Schritt weiter und versucht die Widersprüche gegenüber zu stellen. Eines der ungeklärten Rätsel ist immer noch, das alle von Lord interviewten überlebenden Augenzeugen der festen Ansicht gewesen sind, das die „Titanic“ fast senkrecht in den Himmel ragend unter die Wasseroberfläche geglitten ist. Erst der Fund des Wracks hat Zweifel an diesen Beobachtungen aufkommen lassen. Wahrscheinlich ist das Schiff unmittelbar vor dem Untergang in der Mitte auseinander gebrochen und der Bugteil hat das Heck fast mit Gewalt unter Wasser gezogen. Ebenfalls überraschend ist, dass Walter Lords Zeugen berichteten, dass die Schiffskapelle zwar bis zum letzten Augenblick Musik gespielt haben, aber überwiegend Ragtime. Auch die von vielen anderen Augenzeugen identifizierte kirchliche Musik („Näher mein Gott zu Dir“) wird in der Version von 1955 nicht angesprochen. Auch das Schicksal Kapitän Smiths wird hinterfragt. Besatzungsmitglieder haben ihn nach dem Untergang des Schiffes im Wasser treibend gesehen, vielleicht ein Kind rettend, während viele unmittelbar nach der Katastrophe veröffentlichten Augenzeugenberichte davon sprachen, dass Smith – nach dem er seine Besatzung von ihren Pflichten freigesprochen hat – mit der „Titanic“ untergegangen ist. Kein Wort findet sich über die Umstände, unter denen der Reede Ismay an Bord des Rettungsbootes gekommen ist. Die Legende vom Mann in Frauenkleidern wird nicht nur angesprochen, verschiedene Frauen haben es später ihren überlebenden Männern sogar vorgeworfen.
Auf der anderen Seite zeichnet Walter Lord durch die zahllosen über die Klassen hinausgehenden Interviews ein eher ambivalentes Bild der letzten Stunden der „Titanic“. Die Rettungsboote sind zu einem Drittel unbesetzt gewesen. Das wahrscheinlich volle Boote von dem riesigen Schiff nicht abgefiert werden konnten, bleibt außen vor. Während ein Offizier auch Männer zugelassen hat, nachdem alle Frauen und Kinder in unmittelbarer Umgebung an Bord der Rettungsboote gegangen sind, spricht für die hohe Zahl der überlebenden Männer, während der ebenfalls überlebende Lightoller nicht einmal dreizehnjährige Jungen in den Rettungsbooten zugelassen hat. Das die Passagiere der ersten Klasse bevorzugt worden sind, wird durch die Zahl aller geretteten Kinder aus dieser Klasse unterstrichen, während zwei Drittel aller Kinder der dritten Klasse mit der „Titanic“ untergegangen sind. Das viele Passagiere sehr lange daran geglaubt haben, dass die „Titanic“ überhaupt nicht sinken kann und deswegen mit ihren gesellschaftlichen Tätigkeiten wie Kartenspielen oder einen erlesenen Tropfen zu sich nehmen fort gefahren sind, wird von Walter Lord insbesondere im ersten Drittel des Buches ausgesprochen gut herausgearbeitet. Zu den frühen eindrucksvollen Szenen und in dieser Form so gut wie gar nicht erfasst, scheint die Dimension des Eisberges zu sein. Auf dem Vorderdeck konnten die Passagiere mit Eisklumpen spielen, wenn auch die von Walter Lord angesprochenen Tonnen von Eis, die auf das Schiff runter fielen, übertrieben scheinen. Es stellt sich trotzdem die Frage, wie auf der einen Seite die „Titanic“ nur eine oberhalb der Wasserlinie kaum zu spürende Berührung mit dem Eisberg haben konnte, während unten die Schiffswand mehrfach über eine Länge von dreihundert Fuß förmlich punktiert worden ist und auf das Schiffsdeck Eis regnete. Diese Fakten listet Walter Lord pflichtschuldig auf, er verzichtet aber auf jegliche, sowieso nur theoretische Verifizierung.

Nach dem Untergang der „Titanic“ geht Walter Lord auf verschiedene Widersprüche ein. So wechselt der Fokus immer wieder zur „California“, deren Offiziere – Kapitän und Funker haben sich schlafen gelegt – das Auftauchen der „Titanic“ gesehen haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte der überforderte Funker der „Titanic“ auf die letzte Eiswarnung der „California“ ausgesprochen rüde reagiert und damit wahrscheinlich den letzten Sargnagel in die im Grunde fast unglaublich erscheinende Aneinanderreihung von unglücklichen Zufällen geschlagen – hohe Geschwindigkeit, ungewöhnlich ruhige See, der Eisberg wurde zu spät gesehen, die Reaktionszeit der Schiffes aufgrund ihrer Masse war zu lange, 5 der 6 ersten mit wasserdichten Schotte abgegrenzten Abschnitte der „Titanic“ wurden beschädigt. Zumindest laut Walter Lords These bleibt die Frage offen, warum die Offiziere an Bord der „California“ beim Abfeuern von wahrscheinlich acht Raketen an Bord der „Titanic“ nicht den Kapitän oder zumindest den Funker geweckt haben. Nur Morsezeichen alleine bei einem Schiff, das möglicherweise in Gefahr ist, reichen eindeutig nicht aus.
Ein letzter, wahrscheinlich gravierender Punkt ist die Frage, warum von allen nicht voll besetzten Rettungsbooten nur ein einziges nach dem Untergang des Schiffes zurückgekehrt ist, um nach Überlebenden zu schauen. Angeblich waren viele Frauen gegen eine Rückkehr, die Angst hatten, ihre Boote könnten durch Panikreaktionen der im eiskalten Wasser treibenden Menschen ebenfalls zu Sinken gebracht werden. Als das eine Rettungsboot schließlich zurückgekommen ist, war es für die meisten Menschen – wie vorhersehbar – zu spät gewesen.
Es bleiben aber nach Walter Lords erstem Bericht noch fragen offen. Wie konnten die Menschen in den Rettungsbooten überhaupt die Musik der Band hören, da erstens – eine bislang kaum expliziert benannte Tatsache – das eindringende Wasser Luft aus den Ankerkettengehäusen im Vorschiff gedrückt hat und zweitens das Ablassen von Wasserdampf durch die vier Schornsteine derartig laut gewesen ist, dass es fast allen Überlebenden im Gedächtnis geblieben ist.
Obwohl sich die meisten Überlebenden ausgesprochen detailliert an diese schrecklichen Stunden erinnern, versucht Walter Lord in den lesenswertesten Passagen die sich widersprechenden Aussagen gegenüberzustellen und ein – so weit überhaupt möglich – einheitliches Bild der Katastrophe zu zeichnen. Überwiegend stilistisch neutral mit nur wenigen wirklich nachweislich überlieferten Gesprächen – in Dialogform wiedergegeben – verfällt der Autor nur an einigen Stellen in eine pathetisch klischeehafte Belehrsamkeit, deren spürbares Sendungsbewusstsein aus einer Distanz von über vierzig Jahren nach der Katastrophe – Walter Lord hat ja seine über Jahrzehnte gesammelten Erkenntnis erst 1955 veröffentlicht – am Ziel vorbei schießt.
Zusammengefasst bleibt „A Night to Remember“ aufgrund Walter Lords sachlicher Vorgehensweise – über die Zeit nach dem Unglück erfährt der Leser ein bisschen über die Nachrichtensperre an Bord der „California“, wie auch die Börsenkurse bzw. das Verhalten der Rückversicherer – und seinem Zugang zu einer überdurchschnittlichen Zahl der Überlebenden – immerhin wurden fast zehn Prozent der Geretteten befragt – das Standardwerk zur „Titanic“ Katastrophe, das ohne den Wissensstand der neunziger Jahre nach dem Auffinden des Wracks ein erstaunlich ergreifendes, aber niemals auf emotionale Schockeffekte zurückgreifendes vielschichtiges Bild der Katastrophe präsentiert.

Walter Lord: "A Night to remember"
Sachbuch, Softcover, 208 Seiten
Owl Books 2008

ISBN 9-7808-0507-7643

Weitere Bücher von Walter Lord:
 - The Night lives on

Leserrezensionen

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28.10.11, 10:30 Uhr
WZ
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