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Sachbücher



Tobias Hochscherf & James Legott

British Science Fiction Film and Television

rezensiert von Thomas Harbach

Die Herausgeber Thomas Hochscherf und James Leggott haben in der vorliegenden Sammlung "British Science Fiction Film and Television" eine Reihe von kritischen Essays zusammengestellt, die - wie das Vorwort expliziert herausstellt - die Besonderheiten, aber nicht Einzigartigkeiten der britischen visuellen Science Fiction unterstreichen sollen. Im Gegensatz zu der literarischen Entwicklung beginnend mit Mary Shelley über H.G. Wells, George Orwell bis zur New Wave hat der Science Fiction Film bzw. Science Fiction im Fernsehen ein kritisches Schattendasein geführt. Mit der zweiten Neuauflage von "Dr. Who" schließt sich im Grunde ein Kreis, da "alte" Serien wie "Survivors" oder die "Qautermass" Filme auf unterschiedliche Art und Weise neu aufgelegt, neu interpretiert und vor allem neu verfilmt werden. Inhaltlich stellen diese Remakes nur selten eine inhaltliche Anpassung an die Gegenwart dar. Wie die Herausgeber an den Daleks der Neuauflage zu beweisen suchen, geht es in erster Linie um einen dank moderner Technik besser zu visualisierenden Wiedererkennungseffekt. Die beiden Herausgeber ziehen hinsichtlich der Ausrichtung Ihrer Anthologie ein ausgesprochen breites Fazit. Wie die britische Filmszene im Allgemeinen entgegen der aus Großbritannien kommenden Erneuerungstendenzen der Science Fiction Literatur muss sich der Science Fiction Film auch den wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten unterwerfen. Nicht jeder der von ihnen aufgeführte Film oder jede Fernsehserie ist nur an den geringeren Budgets gescheitert. Mahnende Worte reiche nicht, um gehobene Unterhaltung zu bieten. Und Adaptionen wie John Christophers "The Tripods" sind trotz aller Versuche, Jugendliche und Erwachsene zu gleich einzufangen, manchmal ein wenig zu polemisch geraten, um letzt endlich gut unterhalten zu können. So bleibt der bis auf die Vorkriegsproduktionen inzwischen durch zehn oder elf schauspielerische Inkarnationen gegangene "Doctor Who" als markantes Aushängeschild der britischen Science Fiction über, in dessen TARDIS sich eine Reihe von cineastischen Schätzen der großen wie kleinen Leinwand verbergen. Aber wie in der Wirklichkeit ist nicht jede Traube süß. In dieser Hinsicht fehlt es einigen Essays an einer eingehenderen und nuancierteren Auseinandersetzung mit der Materie.

James Chapman eröffnet die Essay- Sammlung natürlich mit einem Beitrag über den Urvater der Science Fiction H.G. Wells und die verschiedenen Adaptionen seiner Filme. Chapmann geht erst einmal auf die Stellung Wells sowohl in literarischer als auch gesellschaftlicher Hinsicht ein, bevor er sich mehr oder minder ausführlich mit den einzelnen Adaptionen seiner Werke auseinandersetzt. Aus der späten Schaffensperiode Wells ist mit "Thing to come" nur eine seiner dunkleren Geschichten unter Mitarbeit des Autoren adaptiert worden. Seine wissenschaftlichen Romanzen haben zum Teil zahlreiche mehr oder minder genaue Verfilmungen über sich ergehen lassen müssen. Chapman geht - wie es sich für einen derartigen Artikel gehört - nicht zu sehr in die Details, sondern versucht die Unterschiede zwischen Wells philosophischen angehauchten Unterhaltungsromanen und der gänzlich anderern Erwartungshaltung des Publikums herauszuarbeiten, wobei der Autor zu wenig auf die unterschiedlichen Zeiten - immerhin dreißiger Jahre, die Sechziger und schließlich mit Spielbergs Remake des "Kampf der Welten" oder der Variation von "Die Zeitmaschine" des 21. Jahrhunderts - eingeht, in denen die Filme entstanden sind. Wer sich intensiver mit Wells umfangreichem Werk, seinem Leben und schließlich auch den Verfilmungen auseinandergesetzt hat, wird wenige neue Informationen in der solide geschriebenen Arbeit finden.

Schon das Vorwort der Herausgeber weißt auf den Fakt hin, dass britische Science Fiction weniger optimistisch, sondern düsterer als die Arbeiten des amerikanischen Cousins sind. Christian Hoffstadt und Dominik Schrey versuchen in "Aftermaths: Post Apocalyptic Imagery" diesem Phänomen nachzugehen. Chronologisch gehen sie auf die wichtigsten Werke dabei. Das es dabei wie in manchen anderen Artikeln der Sammlung zu inhaltlichen Überschneidungen kommt, ist vorprogrammiert. Nur ähneln ihre Ansätze denen Chapmans zu sehr. Zusätzlich folgen die beiden Beiträge unmittelbar aufeinander. In bezug auf das apokalyptische britische Science Fiction Kino agieren die beiden Autoren fast zu stringent. Prozentual sind britische Doomsdaygeschichten häufiger zu finden als in Amerika. Das es trotzdem thematisch Überschneidungen gibt und vor allem sich die Genrefilme mit einigen Einschränkungen ab den späten sechziger Jahren thematisch ähneln, bleibt außen vor. Dadurch entwerten die Autoren ihre teilweise gehaltvollen, aber mit Union Jack Scheuklappen vorgetragenen Argumente und lassen den Leser ein wenig zu frustriert zurück.

Derek Johnston veröffentlicht mit „The BBC versus Science Fiction“ eine dieser theoretischen Diskussionen, die den Leser frustriert zurücklassen. Johnston versucht die fehlende Nutzung des Begriffs Science Fiction in den Fernsehdramen der BBC mit dem nationalen Bewusstsein zu verbinden, das SF als oberflächliche, vielleicht sogar primitive Lektüre/ Unterhaltung sieht. Da Wells seine Romane lange von der Erschaffung des Begriffs Science Fiction durch Hugo Gernsback geschrieben hat, bringt eine rückwirkende Verbindung von Literatur und Begriff nicht sonderlich viel. Angesichts des theoretischen Themas bleibt Johnston auch zu oberflächlich und kann im Kern keine Argumente für oder gegen die Nutzung des Begriffs Science Fiction in der BBC angesichts der verschiedenen Produktionen von Orwells „1984“ bis zu den Anfängen von „Dr. Who“ finden.

Noch inhaltlich eingeschränkter muss David Simmons angesichts des Fokus auf „Hammer Horror and Science Fiction“ agieren. Im Gegensatz zur Überschrift konzentriert sich Simmons auf Hammers Science Fiction Produktionen, die entgegen Simmons Behauptung schon seit vielen Jahren im Fokus der allerdings thematisch spezialisierten Magazine stehen. Mit entsprechenden Zweifeln arbeitet der Autor Fishers „Frankenstein“ Serie letzt endlich doch als Fusion viktorianischer Science Fiction heraus. Er qualifiziert Fishers erste Hammer Science Fiction Filme mit wenigen Worten ab. So scheint der Autor „The Foursided Triangle“ wie einige anderen Streifen niemals gesehen zu haben. Wenn „Moon Zero Two“ mehr Platz einnimmt als dieser auch heute noch interessante Film, dann kann der mit dem Thema vertraute Leser ermessen, wie verzweifelt Simmons versucht, dieser Prämisse neue Aspekte abzugewinnen. Ein Val Guest findet so gut wie nicht statt, obwohl er insbesondere seine Hammerwurzeln zu überdurchschnittlichen SF Filmen wie „Der Tag, an dem die Erde Feuer fing“ genutzt hat. Eine intensivere Diskussion über die heute dank DVD wieder zugänglichen früheren Hammerproduktionen hätte dem Artikel gut getan.



Michael du Plessis setzt sich in „Robert Fuest and the Finale Programme“ mit einem der markantesten Stilisten der „Pop Up“ Ära des britischen Kinos und seinem einzigen echten Science Fiction Film auseinander. Du Plessis stellt dem Leser die Vorlage – die Jerry Cornelius „Tetralogie“ aus der Feder Michael Moorcocks – sowie dessen Wurzeln im „New Worlds“ Magazin vor. Dabei hat der Autor allerdings ausgesprochen grobflächig recherchiert. So ist „New Worlds“ niemals kommerziell erfolgreich gewesen. Moorcock hat die Einnahmen seiner eigenen Schreibtätigkeit genommen, um die Defizite jedes Jahr auszugleichen. Was den Bogenschlag zur Verfilmung angeht, nimmt sich du Plessis sehr viel Raum, um Fuests nicht unbedingt umfangreiches, aber einflussreiches Werk kurz zu skizzieren. Danach erwähnt der Autor zweimal, dass „The Finale Programme“ ein künstlerisches Fehlschlag gewesen ist, ohne diese These zu begründen. Hinzu kommt, dass jegliche Erwähnung verschieden langer Fassung fehlt und der Autor sich an keiner Stelle zu einer dringend notwendigen persönlichen Stellungnahme durchringen kann. In dieser Form ist das Essay ausgesprochen oberflächlich. Viele Nachrufe auf den vor kurzem gestorbenen Fuest haben seinen Einfluss in weniger, aber signifikantere Worte gefasst. Dem gegenüber stellt I.Q. Hunter seine Untersuchung des Kubrick Streifens „Clockwork Orange“ als Bindeglied zwischen Exploitation und Artfilm. Hunter versucht anfänglich den Begriff Exploitation so zu definieren, dass Kubricks Satire – dieser Begriff fällt im Zusammenhang mit dem Film nie – in diese Kategorie passen könnte. Anschließend distanziert sich der Autor wieder von seiner Definition und versucht in einem eher oberflächlichen Vergleich literarische Vorlage und Adaption in die Zeit ihrer Entstehung einzuordnen, wobei Hunter zu oft auf Streifen zurückgreifen muss, die entweder erst später entstanden sind oder versuchen, die Grenzen ihrer eigenen Genres – Peckinpahs Western – auszudehnen. Das Fazit fällt ein wenig flach. Nicht jeder Kubrick Film muss per Gesetz ein Meisterwerk sein. Insbesondere die Betrachtung seines Spätwerks fällt im Vergleich zu den möglichen Ambitionen ein wenig zu euphorisch aus, während eine Extrapolation der Gedankenkontrolle aus Orwells „1984“ und Huxleys „Schöne neue Welt“ beiläufig und falsch relativiert werden.


Gerry Andersons umfangreichen SF Werk wird in zwei sehr unterschiedlichen, aber indirekt aufeinander aufbauenden Essays vorgestellt. Jonathan Bignell spricht in „Anything can happen in the next Half-Hour” über die verschiedenen “Puppen”serien, die Andersons Ruhm über die Grenzen Großbritannien hinaus geebnet haben. Peter Hutchings geht in „Tracking UFO“ auf dessen erste mit echten Schauspielern besetzte Fernsehserie „UFO“ ein. Während Bignell in erster Linie einen soliden, wenig inspirierten, aber umfassenden Überblick auf die verschiedenen Andersonserien der sechziger Jahre gibt, macht Hutchings dem Untertitel der Sammlung „Critical Essays“ sehr viel mehr Ehre, in dem er auf den Inhalt der einzelnen Folgen insbesondere im Vergleich zu anderer, sehr viel oberflächlicherer Serienkost eingeht und viele ausgesprochen moderne Ideen abgrenzt. Vielleicht ist sein nuancierter Artikel ein wenig zu euphorisch und gliedert die schauspielerischen Schwächen einem Plan unter. Auf der anderen Seite arbeitet er sehr viele positive Aspekte der Serie heraus, die unter den nicht einfachen Produktionsbedingungen in Vergessenheit geraten sind. Zusammengefasst zeichnen die beiden lesenswerten Artikel das Portrait eines vom Fernsehen im Allgemeinen und der Science Fiction interessierten Produzenten nach, der insbesondere hinsichtlich der Kommerzialisierung seiner Produkte den sechziger Jahren deutlich entwachsen ist. Obwohl künstlich ohne Frage insbesondere „Captain Scarlett“ und „Thunderbirds“ zu seinen besten und kreativsten Serien gehören, hat sich Anderson mit der Kinderunterhaltung niemals wirklich wohl gefühlt. Es ist eine bittere Ironie, dass seine mit Schauspielern gedrehten Serien – hier sei noch „The Proctors“ extra aufgeführt – relativ früh scheiterten und niemals das Generationen umspannende Publikum gefunden haben, das sich Gerry Anderson was sehnsüchtig gewünscht hat.
Lincoln Geraghty müht sich, die letzt endlich gescheiterte Verfilmung der John Christopher Jugendbücher um die „Tripods“ – die dreibeinigen Herrscher – aus unterschiedlichen Perspektiven zu untersuchen. Dabei verfehlt der Autor sein Ziel in einem Punkt. Im Gegensatz zu den tricktechnisch modernen amerikanischen Science Fiction Serien der achtziger Jahre wirkten die beiden aufeinander aufbauenden Miniserien höflich gesprochen bieder. Hinzu kam, dass die in die Primitivität zurückgefallenen, von den Außerirdischen dominierten menschlichen Siedlungen immer noch zu gegenwärtig erschienen und das langatmige Drehbuch insbesondere bei der ersten Miniserie aufgrund des geringen Budgets keine echte Spannung aufbauen konnte. Die Charaktere wirkten zu stereotyp. Zusätzlich darf nicht vergessen werden, dass insbesondere das Flagschiff der britischen Science Fiction Unterhaltung auf ein kindliches Niveau mit dem Roboterhund „K9“ und überdrehten, sich selbst parodierenden Geschichten zurück gefallen ist. Zusätzlich litt die Verfilmung der „Tripods“ unter einer Schwemme von Science Fiction Filmen und Fernsehserien, die im Fahrwasser von „Star Wars“ eben nicht nur optimistische Zukünfte anboten, sondern das Genre in jeder Richtung visualisierten. Inzwischen finden „Die dreibeinigen Herrscher“ auf DVD eine neue Generation von Zuschauer, die über die schwachen Trickeffekte selbst für eine unterbudgetierte BBC Serie hinwegsehen können. Christine Sprengler nimmt sich mit „The Future of History in Dennis Potter´s COLD LAZARUS“ einer insbesondere außerhalb Großbritanniens eher unbekannten Fernsehserie an, welche der zu diesem Zeitpunkt schon tödlich an Krebs erkrankte Fernsehautor Dennis Potter als Erbe hinterlassen hat. Interessanterweise sieht die Autorin in den typischen Schwächen britischer SF Fernsehproduktionen mit unterdurchschnittlichen Trickeffekten die großen Stärken der drehbuchtechnisch starken Serie. Hier drängt sich der Vergleich zu „Blake ´s Seven“ auf, die dank Terry Nations insbesondere dialogtechnisch ausgezeichneten Drehbüchern die Zuschauer immerhin für vier jeweils aus zwölf Folgen bestehenden Staffeln in ihren Bann ziehen konnte. Auch wenn Christine Spengler manchmal die kritische Distanz fehlt und einige von Dennis Potters exzentrischen Ideen rückblickend zu wenig kommentiert werden, liest sich ihr Essay bis auf das etwas überstürzte Textende sehr gut. Ihre Schlussfolgerungen sind für Leser, welche die Serie nicht kennen, gut verfolgbar und ihre Argumentation ist überwiegend ins Genre eingebettet. Sie sucht nicht Erklärungen für einen möglichen kommerziellen Misserfolg der Serie, sondern bespricht insbesondere die zweite Miniserie – aufbauend auf „Karaoke“ – in ihrem intellektuellen Elfenbeinturm. Dabei vergleicht sie Potters zeitkritische Anmerkungen mit der Zeit, in welcher die Serie produziert worden ist. Auf eine mögliche Extrapolation seiner Thesen in die Gegenwart verzichtet die Autorin.
Zwischen allen Stühlen sitzt „Dr. Who: The Movie“, welcher die populäre wie britische Science Fiction Reihe für die USA wieder beleben sollte. Peter Wright geht in „Expatriate!Expatriate“ auf die lange Produktionsgeschichte dieses letzt endlich einzigen Fernsehfilms in den neunziger Jahren ein. Der Autor argumentiert sehr breit einer ausführlichen Inhaltsangabe folgend hinsichtlich der Internationalisierung des Projekts, wobei er an jeder Ecke befürchtet, dass ein nicht durch und durch britischer „Doctor“ mit einer Katastrophe gleichzusetzen ist. Auch hier vermisst der aufmerksame Leser eine Abgrenzung dieser ambitionierten und sehenswerten Produktion von der immer kindischer und alberner werdenden Originalserie, die selbst von britischen Fachmagazinen nicht mehr ernst genommen worden ist.

Das „Made in Britain“ angesichts der Globalisierung der Medienwelt verzweifelt um einen eher imaginären Qualitätsstandard zu kämpfen scheint, macht „Invasion of the Brit- Snatchers“ deutlich. Aidan Power versucht die britische Nationalität an Hand dreier mehr oder minder internationaler Produktionen herauszuarbeiten. Dabei macht es einen gewaltigen Unterschied, Danny Boyles „28 Days“ mit „V for Vendetta“ zu vergleichen. Boyle ist nach einem für ihn künstlerisch enttäuschenden Abstecher nach Hollywood in die Heimat zurückgekehrt, um wie einige andere nicht amerikanische Regisseure wieder von ihm zu kontrollierende Filme zu drehen. Luc Besson wäre ebenso zu nennen wie Paul Verhoeven, der mit „Black Book“ allerdings nur noch einen Film in Holland drehen konnte. Daher muss „28 Days later“ eher wie eine britische Produktion ausschauen. Dagegen ignoriert Aidan Power mit Neil Marshalls „Doomsday“ ein Gegenbeispiel. Bei „Doomsday“ wurde eine amerikanische Grundidee – John Carpenters „Die Klapperschlange“ – mit einem australischen Ansatz – „The Road Warrior“ – kombiniert, um einen brutalen Actionfilm zu inszenieren, der bizarr über einen in der Ruine einen schottischen Schlosses spielenden Höhepunkt verfügt. Das Alan Moore Adaptionen seiner Filme nicht mag, steht auf dem einen Blatt. Auf der anderen Seite hat er wie kaum ein anderer moderner Comickünstler seine Werke an das Kino verkauft hat. Während „V for Vendetta“ aus der Feder Alan Moore eng an die Thatcherära gebunden ist, spricht die später entstandene Verfilmung ein breiteres Publikum an. Trotzdem sind die britischen Wurzeln klar zu erkennen. So sehr sich Power auch bemüht, er kann nicht überzeugend dagegen an argumentieren. Ähnliches gilt für „Children of Men“, der weniger ein britischer Science Fiction Film finanziert von amerikanischen Geld ist, sondern eine außergewöhnliche europäisch ausschauende Produktion ist. Power vergisst dabei, das britische Element als solches zu charakterisieren und dem Leser eine entsprechende Basis zu geben. Insbesondere bei einer global angelegten Thematik wie „Children of Men“ ist diese Vorgehensweise wichtig, während auf der anderen Seite „V for Vendetta“ eine weiterhin kritische, aber auch vielschichtig angelegte politisch kritische Rächerstory geworden ist, die trotz eines Hauch von Amerikanismen immer noch dunkel, zynisch, britisch und doch thematisch breiter angelegt worden ist, als es Alan Moore in seiner inzwischen von der Realität überholten Version vorgesehen hat. Die hier versammelten kritischen Essays wirken in dem Moment zu ambitioniert, vielleicht sogar absurd, wenn die positiven Aspekte der zu rezensierenden Filme aufgrund des zugrunde liegenden Themas – in diesem Fall der Verlust der britischen „Identität“ und Nationalität – zurücktreten müssen.

Mit subjektiven Empfinden setzen sich die beiden nächsten Arbeiten von Brigid Cherry – sie analysiert die Fanreaktionen auf Danny Boyles „28 Day later“ und Rebecca Williams – ihr geht es um die Attraktion weiblicher Fans auf den während des Verfassens des Artikels aktuellen Doctors, gespielt von David Tennant – auseinander. So interessiert diese Sujets auch sein könnten, ihre Umsetzung ist befremdlich bis unbefriedigend. In Hinblick auf Danny Boyles Film ist das befragte Publikum erstens zu uneinheitlich und zweitens die Informationsmasse zu weit gestreut. Es nützt nichts, wenn sich die Fans erst einmal hinsichtlich des Genres orientieren müssen und dann eine Abgrenzung gegenüber amerikanischen Produkten in einer derartig pauschalisierten Form erfolgt. Rebecca Williams hat es noch schwerer. Erstes fokussiert sie sich auf die Onlinefans und zweitens versucht die weibliche Reaktionen zu finden, die über den Charakter hinaus eine Attraktivität des Schauspielers vermuten lassen. Kein Vergleich mit den ironischerweise in einer homosexuellen zwischen Kirk/ Spock ausufernden Fanzines der ersten „Star Trek“ Ära oder dem Personenkult, der von weiblichen Fans in Bezug auf eine Reihe von Mainstreamfernsehserien gepflegt wird. Was dem Artikel vor allem fehlt, ist ein neutrale und vor allem objektive Auseinandersetzung mit dem Thema. Immer wieder hat der Leser das Gefühl, als habe sich die Autorin ein Thema gesucht, das zu wenig Fleisch für ein überzeugendes Essay geboten hat. Also wird reichlich Füllstoff verwandt, um diesen wenig interessanten Artikel auf eine annehmbare Länge zu bringen.
Der abschließende Artikel schlägt nicht nur qualitativ einen Bogen zur Auseinandersetzung mit Gerry Andersons „UFO“ Serie. Lee Barron setzt sich mit den verschiedenen Themen der „Torchwood“ Serie auseinander, die als Ableger der Neuinterpretation von „Dr. Who“ gestartet schnell ein Eigenleben angenommen und sich an ein erwachseneres Publikum gewandt hat. Der Autor geht nicht nur auf die Unterschiede zwischen „Vater“ und „Sohn“ Serie ein. Er stellt die verschiedenen Themen gegenüber und zeigt an Hand einer Reihe von ausgewählten Episoden die vorhandenen Stärken, aber auch kritisch hinterfragend einige der repräsentativen Schwächen dieser Serie auf. Eines der besten Essays dieser Sammlung.

Betrachtet der Leser rückblickend das übergeordnete Thema dieser Essaysammlung mit dem Fokus auf britische Science Fiction als kulturelles Phänomen, dann bleibt nur das Fazit, dass die meisten Essays auf einem sehr hohen Niveau gescheitert sind. Egal wie sehr sie sich bemühen, die einzigartigen Aspekte der britischen Science Fiction in einem engen Zusammenhang mit der englischen Science Fiction Literatur herauszuarbeiten, es bleiben mehr Fragen offen als Antworten gefunden werden. Die Scheuklappenargumentation einiger Autoren verbaut den Blick auf das Ganze. So fehlt im Grunde der Blick über den Küstenrand in die USA, wo die britische Art der Science Fiction sehr viel mehr Spuren hinterlassen hat als die angebliche Dominanz der amerikanischen Fast Food Produkte hätte zu lassen dürfen. Als globale Unterhaltungsliteratur und damit einhergehend auch weltweites Medienphänomen lässt sich das typisch britische im Grunde nur an wenigen Strömungen - hier seien der exzentrische Quatermass und natürlich allen Inkarnationen des Dr. Who genannt - festmachen. Alle anderen hier beschriebenen Fernsehserien oder Kinofilme profitieren oder leiden unter der Wechselwirkung des angloamerikanischen Kulturaustausches. Qualitativ fehlt einer Reihe von Essays das Herz. Die Autoren argumentieren auf einem überdurchschnittlichen Niveau, das manchmal wie die Quadratur des Kreises erscheint. Anstatt über den Tellerrand ihrer Thesenfolge hinauszuschauen und eigene Meinung auszuformulieren, greifen sie zu einer Vielzahl nicht immer übereinstimmender Zitate und versuchen so eine Art roten Faden zu finden, der letzt endlich bis auf wenige Ausnahme das typisch Britische nicht finden kann. Wer sich schon vorher mit den hier besprochenen Serien, Autoren oder Filmen auseinandergesetzt hat, wird frustrierend wenig neue Informationen erhalten. In erster Linie gibt die Sammlung von thematisch sehr breit aufgestellten, wenig kritischen Essays für Neuankömmlinge einen zufrieden stellenden Überblick über fast sieben Jahrzehnte Science Fiction Filme bzw. später Fernsehserien „made in Great Britain“.

Tobias Hochscherf & James Legott: "British Science Fiction Film and Television"
Anthologie, Softcover, 227 Seiten
MacFarland 2011

ISBN 9-7807-8644-6216

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