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Sachbücher



Patrick McGilligan

Fritz Lang- the Nature of the Beast

rezensiert von Thomas Harbach

Der Stummfilmpionier Fritz Lang erlebt dank der umfangreichen Restauration seines markantesten und bekanntesten Films “Metropolis“ eine Art Renaissance. Vor knapp dreizen Jahren 1997 veröffentlichte Patrick McGilligan im Vergleich zu Peter Bogdanovich zu euphorischer Werkschau „Fritz Lang in America“ eine kritische Biographie, dessen Tenor eine vergleichende Auseinandersetzung zwischen Leben und Werk, Fritz Langs sorgsam entwickelter Lebensfiktion und der teilweise sehr bitteren Realität sowie eine Negation des Lebensmottos Langs „My private Life has nothing to do with my films“ ist. Auf knapp fünfhundert Seiten umfangreich recherchiert entlarvt Patrick McGilligan nicht nur Fritz Langs Lebensmotto als blanke Lüge, sondern arbeitet die zahlreichen Verbindungen zwischen Leben und Arbeiten auf dem Set insbesondere mit weiblichen Stars oder Sternchen, die sich willig dem egozentrischen und egomanischen Regisseurs buchstäblich „unterwarfen“, um in seinen Filmen aufzutreten, akribisch heraus, ohne den Stab über den Menschen Lang gänzlich zu brechen.

Fritz Langs Persönlichkeit setzt sich aus sehr vielen sehr unterschiedlichen Facetten zusammen. Ein begnadeter, aber auch unberechenbarer und nicht zu kontrollierender Regisseur mit einem Hang zum absoluten Perfektionismus. Ein sadistischer Kontrolleur, der insbesondere seine weiblichen Hauptdarsteller auf dem Set schikanierte, um im Gegenzug teilweise grandiose schauspielerische Leistungen ihnen abzuverlangen. Ein Mann, der Selbstgerechtigkeit übte, Menschen hasste, die ihn betrogen oder anlogen, der aber im Gegenzug Teile seiner eigenen Herkunft wie auch seiner eigenen Vergangenheit nach eigenem Gutdünken mittels eines ganzen Heeres von Pressesprechern bzw. willigen Sekretärinnen umgeschrieben hat. Ein Mann, für den eheliche Treue nur für die Frau/ Geliebte galt, der mit seinem Charme und seiner Beharrlichkeit viele Ehen seiner Kollegen, Freunde und Schauspieler in seinen Filmen zerstörte. Ein Mann, der sich willentlich als Opfer der Nazis wie auch der Kommunistenhetze in den USA gesehen hat, was Patrick McGilligan eindrucksvoll und packend widerlegt. Vielleicht ist der Untertitel „Nature of the Beast“ zu weit gegriffen, denn Fritz Lang hat wahrscheinlich nur indirekt einen Menschen getötet – seine erste Frau – und viele seiner sadistischen Exzesse beruhen eher auf Hörensagen denn Fakten. Auf dem Set es Despot, aber bei weitem nicht der einzige Exzentriker im Regiestuhl. Vor allem negiert Patrick McGilligan mit seinem pathetisch kitschigen Epilog viele der soliden und lesenswerten Thesen und Fakten, die er in mühevoller Kleinarbeit über einen langen Zeitraum gesammelt und verarbeitet hat. Dabei hat sich McGilligan niemals direkt mit Fritz Lang getroffen. Sein Buch basiert auf zahlreichen Interviews mit ehemaligen Kollegen, Zeitzeugen und Journalisten, die entweder Fritz Lang wie Peter Bogdanovich direkt begegnet sind oder sehr viel über ihn geschrieben haben. Da die meisten von Langs teilweise sehr ausführlichen Notizen und Tagebuchähnlichen Einträgen in der Zwischenzeit verloren gegangen sind oder aus Nazideutschland nicht „exportiert“ werden konnten, fehlt eine ausgleichende Balance. Der Leser ist auf die Authentizität der Fakten angewiesen. Bruchstückhaft kommt Lang selbst zu Wort. Dabei stehen im Mittelpunkt des Buches die zahlreichen Anekdoten und Legenden, die Lang augenscheinlich als Verschleierung der teilweise nicht immer angenehmen Wahrheit, über sich in Umlauf gebracht und ständig wiederholt hat.

Schon in seiner Jugend ist die Existenz eines älteren, aber körperlich deformierten Bruders verschwiegen worden. Im Ersten Weltkrieg hat sich Fritz Lang für die österreichische Armee tapfer geschlagen und ist mehrmals ausgezeichnet worden. Nach ersten Drehbuchentwürfen und während seiner Urlaube als Offizier der Armee als Nebendarsteller in verschiedenen Theatern kam Lang mit dem neuen Medium Film in Kontakt. 1919 wandte sich Fritz Lang von seiner Heimatstadt Wien ab und begann in Berlin seine Filmkarriere. Zuerst als Drehbuchautor, kurze Zeit später als Regisseur. 1920 lernte er Thea von Harbou kennen, die kurze Zeit später nicht nur seine über ein Jahrzehnt dauernde willige Helferin und Verfasserin seiner Drehbücher werden sollte, sondern kurze Zeit später auch seine Geliebte. Mit „Der müde Tod“ etablierte sich Lang als einer der wichtigsten Regisseur des deutschen Expressionismus. Eine der zwei größten Überraschungen McGilligans Biographie ist das Auftauchen einer ersten Frau Lang – bislang hat Lang immer behauptet, Thea von Harbou wäre seine erste Ehefrau gewesen -, die unter sehr mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Ohne direkt Anklage zu erheben, recherchiert Patrick McGilligan erstaunlich Fakten, die den verschiedenen Vertuschungsversuchen Hollywoods in seiner wilden frühen Zeit in nichts nachstehen. Mit „Dr. Mabuse“, „Den Nibelungen“ und schließlich „Metropolis“ etablierte sich Lang als einer der wichtigsten Stummregisseure, ohne dass alle Werke wirklich kommerzielle Erfolge gewesen sind. Der Autor untersucht die Zusammenarbeit zwischen Thea von Harbou und Fritz Lang intensiv, der Leser vermisst aber teilweise zufriedenstellende und/ oder kritische Fazite. Die Zitate der damaligen Presse reichen nicht in jedem Fall aus. Die Inhalte aller Lang Filme werden aber angemessen zusammengefasst, wobei McGilligan nicht zwischen Meisterwerk – „M“ - und Auftragsarbeit „Young and Me“ – unterscheidet. Viel interessanter sind McGilligans Vermutungen, woran die Partnerschaft zwischen Lang und von Harbou tatsächlich zerbrochen ist. Jahrzehnte hielt sich die Legende, das Langs Frau zu offensichtlich mit den aufstrebenden Nazis liebäugelte und im Gegensatz zu Lang Deutschland nach der Machtergreifung auch nicht verlassen hat. Anscheinend spielt aber von Harbous Beziehung zu einem deutlich jüngeren Inder – ihrem zweiten Mann, auch wenn die Trauung heimlich vollzogen worden ist – eine wichtigere Rolle. Fritz Lang, bekannt für seine Affären mit blutjungen Schauspielerinnen, fühlte sich in seiner männlichen Ehre gekränkt, auch wenn die Ehe zu Thea von Harbou in sexueller Hinsicht seit vielen Jahren nur noch auf dem Papier bestanden hat.

Den dreißiger Jahren mit Meisterwerken wie „Das Testament des Dr. Mabuse“ und „M“ – zumindest Fritz Lang hat „M- eine Stadt sucht einen Mörder“ später laut McGilligan als sei einziges Meisterwerk bezeichnet – sowie der „Flucht“ aus Deutschland über Frankreich in die USA widmet der Autor einen sehr breiten Raum. „M“ steht als epochales Filmwerk außerhalb jeder Kritik. Viel interessanter ist, das Fritz Lang später sowohl mit Bertold Brecht – dessen Theater in Form der „Drei- Groschen- Oper“ den Film stark beeinflusst hat und dessen Hauptdarsteller Peter Lorre in Brechts Stücken für Furore sorgte – an „Auch Henker sterben“ zusammenarbeiten sollte und wollte als auch später von Peter Lorre für einen anderen, in den USA gedrehten Film eine Abfuhr erhalten hat. Es sind diese Zwischentöne, welche aus der reinen Faktensammlung eine lesenswerte Biographie machen. McGilligan bemüht sich in den zahlreichen Konflikten, beide Positionen herauszuarbeiten. Aber trotz eines Zugriffs auf zahlreiche Informationen, Biographien und Ausschnitte aus Zeitungen vermisst der Leser eine teilweise intensivere Auseinandersetzung. Manches wirkt immer noch spröde, distanziert und nicht immer konsequent analysiert. Vor allem reiht McGilligan nicht selten zahlreiche negative Charakterzüge Langs nacheinander auf, ohne in die Interpretationsphase überzuwechseln.

Positiv verzichtet der Autor aber auch auf Sensationsjournalismus, wenn er die Legende um das Verbot von „Das Testament des Dr. Mabuse“ und Langs angebliche Flucht vor Goebbels und den Nazis in einer Nacht- und Nebelaktion als Fabel bzw. Lebenslüge entlarvt. Es ist richtig, dass „Das Testament des Dr. Mabuse“ als einer der ersten Filme der Reichsprüfungsstelle vorgelegt werden musste und dort aufgrund seines nihilistischen Schlusses beanstandet worden ist. Fritz Lang hatte aber schon vorher beschlossen, Deutschland aus verletzter künstlerischer Eitelkeit sowie Problemen mit der Finanzierung weiterer Werke den Rücken zu kehren und nach Frankreich zu gehen. Einblicke in Langs Pass und die Reisen seiner treuen, im Grunde devoten Gefährtin Lily Latte beweisen, dass Land nicht im Frühjahr 1933 nach dem Angebot Göbbels, Deutschlands erster Regisseur und Vorsitzender der Reichsfilmkammer zu werden, verlassen hat. Er ist mehrmals aus und eingereist. Seine persönlichen Dinge und vor allem sehr viel Geld hat er sich bis Mitte 1935 aus Deutschland schicken lassen bzw. per Boten abgeholt. Politisch war Fritz Lang eher ein Neutrum, der sich im Mittelpunkt jegliches Interesses sah. Zur Ehrenrettung Langs merkt McGilligan aber an, das er sich unter anderem mit der Gründung eines Komitees in den vierziger Jahren für seine vertriebenen künstlerisch tätigen Landsleute eingesetzt und Geld gespendet hat. Dabei bewegten sich seine Aktivitäten auf dem Niveau eines Thomas Manns. Im Gegensatz zu Mann hat Fritz Lang aber mit großer Freude die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen und alle Deutsche viel zu voreilig als Nazis beschimpft. Über Langs einzigen in Frankreich inszenierten Film „Liliom“ schreibt der Autor relativ kritisch, auch wenn Fritz Lang den Streifen zu seinen bemerkenswertesten Arbeiten zählt. Erstaunlicherweise nimmt McGilligan am Ende der Biographie ein Motiv aus diesem Film auf und verwurstet es im wahrsten Sinne des Wortes in einer dem Inhalt der Biographie unwürdigen Art und Weise.

Fritz Langs Amerikazeit mit dem Großteil der von ihm inszenierten Auftragsarbeiten und nur wenigen Produktionen, die den signifikanten wie berühmten Lang- Touch aufnehmen, ist noch mehr gekennzeichnet von Langs schwieriger, aber faszinierender Persönlichkeit, seinen zahlreichen Affären unter anderem mit Marlene Dietrich sowie seinen ständigen Auseinandersetzungen mit den Mitgliedern seiner Teams und seinen aus Langs Sicht uneinsichtigen Produzenten. Wie schwer es dem deutschen bzw. im Grunde preußischen Regisseur gefallen ist, aus der Gigantomie der UFA Zeit mit ihm als absoluten Herrscher in einen kommerziell orientierten, wenn auch kaum teilweise wirtschaftlich nicht verständlichen Hollywoodmedienzirkus einzutauchen, arbeitet McGilligan sehr gut heraus. Von Beginn an wie ein Elefant im Porzellanladen provoziert Fritz Lang einflussreiche Leute, bis er in den großen Studios – obwohl niemals ein wirklicher A- Filmregisseur – zu einer Persona Non Grata geworden ist. Dabei sucht der Regisseur die Fehler in den seltensten Fällen bei sich. Er ist rücksichtslos genug, selbst die zeitwilligen Geliebten als Saboteure seines Filmschaffens an den Pranger zu stellen. Erst als niemand mehr mit ihm arbeiten wollte, versuchte er die alten Feindschaften zu schlichten, um die ihm plötzlich wieder vertrauenden Menschen im Stich zu lassen, mit seiner zu akribischen bis Detailversessenen Arbeitsweise zu provozieren und zu „betrafen“. Nur in einem Nebensatz erwähnt McGilligan, das Land wahrscheinlich die ursprünglich von ihm erarbeiteten Schnittphasen nur selten mit den später aufgeführten Filmen unterscheiden konnte. So wirkt die sich wiederholende Kritik an den Produzenten, welche ihm seine Filme mittels neuer Schnitte zerstört haben, rückblickend hohl und pathetisch. Beweise für diese Tatsachen kann der Autor allerdings nicht beibringen und so hängt diese Bemerkung ebenso wie andere Thesen ohne inhaltliche Bindung zu der eigentlichen Biographie im Raum. Das Lang sowohl die Provokation als auch den Widerspruch liebte, sich opportunistisch in Szene setzte und erst spät – allerdings ohne einen wirklichen Anlass zu haben – den ständigen Konflikt auf den Sets zu Gunsten einer fast masochistischen Haltung einstellte, sind einzelne Facetten einer schwierigen, aber markanten Persönlichkeit, die in dieser umfangreichen Biographie herausgearbeitet worden sind. Dass Lang das Monokel sicherlich als Zeichen Preußens – obwohl Lang selbst Österreicher gewesen ist – liebte, gehört zu seinen Markenzeichen. Auf die schwere Augenverletzung, die ihm in späteren Jahren zu schaffen gemacht hat, geht der Autor genauso wenig ein, wie die Tatsache, das die Fotos zeigen, das Land das Monokel immer in seinem linken Auge getragen hat, während er in seinen letzten Jahren das rechte Auge unter eine schwarzen Augenklappe schützen musste. Trauriger Höhepunkt ist die Tatsache, das Fritz Lang fast blind 1964 als Präsident der Jury von Cannes berufen worden ist, ohne das er die Filme auf der Leinwand wirklich noch sehen konnte.

Fritz Lang ist trotz seines offensiven und Amateure schwer tolerierenden Wesens ein sehr interessanter Opportunist. So nutzte er die jüdische Abstammung seiner früh zum Katholizismus übergewechselten Mutter bei Bedarf. Wenn das Ergebnis seiner Mühen ein großartiger Film geworden ist, der von der Öffentlichkeit geliebt wurde, dann war es alleine Langs Verdienst, für das er die Leistungen seiner Kollegen, seiner Schauspieler und vor allem der Crew gerne und immer ignorierte. Patrick McGilligan arbeitet heraus, dass seine deutschen Filme vor der Machtübernahme durch die Nazis den zahlreicheren amerikanischen Arbeiten qualitativ überlegen sind. Immer wenn Lang auf Ideen und Themen seiner deutschen Meisterwerke zurückgegriffen und den amerikanischen Produktionen einen so klassisch europäischen Touch gegeben hat, lebten Streifen wie „Scarlett Street“, „Manhunt“, „Hangman also dies“ aber auch der verspielte „Moonfleet“ – Langs bester Farbfilm – förmlich auf und unterstreichen Fritz Langs visuelle Extraklasse. Hinsichtlich der amerikanischen Werke beschränkt sich der Autor neben einer kurzen Inhaltsangabe auf die diversen Kriegsschauplätze Langs, ist sich in seiner Kritik aber nicht zu schade, auf die Handschrift des Meisters selbst in den belangloseren Western hinzuweisen. Immer verzweifelter auf der Suche nach Arbeit hat der deutsche Regisseur in dem Moloch Hollywood seine künstlerische Identität verloren. Vereinzelnde Höhepunkte wie „The Big Heat“ ragen insbesondere aus seinen Arbeiten der fünfziger Jahre heraus. Aber Lang hat sich bei seinen amerikanischen Filmen immer selbst im Wege gestanden und konnte anscheinend nur im Kampf „Allein gegen alle“ seine kreativen Stärken ausspielen. Er war augenscheinlich ein Mann, der es liebte, auf den Sets gehasst zu werden. Während McGilligan diese Seite des Regisseurs sehr gut herausarbeitet, bleibt die Beschreibung des Privatlebens trotz oder gerade wegen einer Unzahl von Fakten distanziert, sich stetig wiederholend und manchmal wichtige angesprochene Punkte auf dem Weg zum nächsten Film liegen lassend.

Auf die Frage, was er an Deutschland in den Staaten vermisst, antwortet Lang in seiner so typischen, arroganten und narzisstischen Art: I miss walking down the street and being called Meister“. In Deutschland gehörte er zur Elite und stand in der elitären Berliner Gesellschaft immer im Mittelpunkt. In den USA hat er über die Jahre immer um seinen Platz an der Sonne kämpfen müssen und gelernt, das weniger Talente, aber stromlinienförmige jüngere Regisseure ihm die besten Projekte weggenommen haben. Das er selbst manche gute Chance – siehe „Winchester 73“, schließlich mit James Stewart unter der Regie von Anthony Mann ein Meilenstein des Western – aus Ignoranz und Dickköpfigkeit weggeworfen hat, steht auf einem anderen Blatt. Die Affinität für die USA und das Westerngenre basiert auf Fritz Langs Jugendlektüre: von den Pulps bis natürlich Karl May. Als kranker, aber hofierter Mann kehrte Lang schließlich nach Deutschland zurück, um noch zwei Filme zu drehen. Neben einem Remake von „Das indische Grabmahl“ ein letztes Mal einen Mabuse Streifen wie Atze Brauner.

In wie weit die Biographie wirklich die „Nature of the Beast“ untersucht, analysiert und in Worte fasst, muss dem individuellen Eindruck des Lesers überlassen werden. Die Recherchearbeit und eine Unzahl „neuer“ Fakten machen die Lektüre insbesondere für Anhänger des frühen deutschen phantastischen Films zur Pflicht. McGilligans Stil ist teilweise ein wenig zu schlampig, zu distanziert und stellenweise impliziert belehrend. Immer wieder scheint der neutrale Biographie McGilligan auch ein wenig neidisch auf Langs offensichtliche, aber nicht näher erklärbare sexuelle Ausstrahlung auf junge, sehr attraktive Frauen, die nicht nur durch das Bett des jeweiligen Regisseurs Karriere machen wollen. So hat Lang eine Affäre mit Marlene Dietrich, begnügt sich aber, Marilyn Monroe in einer ihrer ersten Rolle physisch fertig zu machen und nicht zu verführen. Unabhängig von den angesprochenen Schwächen ist die vorliegende Biographie eine Sisyphusarbeit, die Beachtung verdient. McGilligan gelingt es sehr gut, Fritz Langs Position im Pantheon der Regisseure zu beschreiben, auch wenn das Objekt der Begierde sich auf einer Stufe mit Gott selbst gesehen hat. Aber das ist – nach der Lektüre verständlich – nun einmal Fritz Lang gewesen.

Patrick McGilligan: "Fritz Lang- the Nature of the Beast"
Sachbuch, Hardcover, 560 Seiten
Faber and Faber 1997

ISBN 9-7805-7119-1758

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