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Sachbücher



Ken Russell

Altered States

rezensiert von Thomas Harbach

„Altered States“ ist nicht nur der Titel eines seiner populärsten Filme mit William Hurt, in der sich der Charakter auf einen Höllentrip – der deutsche Titel – ins eigene Bewusstsein und schließlich in die Vergangenheit der Menschheit begeben hat, sondern auch passenderweise der Titel seiner 1991 veröffentlichten Biographie. Die recht persönlichen Gedanken und Anekdoten des 1927 in Southampton geborenen und damit eigentlich für die Seefahrt bestimmten Ken Russells erschienen zu einem Zeitpunkt, als das Regie Enfant Terrible sich nach einer in Chaos und Streit zu Ende gegangenen Kinokarriere wieder dem Fernsehen zuwandte und später Low Budget Undergroundstreifen selbst finanzierte. Zwanzig Jahre nach ihrem Erscheinen und dank DVD einem stärkeren Interesse insbesondere an seinen zahlreichen Biographienfilmen der siebziger Jahre ist das natürlich nicht stringent geschriebene „Lebensschicksal“ eine Leseerfahrung wert. Im Jahre 2008 hat Ken Russell seine Autobiographie unter dem eher biederen Titel „A British Picture“ überarbeitet und aktualisiert neu veröffentlicht. Aber noch voller Energie und neuen Projekten aufgeschlossen liest sich „Altered States“ eher wie die Achterbahnfahrt seines Lebens mit den Triumphen und Tragödien, die sich beliebig abwechseln.


Wie sein ganzes privates und künstlerisches Leben sind die Auftaktkapital der Autobiographie von den alltäglichen Widersprüchen seiner Existenz geprägt. So flieht Ken Russel aus dem eigenen Haus für eine Dokumentation über seine Heimat und damit sich selbst. Er nimmt Kontakt mit seinen Eltern auf – die Mutter inzwischen geistig verwirrt, der Vater krank -, besucht seine Verwandten – sein Lieblingsonkel liegt im Sterben und hat die letzte Segnung erhalten – und schließlich auch die Stadt, in der er aufgewachsen und vom Kino geprägt worden ist. Am Ende dieser informativen einleitenden Kapitels kommt Ken Russel nicht zum ersten Mal zur Erkenntnis, dass die Dämonen – in diesem Fall seine Frau und seine beiden heranwachsenden Kinder – weniger schlimm sind als die dunklen, ihn beschämenden Schatten der Vergangenheit, denen er auf seiner Flucht unfreiwillig begegnet.
Wie viele Stationen seiner langen Karriere begann sein professionelles Leben nach zahlreichen Fehlschlägen – unter anderem Mitglied der königlichen Marine und Modefotograf – eher mit einem Fehlschlag. Das Interview für die Dokumentarserie „Monitor“, zu dem er aufgrund drei Amateurfilme eingeladen worden ist, erweist sich im Grunde als Desaster. Russels Ideen scheinen zu progressiv, zu außergewöhnlich und trotzdem erhält er einen Regieauftrag, weil das Thema zwar nicht griffig, aber die Produktion billig ist.
Wie bei seinen Filmen fordert Ken Russell seine Leser immer wieder heraus. Er springt von seiner kurzen, nicht erfolgreichen Karriere bei der Marine – die Hinterlassenschaft sollen 1000 Pfund seiner Eltern für Uniformen gewesen sein, die er niemals getragen hat – über eine fragmentarisch fast fiktiv wirkende Gesprächsrunde – hier werden Erinnerungen sowohl an „the Music Lovers“ als auch „Women in Love“ wachgerufen – während der Überfahrt von England in die USA bis zu seinen Eltern, seinen familiären Problemen und dem Rohschnitt seines Streifens „Valentino“. Eingeflossen sind seine ersten Erfahrungen mit der Führung von Amateurschauspielern während einer provokanten Aufführung bei der Marineakademie, in der seine Vorlieben für Geschlechtertausch, schmierige Provokationen und dem Spiel der Erwartungen seines Publikums überdeutlich zumindest aus der Perspektive des Erzählers hervortreten. Obwohl Russell sich immer im Mittelpunkt des Geschehens sieht und auf seine teilweise kindisch störrische Position einer selbstironisch karikierend als kritisch reflektierend eingeht, gelingt es ihm auf den ersten Seiten überzeugend, das nicht selten zu starre Schema einer klassischen Autobiographie zu durchbrechen, seine Fans angemessen und mit kleinen Details – ein ganzes Filmteam versucht einen störenden Stuhl auf dem Set auszutauschen, nur damit sich die positive Energie insbesondere in Richard Chamberlain ansammelt, mit der er seine Rolle als Tschaikowsky intensiver spielen kann – zu unterhalten und gleichzeitig in seinem Leben scheinbar ziellos und orientierungslos hin und her zu springen. Einzig sein erster Kinofilm „French Dressing“ – eine im Grunde humorlose Komödie, mit welcher der nur Dokumentationsfilm erfahrene Russell hoffnungslos überfordert gewesen ist – befindet sich an der erwarteten Stelle. Gleich nach den zahlreichen Fernseharbeiten, die eher im Zeitraffer dahinfliegen und vor seiner schwierigen Karriere insbesondere irgendwo im Niemandsland zwischen noch biederen britischen Kino, das er später mit „The Devils“ vergleichbar Kubricks „Uhrwerk Orange“ in den Grundfesten erschüttern sollte, sowie dem nur vordergründig innovativen New Hollywood, für das der Regieexzentriker Ken Russell insbesondere nach „Tommy“ zu unberechenbar in kommerzieller Hinsicht geworden ist. Obwohl Ken Russell als leichte Hilfestellung noch vor dem zu übertrieben bewundernden Vorwort Twiggy Lawsons seine Filme auflistet, fehlt es dem oberflächlichen Kenner, aber nicht Bewunderer seines Werkes schwer, die einzelnen Gedankensprünge sowie diese intellektuellen Exzesse auslösenden Katalysatoren wirklich zu ordnen und ihnen auf Augenhöhe zu folgen.
Was seine Spielfilmkarriere angeht, so stellt Ken Russell dar, das „French Kissing“ ein Misserfolg und „Das Milliarden Dollar Gehirn“ eine absolut kommerzielle und nicht künstlerisch ansprechende Arbeit gewesen ist. So erscheint es als kein Wunder, dass er im Rahmen seiner Autobiographie im Grunde den Reigen mit der D.H. Lawrence Adaption „Women in Love“ eröffnet. Ironisch übertrieben – Alan Bates und Oliver Reed streiten vor der Catcherszene im Schlamm um ihre sichtbare Männlichkeit – negiert Ken Russell einige von ihm aufgestellte Thesen – jetzt zählen Versicherungsgründe für einen Chauffeur während der Dreharbeiten genauso wenig, wie mit einem Star auf der Fronthaube mit sechzig Stundenkilometer durch die Nacht zu fahren – und führt seine Argumentation ad absurdum. Der Zuschauer erhält aber einen soliden Einblick in den Castingprozess, wobei Spaghetti eine wichtige Rolle gespielt haben. Auf die literarische Vorlage geht Russell ebenso wenig ein wie auf die auch für die sehr frühen siebziger Jahre in einem immer noch konservative Großbritannien provokante Thematik. Viele wichtige Aspekte oder einzelne Facetten fügt Ken Russell erst „später“ seiner Autobiographie hinzu. Im Gegensatz zu den wenigen Sätzen über sein Spielfilmdebüt und die vollkommene Ignoranz gegenüber „Das Milliarden Dollar Gehirn“ wirkt der Abschnitt über „Women in Love“ fast wie ein Drehbericht, allerdings entweder unglaubwürdig überspitzt oder romantechnisch ausgeschmückt.

Wie stark aber sein Werk – bis auf die späteren Hollywoodauftragsarbeiten wie der ironischerweise Titelgebende „Altered States“ – von seinem Leben indirekt beeinflusst worden ist, zeigen die Vergleiche zwischen seiner an die Militärzeit anschließenden kurzzeitigen Ballettausbildung und der Produktion von „Savage Messiah“, in dem es ebenfalls um einen von der Welt verkannten und in Armut gestorbenen Künstler geht. Viel überraschender geht der Regisseur kaum auf die Tatsache ein, dass in der ersten Periode – bis auf „Tommy“ sowie „Women in Love“ – die meisten seiner Streifen im Grunde fleischgewordene Fortsetzungen seiner zahlreichen Dokumentation und Biographien gewesen sind. Dabei reicht das Spektrum von Mahler über Liszt bis zu Valentino, dessen Voraufführung bei der Produktionsfirma United Artist die literarische „Gegenwert“ dieser ersten Hälfte der Autobiographie bildet. Zum einen berichtet Russell von den Schwierigkeiten, mit einem Mann wie Nureyev vernünftig zu arbeiten, der jede Szene diskutieren und in einen höheren Kontext stellen wollte, zum anderen schließt sich in New York der Kampf gegen die Produzenten an, welche die provokanten Szenen – um die Russell mit seinem Star buchstäblich für jeden Zentimeter gefochten hat – einfach herausschneiden sollten. Der Kreis schließt sich, dass Russell von diesen Bearbeitungen erst durch einen fanatischen wie offensichtlich schwulen Fan und Komparsen seiner Arbeiten erfahren hat, den er wiederum mit einer Fiktion homosexueller Verführung in Jugendzeiten durch einen anerkannten Künstler zu provozieren suchte. So ausgefeilt die Biographie an dieser Stelle insbesondere aufbautechnisch auch sein mag, die kleinen Fehler zwischen den Zeilen zeigen, dass es sich manchmal zu sehr um Erzählungen und nicht Tatsachen handelt. So kann Steven Spielberg auf Seite 113 noch keinen als einziger in Hollywood arbeitender Filmemacher Einfluss auf seine Produktionen gehabt haben, da er bislang nur erfolgreich den Fernsehfilm „Duell“ und künstlerisch gelobt/ kommerziell eher unterdurchschnittlich „Sugarland Express“ inszeniert hatte. „Jaws“ kam erst ein Jahr später.
Wie schwierig allerdings die Dreharbeiten mit Rockstars gewesen sind, zeigen die pointierten Anmerkungen zu „Tommy“, mit dem sich Ken Russell als Klassikmusikfan dem Rock genähert hat. Das Sahntüpfelchen ist das unabsichtliche tatsächliche Abbrennen einer Tanzhalle an der Atlantikküste als Finale der Rockoper, das die Presse mit Russells exzentrischem Benehmen in Verbindung gebracht hat. Ken Russell bemüht sich, das eigene Bild in der Öffentlichkeit zu relativieren, wobei der Leser das unbestimmte Gefühl hat, als beschreibe Russell in erster Linie die Ungerechtigkeit, die ihm als Künstler widerfahren ist. Seltener, aber zumindest spürbar geht er auf die Hilfe ein, die er im Laufe insbesondere seiner frühen Karriere erhalten hat. Das er wahrscheinlich auch einer Reihe von Menschen auf die Füße getreten ist und sich als nicht einfacher Verhandlungspartner erwiesen hat, wird unter den Tisch gekehrt. Höhepunkt ist die Geburt seiner zweiten Tochter. Die Krankenschwester ist überrascht, dass er nicht das Enfant Terrible ist, als den ihn die Presse darstellt.
Vorher ist der Autor mehrmals auf seine Ehe mit Shirley eingegangen, von der er sich schließlich für die halb so alte neue Freundin und ehemalige freie Pressemitarbeiterin an seinen Filmen getrennt hat. Sie ist auch die Mutter der zweiten Tochter. Obwohl Russell mehrmals betont, dass seine Ehe lieblos gewesen ist und die Kinder ihn eher verachten als respektieren, fehlt dem außen stehenden Betrachter die Balance. Shirley kommt nur mittels bissiger Bemerkungen – wer kocht für dich? – und eifersüchtigen Positionskämpfen zu Wort. In der Welt Russells hat sie – bis auf den verspielten Beginn ihrer langjährigen Beziehung mit ihm als Fotograf und ihr als angehendes Modell – zwar eine respektvolle Position als Muse, pragmatische Ehefrau und Mutter, aber sie bleibt distanziert und leider zu eindimensional. Erstaunlicherweise gelingt es Russells Freundin eher, den Mann nach dem ihm unerklärlichen mehrere Jahre andauernden Bann – „Valentino“ erwies sich als Flop, der Russell weitere Projekte versperrte – auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Russell blieb trotz der ihm unerträglichen Gängelung am Set von „Altered States“ und konnte weder einen kommerziellen, noch einen künstlerischen Erfolg landen, aber zumindest eine beträchtliche Gage einheimsen und sich bei den großen Studios vorläufig rehabilitieren. Zwischen den Zeilen lässt sich angesichts der Dreharbeiten der Hollywoodproduktion erkennen, wie stark Russell Menschen verabscheut, die ihn erstens bevormunden oder zweitens ihm intellektuell nicht das Wasser reichen können.
Relativ spät geht Russell in einem engen Zusammenhang mit seiner Hochzeit mit Shirley – in der Gegenwartshandlung hat er sich ja von ihr privat befreit – auf sein frühes wie gehasstes Meisterwerk „The Devils“ ein, das ihn endgültig vom katholischen Glauben befreit hat. Es ist erstaunlich, dass er diesen Film bestehend aus Schweiß, Blut, Tränen, Samen und Tod mit nur wenigen passenden Worten zusammenfasst, seine Intention herausarbeitet und die teilweise beträchtlichen Kürzungen und späteren Verbote mit keinem Wort erwähnt. Vergleicht ein kritischer Leser den Abschnitt über „The Devils“ mit der Suche nach der perfekten „Evita“ (Russell wollte Liza Minnelli, der exzentrische Produzent die Paige), dann wirkt die eine Episode fast verzweifelt ausgewalzt – die Suche nach „Evita“ -, während die andere Passage nach Selbstbeschränkung schreit. „Evita“ fällt in die Periode, in der Ken Russell bis auf den angesprochenen „Altered States“ keine Angebote für Filme erhalten hatte. Hier wird die Autobiographie fast intim, wenn Russell auf einen Seite eher verzweifelt, fast unglaubwürdig stoisch seinen künstlerischen Stolz zu erhalten sucht, er auf der anderen Seite allerdings die ganzen Dilettanten anschauen muss, die mit keinem Talent und einer kriecherischen Haltung den Produzenten gegenüber in Hollywood Erfolg haben. In den achtziger Jahren hat sich das Enfant Terrible dann der Oper auf italienischen Bühnen zugewandt, wobei er sich zumindest der Autobiographie folgend noch mehr als Bürgerschreck erwiesen hat als in seinen Filmen. Der Leser kann kaum seinen Ideen folgen und manchmal beschleicht einen das Gefühl, als suche Ken Russell nur die Aufmerksamkeit, ohne wirklich überzeugen zu können. Nach Hollywood kehrte er nach dem Scheitern einer Reihe von Produktionsdeals mit „Crimes of Passion“ (Anthony Perkins und Kathleen Turner) zurück, die eine Reihe von interessanten, wenn auch nicht perfekten Low Budget Filmen einleiteten. Am Ende dieser kurzen, aber schwierigen Blütephase stand schließlich „The Whore“ mit Theresa Russell, auf deren Produktion Russell nicht mehr eingeht.
Das letzte Drittel des Buches wirkt teilweise ein wenig lustlos geschrieben. Die amerikanische Produktionsfirma Vestron hatte ihm einen Produktionsdeal über drei Filme („Gothic“, „The Lair of the White Worm“ und die D.H. Lawrence Produktion „The Rainbow“) allerdings mit Budget zwischen 2 und 2.5 Millionen britischen Pfund angeboten sowie im Grunde seine Verbannung auf interne schwarze Listen aufgehoben. Während Russell auf „Gothic“ nur in Nebensätzen eingeht und sich eher ironisch über die Produktionsbedingungen – Nebel gibt es ausreichend in London – geäußert hat, wird „The Lair of the white Worm“ nur gestreift. Erst wenn es sich um eine Herzensangelegenheit wie „The Rainbow“ handelt, geht Russell nicht nur ins Detail, sondern versucht seine aktive an allen Fronten routinierte Arbeit in den Vordergrund zu stellen. Das wirkt manchmal insbesondere im Zusammenhang mit schwierigen, nicht unbedingt extrovertierten Produzenten wie die Quadratur des Kreises. Wenn die Filme kommerziell oder von Kritikerseite her nicht erfolgreich gewesen sind, liegt es meistens an den anderen. Zumindest gibt Ken Russell hinsichtlich seiner Videocliparbeiten zu, dass er immer wieder zu provozieren sucht und es ihm Spaß macht, die Sittenwächter auf die Palme zu bringen, was wiederum zu seinem Status einer Persona Non Grata geführt hat. Auf der einen Seite amüsiert sich Russell über das nur vordergründig progressive, in erster Linie kapitalistische Filmumfeld, auf der anderen Seite auf Druck seiner zweiten Frau scheint er sich mit der Rolle eines Ernährers anzufreunden und den Künstler ein wenig in den Hintergrund treten zu lassen. In Bezug auf seine Familie finden sich auf den letzten Seiten der Autobiographie eine Reihe von eher kryptischen Anmerkungen. Den Erfolg seiner zweiten Ehefrau als Buchautorin und Fotographen bewundert er, auch wenn er zumindest impliziert, dass er gerne der einzige freischaffende Künstler seiner Familie sein möchte. Auf der anderen Seite scheint Russell sich mehr und mehr von seiner zweiten Frau zu entfremden, der kurze Lebensabschnitt als fürsorglicher Vater wirkt wie ein Aufflackern. Der Tod und die Beerdigung seines Vaters sind die letzten emotional ansprechenden, ironisch provozierend beschriebenen Szenen, in denen der Leser den Menschen Russell hinter seiner niemals wirklich lauten, aber immer schreiend bunten Art erkennen kann. Das Ende des Buches ist abrupt, als wenn Russell angesichts des überzogenen Abgabeschlusses einfach das Schreiben eingestellt hat.
„ALtered States“ ist im Gegensatz zu vielen anderen Biographien eher eine Einladung, sich mit Russells vielschichtigen und umfangreichen Werk – passend ist vor wenigen Jahren eine DVD Sammlung mit einigen seiner Dokumentationen in Großbritannien erschienen – soweit unbearbeitet auf Videocassette oder DVD zugänglich zu beschäftigen. Das Buch ist stilistisch ansprechend geschrieben. Wenn ein Thema Ken Russell wirklich interessiert, geht er nicht nur in die Details, sondern schmückt diese farbenprächtig aus. Über die Stiefkinder unter seinen Filmen finden sich nur wenige Sätze bis mittelprächtig geschriebene Kapitel. Es sind leider die Arbeiten („The Devils“, „Gothic“ oder „The Lair of the White Worm“), die in erster Linie Genrefans ansprechen könnten. Mal persönlich, mal extrovertiert, überwiegend ehrlich, aber wenig selbstkritisch. Wie seine Filme ein bunter Regenbogen, an dessen Ende man bislang vergeblich das Gold gesucht hat.

Ken Russell: "Altered States"
Sachbuch, Hardcover, 337 Seiten
Bantam 1992

ISBN 9-7805-5307-8312

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