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Sachbücher



Pam Grier & Andrea Cagan

Foxy

rezensiert von Thomas Harbach

2010 veröffentlichte die amerikanische Schauspielerin Pam Grier zusammen mit Andrea Cagan ihre Memoiren. Als Untertitel hat sie “My Life in three Acts” ausgesucht, der Titel “Foxy” ist eine Verbeugung vor einem ihrer bekanntesten Exploitationhits “Foxy Brown”, obwohl sie immer ihre Rolle in “Coffy” als ihre anspruchsvollste und beste angesehen hat. Die Karriere der Tochter eines farbigen Berufssoldaten ist auch in drei Schüben verlaufen. Zu Beginn als Blackploitationstar von Roger Corman und Jack Hill im wahrsten Sinne des Wortes als Rezeptionsangestellte der “AIP” entdeckt dominierte sie zusammen mit ihrer langjährigen Freundin Tamara “Cleopatra Jones” Dobson den weiblichen Blackploitationmarkt, der ironischerweise von den überwiegend von Weißen dominierten Großstudios wie Produktionen wie “Shaft” und den Drive In Produzenten wie “American Internatial Pictures” in den ersten Jahren dominiert worden ist. Mitte der siebziger Jahre wurde es mit dem Abflachen dieser Welle still um Pam Grier, bevor eine neue Generation von Filmemachern sie neu entdeckte. Aus dem fast selbst gewählten Exil holte sie Tim Burton für “Mars Attacks“ zurück, bevor ihr Tarantino nach eigenem Bekunden ein Drehbuch auf den attraktiven Körper geschrieben hat.
Nicht nur Quentin Tarantino setzte ihr ein cineastisches Denkmal mit “Jackie Brown”, sondern John Carpenter besetzte sie im unterschätzten “Escape from L.A.” In diesem Jahrtausend konnte sie noch einmal die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums mit einer signifikanten Rolle in der Serie “The L- Word” erregen.
Aber wie ihre Karriere vollzog sich auch ihr Leben in drei Schüben. Im Gegensatz zu ihren filmischen Erfolgen, die sie bescheiden und wenig ins Detail gehend abhandelt, konzentriert sich Pam Grier auf ihr Privatleben, das mit der Emanzipation der Farbigen in den USA im Grunde einhergeht. In den fünfziger Jahren als Kind eines Zeitsoldaten lernte sie nicht nur alle zwei Jahre einen neuen Stützpunkt kennen, sondern von Beginn an die rassistischen Vorurteile in den USA: Erst in England begann sie sich als junges Mädchen zu entwickeln und eigene Persönlichkeit auszubilden.
Im Gegensatz zu den brutal agierenden überheroisierten Rächerinnen ihrer ersten Filmphase - siehe sowohl “Coffy” als auch “Foxy Brown” oder “Sheba” - konnte sie die zwei erlittenen Vergewaltigungen - einmal mit sechs Jahren auf dem Gehöft ihrer entfernten Verwandten und dann mit knapp achtzehn Jahren während eines ersten Dates - niemals wirklich verwinden. Nach der ersten Vergewaltigung begann sie introvertierter zu werden und zu stottern. Nach der zweiten Vergewaltigung schwor sie erst einmal Männern ab. So verstörend die Beschreibung dieser beiden Traumata auch sein mag, dem Buch fehlt der der Bogenschlag zur Rekonstruktion der “Pam Grier”, die sie zumindest im Privatleben zu sein scheint: Selbstbewusst, entschlossen auf eigenen Beinen zu stehen, aber auch hilfsbereit und ehrgeizig. Mit knapp zweihundertachtzig Seiten für eine Autobiographie nicht unbedingt umfangreich wirken diese Szenen eher wie Keulenschläge, welche dem Leser verdeutlich sollen, dass er es mit einer Persönlichkeit zu tun hat, die erstens alle Rückschläge einsteckt und zweitens immer trotz aller Emotionen sie selbst sein möchte. Das beginnt mit der aus ihrer Sicht unzureichenden Erziehung insbesondere für farbige Mädchen und Frauen und endet zum ersten Mal in ihrer Liebesbeziehung zu einem der populärsten farbigen Basketballspieler, der in den siebziger Jahren zum Islam konvertiert ist. Das Frauenbild des Islams greift sie ebenso scharf an wie die männliche Naivität bis Dummheit. Das es Pam Grier in ihren ersten Jahren mit drei Jobs - um Geld für ein College zu sparen, dessen Abschluss sie als Schlüssel fürs eigene von Männern unabhängige Leben gesehen hat - steht außer Frage. Das sie sich aber derartig von ihrer Filmpersönlichkeit und den Verlockungen Hollywoods abschotten konnte, erscheint unglaubwürdig. Sie hat ihrer Filme promoted, aber über die Ausbeutung der Frauen als Sexobjekte, die sich letzt endlich gegen ihre Unterdrücker mit Waffengewalt zu wehren beginnen - siehe die ersten auf den Phillippinien gedrehten Produkten - schreibt sie kein Wort. Auch das liebevoll Remake „Original Gangstas“ aus den neunziger Jahren, in dem sie mit vielen Blaxploitationstars wie Fred Williamson in einem erstaunlich unterhaltsamen etwas selbstironischen Streifen vor der Kamera stehen durfte, wird wie „Escape from L.A.“ nicht expliziert erwähnt. Angesichts ihres über die Jahre adäquaten, aber nicht überbordenden Schaffens eine Überraschung und Enttäuschung zugleich.

Pam Grier hat zugesehen, wie sich Freunde und zwei Liebhaber - einmal ein heute eher unbekannter Komiker namens Freddie und dann sehr viel bekannter Richard Prior - dank falscher Freunde mit Drogen und Alkohol selbst zugrunde gerichtet haben. Sie selbst hat - zumindest laut dieser Biographie - den Versuchungen immer widerstanden -, aber der Einsatz für die Freunde wirkt ein wenig halbherzig. Obwohl sie die Einnahme der Drogen verabscheut und insbesondere Richard Pryor immer wieder zu helfen versucht hat, erkennt der Leser auch die unabhängige Pam Grier, die vor der Selbstaufgabe eher dem Freund schweren Herzens Lebewohl sagt.
Hier lässt sich eher erkennen, dass Pam Grier auf der einen Seite sicherlich als Kampfsportanhängerin und Verfechterin der Gleichberechtigung sehr viel Freunde gemacht hatte, die billigen, aber auch heute noch sehenswerten Exploitationstreifen zu drehen, das sie aber im Gegensatz zu ihren Filmcharakteren niemals den letzten, dem Grunde selbstzerstörerischen Schritt gegangen wäre. Mit der Affäre zu Richard Pryor endet im Grunde der ersten Abschnitt ihrer Hollywoodkarriere, von der im vorliegenden Buch insbesondere für Anhänger ihrer Filme herzlich wenig unbekannte Informationen zu finden sind. Es empfiehlt sich, diesen Abschnitt in Kombination mit der exzellenten Jack Hill Biographie aus dem Haus McFarlands zu lesen, die ehr viel detaillierter auf die Arbeiten an Pam Griers ersten und später auch wichtigsten Actionstreifen der siebziger Jahre eingeht.
In den achtziger Jahren begann sich ihr Leben dramatisch zu ändern. Der erste Film, auf den sie länger als ein paar Zeilen eingeht, ist „Fort Apache, Bronx“ mit Paul Newman, in dem sie einen kurzen Auftritt als drogensüchtige verzweifelte Prostituierte hatte. Gleichzeitig erkrankte sie an Krebs. Sehr intensiv beschreibt Pam Grier ohne Kitsch und Pathos die Auseinandersetzung mit dieser Krankheit, die sie im Gegensatz zu ihrer jung verstorbenen Stiefschwester letzt endlich besiegen konnte. Schon von Anfang skeptisch dem Jetsetsystem Hollywood gegenüber kritisch eingestellt zieht sie sich auf eine sehr kleine Farm in Wyoming zurück, wo sie sich zwischen den Auftritten um heimatlose Tiere kümmert.
Zu den ehrlichsten Passagen der Memoiren gehört sicherlich ihre positive wie negative Abrechnung – Auseinandersetzung wäre ein zu schwaches Wort – mit den Männern, die sie in ihrem Leben – nicht selten gegen alle Logik – geliebt hat. Dabei portraitiert sie sich selbst als immer faire Partnerin, die sehr viel in die Beziehungen investiert und wenig erhalten hat. Die Gründe sind erstaunlich unterschiedlicher Natur. Pam Grier kann sicherlich zwischen guten Sex – hier hat sie insbesondere in Bezug auf sehr junge Mädchen erstaunliche, provokante wie erzkonservative Ansichten – und einer guten Partnerschaft unterscheiden. Während die bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – ein Basketballstar, zwei Komiker – an ihren eigenen Unzulänglichkeiten bzw. ihrer religiösen Veränderung gescheitert sind, überrascht die Beziehung zu zwei normaleren Männern – einem Architekten und einem Manager – den Leser doch etwas.
Durch ihre Krankheit bedingt suchte Pam Grier Unterstützung bei ihrem damaligen Freund, der sie komplett ignorierte. Die Autorinnen versuchen diese Mischung aus Wut und Verzweifelung in Worte zu fassen, während Pam Grier die echten Freunde zur Seite gestanden haben. Der Weg zu diesem absichtlichen Verlassen wirkt steinig. Zwar beschreibt Pam Grier die egozentrischen Neigungen ihres damaligen Freundes, es fehlt aber wie bei einigen anderen Stellen des Buches der Brückenschlag zu den Hintergründen. Auch die langjährige Beziehung zu ihrem letzten Freund – einem Manager – wirkt nicht ganz schlüssig. Auf der einen Seite liebt er sie und lebt sogar in der Zeit seiner Arbeitslosigkeit auf ihrer Farm, dann behauptet er, Pam Grier könne nicht in seinen Kreisen verkehren und er würde „Bekannte“ durch sie verlieren. Liegt es an ihrer Hautfarbe? In Bezug auf die gesellschaftlichen Kreise, in denen sich Pam Grier nicht immer freiwillig und aus Überzeugung bewegt hat, kann es eigentlich mit abendlichen Treffen mit John Lennon und Besuchen auf Sammy Davis jr. Partys nicht wirklich gelegen haben.
Zwar reflektiert Pam Grier ihre Beziehungen ein wenig selbstkritisch im Epilog, ist aber trotz ihrer Ehe- und Kinderlosigkeit mit den Entscheidungen zufrieden, die sie in ihrem Leben getroffen hat. Wie ein roter Faden zieht sich ihre weltoffene Haltung – trotz der Repressalien als Farbige in den USA, dank der verschiedenen Länder, die sie als Kind besuchen durfte – genauso durch ihr Leben wie das nicht arrogante Selbstbewusstsein, das ihr ihre Mutter eingeimpft hat. Immer erst auf eigenen Füßen stehen und für das eigene Leben selbstverantwortlich sein, bevor man sich in die Abhängigkeit der Ehe und eines Mannes gibt. Sie zieht Beziehungen als den Versuch an, aus den notwendigen Kompromissen das meiste zu machen. Und einen entsprechenden Gegenpart hat sie nicht gefunden.
Was ihre Karriere angeht, so schwanken ihre Bemerkungen zwischen Bewunderung – sie ist über Modenschauen nicht direkt nach Hollywood, aber zumindest in die Nähe der kalifornischen Universitäten gekommen – für das System Hollywood an sich und kritischer Distanz. Sie geht nicht auf die Repressalien - bis auf einen kleinen Exkurs zu Sammy Davis jr - ein, denen insbesondere Farbige in den Studios ausgesetzt worden waren und manchmal auch sind. Diese unpolitische Haltung mag angreifbar sein, auf der anderen Seite hat sie in den ersten Jahren ihrer Karriere nur die Sonnenseiten kennengelernt und wollte anscheinend niemals die ganz große Filmkarriere starten. Ihre Theaterarbeiten haben ihr mehr bedeutet als ihre letzten Filme, wobei es ihr egal gewesen ist, ob sie zum Beispiel als böse Hexe in „Something wicked this way comes“ mit gespielt oder für Steven Segal vor der Kamera gestanden hat. Diese fast übertriebenen „Gleichgültigkeit“ ihrem künstlerischen Schaffen gegenüber relativiert sie mit sehr warmen Worten der Fernsehserie „The L- Word“ gegenüber, deren Potential und sozialkritische Haltung sie trotz sechs Staffeln als nicht ausgeschöpft angesehen hat.
Als aktive Tierschützerin und engagierte wie aktive Kämpferin sozial ausgegrenzten Menschen gegenüber ist Pam Grier in den letzten Jahren aktiv geworden. Zusammengefasst blickt sie – zumindest diesen Eindruck hinterlässt die Autobiographie – auf ein gutes Leben zurück, das sie nicht in die Kriminalität, die Drogenabhängigkeit – obwohl insbesondere Richard Pryor indirekt daran gearbeitet hat – oder die Armut führte. Dafür ist sie Gott dankbar. Obwohl sie sich sowohl mit dem Islam als auch dem Buddhismus aufgrund ihrer Freunde beschäftigt hat, ist sie Zeit ihres bisherigen Lebens Katholikin geblieben, den sie als „neutrale“ Religion hinsichtlich der Rechte/ Pflichten von Frauen und Männern sieht.

Pam Grier stellt immer wieder heraus, dass sie weder Coffy noch Foxy Brown ist. Diese Antwort ist nur halbrichtig. Während sich in Coffy einige Züge ihrer Mutter – ebenfalls eine Krankenschwester – widerspiegeln, ist die unabhängige wie selbstbewusste sich für soziale Gerechtigkeit einsetzende Frau sicherlich ein friedliches Spiegelbild der allerdings älteren, gereiften Pam Gier. „Foxy“ ist teilweise ein sehr intimes, sehr offenes Buch, das allerdings auch stellenweise den Eindruck hinterlässt, etwas zu stark konstruiert und zu sehr fokussiert zu sein. Obwohl sie ihre dominierende Persönlichkeit nicht immer in den Mittelpunkt stellt, kann der Leser zwischen den Zeilen ihre Entschlossenheit und Dominanz erkennen. „Foxy“ ist allerdings keine Werkschau der „Queen of Blackploitation“ und gibt nur rudimentäre Einblicke hinter die Kulissen insbesondere der Thriller der siebziger Jahre, für die sie heute noch berühmt ist. Vielmehr beschreibt die Autobiographie der Reifeprozess einer sehr früh selbstbewussten Frau, die einige schreckliche Erfahrungen zu überwinden hatte, die aber mit sich selbst zufrieden in die Zukunft blickt und den Unbilden ihrer Karriere nicht nachtrauert.

Pam Grier & Andrea Cagan: "Foxy"
Sachbuch, Hardcover, 282 Seiten
Springboard 2010

ISBN 9-7804-4654-8502

Leserrezensionen

Leserrezensionen
24.12.11, 05:48 Uhr
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