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Sachbücher



Brian W. Aldiss

Bury my Heart at W.H. Smith´s

rezensiert von Thomas Harbach

“Bury my Heart at W.H. Asmith´s” aus der Feder des britischen Science Fiction Autoren Brian W. Aldiss trägt den Untertitel “ A Writing Life” und ist 1990 das erste mal publiziert worden. Fünf Jahre später folgte „A twinkling of an eye“, das Leben eines Engländers. Beide autobiographische Werke überschneiden sich kaum. Es lohnt sich allerdings, mit dem späteren, deutlich autobiographischeren Werk zu beginnen, um einen Eindruck von Brian W. Aldiss Leben zu erhalten, das sich in einer Reihe seiner Werke widerspiegelt. Wer jetzt allerdings erwartet, dass „Bury my Heart at W.H. Smith´s“ sich intensiver mit dem Entstehen von Brian W. Aldiss sehr umfangreichen, sehr nuancierten und über das Genre hinausreichenden Werkes beschäftigt, wird teilweise enttäuscht. Bei vielen Büchern – insbesondere seiner „Helliconia“ – Trilogie, mit welcher Aldiss wieder ins Genre zurückkehrte – geht der britische Autor kaum auf die Planung oder Entstehung des Werkes ein. Zwar wird erwähnt, dass das Recherchieren und Schreiben der insgesamt drei sehr umfangreichen Romane mehr als sieben Jahre seines Lebens gekostet hat, wird auf die schwierige Entstehungsweise bis auf die grundlegende Idee nicht weiter eingegangen. Zumindest bei seinen ersten erfolgreichen Romanen wie „Non Stop“ oder „Hothouse“ verknüpft der Autor seine literarisches Werk mit seinem Leben. Teilweise geht Aldiss in seinem deutlich autobiographischeren zweiten Roman detaillierter und nuancierter auf die Entstehung seiner wichtigsten Werke ein als in dem vorliegenden, zu kompakt verfassten Buch. Nicht das es langweilig ist. Zu Beginn wiederholen sich zwar die Passagen, die in einer kleinen Buchhandlung in Oxford spielen. Hier hat Aldiss sein erstes eigenes Geld verdient, und ist aktiv wie passiv mit wichtigen Literaten in Kontakt getreten. Passiv, weil das umfangreiche Sortiment zum Lesen und Studieren einlud, aktiv, weil insbesondere in den harten Nachkriegsjahren Oxford ein Hort britischer Autoren der Gegenwart gewesen ist. Viele der kleinen Anekdoten kennt der Leser aus „Twinkling of an Eye“ – oder da die Zeit in Aldiss Werk immer eine entscheidende Rolle spielt: wird diese Episoden in dem zweiten Roman kennen lernen. Humorvoll, mit Distanz, aber auch viel Herz erzählt unterstreichen sie Aldiss literarische Ambition, auf der einen Seite im Genre sich ein Standbein aufzubauen, auf der anderen Seite aber vielseitig erfolgreich und im Grunde grenzenlos zu arbeiten. Obwohl arm und kaum in der Lage, von den Honoraren, sondern fast ausschließlich von den an Gebrauchtbuchhandlungen verkauften Rezensionsexemplare lebend wirkt Aldiss glücklicher, geistig beweglicher als in den späteren Jahren, in denen er in verschiedenen Organisationen wie „World SF“ tätig gewesen ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren versucht der Brite sehr sympathisch den eigenen Erfolg weder zu erklären noch zu sehr in den Vordergrund zu stellen. In beiden Büchern erwähnt er, dass der erste HUGO im am Morgen vor die Haustür gestellt worden ist. Aldiss wusste überhaupt nicht, dass er für diesen relativ neuen Preis überhaupt nominiert worden ist. In „Twinkling of an Eye“ erwähnt er einen unbekannten britischen Fan, der auf der Rückreise den Preis vor seine Haustür gestellt hat, in „Bury my Heart at W.H. Smith´s“ wird dieser morgendliche Fund nicht weiter erläutert. Insbesondere die sechziger Jahre mit den größten Erfolgen Aldiss im Science Fiction Genre fliegen dahin. In seiner späteren Autobiographie wird der Autor intensiver und detaillierter auf den politischen und sozialen Einfluss des Swinging Londons eingehen. Im vorliegenden sekundärliterarischen Text isoliert er seine Werk teilweise zu stark vom Zeitgeist und sieht sich nur bedingt als Teil der New Wave Bewegung, die ihre Wurzeln in dem von Michael Moorcock herausgegebenen und dank seiner Fantasy- Romane am Leben erhaltenen Magazin „New Worlds“ hat.
Insbesondere Aldiss nicht Genre bezogenes Werk bezieht sich stark auf seine eigenen Erinnerungen als Mitglied des verlorenen Regiments in Asien während des Zweiten Weltkriegs und seine zahlreichen Reisen mit seiner zweiten Ehefrau. Beide Aspekte kommen in dem in erster Linie auf die Literatur konzentrierten Werk zu kurz. Die Leser, welche mit „Twinkling of a Eye“ ihre Aldiss Retrospektive begonnen haben, können die ausführlichen und lebhaften Beschreibungen ohne weitere Probleme auf diesen kürzeren Text übertragen. Wer Aldiss Leben und Werk ausschließlich aus der Perspektive dieses Texts betrachtet, wird die ironischen Zwischentöne nicht verstehen können. Die Selbstanalyse beginnt erst fünf Jahre später.
Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren hat Aldiss - auch um als freier Schriftsteller ein karges Dasein zu fristen – auf beiden Seiten der Front gearbeitet. Als Kritiker wie auch als Autor. Diese Ambivalenz hilft ihm, zumindest teilweise die Schwächen der eigenen Werke aus einer zeitlichen Distanz von bis zu 30 Jahren zu betrachten. Er relativiert seine Ambitionen und schlägt den Bogen zu seinen literarischen Vorbildern. Zusammengefasst wirkt das eigentliche Leben eines Schriftstellers mit der Betonung von harter stetiger Arbeit und weniger freier Inspiration zweidimensional und teilweise wie eine Möbiusschleife. Viele kleine Unterthemen werden wiederholt angesprochen und mit der gleichen Zielrichtung aufgelöst.

An Farbe, Humor und Dimensionalität gewinnt „Bury my Heart at W.H. Smith´s“, wenn Brian W. Aldiss über seine Erlebnisse mit Verlagen, Lektoren, Agenten und schließlich Verbänden berichtet. Es ist erstaunlich, wie verschieden die englischen Verlage gewesen sind und nach der Lektüre des Buches ist es für einen aufmerksamen Leser nachvollziehbar, das ein Freigeist wie Aldiss mit urtypischen britischen Wurzeln nach Amerika strebte. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das sich insbesondere verlagstechnisch als konservativ, hinterwäldnerisch und künstlerfeindlich präsentiert hat. So haben die Titel einzelner Romane die Pointe des Plots frei Haus geliefert, Erotik ist insbesondere Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre in die Pornographieecke geschoben worden und die eindimensionale Pulp- SF hat sich damals wie heute besser verkauft als intellektuelle Spielarten. Es sind immer wieder kleine Kreise, die Aldiss im Verlaufe seiner langen Karriere bewusst oder unbewusst schließt. Zu den Höhepunkten gehört die Passage, in welcher der Kritiker Aldiss hart mit Heinleins „Starship Troopers“ ins Gericht geht. Später ist der Brite stolz, das sein sekundärliterarisches Werk „Der Millionen- Jahre Traum“ den Auftakt der neuen BASTEi Special Reihe bildet. Nur das diese Information nicht ganz korrekt ist, denn sein Buch erschien als zweiter Band dieser heute noch publizierten, aber nicht mehr „Special“ genannten Reihe. Der erste Roman ist Heinleins „Starship Trooper“ gewesen. Aldiss ist einer der Autoren, die dank ihres trockenen, aber nicht unbedingt schwarzen Humors die geborenen Anekdotenschreiber sind. Teilweise warmherzig, dann wieder bitter ironisch beschreibt der Autor seine verschiedenen Begegnungen mit sehr unterschiedlichen Verlagen und seine größtenteils warmherzige Aufnahme von Häuser wie PENGUIN oder Faber. Eher instinktiv hat Aldiss immer wieder Märkte für seine teilweise extravaganten, aber intelligenten Geschichten gefunden, die es in dieser Konstellation noch nicht gegeben hat. Diesem Zufallsprinzip räumt der Autor sehr wenig Raum ein, sieht sich manchmal ein wenig zu sehr in der Rolle des erfolgreichen Bahnbrechers. Das unterhaltsame sekundärliterarische Werk wird von einem Essay aus der Feder Nicholas Ruddicks abgeschlossen, in dem er sich mit Aldiss These, das Shelleys „Frankenstein“ im Grunde der erste Science Fiction Roman gewesen ist und den Einfluss dieser Idee auf Aldiss Roman „Frankenstein Unbound“ intelligent, wie auch lesenswert auseinandersetzt. Wie „Twinkling of an Eye“ hört „Bury my heart at W.H. Smith´s” im Grunde ohne ein besonderes Ende, einen Schlussakkord auf. Aldiss hat seit der Fertigstellung dieser beiden sekundärliterarischen Autobiographien bewiesen, dass er immer noch ein sehr guter Autor ist. Wie schon angesprochen eignet sich der vorliegende Band als lesenswerte und wichtige Ergänzung zu dem späteren „Twinkling of an Eye“, der intensiver, ehrlicher und befreiter geschrieben worden ist.

Brian W. Aldiss: "Bury my Heart at W.H. Smith´s"
Sachbuch, Hardcover, 221 Seiten
Hodder & Stoughton 1990

ISBN 9-7803-4053-6612

Weitere Bücher von Brian W. Aldiss:
 - Forgotten Life
 - O! Afrika
 - Terror
 - The Twinkling of an Eye

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