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Sachbücher



Camille Flammarion

Die Mehrheit bewohnter Welten

rezensiert von Thomas Harbach

Der junge französische Astronom Camille Flammarion hat den hier vorliegenden Nachdruck im Neusatz im Alter von neunzehn Jahren verfasst. Dem 1862 erschienenen Text folgten eine Reihe von weiteren populärwissenschaftlichen Schriften zu astronomischen Themen und dem immer wieder über die Jahrhunderte aufflammenden Okkultismus. Flammarion selbst erlebte das Aufkommen erster zarter utopischer Literatur bis zu seinem Tod im Jahr 1925.



Obwohl der Untertitel des Werkes "Eine Studie in der die Bedingungen der Bewohnbarkeit der Himmelskörper vom Gesichtspunkte der Astronomie und der Physiologie aus entwickelt und besprochen werden" lautet , nähert sich Flammarion zunächst vom Standpunkt der Philosophie den verschiedenen Theorien von Leben auf anderen Planeten. Die Philosophie mit einer Reihe von interpretierbaren Stellungnahmen ist ein schwieriges Feld für einen Rezensenten. Jede Aussage hat eine spekulative Basis. Dank seiner blumigen Sprache und der absoluten Überzeugung, auf dem richtigen Pfad zu sein, lesen sich Flammarions Äußerungen und Kommentar zu einer Unzahl von Zitaten aus der Geschichte der Menschheit sehr unterhaltsam. Aus der wissenschaftlichen Sicht ist es - aus heutiger Sicht - erstaunlich, wie genau die astronomischen Beobachtungen wiedergeben worden sind. Dabei verweist der Herausgeber Dieter von Reeken auf den enthusiastischen Ton der ersten Schrift und die umfangreichere Sammlung von Fakten in den Neuauflagen. Im Vergleich zum Umfang dieses Büchleins ist die Quantität der damals bekannten wissenschaftlichen Fakten ausreichend, die Qualität durch den Stand der Forschung natürlich begrenzt. Mehr trockene Daten hätten den Unterhaltungswert des Textes deutlich gemindert.



Auch über den eigentlichen Ansatz "Es darf nicht sein, was nicht sein kann" , der den zweiten Teil des Buches durchdringt, darf heute getrost gestritten werden. Doch Flammarions These, dass an der Erde an sich und ihrer Umlaufbahn nichts außergewöhnliches ist, entbehrt nicht einer pragmatischen Logik. Selbst heute streiten sich die verschiedenen wissenschaftlichen Richtungen , ob es intelligentes Leben im All gibt. Alleine die Zahl möglicher Sonnen in unserer Milchstraße mit möglichen Planeten, die in lebensbejahenden fruchtbaren Umläufen sich befinden, spricht für die These, dass es anderes intelligentes Leben dort draußen geben muss. Das Interessante an diesem zeitgeschichtlichen Text ist die Tatsache, dass er der Zeit des kirchlichen Einflusses näher steht als die Jetztzeit. Der Schritt von Galileo Galilei zum Hubbleteleskop ist bepflanzt mit einer Reihe dieser Studien. Viele der Forscher konnten sich dem Druck der kirchlichen Instanzen nicht widersetzen und suchten eine Kombination aus ihren Theorien und den entsprechenden Bibelabschnitten, während Mitte des 19.Jahrhunderts insbesondere Europa sich unter der Last der beginnenden wirtschaftlichen Veränderungen und dem Ende der Kleinstaaten geistig emanzipierte. Die meisten dieser Streitschriften, insbesondere deutscher Autoren, sind aufgrund ihres trockenen Inhaltes und ihrer sich selbst befruchtenden Arroganz nicht mehr zu lesen. Autoren wie Flammarion sind zumindest in diesem Text das Bindeglied zwischen den Forschern und Utopisten wie Jules Verne oder Kurd Lasswitz. Von der sprachlichen Seite erinnert deshalb der Stoff eher an die populärwissenschaftlichen Exkurse Vernes in seinen Romanen. Jeden Augenblick erwartet der Leser einen älteren, weißbärtigen Doktor mit seiner bahnbrechenden Erfindung ins Rampenlicht zu treten, um den Beweis der Mehrheit bewohnter Welten anzutreten. Indem er einfach hinfliegt und die Fremden besucht.



Natürlich hat der Text für einen ernsthaften Forscher nur noch theoretischen oder zitierfähigen Wert. Viele der aufgeworfenen Thesen können auch heute noch nicht zufrieden stellend bewiesen oder widerlegt werden. Die Frage nach intelligentem Leben im All wird erst nach der ersten Begegnung mit den Fremden beantwortet werden können.



Bis dahin stellt dieser mehr als einhundertfünfzig Jahre alte Text ein wundervolles, unterhaltsames Fenster in die Zukunft aus der Vergangenheit dar . Er ist gewöhnungsbedürftig, aber die einfache, ungemein befreiend und optimistisch formulierte Sichtweise zieht den Leser wie bei einem guten sekundärliterarischen Artikel in ihren Bahn und für einen kleinen Augenblick folgt er dem Wissenschaftler auf seiner - für Flammarion schon positiv beschiedenen - Frage nach dem Leben auf anderen Welten.

Camille Flammarion: "Die Mehrheit bewohnter Welten"
Sachbuch, Softcover, 102 Seiten
Kleinverlag: Dieter von Reeken, Lüneburg 2004

ISBN 3-8334-0882-0

Weitere Bücher von Camille Flammarion:
 - Das Ende der Welt
 - Lumen
 - Urania

Leserrezensionen

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