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SachbĂĽcher



S. Mamczak und W. Jeschke

Das Science Fiction Jahr 2007

rezensiert von Thomas Harbach

Obwohl die Verkaufzahlen nur schwerlich über den Preis kompensiert werden können, ist es immer eine Freude, dass der Heyne- Verlag in jedem Jahr – bislang – sein umfangreiches SF- Jahr publiziert. Versuche aus Kleinverlagen, mit eigenen Produktionen diesen liebevoll Ziegelstein genannten Band zu ergänzen, sind inzwischen abgebrochen worden. Obwohl ein Blick auf den Themenschwerpunkt „Das Endes eines Genres?“ nicht unbedingt eine lockere Lektüre verspricht. Insgesamt vierzehn Essays versuchen diese rhetorische Frage zu beantworten und nicht wenige scheitern schon bei der Definition des Genres, dessen Ende sie propagieren sollen. So bleibt nicht selten der Eindruck, einen Kampf um das goldene Kalb verfolgen zu können, in dem sich Intellektuelle mit dem Konsumenten streiten. Es stellt sich auch dem Leser die Frage, warum ausgerechnet dieses Thema in den Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe gestellt worden ist. Insbesondere in den USA und England beginnen die Verkaufszahlen wieder zu steigen. Die Qualität der Romane wird wieder deutlich besser, auch wenn deutlich zwischen den oberflächlichen Bestsellern und den eher für einen mittleren Verkaufskreis geschriebenen, prämierten Romanen unterschieden werden muss. Selbst in Deutschland gibt es wahrscheinlich eher aufgrund der Kosteneinsparprogramme der Verlage eine deutsche Science Fiction. Andreas Brandhorst, Klein, Frank Borsch, Andreas Eschbach – auch wenn er seine utopischen Werke inzwischen als fiktive Thriller charakterisiert -, Herbert W. Franke, Wolfgang Jeschke und so weiter und so fort. Deutsche Science Fiction ist vielleicht nicht der Lebenssaft des Genres, aber zumindest ein angenehmer Tropfen auf den stetigen Opferstein der Konsumenten. Das keines der Essays dieser schon vor der Jahrtausendwende aufgeheizten Diskussion einen neuen Gedanken hinzufügen kann, zeigt die Beharrlichkeit der Science Fiction, sich insbesondere den Theoretikern entziehen zu wollen und zu können. Adam Roberts ist mit seiner Betrachtung des geschriebenen Wortes noch der unterhaltsamste Artikel. Hartmut Kasper versucht sich an einer ironischen Bestandsaufnahme und leitet diesen umfangreichen Block gut zu lesen ein. Der Rest ist eine Theoriewüste, die förmlich nach einem Gnadenschuss schreit. Solange die Kritiker das Ende des Genre beschreien, beschwören oder herbeiwünschen – endlich frei, um wieder die Liebesromane und Kriminalschnulzen ohne schlechtes Gewissen lesen zu können – wird das phantastische Genre blühen und gedeihen. Den Kritikern alleine zum Trotz.

Alleine die beiden Interviews mit J.G. Ballard und Robert Charles Wilson unterstreichen die Lebendigkeit des Genres. Wenn Letzterer im Gespräch mit Uwe Kramm zwar behauptet, dass „das Werk eines Autors immer für sich selbst und nicht das Genre steht“, kann insbesondere an seiner literarischen Entwicklung abgelesen werden, wie stark das Genre noch ist. Nach seinen ersten eher durchschnittlichen Versuchen entwickelte sich mit dem prämierten “Darwinia“, „Die Chronolithen“ und schließlich dem in diesem Jahr mit dem HUGO ausgezeichneten „Spin“ eine humanistische SF. Sie lebt von den außergewöhnlichen Ideen. Wilson ist einer der Autoren, die ihre Protagonisten und damit den Leser mit einer Vision zu Beginn ihrer Bücher zu erschlagen suchen. Da taucht plötzlich ein riesiges Monument mit seltsamen Schriftzeichen aus der Erde auf oder in seinem anderen Buch erlöschen von einem Augenblick auf den Anderen die Sterne am Himmel. Die Menschen müssen sich mit diesen Phänomenen auseinandersetzen. Auf dem Weg zu einer Lösung beginnen sie innerlich zu reifen. Das Ende seiner Romane ist nicht vorhersehbar. Wenn es auch manchmal in der Struktur hackt, macht Robert Charles Wilsons Ambition Mut. J.G. Ballard hat seine Romane schon seit vielen Jahren nicht mehr als Science Fiction bezeichnet und er definiert sie als eine Art kritische Social Fiction. Im Gegensatz zu Robert Anton Wilsons Romane, in denen ein Ereignis der Katalysator der kommenden, nicht immer positiven Entwicklung ist, zeichnen sich Ballards neuere Werke und seine Unzahl von Kurzgeschichten durch den Zerfall der Zivilisation, das unsichtbare Überschreiten eines Point-of-No-Return aus. In den sechziger Jahren hat Ballard eine Reihe von fast poetischen Weltuntergangsgeschichten geschrieben, jetzt geht es ihm um Brüche innerhalb unserer übersättigten Zivilisation. Eher an Ballards Sozialkritik angelehnt sind Dietmar Daths Erzählungen. Hartmut Kasper interviewt den unbekannten Autoren und versucht sein Werk insbesondere im Kontext mit einer kritischen Auseinandersetzung am Genre auf der einen Seite, der nicht immer subtilen Botschaft auf der anderen Seite zu beleuchten. Dath gibt einige sehr fundierte Informationen zu seinem Werk und vor allem seiner Sichtweise auf die gegenwärtigen Entwicklungen. Nach einem kurzweilig zu lesenden Interview wird das Interesse an seinem Werk beim Leser geweckt.

In einer Handvoll unterschiedlicher Artikel werden im Rahmen der „Science und Spekulation“ verworfene Ideen, gegenwärtige Entwicklungen und schließlich Köpfe vorgestellt. Wer sich nur für die Science Fiction Literatur an sich interessiert, wird diesen routiniert geschriebenen Artikel nicht viel entnehmen können. Wie es sich aber für ein Jahrbuch gehört, soll das ganze Spektrum so weit wie möglich themenspezifisch untersucht werden und dazu gehören auch die Randbereiche. Mit über einhundertfünfzig Seiten nehmen sie allerdings deutlich zu viel Raum ein.

Im literarischen Teil gehört Michael Iwoleits – im Vergleich zu seinen anderen Artikeln über Alfred Bester – Portrait der Kurzgeschichten „Theodore Sturgeons“ zu den Höhepunkten. Fundiert aus seiner Perspektive des Kurzgeschichtenautors sucht er den Texten nach Aspekte abzugewinnen und die ausgetretenen Pfade der Kritik – insbesondere in Hinblick auf Sturgeons oft besprochene Meisterwerke – zu verlassen. Christian Hoffmann untersucht die „Die afrikanische Science Fiction“. Im Rahmen der Globalisierung ein weiterer Schritt, dem Leser insbesondere aufgrund ihrer Wurzeln einen bislang literarisch unentdeckten Kontinent vorzustellen. Auch wenn das Jahrbuch im Kern nur sekundärliterarische Texte sammelt, wäre es manchmal schön, wenn solche Artikel durch ein oder zwei literarische Beispiele begleitet werden könnten. Im Rahmen der Jagd nach den Verkaufszahlen ist eine Anthologie mit afrikanischen Geschichten im Rahmen eines der großen Verlage unwahrscheinlich. Vielleicht nimmt sich der kleine ambitionierte Projekte- Verlag nach der Sammlung indischer Geschichten dieser Thematik an. So wird dem Leser bei Christian Hoffmann der Mund wässrig gemacht, er kann aber nicht seinen Durst löschen. Die Nick Seafort Reihe von David Feintuch vorzustellen ist ein Beweis, dass die Herausgeber Mamczak und Jeschke es allen Recht machen wollen. Unabhängig von der eher fragwürdigen literarischen Qualittät. Dazu kommen eine recht große Handvoll von Rezensionen und natürlich die Datenbank von Hermann Urbanek über die Neuerscheinungen und Verlage des Jahres 2007. Eine Vielzahl der wichtigsten phantastischen Neuerscheinungen werden von diversen Rezensenten zum Teil überraschend ausführlich vorgestellt. Dabei hält man sich mit offener und ehrlicher Kritik deutlich zurück. Insbesondere die Heyne- Titel kommen überdurchschnittlich gut in der Betrachtung weg. Die Filmrubrik besteht neben einigen Essays aus den Nachrufen auf Val Guest und Richard Fleischer. Insbesondere der wahrscheinlich weniger bekannte Val Guest mit seinem umfangreichen Filmwerk verdient die Würdigung. Insbesondere in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren hat er mit einer Reihe von Hammer- Science Fiction Produktionen für viel Furore gesorgt. Allerdings verschweigt der Artikel auch nicht die Schwachstellen in seinem Werk. Die Filmrezensionen sind im Durchschnitt deutlich kritischer als die Buchbesprechungen und geben einen guten Eindruck über das cineastische Genre im abgelaufenen Jahr.
Randthemen wie Comics – eine Würdigung der immerhin 1500. Ausgabe des britischen Magazins 2000AD – inzwischen wirkt der Titel richtig retro – oder Kunst sowie Computer runden das Jahrbuch 2007 obligatorisch ab.

Unabhängig von dem unnötig aufgeblähten Umfang im Bereich „Sciences“ ist das Jahrbuch eine empfehlenswerte, eine notwendige Anschaffung, wenn Fan/ Profi insbesondere in den zurückliegenden Jahren – die Bücher nehmen inzwischen mehr als ein Regal in der Sammlung ein – etwas nachschlagen möchte. Wenn es sich nicht um gänzliche Außenseiterthemen handelt, wird der Interessierte sehr gut fündig. Alleine diese Grundaufgabe erfüllt das Jahrbuch exemplarisch gut. Dazu kommen die teilweise sehr lesenswerten und diskussionswürdigen Essays und die in diesem Fall fundierten Interviews. Eine lohnenswerte Anschaffung, auch wenn der Preis auf den ersten Blick unabhängig vom Umfang ein wenig schockiert.

S. Mamczak und W. Jeschke: "Das Science Fiction Jahr 2007"
Roman, Hardcover, 1370 Seiten
Heyne- Verlag 2007

ISBN 3-4535-2261-3

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