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Sachbücher



Heinz J. Galle

Als die Science Fiction Deutschland eroberte

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Wie Science Fiction Deutschland eroberte“ aus der Feder Heinz J. Galles legt Dieter von Reeken auf den ersten Blick einen weiteren Band des Subgenres der Memoirenliteratur vor. Heinz Galle selbst sieht seinen Band in Ergänzung seiner dreibändigen „Volksbücher und Heftromane“ als sekundärliterarische Zusatzinformation kombiniert mit persönlichen Erinnerungen. Rainer Eisfeld hat im Jahre 2007 mit „Die Zukunft in der Tasche“ in erster Linie über die Anfänge des deutschen SF Fandoms in den fünfziger Jahren überwiegend aus seiner persönlichen Perspektive berichtet. Zusätzlich empfiehlt es sich, Rainer Eisfelds sekundärliterarischen Text über die fünfziger Jahre „Als Teenager träumten“ als Grundlage zu nehmen. Heinz Galle baut nicht direkt auf Eisfelds Buch auf, sondern versucht sich dem Phänomen von der literarischen Seite, sprich der Grundlage zu nähern. Ganz bewusst finden sich eine Reihe von Querverweisen sowohl auf Eisfelds Arbeit als auch Böhm/ Neumanns Text „Berichte aus der Parallelwelt“ über die Science Fiction Szene in der DDR. Heinz Galle erwähnt auch in seinem Vorwort die ausführlichen Biographien Heiko Langhans sowohl über K.H. Scheer als auch Clark Darlton. Er verweist auch auf die Gedenkbände des „Terranischen Club Edens“. Nicht erwähnt wird Rolf Heuters Bahn brechende Arbeit „Die Geschichte des SFCDs“ in den achtziger Jahren des letzten Jahrtausends. Da der Fokus Galles mehr auf der Literatur als seinen persönlichen Erinnerungen liegt, wird der vorliegende Band auch für ein breiteres Publikum interessant, das mit den Begriffen Con, Fan und Fandom nichts anfangen kann. Als Chronist der gedruckten Zukunft bemüht sich dabei, nicht zu viele Überschneidungen zu seinen „Volksbüchern und Heftromanen“ zuzulassen, nimmt in der zweiten Hälfte des Bandes allerdings ein Thema seiner Studie „Zwischen Tecumseh und Doktor Fu Man Chu“ wieder auf: den SF- Film.

Mit dem deutschen Fandom im Allgemeinen beschäftigt sich Heinz J. Galle nur im zweiten Kapitel „Die SF-Fans und ihre Welt“ sowie Fanzines bzw. semiprofessionelle Veröffentlichungen im dritten Abschnitt „Vormarsch auf schmaler und breiter Basis“ bzw. siebenten Kapitel „Verwelkte Blüten und Schwanengesang“. Während Rainer Eisfeld in „Die Zukunft in der Tasche“ aus heutiger Sicht mit einer gewissen Abgeklärtheit, aber noch ausreichend Enthusiasmus über die wilde Zeit der Clubgründungen und Intrigen berichtet, ist Heinz J. Galle noch mehr der intellektuelle Kopfmensch geblieben oder gewesen, der sich mehr an der Literatur und weniger am Clubgeschehen hinsichtlich des vorliegenden Textes orientierte. Ganz bewußt verweist Galle in dieser Hinsicht auf Rainer Eisfelds Text. Galles Berichte von den ersten Cons sind trotz des seltenen und sehenswerten Fotomaterials ein wenig distanziert und an vielen Stellen zu kurz. Auch hinsichtlich der Fanzines möchte der Leser mehr erfahren als nur eine kurze Beschreibung der Magazine und eine Auflistung der Mitarbeiter. In einigen wenigen Fällen plaudert Galle dann aus der Westentasche und beschreibt, welchen Eindruck einzelne bekannte bzw. insbesondere unbekannte Texte bei ihm hinterlassen haben. Ganz bewusst umschifft Heinz J. Galle jegliche politische Klippe. Während Eisfeld nicht zuletzt aufgrund seiner Recherchen die ehemalige Lichtgestalt Werner von Braun in einem sehr kritischen Licht sieht, konzentriert sich Galle auf Brauns zumindest vordergründige anfängliche Unterstützung der Clubbewegung. In dieser konzentrierten Form ist der Text insbesondere für eine jüngere Generation von Fans lesenswert, die sich Kommunikation per Brief bzw. gedruckte Fanzines vorstellen können. Für alte Hasen frischt Galle die Erinnerungen an diese Magazine auf. Über das Fandom hinaus zeigt er weniger detailliert, aber zumindest übersichtlich die engen Verbindungen zwischen Fandom und Kommerz auf. Er geht auf die Bestrebungen „Transgalaxis“ ein, die Kunden fester an sich zu binden und Bingenheimers erste Schritte sowohl als Buchversand als auch als Publizist.Ihm geht es aber mehr um die Zusammenstellung der Fakten als eine Beurteilung der Vorgänge, diese kann der interessierte Leser Rainer Eisfelds Buch entnehmen. Unterstützt wird Galles Text immer durch die uneingeschränkt sehenswerte Bildergalerie. Zusammen mit Herausgeber Dieter von Reeken hat Heinz Galle eine Reihe von Schätzen seiner Sammlung abgelichtet. Auf die linken Strömungen im Fandom geht er nur als Randbemerkung ein. Anscheinend hat sich die Opposition sehr viel schneller im Science Fiction Kommerz assimiliert als es viele im Spiegel wahr haben wollten. Im Vergleich zum Gesamttext rechtfertigen die persönlichen Erinnerungen den Titel „Erinnerungen an die miterlebte Vergangenheit der Zukunft“ in Anspielung auf Rainer Eisfelds „Die Zukunft in der Tasche“ nicht unbedingt. Aber zusammen mit den deutlich umfangreicheren Kapiteln hinsichtlich expliziert der Entwicklung der Science Fiction Literatur runden sie das hier von Heinz J. Galle präsentierte Portrait sehr gut ab. Ganz bewusst will Galle in erster Linie die weißen Flecke seiner anderen Werke mit einer Vielzahl von Informationen füllen. So geht der Autor auf den Terminus der Science Fiction und vor allem die utopische Literatur vor und während des Zweiten Weltkriegs ein. Auf die entsprechenden utopischen Vorläufer weißt er in diversen Kapiteln versteckt hin. Natürlich greift Galle noch einmal seinen Lieblingsautoren Freder van Holk bzw. Paul Alfred Müller auf und rückt zumindest in groben Zügen seine über die Hohlwelttheorie hinausgehenden Romane in das rechte Licht. Was den vorliegenden Band aber so empfehlenswert macht, ist Galles Konzentration auf phantastische Werke außerhalb der gängigen Reihen. In „Das SF- Taschenbuch beginnt seinen Siegeszug“ wird er zumindest die Entwicklung der einzelnen Serien erläutern. Dabei zeigt der Autor sehr deutlich auf, dass insbesondere die kommerzielle Vermarktung von Science Fiction in Wellen erfolgt ist. Auf die Leihbücher geht Galle im vorliegenden Band ein, die verschiedenen Heftromanserien hat der Autor in den „Volksbüchern und Heftromanen“ mit einer erschlagenden Genauigkeit abgehandelt. Bei den Taschenbüchern zeigt Heinz J. Galle auf, wie nicht selten die stetig steigende Zahl von einzeln publizierten phantastischen Titeln schließlich zu den wohlbekannten Serien geführt hat. Mit keinem Wort geht er allerdings auf das Phänomen „Star Wars“ bzw. „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ ein, welche in ihrem Sog das Interesse an gedruckter Science Fiction zu Beginn der achtziger Jahre merklich anziehen ließen. Wie inzwischen bekannt hat diese Welle nur wenige Jahre gehalten. Galle geht zwar auf die stetig steigende Publikationsfreudigkeit und den Start neuer Taschenbuchreihen in Deutschland ein, zieht aber überraschenderweise nicht die Verbindungen zu den Filmen. Unabhängig von dieser Schwäche erhält der Leser einen soliden Überblick über die Entwicklung dieses Markts. Sehr viel lesenswerter und seltener bislang analysiert ist die Entwicklung der Leihbuchverlage. Jörg Weiand geht zwar in seinem Standwerk „Träume auf dicken Papier“ auf das Leihbuch im Allgemeinen und eine Vielzahl von Themen/ Autoren im Besonderen ein, aber hier beschäftigt sich jemand mit dieser Materie, der eine besondere Affinität zum Science Fiction Stoff der Leihbücher hat. Sehr konzentriert, informativ und vor allem zum Stöbern, Lesen und schließlich Sammeln einladend geht Heinz J. Galle auf diese Nische ein. In allen Abschnitten zeigt sich weniger der Sammler als der Leser durchaus kritisch, aber pointiert. Er zählt Höhepunkte wie Machwerke des Genres auf und konzentriert sich auf eine Reihe auch heute noch empfehlenswerter, aber unbekannter Werke. Er fasst die Inhalte zusammen und komprimiert seine Kritik auf ein oder zwei schlagkräftige Argumente. Nur selten sind seine Recherchen nicht fundiert. Im Falle des AWA Verlages allerdings handelt es sich bei den Veröffentlichungen um Bücher des Routiniers Koch und des FRISCHLINGS Hanns Kneifel, der seine ersten längeren Texte dort veröffentlichte. Das Heinz J. Galle insbesondere die erst humoristische Science Fiction eines Fredric Brown oder Eric Frank Russels schätzen gelernt hat, lässt sich dem Text sehr gut entnehmen. Auf jeden Fall findet der aufmerksame Leser bzw. Sammler eine Reihe von fundierten Leseempfehlungen, die außerhalb des üblichen Radarspektrums liegen. Viele Bücher beurteilt Galle aus der zeitlichen Distanz, in zu wenigen Fällen berührt den Leser die jugendliche Faszination des Autoren mit dem Text. Unabhängig von dieser Schwäche deckt Galle auf wenigen Seiten ein erstaunlich breites Spektrum ab. In diesen Abschnitten ist „Wie die Science Fiction Deutschland erobert“ eine ideale Ergänzung zu „Volksbücher und Heftromane“, welche die Bereiche Taschenbücher und Leihbücher nur oberflächlich gestreift haben. Wie ein störender Faden hinsichtlich seiner Erinnerungen zieht sich der Sammler Heinz J. Galle durch den Roman, der auf der einen Seite die Preisinflation bei gesuchten Sammlerstücken herausstellt, auf der anderen Seite darauf hinweist, wo man noch manches Schnäppchen machen kann. Mit „Das Haus mit den bunten Fenstern“ greift der Autor allerdings ein sehr seltenes und vor allem unterhaltsam dargereichtes Thema auf. Die bunte wundersame Welt der Sammelbilder, des Kommerz und schließlich die illustrierten Klassiker sowie leicht gestreift utopischen Comics. Neben dem bekannten Fotomaterial weißt Heinz Galle mit leichter Ironie auf Werbemaßnahmen hin, bei denen schließlich die Sammelbeigabe begehrter als das zugrunde liegende Produkt gewesen ist. In dieses Kapitel fließen wieder eine Reihe von persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen ein. Kaum wendet sich der Autor von seinem etwas starreren Thema einer Ergänzung der „Volksbücher und Heftromane“ ab, liest sich der überwiegend gut geschriebene Text sehr viel fließender und wärmer. Mit den SF Fiction Filmen der fünfziger und sechziger Jahre verknüpft Galle seine persönlichen Erfahrungen mit dem überwiegend in Deutschland auch damals angebotenen cineastischen Filmmaterial. In seinen kurzen Besprechungen und manchmal nur zynisch abfälligen Bemerkungen über Low Budget Produkte stellt er ohne Anspruch auf Vollständigkeit in erster Linie weniger bekannte Produktionen vor. Galle erzählt, wie er – zusammen mit einigen anderen SF- Fans – auf amerikanische Magazine oder Bildbände zurückgegriffen hat, um sich über die Produktionen zu informieren. Heinz J. Galle präsentiert in dem Abschnitt über die angloamerikanischen Filme keine neuen Informationen und bleibt im Gegensatz zu den sehr persönlich geschriebenen Sachbüchern John Brosnans eher an der Oberfläche. Wenn er allerdings auf die Produktionen Osteuropas eingeht – als Braunschweiger konnte er das DDR Fernsehen empfangen, lange Zeit eine wahre Quelle seltener osteuropäischer, französischer und italienischer Produktionen – wird der Text auch für Filmfanatiker sehr viel interessanter. Mancher der hier angesprochenen Filme ist inzwischen auf DVD lieferbar und der Leser hat die Möglichkeit, Galles Ansichten mit den eigenen zu vergleichen. Dabei verzichtet der Autor auf technische Detail und bemüht sich positiv, den damaligen Eindruck auf den heranwachsenden Galle zu beschreiben. Auf bekannte Filme verzichtet der Autor, aber einige der angesprochenen Filmserien hätten über den Betrachtungszeitraum fünfziger und sechziger Jahre hinaus zumindest erwähnt werden soll. So gab es einen vierten „Quatermass“ Film, in dem die Power Flower Jugend kritisch hinterfragt worden ist. Manchmal setzt der Autor strenge Kriterien an die Filme hinsichtlich ihres Hard Science Inhalts an, um sie vorzustellen, dann schwärmt er von einer eindeutigen Fantasy, die seit vielen Jahren nicht mehr im Fernsehen wiederholt worden ist. Mit „Die UFOs und die Science Fiction“ im letzten Kapitel ergänzt der Autor verschiedene Kapitel des Buches um das Phänomen der fliegenden Untertassen in Schrift, Bild und Film. Der Artikel wirkt eher wie eine eigenständige Arbeit als Teil des Buches, lässt sich aber nicht zuletzt dank der teilweise sehr ironischen Seitenhiebe hervorragend lesen. Allerdings verknüpft er zum Beispiel die Heftromanserie „Die UFO Akten“ aus dem Hause Bastei nicht mit der amerikanischen Fernsehserien Vorlage „The X- Files“, sondern versucht eher unglücklich mit dem Titelthema des Artikels zu verbinden.

Setzt sich der Leser kritisch mit Titel „Wie die Science Fiction Deutschland eroberte“ und Unterteil „Erinnerungen an die miterlebte Vergangenheit der Zukunft“ auseinander, so hätte man sich ein wenig mehr persönliche Erinnerungen an diese Vergangenheit der Zukunft gewünscht. Galle ist eine der wenigen noch lebenden Persönlichkeiten der ersten Fan Generation, die nicht nur etwas zu erzählen haben, sondern etwas erzählen müssen, damit die Erinnerungen an die ersten Cons, den Vurguzz, die Umdruckfanzines und schließlich die Zeit der wilden Clubgründungen erhalten bleiben. Sie dürfen nicht auf schwarzweiß Fotos reduziert werden. In dieser Hinsicht ist „Wie die Science Fiction Deutschland eroberte“ eher eine Fingerübung als die Galle´sche Memoirenliteratur. Auf der anderen Seite hat sich Heinz J. Galle seinem favorisierten Steckenpferd – der Science Fiction – ausführlich und als sehr gute Ergänzung seines uneingeschränkt empfehlenswerten Standardwerks „Volksbücher und Heftromane“ gewidmet. Er trägt viele neue Fakten zusammen, bebildert diesen sehr kompetent geschriebenen Text mit seltenen Titelbildern, Figuren, Filmprogrammen und schließlich auch Comics sowie persönlichen Fotos. Wie die anderen Bücher Galles im Hause von Reeken – immerhin schon die sechste Kooperation – ist dieser gebundene, sehr schön layoutierte und vor allem drucktechnisch auf sehr hohem Niveau präsentierte Hardcover eine Muss für die Leser, die gerne hinter die Kulissen ihrer Literatur schauen. Es empfiehlt sich, den Band in einem engen Verhältnis zu der deutlich persönlicher geschriebenen, aber weniger von literarischen Fakten getriebenen Arbeit Rainer Eisfelds zu sehen. Beide Bücher zusammen geben einen sehr schönen Überblick über die Beginne des Fandoms und vor allem die ersten Schritte der Literatur auf breiteren kommerziellen Füßen in Deutschland, die zu ihrem Wohl oder Wege als Science Fiction bezeichnet oder verschrien wird.

Heinz J. Galle : "Als die Science Fiction Deutschland eroberte "
Anthologie, Hardcover, 224 Seiten
Dieter von Reeken 2008

Weitere Bücher von Heinz J. Galle :
 - Erlebte Vergangenheit und gestaltete Zukunft
 - Fehlstart ins Atomzeitalter
 - Volksbücher und Heftromane
 - Volksbücher und Heftromane Band 2
 - Volksbücher und Heftromane Band 3
 - Zwischen Tecumseh und Doktor Fu Man Chu

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