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SachbĂŒcher



Hermann Ritter & Michael Scheuch

Magira- Jahrbuch der Fantasy 2007

rezensiert von Thomas Harbach

Die Herausgeber Michel Scheuch und Hermann Ritter leiten das inzwischen siebente Jahrbuch mit bescheidenen, aber elementaren Worten ein. Das Fantasy- Genre ist inzwischen so umfangreich und teilweise populistisch geworden, das die Aufgabe des Jahrbuchs mehr und mehr sein muss, nicht den Trends zu folgen, sondern standfeste Positionen zu beziehen und auf positive Veröffentlichungen, bislang unentdeckte Autoren und interessante Strömungen hinzuweisen. Das Fantasy zusammen mit Horror „in“ ist, unterstreicht Hermann Urbaneks wie immer umfangreicher RĂŒckblick auf die Veröffentlichungen des Jahres

Die Nachrufe nehmen leider einen breiten Raum ein. Dabei beschrĂ€nken sich die unterschiedlichen Autoren nicht nur auf eine kurze Zusammenfassung von Leben und Werk, sondern versuchen mittels einzelner Rezensionen und in zwei FĂ€llen umfangreichen Artikeln - Robert Anton Wilson und Kurt Vonnegut - ihre Intentionen bzw. ihr Werk zu analysieren. Daniel Kualas “Selbst denken oder durchdrehen” ist dabei eine interessante populistische Mische aus Agitation und Reaktion. Einige seiner GedankengĂ€nge bilden eine solide Basis fĂŒr eine weitere Auseinandersetzung mit Wilsons Werk, an anderen Punkten zieht er sich in eine Ecke zurĂŒck und beginnt eher substanzlos nach allen Seiten mit argumentativen Steinen zu werfen, um schließlich den Artikel auf einer zu offnen Note zu beenden. Griffiger ist Thomas Irmers “Dresden war Atlantis”, in welchem Irmer von Vonneguts RĂŒckkehr nach Dresden und der Begegnung mit der eigenen Vergangenheit berichtet. Es sind diese Episoden, welche die Persönlichkeit der Autoren griffiger machen. UnabhĂ€ngig davon gibt Michael Scheuch in “Keine Fantasy- Kurt Vonnegut” eine kurze, prĂ€gnante EinfĂŒhrung in Vonneguts Werk. Da alle Nachrufe mit - soweit möglich - bibliographischen Hinweisen versehen sind, dienen sie als individuelle Startrampe, um die Autoren zum ersten Mal oder abschließend kennen zu lernen. Nur Erik Schreibers Nachruf “Das andere Jugendbuch- Frederik Hetmann” ist stilistisch im Vergleich zu den anderen Arbeiten unterdurchschnittlich, seine anschließende Rezension eines seiner BĂŒcher dagegen wieder solide.

Einen positiv umfangreichen Block stellen die Vorstellungen diverser zumindest in Deutschland nicht so prĂ€senter Autoren dar. Maren Bonacker setzt sich in “Wanderer zwischen den Welten - T.A. Barron” mit dessen Fantasy- Arbeiten um ein anderes Avalon auseinander. Stellenweise hĂ€tte man sich allerdings gewĂŒnscht, dass Maren Bonacker vor allem bei einem Autoren, den sie erstens persönlich kennen gelernt hat und zweitens dessen Werk anscheinend eng auch mit seiner Persönlichkeit verknĂŒpft ist, tiefer in die Materie eingestiegen wĂ€re. Barrons Äußerungen zu guten ReisebĂŒchern sind bodenstĂ€ndig zu Ă€ußerst treffend. In ”Elfen, Abi - eine faszinierende Erfolgsgeschichte” geht Maren Bonacker auf eine der jĂŒngsten Hoffnungen der deutschen Fantasy ein. Leider fehlt es dem Artikel ebenfalls an Argumenten, warum die BĂŒcher Jenny- May Nuyen so herausragend sind. Volkmar Kuehnle stellt noch den Daresh- Zyklus vor. In allen drei Studien erdrĂŒcken die Inhaltsangaben die kritische Reflektion des Werkes. “Gut gelaunte Phantastik- Empfehlungen”von Molosovsky runden die BuchprĂ€sentation - bis auf die Vampirschlampen - ab. Diese Kolumne ist inhaltlich erstaunlich bodenstĂ€ndig. Terry Pratchett und eine lĂ€ngere Exkursion in Hinblick auf die empfehlenswerte Tolkien Biographie, Neal Stephenson. Hat man sich erst einmal durch die unnötigen extrovertierten verbalen ErgĂŒsse des Kolumnisten auf den ersten Seiten gequĂ€lt oder gefreut, werden die zu besprechenden BĂŒcher umfangreich und teilweise recht kritisch nuanciert vorgestellt.

Im einzigen Filmbeitrag Uwe Kraus berichtet in “Goyas Erbe - ĂŒber PanÂŽs Labyrinth” von Del Toros Meisterwerk. Der Artikel ist eine sehr ambivalente Mischung aus Überzeugung und Halbherzigkeit. Es beginnt schon mit der Behauptung, dass sich Del Toro von Hollywood abgewandt hat, obwohl er immer wieder in Interviews betonte, alternierend Projekte zu verwirklich, die ihm am Herzen liegen und Filme zu drehen, die von den großen Studios finanziert die eigene Tasche auffĂŒllen. In seiner kritischen Betrachtung geht Uwe Kraus zwar auf Kritikerstimmen ein, welche den Film mit Tim Burtons Werk vergleichen, erwĂ€hnt aber mit keiner Silbe dessen Wurzeln in phantastisch- surrealistischen Filmen wie “Spirits of the Beehive” aus der ersten großen Zeit des spanischen Kinos wĂ€hrend der siebziger Jahre der letzten Jahrhundert. Ironischerweise ausgerechnet gegen Ende des Franco Regimes. Weiterhin arbeitet Uwe Kraus nur Motive aus “The DevilÂŽs Backbone” heraus und integriert nicht Del Toros DebĂŒtfilm “Chronos”. Selbst del Toros kommerzielle Filme beinhalten - allerdings deutlich eindimensionaler - sehr viele Ideen, welche schließlich in sein bisheriges Meisterwerk “PanÂŽs Labyrinth” eingeflossen sind. Uwe Kraus erwĂ€hnt zwar immer wieder die drehbuchtechnischen SchwĂ€chen des Films, arbeitet sie allerdings nicht weiter heraus.

Das Spektrum der Interviews ist ungewöhnlich breit. Terry Pratchett spricht in bekannter Manier ĂŒber seine BĂŒcher und die anstehenden Verfilmungen. Viel interessanter ist das kombinierte GesprĂ€ch mit der Lektorin Natalja Schmidt und dem Autoren Christoph Hardebusch. Sie haben an den ersten beiden TROLL Romanen zusammengearbeitet. Das Erstaunliche ist an den Antworten ist eine gewisse NaivitĂ€t was die Buchszene ĂŒber das KĂŒnstlerisch hinaus angeht. Das die Verlage inzwischen auch auf deutsche Autoren stehen, hat oft nur in zweiter Linie mit der QualitĂ€t der Arbeiten zu tun. In erster Linie sind deutsche Jungautoren einfach billiger als der Einkauf und die Übersetzung insbesondere angelsĂ€chsischer Romane. Auch Frau Schmidts Äußerungen ĂŒber Bood-on-Demand und die Ignoranz den Onlinemedien gegenĂŒber ist schon erstaunlich. In den letzten Jahren sind sowohl in den Staaten als auch Deutschland gute Online- Werke bzw. Book-on-Demand Veröffentlichungen von Verlagen ĂŒbernommen worden und die Chance steh nicht schlechter, aber auch nicht besser als der verzweifelte Versuch, direkt bei den Verlagen zu laden oder es ĂŒber einen Agenten zu versuchen. Frank Steiner hat mit “Grendl” einen philosophischen Fantasy- Roman geschrieben. Erik Schreiber hat hier einen interessanten GesprĂ€chspartner gefunden, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Nach dem GesprĂ€ch ist der Leser neugierig auf Schweitzers Werk. Über ihre Comics sprechen Josef Rother und Eckart Breitschuh. Positiv erwĂ€hnenswert sei noch, dass Erik Schreiber im Vorwege den Comic rezensiert. Stephan Bosenius stellt mit den Titania Medien seinen Hörbuchverlag vor.

Jennifer Schreiner und Ulrike Stegemann berichten von sexy Vampirgeschichten. Die Warnung vor einer redaktionellen Kaffeefahrt mit abschließendem Heizdeckenverkauf lĂ€sst mögliche Kritik wegen Eigenwerbung von Beginn an ironisch abprallen. Die beiden Autorinnen geben dann einen kurzen Überblick ĂŒber das Vampirgenre im Allgemeinen und das erotische Sub- Blutsaugergenre im Speziellen. Es folgen einige Buchtips, als mehr lĂ€sst es sich leider nicht bezeichnen. Nach einer kurzen Inhaltsangabe folgen einige StandardkritiksĂ€tze. Insbesondere durch die Konzentration der Empfehlungen werden die abschließenden Worte teilweise zu mechanischen Floskeln. Aber einige Lesetips kann der Leser dieser Artikel entnehmen. Sehr positiv fallen die kĂŒnstlerisch schönen - keine Floskel - Fotos auf, welche den Artikel verzieren. Am Ende ihres Textes stellen Ulrike Stegemann und Jennifer Schreiner die Romane der jeweils anderen Vampirschlampe vor. Auch wenn sie gleich zu Beginn ihres Textes vor dieser Verkaufsveranstaltung warnen, wĂ€re es sinnvoller gewesen, die Romane von einem Dritten zu besprechen lassen. Im Rezensionsteil des Jahrbuches kommt es noch einmal zur unkritischen gegenseitigen Belobigung ohne vorherige Warnung. Dabei haben die Autorinnen diese Art der Schleichwerbung nicht nötig.

Musik„- es wird dabei hauptsĂ€chlich eine Gruppe unter der HauptĂŒberschrift“Elfenmusik” vorgestellt, der Artikel setzt aber stellenweise vor allem in Hinblick auf die Auflösung der Band Vorkenntnisse voraus - und Computerspiele sind inzwischen zu stĂ€ndigen Einrichtungen der JahrbĂŒcher geworden und zeigen die ganze Bandbreite der populĂ€ren Fantasy auf. Die beiden Artikel geben einen guten, zum Teil kritischen Überblick. Der umfangreiche Rezensionsblock unter der Anleitung des Hauptkritikers Erik Schreiber teilt sich wieder in die Kategorien deutsche und internationale Fantasy sowie HörbĂŒcher und mit zwei Kritiken zu wenig SekundĂ€rliteratur. Diesen Part bestreitet der Herausgeber Michael Scheuch fast alleine. Dabei geht er nicht nur auf die QualitĂ€t der HörbĂŒcher ein, sondern setzt sich auch mit den adaptierten Texten auseinander. In seinem Vorwort zu den Buchkritiken spricht Erik Schreiber davon, dass er dieses Mal aufgrund der Ausflug hĂ€rter sieben mußte und der Rezensionsteil insgesamt verkleinert worden ist. Warum dann allerdings Grusel- oder Horrortexte ebenfalls klamm heimlich - siehe auch den interessanten, aber in diesem Jahrbuch aufgrund der SchwĂ€mme des Materials an reinen Fantasy- Veröffentlichungen deplatzierten Artikel der “Vampirschlampen” - aufgenommen worden sind, entzieht sich Erik Schreibers Meinung. Es spricht BĂ€nde, das die teilweise hier rezensierten BĂ€nde entweder sehr euphorisch unkritisch aufgenommen worden sind und die teilweise sehr umfangreichen Inhaltsangaben die anschließende Kritik in kleinster Weise rechtfertigen. Positiv ist anzumerken, das das Rezensententeam deutlich erweitert worden ist. Trotzdem fehlt einigen Kritiken - hier schreitet Erik Schreiber leider enthusiastisch, aber oft zu unkritisch - die inhaltliche Tiefe. Alleine Hermann Ritters Buchrezensionen bilden eine rĂŒhmliche Ausnahme.

Drei Geschichten runden das Jahrbuch um. „Maureen Birnbaum, Barbarenkriegerin“ aus der Feder es frĂŒh verstorbenen George Alec Effingers ist eine seiner ĂŒberspitzt pointierten Arbeiten, in denen er mit viel VergnĂŒgen die Klischees der Fantasy auf den Kopf stellt. Viel trauriger ist Hermann Ritters Nachwort, in welchem er von den Schwierigkeiten berichtet, die Rechte fĂŒr dieses Jahrbuch zu erwerben.
In eine Ă€hnliche Kerbe - wenn auch auf einer nihilistischen Note - schlĂ€gt Barbara Ketelsens „Den Dag zu zĂ€hmen“. Dags sind ĂŒberdimensionale dĂ€monenartige Wesen und aus der Ich- Perspektive beschreibt die Autorin das Unterfangen der Heldin, nicht nur den Respekt dieser Dags zu gewinnen - ihre Rituale sind gewöhnungsbedĂŒrftig -, sondern auch die Belagerung der Stadt zu ĂŒberleben. Beide Geschichten haben weibliche Protagonisten und mit ihren ironischen Seitenhieben auf die muskelbepackten eindimensionalen Helden der Sword and Sorcery Literatur spielen sie mit den VersatzstĂŒcken des Genres. Die dritte Geschichte von Helmut W. Pesch „Eine Karte fĂŒr MAGIRA“ ist eine WĂŒrdigung Hughs Walkers, vor knapp zehn Jahre im 25. JĂ€hrigen JubilĂ€umsband erschienen. Unterhaltsam zu lesen, mit versteckten Hinweisen, die insbesondere den FOLLOWern der ersten Stunde etwas sagen.

Das Jahrbuch enthĂ€lt wieder eine Reihe von Zeichnungen aus den Federn von Helen Keller, Detlef KrĂ€mer, Pierangelo Boong , der das schöne Cover beigesteuert hat. Molosovsky illustriert wieder seine gut gelaunten Phantastik- Empfehlungen. Das Fazit ist deckungsgleich mit den letzten JahrbĂŒchern. Sie geben einen guten Überblick ĂŒber das phantastische Genre und nicht nur die Fantasy- Literatur. FĂŒr die unglaubliche Zahl von Veröffentlichungen und neuen Autoren ist es auf den ersten Blick ĂŒberraschend, Autoren wie die Vampirschlampen mit ihren erotischen Vampirgeschichten zu finden oder Nachrufe auf Kurt Vonnegut sowie Robert Anton Wilson . Auf den zweiten Blick machen diese Artikel das Jahrbuch auch fĂŒr Leser interessant, welche immer noch unter Fantasy „Sword and Sorcery“, leicht bekleidete MĂ€dchen und dumpfe Muskelpakete verstehen. Das Niveau der Artikel ist sogar noch etwas höher als bei den letzten JahrbĂŒchern. Eine empfehlenswerte Anschaffung, die mehr als nur stupide Zahlenzauberei ist.

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Hermann Ritter & Michael Scheuch: "Magira- Jahrbuch der Fantasy 2007"
Anthologie, Softcover, 370 Seiten
Fantasy Club 2007

Weitere Bücher von Hermann Ritter & Michael Scheuch:
 - Magira- Jahrbuch der Fantasy 2008
 - Magira- Jahrbuch der Fantasy 2009

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