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Sachbücher



Kim Stanley Robinson

Die Romane Philip K. Dick

rezensiert von Thomas Harbach

Kim Stanley Robinsons jetzt auf Deutsch vorliegende Studie ist 1984 zum ersten Mal erschienen. Sie nahm ihren Anfang als Dissertation für die literarische Fakultät der University of California. Der Text ist wahrscheinlich eine der ersten ernsthaften Auseinandersetzungen mit Dicks Romanwerk wenige Jahre nach seinem überraschenden Tod und viele Jahre, bevor Hollywood den „Blade Runner“ Schock – ein qualitativ herausragender Film, der am Boxoffice gescheitert ist – überwunden hat und munter seine Ideen und Bücher als Grundlagen actionorientierter Filme –vom B-Picture wie „Screamers“ über A- Produktionen wie „Minority Report“ bis zu Identitätskrisen wie John Woos „Paycheck“ – missbrauchte. Trotz Dicks Kultstatus insbesondere in Frankreich ist Robinsons Text eine Auseinandersetzung mit dem reinen Werk des Autoren und nicht der vielen inzwischen mannigfaltigen, aber sich immer mehr widersprechenden Essays über ihn.
Er zitiert verschiedene Quellen wie Algis Budrys oder Stanislaw Lem, steht ihnen aber auch konträr in der Eigeneinschätzung gegenüber. Dadurch wirkt das Werk autarker, aber auch authentischer. Schon aus diesem in der Darstellung liegenden Grund ist die mehr als zwanzig Jahre alte Arbeit eine interessante Ergänzung zu der lesenswerten Philip K. Dick Biographie und der eher fundamental ausgerichteten Betrachtung Uwe Antons im Rahmen der SF- Personality. Diese ist als Neuauflage in Vorbereitung.

In seiner kurzen Einführung in die Materie „Dick“ bemüht sich Kim Stanley Robinson dessen Position als Kultfigur und führender Romancier der Science Fiction differenziert darzustellen. Er verhehlt nicht, dass in erster Linie die gesellschaftliche Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Folge des Kalten Krieges im Bereich der utopischen Literatur zu einem Umdenken aus der Campbell´schen Golden Age Ära heraus ans Licht geführt haben. Mit dem Aufkommen gesellschaftskritischer Stimmen zog die Science Fiction nach. Außerdem öffnete sich nicht zuletzt durch die antikommunistische Hetze die Tür für satirische Elemente. Auf der anderen Seite suchte eine höher gebildete, aber nicht unbedingt besser ausgebildete Generation Lektüre, die ihren Studienthemen mehr entsprach als die kalte technologische Science Fiction der „Astounding“ Ära. Robinson verhehlt nicht, dass Dick neben brillianten Romanen und hunderten von Kurzgeschichten eben auch ein Autor gewesen ist, der eine Familie zu ernähren hatte. Von den teuren Vergnügen wie Drogenkonsum einmal abgesehen. Darum bemüht sich Robinson als der Autor der Studie in den folgenden Kapiteln, Dick nicht nur im Rahmen seiner Position in der utopischen Literatur zu betrachten, sondern herausragende Werke detaillierter zu analysieren. Für Robinson stellen viele seiner Kurzgeschichten eher handwerkliche Skizzen dar, die später in einer Reihe von Romanen eingeflossen sind. Sicherlich auch aus umfangtechnischen Gründen konzentriert sich die Studie – wie der Titel schon suggeriert – auf Dicks Romane.

Sehr geschickt beginnt Robinson seine Studie mit den „Anfängen im Realismus“. Der Kreis wird sich am Ende des Buches mit dem Kapitel „Science Fiction und Realismus“ schließen. Insgesamt stellt die Studie nicht nur die wiederkehrenden Elemente in Dicks Werk heraus, sondern indirekt auch Dicks gescheiterten Aufbruch als realistischer Autor und seine Rückkehr zu den Wurzeln als Science Fiction Autor mit realistischen Grundbezügen. Ihm liegen die bis dato unveröffentlichten realistischen Romane Dicks zumindest in Manuskriptform vor. Er verbindet Dicks Intention mit seinen biographischen Daten, seinem alltäglichen Job als Plattenverkäufer und die Einbindung dieser niederen handwerklichen Tätigkeiten in seine ersten, unveröffentlichten Romane. Dabei beschränkt sich Robinson nicht auf eine kontrastreiche Analyse – so den Vergleich mit den zumindest zeitgleich entstandenen Science Fiction Kurzgeschichten -, sondern differenziert zwischen Dicks Absichten, seinen noch unterentwickelten literarischen Fähigkeiten und seiner unmittelbaren Lebensumgebung. Dadurch entsteht ein plastisches, dreidimensionales Bild des jungen ambitionierten und zukünftigen Schriftstellers. Inzwischen liegen die hier besprochenen Romane in gedruckter Form vor. So kann der Leser Robinsons sehr kritischer Analyse folgen. Im zweiten Teil des ersten Kapitels wendet er sich dann den Ursprüngen von Dicks Science Fiction Werk zu. Schon von Jugend an hat Dick phantastische Literatur im gleichen Maß goutiert wie die neorealistischen Romane eines James Joyce. Dieser fand natürlich im äußerlich progressiven, aber innerlich noch mittelalterlich- konservativen Berkely, wo Dick als Plattenverkäufer gearbeitet hat, reichlich Anhänger. In dessen Richtung wollte Dick seine literarischen Ambitionen trotz seiner Liebe zur phantastischen Literatur lenken. Als sich kein Verlag für diese Arbeiten fand, wich er mit entsprechender gesellschaftskritischer Distanz auf die eher als Hobby gesehene utopische Literatur aus. Robinson nutzt Dicks ersten Verkauf einer Kurzgeschichte an Bouchers „The Magazine of Fantasy and Science“ im Jahr 1951 als Trittbrett eines überraschend kritischen Exkurs in die Vergangenheit der Science Fiction. Er stellt die europäische utopische Literatur – insbesondere Stapledon – in einen direkten Vergleich mit den Meilensteinen des Golden Age – in diesem Fall Asimovs „Foundation“ Serie – und kommt zu einem überraschenden Schluss: obwohl Stapledons philosophische Arbeit deutlich besser und interessanter als Asimovs Werke zu bewerten ist, könnte es eine gewisse Unverträglichkeit zwischen dem Werk und den Erwatungen und Käuferverhalten des durchschnittlichen Lesers geben. Erst mit der immer stärkeren Ausrichtung Amerikas zu einer technologisch orientierten Kultur und dem Aufkommen neuer Magazine wie eben „The Magazine of Fantasy and Science Fiction“ und „Galaxy“ konnte Dick ein Forum für seine gesellschaftskritischen, humorvollen und satirischen Texte finden. In dieser Einführung geht Robinson aber nur oberflächlich auf Dicks rasanten Erfolg als Kurzgeschichtenautor und einer der kommenden Stars des Genres ein. Trotzdem ist die Einführung insbesondere wegen der ungewöhnlichen Betrachtung der Wurzeln utopischer Literatur originell und bemüht sich, zu den gängigen und immer wieder aufgewärmten Thesen einen deutlichen Abstand aufzubauen.

Wie wichtig die längere Einleitung zu seinen realistischen Romanen ist zeigt Robinson im zweiten Kapitel „Anfänge in der Science Fiction“. Er beschäftigt sich mit den zwei oder drei grundlegenden Romanen, die Dick in der Folgezeit bis zum Erscheinen von „Das Orakel vom Berge“ zu variieren suchte. Erst mit dem Doppelroman „Confessions of a Crap- Artist“ und „Time out of Joint“ offenbart sich die gespaltene Persönlichkeit des Künstlers Dick. Die Gegenüberstellung dieser auf den ersten Blick so unterschiedlichen Romane und ihre noch unterschiedlichere Veröffentlichungsgeschichte – der Science Fiction Roman erschien kurz nach seiner Entstehung im Jahr 1959, die realistische Arbeit sechzehn Jahre nach dem Dick ihn beendet hat im Jahr 1975 in einem kleinen Verlag – zeigt Dicks persönlichen Zwiespalt. Im Grunde stand er Zeit seines Lebens zwischen seinen künstlerischen Ambitionen und seiner Stellung im Publikationsakkord einiger weniger Science Fiction Verlage.
Erst als er sein literarisches Ghetto akzeptierte, hat er ironischerweise befreit realistische Romane mit Versatzstücken klassischer Science Fiction verfasst. Wiederum dauerte es eine Zeit, bis dann die Kritik und schließlich die Leser diese erneute Kehrtwendung in seinem umfangreichen Werk akzeptierten. Wie für einen Dickroman fast typisch, interessierten sich dann die oft von Dick kritisierten Medien fast ausschließlich für sein Altwerk aus den späten sechziger und frühen siebziger Jahren. Unbewusst hinterlässt Robinson den sicherlich nicht falschen Eindruck, dass Dick immer auf der Suche nach etwas gewesen ist, was sein Umfeld noch gar nicht ahnen konnte. Erst nach seinem frühen Tod konnten die Kritiker und Leser den Autoren in seinen Gedankengängen einholen, aber niemals überholen.
Außerdem arbeitet Robinson sehr geschickt die Protagonistenkonstellation heraus, die Dicks Romanwerk bis weit in die achtziger Jahre hin beherrschen sollte. Dabei überrascht die fast starre Grundkonstruktion, die Dick mit einer Unzahl von Ideen in seinen vielen Romane variieren sollte. Robinson impliziert am Ende des Kapitels, das sich Dick erst nach der Akzeptanz seiner persönlichen literarischen Rolle als Science Fiction Autor schriftstellerisch weiterentwickeln konnte. Mit „Das Orakel vom Berge“ sollte er seine eher utopisch orientierte Gesellschaftskritik zum ersten Mal in die elegante, aber stringente Form seiner realistischen Romane verpacken. Die folgenden Jahre stellten dann allerdings aus kommerziellen Gründen einen Rückschritt in seinem Werk dar.

Im „Periodensystem der Elemente“ versucht Robinson Dicks fast einzigartige Fähigkeit des Genre- Bruches – also der Zusammenfassung unterschiedlicher Themenelemente in einem Roman – in dessen Werk zu analysieren. Dabei verrennt er sich in diesem Gedanken, dass Dick der erste Autor war, der dieses Mittel aktiv nutzte. Während einer kurzen Analyse der wichtigsten Subthemen des Genres – Dystopie, Raumfahrt oder Alternativwelt – erkennt Robinson mehr und mehr, dass zu erst Alfred Elton van Vogt diese Krone gebührt. Dagegen ist unbestritten, dass Dick scheinbar unvereinbare Elemente zu einem homogenen Ganzen zusammenfügte. Von den Gedanken lesenden und fühlenden Androiden bis zum im nächsten Kapitel ausführlich vorgestellten Alternativweltroman „Das Orakel vom Berge“, der nicht nur die fiktive Welt, sondern die scheinbar reale Grundlage in Frage gestellt hat. Das der Roman nicht nur wegen der HUGO Auszeichnung für Dick einen „großen Sprung“ bedeutet hat, macht die ausführliche Analyse deutlich. Robinson stellt ihn mit Millers „Lobgesang auf Leibowitz“ als der herausragenden amerikanischen Science Fiction Roman der fünfziger Jahre heraus. Dick verlässt in diesem Roman zum ersten Mal seine gängigen Konstellationen und nimmt die Science Fiction als erzählerische Basis an. Nicht nur vom Umfang her, sondern der Konsistenz der Handlung unterscheidet sich das Buch von allen bisherigen Arbeiten Dicks. Sehr intensiv setzt sich Robinson mit den einzelnen hier beschriebenen Welten und deren implizierten Folgen auseinander. Im Gegensatz zu vielen anderen Alternativweltromanen nutzt Dick die fremde Welt seiner Realität, um unsere Welt in der Fiktion eines Buches zu untersuchen. Dabei scheut sich Robinson auch nicht, das schwache und unentschlossene Ende des Buches herauszuarbeiten und an Hand von Notizen und unfertigen Kapiteln deutlich zu machen, wie sehr Dick unter Selbstzweifeln schon in der Frühphase seines Werkes gelitten hat. Robinson lässt aber den interessierten Lesern ausreichend Raum, den vorgestellten Roman zum ersten Mal zu entdecken oder ihn zum wiederholten Mal zu lesen.

Mit den auf dem Mars spielenden Romanen analysiert Robinson nicht nur eine Reihe von Dicks Meisterwerken, sondern stellt im Gegensatz zur langläufigen Kritik fest, dass er als Autor keine kontinuierliche und aufbauende Entwicklung durchlaufen hat. Immer finden sich in chronologischer Reihenfolge zwischen den herausragenden Arbeiten schwache Auftragswerke, in denen er bereits durchgespielte Ideen kaum verschleiert recycelte. Auch funktioniert die oft feindliche Begegnung mit Außerirdischen in seinem Werk überhaupt nicht. Der effektivste Feind ist die Verkörperung der Fremden in einem menschlichen Körper. Palmer Eldridge kommt aus den Tiefen des Alls auf einen kommerziellen Mars zurück, um dort seine Wunderdroge zu verkaufen- im Grund schließt sich mit der Intention dieser von Dick sehr intensiv angelegten Figur ein erstes Kreis in seinem Werk. Der Mensch ist der Feind des Menschen. Diese Feindseligkeit gegen sich selbst transportiert der Autor wie kein anderer in Ebenbilder der amerikanischen Vorstadtgesellschaft der fünfziger und sechziger Jahre. Solange Dick satirisch überspitzte Kritik an der Gesellschaft äußern und die Stellung des Individuums in einer aus seiner Sicht fast diktatorischen Machtkonstellation untersuchen konnte, üben seine Romane eine fast einzigartige Faszination aus. Wenn er sich von diesen Themen abgewandt hat, brachen seine nicht minder kunstvollen, aber innerlich hohlen Realitätsspiele wie Kartenhäuser zusammen. Darum ist die Analyse der ersten Mars-Romane in diesem Band ein Schlüsselkapital. Oft simplifiziert Robinson die augenscheinlich komplex und komplizierten Romane Dicks auf wesentliche, aber auf den ersten Blick kaum zu erkennende Elemente. Es werden eigenwillige Perspektiven auf die klassischen Romane eröffnet. Ab und an droht Robinson in seinen Theorien zu sehr ins Absonderliche und Abstrakte abzudriften. Selbst in der deutschen Übersetzung wirkt die Argumentation steif und schwerfällig. Robinson kann nicht Dicks Fähigkeiten folgende, auf den ersten Blick komplexe Strukturen unglaublich gefällig, einfach und nicht simpel darzustellen. Das sich diese Ideen dann eher als Türen zu komplexeren Gedankenmodellen entpuppen, erkennt der Leser oft erst auf den zweiten Blick.

Mit dem „Sieg des Kapitalismus“ fasst der Verfasser der Studie eine Reihe von Dick- Romanen zusammen, die er allein stehend als unterdurchschnittlich bis schwach einstuft. Erst als eine Art fortlaufende Geschichte mit unterschiedlichen einzelnen Episoden ergeben die zwischen 1964 und 1965 entstandenen Werke zumindest oberflächlich einen Sinn. Eine gewagte, aber interessante Theorie. In dieser Zeit produzierte Dick in erster Linie aus finanziellen Nöten heraus Romane am Fließband. Gegen diese These eines zusammenhängenden Überwerkes spricht Robinsons eigene Stellungnahme, dass zum Beispiel der Plot in „Simulacra“ nicht funktioniert und logische Schwächen beinhaltet. Diese werden auch nicht durch die in der gleichen Zeit geschriebenen Bücher negiert. In Ihrer Komplexität und der innen/ außenpolitisch dramatischen Zeit, in der Dick sie verfasste, dient Robinsons These als Hilfstheorie. Mit der Überschrift, dass er eher politisch links orientierte Dick vor der Allmacht des Kommerz und des Kapitalismus mit diesen Büchern die Fahne gestrichen hat, trifft Robinson allerdings ins Schwarze. Verzweifelt versucht Dick unterschiedliche Stufen der Erträglichkeit des Kapitalismus zu untersuchen und verliert gleichzeitig auch in seinem privaten Leben die Kontrolle über sich. Viele angefangene Ideen, viele Nebenhandlungen, die ins Nichts laufen und vor allem die sprunghaften Übergänge in den einzelnen Romanen spiegeln Dicks Überarbeitung, aber vor allem auch seinen stetig zunehmenden Drogenkonsum wieder.

Nicht umsonst heißt das folgende Kapitel „Alles fällt auseinander“. Kennzeichnend für die Periode ist das recyclen von Ideen aus Dicks Kurzgeschichtenwerk und die oft abstruse Erweiterung von Novellen zu Romanen. Mit diesem Rückschritt in seinem kreativen Schaffen einher geht erstaunlicherweise der Aufstieg der New Wave Bewegung. Verblüffend simpel stellt Robinson fest, dass sich Dick zwar inhaltlich dieser neuen Bewegung nahe geständen hätte, sein klassisches Formatverständnis und die wenigen Experimenten im stilistischen Bereich ihn eher zur Schule der etablierten Autoren zählte. Mit „Do Androids dream of electric sheeps“ aus dem Jahr 1968 begann für Dick erneut eine Periode des eigenständigen kreativen Schaffens. Störend ist, dass die Redaktion des Shayol Verlages den Filmtitel „Blade Runner“ als deutschen Titel für den Roman genommen hat. Besser wäre es gewesen, auf den genau übersetzten Titel der alten Heyne- Taschenbuchausgabe zurückzugreifen. Während sich Robinson zumindest ansatzweise mit den zugrunde liegenden Themen in „Do Androids…“ auseinandersetzt, verfällt sein positive Kritik an „Ubik“ in eine Art sich selbst erfüllende Polemik. Er schließt - trotz aller Kritik an einigen „schwächeren“ Werken Dicks – aus, dass „Ubik“ schlechte Science Fiction sein könnte. Statt dessen bemüht er sich mit Hilfe einer Reihe von interessanten, aber schwer zu verfolgenden - da aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten – den Beweis zu führen, dass die Dekonstruktion der Science Fiction ein Bestandteil einer neuen Art der utopischen Literatur sein könnte. Gleich als Einleitung seiner Betrachtung „Ubiks“ verweist Robinson auf die Tatsache, dass Dicks schwieriges Privatleben hier nicht zur Diskussion steht. Dabei ist dessen Werk oft erheblich von den Höhen und Tiefen seines Privatlebens abhängig gewesen. Es geht nicht um eine Sensationspresse, sondern eine inhaltliche und stilistische Untersuchung der vorliegenden Werke und ihrer Entstehung. Wenn ein wichtiger Punkt des Entstehungsprozesses ganz bewusst nicht behandelt wird, stellt sich die Frage, nach der Effektivität der Ergebnisse. Robinson selbst ist zumindest in diesem Kapital in einer Sackgasse gelandet. So kritisch erfrischend bislang die Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Werk Dicks gewesen ist, so hilflos wirken die präsentierten Argumente zu „Ubik“.

Viel interessanter ist die Analyse der folgenden Romane. Dicks private Probleme nahmen zu. Das stellt Robinson seinem Kapitel als Einleitung voran, ohne auf nähere Details einzugehen. Die kritischen Biographen versuchen dagegen, Dick nicht zu kritisieren, sondern diesen Lebensabschnitt zu analysieren und herauszuarbeiten, wie Dick mit dieser schweren zeit auch literarisch umgegangen ist. Da Robinson auf die eine Seite verzichtet, wirkt seine Analyse der anderen Seite schwach und argumentativ fragwürdig. Trotz der Schwierigkeiten blieb Dick ein fleißiger Autor und sein phänomenaler Austausch von oft zweitklassigen Romanen sank auf ein nur noch überdurchschnittliches Niveau. Die Qualität der Bücher wie „Der dunkle Schirm“ oder „Eine andere Welt“ nahm deutlich zu. Sehr lesenswert ist Robinsons These, dass sich Dick in diesen Jahren mit seiner Rolle als Science Fiction Autor endgültig abgefunden hat. Er experimentiert mit verschiedenen Perspektiven und Stilrichtungen. In Folge dieser Experimente allerdings erhalten seine Bücher wieder die realistische Basis seiner ersten Werke gemischt mit nur wenigen, dann aber pointiert eingesetzten utopischen Elementen. Außerdem beginnt die Science Fiction Welt sich ernsthafter mit ihm und seinem Werk auseinanderzusetzen. Auch wenn Robinson diese Zeit als Übergang sieht, ist es überraschend, wie wenig er bei Büchern wie „Der dunkle Schirm“ oder auch „Eine andere Welt“ auf Dicks Umfeld eingeht. Es fehlt der Hinweis auf den angeblichen Einbruch und den Diebstahl des Manuskriptes. Dick war Zeit seines Lebens der Ansicht, die CIA wollte ihn mundtot machen. Wie stark sich diese beginnende Paranoia – wahrscheinlich durch den überhöhten Konsum von Medikamenten und Drogen verstärkt – auf seine späteren Werke auswirken sollte, hätte eine gesonderte Analyse verdient.

Wenn Robinson im letzten Kapitel „Science Fiction und Realismus“ die VALIS Trilogie untersucht, kommt ein Hauch Wehmut auf. Nicht nur die Aufspaltung der Trilogie in eine „v“ förmige Formation ist überzeugend dargelegt, auch Dicks kontinuierliche Weiterentwicklung in der Zeichnung seiner in erster Linie weiblichen Charaktere. Wehmut kommt eben auf, weil die hier beschriebenen Ereignisse fast eine menschliche Generation – von den Quantensprüngen im Genre ganz zu schweigen – zurückliegen. Es wäre schön gewesen, Dicks fortwährenden Einfluss auf die Science Fiction und Hollywood in einem gesonderten Artikel zu untersuchen. Um diesen Text nicht zu verfälschen, böte sich eine Veröffentlichung in „Alien Contact“ gerade zu an. Robinson räumt aber – um auf die Trilogie zurückzukommen – mit den Klischees auf, dass sich Philip K. Dicks Geisteszustand eintrübte. So passieren die übernatürlichen Ereignisse nicht dem ebenfalls Dick genannten Charaktere, sondern seinen Nebenprotagonisten. Der Autor der Studie bemüht sich, die richtige Mischung aus informativer Analyse und tiefgehender Prüfung abzuliefern. Wie auch in einigen der vorangegangen Kapitel beeindruckt Robinson mit einer interessanten Mischung aus Fachchinesisch und dann wieder recht simplen Metaphern. Der Charakter einer Studienarbeit lässt sich kaum unterdrücken.

Die formattechnisch handliche Studie „Die Romane des Philip K. Dick“ stellt einer über weite Strecken sehr gute, ein wenig anspruchsvolle, aber immer interessante Lektüre dar. Wahrscheinlich durch ihr Alter formuliert Robinson einige Thesen von jeglicher anderer, oft zu intellektueller Kritik unbeeinflusst, die auch heute noch einer Überprüfung wert sind. Außerdem erhält der Leser einen ersten Eindruck der Vielfältigkeit und doch Konzentriertheit auf einige wenige, immer wieder veränderte Themen in dessen Schaffen. Das Buch reizt,
einige der Romane neu zu lesen. Mehr kann ein guter Autor mit einer sekundärliterarischen Arbeit nicht erreichen.

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Kim Stanley Robinson: "Die Romane Philip K. Dick"
Sachbuch, Softcover
Shayol 2005

Weitere Bücher von Kim Stanley Robinson:
 - Die Romane Philip K. Dick
 - Galileo´s Dream
 - The Years of Salt and Rice

Leserrezensionen

Leserrezensionen [Alle Rezensionen anzeigen (5)]
28.11.11, 11:46 Uhr
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