Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Perry Rhodan



Hanns Kneifel

Atlan X- Band 2:
Insel der Winde

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Insel der Winde“ legt Hanns Kneifel des zweiten Band seiner neuen ATLAN Zeitabenteuer im Rahmen der ATLAN X Reihe des Fanpro- Verlages vor. Im Gegensatz zum ersten Roman „Lotse im Sandmeer“ ist der vorliegende Text noch nicht als E- Book veröffentlicht worden. Die Handlung setzt aber nahtlos wieder ein. Es empfiehlt sich nicht, mit dem vorliegenden Roman in die „Kreta“- Trilogie einzusteigen. Auf Rückblicke verzichtet der Autor. Das umfangreiche Glossar bietet allerdings hinsichtlich der historischen Einordnung der Trilogie leichte Hilfestellung.

Atlan steht in der ersten Hälfte des Buches nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Im Auftrag des ägyptischen Pharaos Amenemhet soll er die Handlungsbeziehungen zur Insel Kreta – der Insel der Winde – und ihrem Herrscher Minas ausbauen. In dessen Auftrag schickt drei extra ausgerüstete und mit seinen Getreuen versehene Handelssegelschiffe auf. Sie sollen Tauschobjekte zur Insel bringen und damit einseitig den Handel aufnehmen. Wie auch in den klassischen Zeitabenteuern versucht Atlan die menschliche Geschichte ein wenig in seinem Sinne zu beschleunigen. Im Gegensatz allerdings zu den im Rahmen der PR Planetenromane veröffentlichten Romane wirkt der Arkonide zu passiv. Alle an gedachten Aktion sind routinierte Gedankenspiele, die weniger der Plot vorantreiben als leider Seiten verzerren. In wie weit der Autor vom Verlag ähnlich den Monolith- Romanen Vorgaben erhalten hat, soll nicht Gegenstand der Diskussion sein. Sollte das aber der Fall sein, wäre es von Seiten des Verlages unabdingbar, von dieser Prämisse schleunigst abzuweichen. Diese Passivität bis zu einer unnatürlichen Verweigerungshaltung nimmt insbesondere den jeweils ersten Hälften der beiden bislang veröffentlichten Teile der „Kreta“- Trilogie jegliche Dynamik und leider auch sehr viel Spannung.

Auf dem Weg nach Kreta geraten zumindest zwei der drei Segelschiffe in schwere, fast unnatürliche Stürme. Die Sequenz ist gut beschrieben, rückblickend ist sie zu stark im Verhältnis zum Gesamtplot extrapoliert und findet im Verlaufe des Romans keine Entsprechung. Auf der Insel angekommen lernen die Seefahrer sehr schnell, dass Minas, der Herrscher von Knossos, alles kontrolliert. Alles, was seiner Herrschaft gefährlich werden kann und dazu werden auch Einflüsse von außen gezählt, wird abgelehnt. Im Innenverhältnis hat Minas aber auch andere Probleme. Eine seiner vielen Gespielinnen träumt davon, von ihm schwanger zu werden und einen Sohn zu gebären, um an seiner Seite über die Insel zu herrschen. Dabei gilt es auch eine Reihe von gefährlichen Rivalen auszuschalten. Zusammen mit seiner hübschen und intelligenten Gefährtin beobachtet Atlan das Geschehen zuerst aus einer sicheren Position heraus. Eine überzeugende Begründung, warum Atlan zuerst seine Lakaien in dieser überaus wichtigen Mission schickt, wird von Hanns Kneifel nicht gegeben. Atlans Argumente erscheinen eher fadenscheinig und konterproduktiv. Der Arkonide greift er viel zu spät in das Geschehen ein. Diese Passivität des Unsterblichen ermöglicht es Hanns Kneifel auf der einen Seite, wie in „Lotse im Sandmeer“ eher einen historischen als einen phantastischen Roman zu erzählen.

Wie schon im erste Band der Trilogie nimmt die intensive Beschreibung des Lebens auf der isolierten Insel Kreta ausschließlich aus der Perspektive der Reichen und Mächtigen einen gewichtigen Teil des Plots ein. Ohne belehrend zu wirken relativiert der Autor den Kult um König Minas und seine zahlreichen Geliebten. Der Autor wechselt dabei die Perspektive. Zum einen beschreibt Hanns Kneifel sehr viel aus der Sicht der eher eindimensional charakterisierten Geliebten und ihrem Drang, einen Thronfolger zu erzeugen. Auf die besondere Manneskraft Minas geht Hanns Kneifel sehr ausführlich ein. Bei den Beschreibungen bewegt sich der Autor immer nah am Rande des Klischees. So exotisch der Hintergrund der Geschichte ist, so wenig bewegt agieren die einzelnen Protagonisten vor dieser Szenerie. Immer wenn sich Hanns Kneifel von seiner sich etwas sehr phlegmatisch und konstruiert entwickelnden Handlung löst, beginnt die solide Hintergrundrecherche ihren Reiz zu entfalten. Die exotische Atmosphäre des isolierten Inselstaates, der aber zu einer Macht im Mittelmeer werden möchte, ist gut getroffen. Minas erkennt auf der einen Seite die Notwendigkeit der politisch- wirtschaftlichen Veränderung und möchte sich eine moderne Flotte zulegen. Auf der anderen Seite wehrt er sich aber auch gegen jede offensichtliche Bestrebung, den Status Quo von Knossos anzutasten oder zu verändern. Mit etwas mehr Enthusiasmus hätte der Autor diesen inneren Zwiespalt bei einem der wichtigsten Protagonisten des Romans überzeugender und intensiver herausarbeiten können. Nicht selten agiert Minas wie auf einer großen Theaterbühne. Vor allem wartet Hanns Kneifel viel zu lange, ihm einen ebenbürtigen „Gegner“ gegenüberzustellen. Die Zeit überbrückt der Autor mit der Beschreibung eines schweren Erdbebens, den ersten Versuchen der Seefahrer, auf der Insel handelstechnisch Fuss zu fassen, Palastintrigen und vielen sehr ausführlichen, aber in dieser Fülle ermüdenden Beschreibungen.

Im letzten Drittel des Romans zieht der Autor das Tempo deutlich an. Atlan selbst greift mittels eines Gleiters in das Geschehen etwas aktiver ein. Ob Hanns Kneifel wirklich gut beraten gewesen ist, den Arkoniden derartig passiv agieren zu lassen, wird sich erst mit dem letzten Roman der Trilogie beantworten lassen. Bis dahin ist „Insel der Winde“ stilistisch deutlich besser geschrieben als „Lote im Sandmeer“, der neben einer Reihe von plottechnischen Schwächen vor allem auch durch seine teilweise langweilig geschriebenen Dialoge aufgefallen ist. Im Vergleich allerdings zu den im Rahmen der PR Planetenromane veröffentlichten und immer noch sehr beliebten ATLAN Zeitabenteuer ist „Insel der Winde“ eine eher durchschnittliche Arbeit Kneifels. Hinsichtlich des Plots erscheinen viele Szenen unnötig, aber routiniert gedehnt. Ohne ins Labern zu verfallen versteht es der Münchner sehr geschickt, die Seiten zu füllen. Vor allem fehlt es dem Roman an originellen Ideen. Der Autor verzichtet zwar auf übernatürliche Ideen wie Roboter oder Außerirdische, aber handlungstechnisch ist der Rückgriff auf eine Entführung – wieder von hübschen Frauen – nicht unbedingt ein Argument, um den dritten Band der Trilogie zu lesen. Wie Hanns Kneifels letzte PR Action Romane bzw. sein Beitrag zu den Minizyklen im Heyne- Verlag wirkt der Roman sehr konträr. Gut recherchiert, als wenn die Arbeit nicht unbedingt für den vorliegenden Plot, sondern eher an nicht geschriebenen historischen Roman erarbeitet worden ist, aber stellenweise oberflächlich und schnell herunter geschrieben. Weiterhin leidet das Buch unter der Schwäche vieler Mitteilteile einer Trilogie. Im ersten Roman ist das Szenario entwickelt und der Plot vorbereitet worden, der dritte Teil soll ein krönender Abschluss sein. Der Mittelteil soll im Grunde das Interesse der Leser aufrechterhalten und den abschließenden Roman vorbereiten. In vielerlei Hinsicht erfüllt „Insel der Winde“ diese Aufgabe sehr viel besser als man es nach dem sehr schwachen und konstruierten „Lotse im Sandmeer“ überhaupt erwarten durfte. Es bleibt die Hoffnung, dass Hanns Kneifel im abschließenden Band der „Kreta“- Trilogie zu Hochform aufläuft und seinen Lesern etwas Überraschendes und vor allem Packendes präsentiert.



Hanns Kneifel: "Atlan X- Band 2: Insel der Winde"
Roman, Softcover, 318 Seiten
Fanpro 2009

ISBN 9-7838-9064-1959

Weitere Bücher von Hanns Kneifel:
 - Atlan X- Lotse im Sandmeer
 - Das Tor der tausend Sonnen
 - Hakonwulf von Thule

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::