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Perry Rhodan



Hans Kneifel

Monolith 3:
Echo der Verlorenen

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Echo der Verlorenen“ aus der Feder Hans Kneifels liegt der dritte Band des Monolith- Zykluses im Rahmen der ATLAN Taschenbuchreihe vor. Exposeredakteur Götz Roderer hat Hans Kneifel mit dem vorliegenden Roman eine dankbare und seinen literarischen StĂ€rke entsprechende Aufgabe zugestanden. Die Handlung spielt ĂŒberwiegend auf dem Dschungelmond des Riesenplaneten Ajatan. Dieser wird von Eingeborenen bewohnt, die sich mit Luftschiffen ĂŒber den Dschungeln ihrer Welt dahin bewegen. Archaische Kulturen, technologisch noch nicht weiter entwickelt, aber intellektuell einfallsreich gehörten und gehören zu den beliebten Themen in Hans Kneifels umfangreichen Werk. Im vorliegenden Band gelingt es ihm sehr gut, dieses Volk dreidimensional und ĂŒberzeugend zu beschreiben. Von der Faszination des „echten“ Fliegens – nicht mit Raumschiffen, sondern eindrucksvollen Luftschiffen – erzĂ€hlt der Autor plastisch und fĂŒr den Leser nachvollziehbar. Dabei fĂ€llt weniger ins Gewicht, dass Teile des Romans nicht unbedingt geschickt alte Szenarien und Ideen aus der Heftromanserie recycelten, ohne das sie den AnsprĂŒchen des 21. Jahrhunderts wirklich angepasst worden sind.

Das Problem ist neben der Charakterisierung der einzelnen Protagonisten die Hintergrundgeschichte, die zumindest teilweise im vorliegenden dritten Band des „Monolith“ Zykluses aufgehellt wird.

Wieder handelt es sich bei dem Planeten um das ehemalige Zentrum eines gewaltigen Reiches, dessen Bewohner technologisch hoch stehend in Frieden zusammenlebten. Die Bewohner erfuhren von einem Konflikt in der Milchstraße. In der Gegenwart finden Atlan und seine Mannschaft die Überreste eines Raumschiffs der Bestien, den Vorfahren der Haluter, die vor langer Zeit mit den Lemurern Krieg fĂŒhrten. NatĂŒrlich zogen die Vorfahren schließlich in den Krieg und opferten Teile ihrer Kultur fĂŒr einen unfreiwilligen und fĂŒr sie im Grunde widerwĂ€rtigen Konflikt, der sie natĂŒrlich durch das Vordringen der Bestien direkt bedrohte. Diese Idee in Kombination mit einem Ableger Alan Dean Fosters „Die denkenden WĂ€lder“ als Hintergrund des dritten Monolith Romans wirkt nicht sonderlich ĂŒberzeugend. So oft ist dieses Szenario benutzt worden und zu wenig machen Hans Kneifel und Götz Roderer/ Klaus N. Frick aus dieser Idee. Schon im zweiten Band der Serie zeichnete es sich ab, dass die Ereignisse um die Monolithen zumindest impliziert in einem Zusammenhang mit den Lemurern und ihrem Kampf gegen die Halutervorfahren stehen. Neben dem „Schwarm“ Zyklus scheinen die jetzigen Macher „Perry Rhodans“ unbedingt den sehr beliebten „MDI“ Zyklus bis zum Überfluss ausschlachten zu wollen. Was im Rahmen des bevorstehenden und unerbittlich gefĂŒhrten Krieges noch fehlt ist natĂŒrlich das entsprechende Geheimprojekt, an welchem die Machthaber mit willigen Sklaven oder besser auf Neudeutsch Klons arbeiten. Als nach Jahrhunderten der Arbeit das eigentliche Ziel einer Flucht vor den Angreifern nicht realisiert werden konnte, sollten die Artefakte zumindest als Waffe eingesetzt werden. Die Monolithen stellen also Zeugnisse dieser untergegangenen Kultur dar. Dank der TrĂ€umer des abgelegenen Planeten werden den Protagonisten und den Lesern die Ereignisse dieser dunklen Epoche vor mehr als 1.2 Millionen Jahre in entsprechenden Zwischenkapiteln verdeutlicht. NatĂŒrlich erfĂ€hrt Atlan diese Informationen erst, als er in Not geraten gerade auf dieser Welt strandet.

Nach der Verfolgung der Silberherren in ihrem Raumschiff mit dem USO Spezialisten an Bord wird ATLANs Raumschiff ĂŒber der Dschungelwelt abgeschossen, der Raumer schlĂ€gt in einem schwarzen Sumpf auf und ein Teil der Besatzung kann sich retten. Zu den pathetischen Szenen des Romans gehört die Trauer der Kommandantin um ihr geliebtes Schiff, dessen Geschichte sie im Monolog sich selbst und damit impliziert auch den Lesern noch einmal erzĂ€hlt. An dieser Sequenz lĂ€sst sich zum wiederholten Male feststellen, dass Hans Kneifel in erster Linie ein Actionautor ist. Zu seinen SchwĂ€chen gehört die Charakterisierung und FĂŒhrung von Protagonisten. Ein stilistisch vielseitigerer Autor hĂ€tte aus dieser Sequenz ausreichend Emotionen gezogen, um ĂŒberzeugend den Rest des Romans und damit das Überleben in menschenfeindlichen Gebiet zu untermauern. So sticht diese Szene nur aus der nicht gerade vor Dynamik strotzenden Handlung heraus und verstĂ€rkt den Eindruck, als könne das Geschehen dieses insgesamt sechsteiligen Zykluses doch in den bislang zu bevorzugenden Dreiteilern abgehandelt werden. NatĂŒrlich findet Atlan in den Eingeborenen VerbĂŒndete im Kampf gegen die Silberherren. Das war in der Geschichte der Perry Rhodan/ Atlan Serie in ungefĂ€hr neunzig Prozent der FĂ€lle so und wird wahrscheinlich auch in der Zukunft so bleiben. Das Problem am vorliegenden Band ist allerdings, das wie auch in der Perry Rhodan Serie inzwischen ZufĂ€lle wirklich ĂŒberzeugende Ideen und gut durchkonzipierte Zyklen abgelöst haben.


In einem direkten Konflikt fĂŒhrt Hans Kneifel die beiden angesprochenen Handlungsebenen zusammen. Erst wollen die Eingeborenen Atlan und seine MĂ€nner töten. Atlan erlĂ€utert ihnen schließlich, das sie im Gegensatz zu den Bestien die Welt nicht zerstören wollen. Die Eingeborenen verlieren plötzlich auf einen Schlag ohne wirklich ĂŒberzeugende Beweise ihr aggressives Verhalten gegenĂŒber den Menschen. Diese Wesensart scheint Teil eines Verteidigungsmechanismus zu sein, der auch ihre stetigen TrĂ€ume von der Vergangenheit unterstĂŒtzt. Diese TrĂ€ume stehen in einem engen Zusammenhang mit den PSI StĂŒrmen. Die Kommunikation mit den Eingeborenen hilft Atlan bei der Umsetzung eines verzweifelten Kommandoplans. Atlan muss nĂ€mlich den Monolithen vor den Silberherren erreichen. Dieser Monolith beeinflusst nicht nur seinen Zellaktivator und damit sein Leben, er setzt auch die den Absturz ĂŒberlebende Technik außer Gefecht und bedroht das Leben seiner MĂ€nner. Auf dem luftigen Weg zum Monolithen beschreibt Hans Kneifel eine Reihe von NaturphĂ€nomenen wie die Zeremonie der Schlammer. Auch wenn diese Szenen den Plot nicht wirklich voranbringen, sind diese Sequenzen vom Autoren sehr gut beschrieben und vermitteln einen ĂŒberzeugenden Eindruck dieser exotischen Welt.

Atlan ist allerdings auch auf unerklĂ€rliche Weise mit dem USO Agenten Santjun verbunden, der sich in der Gewalt der Silberherren an Bord ihres Raumschiffs TRAUM DER EWIGKEIT befindet. Santjun wird immer wieder vom Kommandanten Onjar Marik , dem AnfĂŒhrer der geheimnisvollen Organisation, gefoltert. Die BordĂ€rztin Thalia Lacroix flickt ihn immer wieder zusammen, wĂ€hrend Santjun sich bemĂŒht, seine Geheimnisse bei sich zu behalten. Nachdem die TRAUM DER EWIGKEIT Atlans Schiff angegriffen hat, stĂŒrzte es auch auf dem gleichen Mond ab. Nur deutlich nĂ€her m Monolithen, so dass sich natĂŒrlich zwischen den Überlebenden der beiden Raumschiffe ein Wettrennen entwickelt. Im obligatorischen Showdown ĂŒberrascht dann Hans Kneifels Roman durch Einfallslosigkeit. Die Actionszenen insbesondere im Monolithen sind vernĂŒnftig geschrieben, aber am Ende des Buches fliehen die Silberherren wieder kurz vor ihrer Verhaftung und Atlan ist zum wiederholen Male gezwungen, den Antagonisten dieses Mal allerdings nicht per Raumschiff hinterher zu hetzen. Ähnliche Cliffhangar haben sich nicht nur in der kurzlebigen zweiten Atlan Heftromanserie ausgebreitet, sie dienen auch als Markenzeichen der parallel laufenden Perry Rhodan Action Serie und zermĂŒrben die Erwartungshaltung der Leser. Zusammengefasst hinterlĂ€sst der Roman einen sehr zwiespĂ€ltigen Eindruck. Wieder wird eine Kultur aufgebaut, die in der Vergangenheit untergegangen und niemals wieder in der Serie bzw. dem Perry Rhodan/ Atlan Universum eine Rolle spielen wird. Die AusfĂŒhrlichkeit, mit welcher ihr Überlebenskampf inklusiv des langsamen Untergangs inklusiv einer letzten Verzweifelungstat beschrieben worden ist, erdrĂŒckt die eher klischeehafte und nur selten wirklich originelle Handlung. Hans Kneifel gibt sich zwar sehr viel MĂŒhe, das Szenario farbenprĂ€chtig und unterhalten zu beschreiben, aber ihm gelingt es nicht, ĂŒber das durchschnittliche Expose hinauszuwachsen. Wie schon der erste Band des Monolith- Zykluses hĂ€tte die vorliegende Geschichte deutlich kompakter und stringenter erzĂ€hlt werden können. Insbesondere die Figur Atlans entgleitet mehr und mehr den Zyklen der Autoren und der Exposeredaktion. NatĂŒrlich ist es keine neue Idee, Atlan wie alle anderen intelligenten Wesen unter den Strahlen des Monolithen leiden zu lassen. Vor allem ist diese PrĂ€misse in den ersten beiden Romanen ĂŒberdeutlich ausgespielt worden, so dass Hans Kneifel dieser Idee im vorliegenden Band nichts mehr hinzufĂŒgen kann.
NatĂŒrlich erzeugt der Autor auf der anderen Seite mit den lebensbedrohlichen Szenen auf dem Dschungelmond ein wenig Spannung, aber zusammengefasst wirkt „Echo der Verlorenen“ etwas mechanisch und zu distanziert. Zusammengefasst ĂŒberzeugen nur die farbenprĂ€chtigen HintergrĂŒnde und die Idee mit den einen SHIFT ĂŒber den Baumkronen transportierenden Flugschiffen, der Rest des Buches ist eine bekannte Mischung aus unzĂ€hligen anderen Atlan Abenteuern.

Hans Kneifel : "Monolith 3: Echo der Verlorenen"
Roman, Softcover, 303 Seiten
Fanpro 2009

ISBN 9-7838-9064-1843

Weitere Bücher von Hans Kneifel :
 - Atlan X Band 3: Das schwarze Schiff
 - Die interstellaren FreihĂ€ndler
 - Höllenwelt 3: DĂ€mmerung ĂŒber Höllenwelt
 - Illochim- Trilogie Band 1: Das Relikt der Macht
 - Lemuria 2 - Der SchlĂ€fer der Zeiten
 - Perry Rhodan Action 17 - Das Auge des Kosmos
 - Perry Rhodan Action 3 - Rhodan mal tausend
 - Perry Rhodan Action 30 - Das dunkle Korps

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