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Perry Rhodan



Montillon, Haensel, Vandemaan

Jupiter

rezensiert von Thomas Harbach

Im Gegensatz zu den Sechsteilern oder dem im Paperbackformat veröffentlichten Dreiteiler “Pan-thau-Ra” legt der Heyne- Verlag in Kooperation mit der Perry Rhodan Redaktion den umfangreichsten Perry Rhodan Roman “aller Zeiten” vor. Drei Autoren haben zusammen an der Geschichte “Jupiter” geschrieben. Für den Leser gibt es die Hoffnung, dass im Gegensatz zu den Mehrteilern der Vergangenheit dieses Mal der Stoff ausreicht, um quasi eine halb so umfangreiche Serie überzeugend zu füllen. Rückblickend muss diese Frage teilweise verneint werden. Die Zusammenarbeit von Hubert Haensel, Christian Montillon und Wim Vandemaan ist sicherlich harmonischer als die Zusammenarbeit bei den vorangegangenen Zyklen zwischen dem Exposeredakteur und dem Autoren. Zumindest in Hinblick auf das Ergebnis. Vorbei scheinen aber die Zeiten zu sein, in denen es nach außen in erster Linie darum geht, dem Leser ein harmonisches Produkt zu kredenzen. Jeder der Autoren scheint seinen Kapiteln eine eher individuelle “Persönlichkeit” geben zu wollen. Die Einleitung von Wim Vandemaan- rückblickend nicht unbedingt wichtig - ist langatmig, vor allem stilistisch zu spitz formuliert, während Hubert Haensel routiniert aber leider nicht inspiriert irgendwie die Fäden zusammenzuhalten sucht und Christian Montillon stilistisch locker beweist, dass er aus seiner “Perry Rhodan Action” Phase nichts gelernt hat, während er später für die wenigen emotional überzeugenden Szenen. Des ganzen Romans verantwortlich ist. Wim Vandemaan dagegen ignoriert mehr und mehr die Idee eines harmonisch stringenten Romans und verzettelt sich in gut geschriebenen, aber im Grunde unwichtigen Nebenaspekten. Hubert Haensel stellt weiterhin routiniert seine Jahrzehntelange Perry Rhodan Erfahrung zu verfügen, ohne wirklich einmal über das Prädikat durchschnittlich herausragen zu können. Diese Wechselhaftigkeit -eher negativ gemeint - zwischen den Autoren setzt sich leider auch bei der eigentlichen Handlung fort.
Nach dem angesprochenen launig gelangweilten Prolog, in dem zahlreiche Szenarien angedeutet werden und die Selbstständigkeit der Ganymedaner derartig übertrieben betont wird, das der Leser die nächsten Schritt im Grunde stereotyp und ohne die Fähigkeit in die Zukunft zu sehen, vorhersagen kann, kommt es zum Unvermeidlichen: Perry Rhodan, Reginald Bull nun Mondra Diamond werden im Jahre 1461 NGZ - also 3000 Jahre nach der Besiedelung Ganymeds - zu den entsprechenden Feierlichkeiten eingeladen, sprich passend für die kommenden Ereignisse von jeglichen Resourcen abgeschnitten. Wie oft im Rahmen der Perry Rhodan Mehrteiler des Heyne- Verlags ist Rhodan nicht irgendwo hingereist, wurde von SOL abgeschnitten oder einfach entführt? Auf Ganymed zeichnen sich ähnlich seltsame Entwicklungen wie auf Terra ab. Überall im Sonnensystem - warum auch nicht? - wird die seltsame Droge “Tau-Acht” konsumiert, welche den Menschen scheinbar und wahrscheinlich für eine begrenzte Zeit Paragaben “schenkt”. Auf Ganymed wächst mit den Konsum der Droge die Arroganz der einheimischen Bevölkerung, die sich als “Honovin” - Homo novus insomnus - sehen. In der Nähe ihres Hotels - es ist immer gut, eine zweite Handlungsebene zu entwickeln - schiebt sich plötzlich durch die Eiskruste des Planeten ein aus fünf versetzt übereinander befestigten Würfeln bestehende Objekt aus dem Eis, das ungefähr 20000 Jahre alt ist und sich vor allem dem gegenwärtigen Zeitablauf anpasst. Außerdem treten in der Nähe des Objektes Schwerkraftanomalien auf.
In einer der absurdesten Wendungen des Romans nimmt Rhodan freiwillig - in anderen Minizyklen werden ihm Drogen von den jeweiligen Schurken gegen seinen Willen injiziert - die Drogen “Tau- Acht” und erlebt starke Visionen, in deren Mittelpunkt der Planet Jupiter steht. Perry Rhodan Motivation, die Droge ohne wirkliche Not ebenfalls auszuprobieren, wird derartig oberflächlich herausgearbeitet, das der Leser das unbestimmte Gefühl hat, den Autoren ist nichts anderes eingefallen, um ihren charismatischen Helden letzt endlich zum Titelobjekt - dem Planeten Jupiter - der Begierde zu bringen. Das sich im Verlaufe der konfusen und unübersichtlichen Handlung die beiden wichtigsten Elemente - Drogen und Artefakte - letzt endlich verbinden, ist dem Außenstehenden teilweise fassungslosen Zeugen deutlich schneller klar als allen Protagonisten dieses Gemischtwarenladens zusammengenommen.

“Jupiter” leidet im Grunde unter den Ansprüchen der Perry Rhodan Redakteure an sich selbst. Sie scheinen auf einer eher abgehobenen Ebene zu wandeln, in der sie nicht mehr in der Lange sind, eine einfache Geschichte zu konzipieren, die im Grunde Hand und Fuß hat. Im Gegensatz zu den im Rahmen der “Fanpro” Editionen erscheinenden Atlan Dreiteilern leidet “Jupiter” wie auch der laufende Zyklus nicht nur in einer Fokussierung, sondern vor allem unter den zahllosen Ideen, die exzentrisch veranlagte Autoren wie Leo Lukas, Wim Vandemaan und mit großen Einschränkungen auch Michael Marcus Thurner wie vom Fließband produzieren, denen es aber entweder wie im vorliegenden Roman an nachhaltiger Plausibilität fehlt oder die überhaupt nicht miteinander verbunden worden sind. Das beginnt schon beim eigentlichen Antagonisten, der mit deutlich einfacherer Planung wie zahlreiche Feinde des ehemaligen Solaren Imperiums erfolgreich zum Ziel gekommen wären. Zumindest wird auf eine ausufernde “Rede” im James Bond Schurkenstil verzichtet und der Leser darf an einigen Stellen zusammen mit den Protagonisten und manchmal auch den Autoren raten, welche Bedeutung diese Nebenhandlung wirklich hat. Kein schlechter Zug der drei Autoren.
Während Mondra Diamond im Grunde nur reagieren kann und zumindest zusammen mit einigen TLD- Agenten an einen bizarren Wettkampf - von dieser Form gab es in letzter Zeit sehr viele - teilnehmen muss, um wenigstens etwas an Profil zu gewinnen, bleiben Reginald Bull und insbesondere Perry Rhodan blass. Die Autoren geben sich so gut wie keine Mühe, ihnen individuelle Züge zu geben. Sie sind vielmehr damit beschäftigt, auf den mehr als eintausend Seiten immer wieder möglichst originelle Nebenfiguren ohne Vergangenheit und natürlich auch eine Zukunft zu erschaffen, die teilweise so absurd ausgearbeitet worden sind, dass man ihnen ihr Schicksal nur gönnen kann. Auf die meisten Charaktere hätte der Roman zugunsten so etwas wie einem nachvollziehbaren Plot verzichten können.
Am schlimmsten ist, das in einer Art Deus Ex Machina Rettung nicht nur die auf den ersten Seiten aufgeworfenen Probleme entweder beseitigt werden - alle Drogensüchtigen gerettet, Jupiter droht nicht mehr das Sonnensystem zu vernichten und die Bewohner vom Mond Ganymed können in den nächsten dreitausend Jahren bis zur nächsten Feier sicherlich mit großzügiger Unterstützung Rhodan die gröbsten Schäden auf ihrer Welt reparieren - , sondern der ganze Roman auch in Hinblick auf den bisherigen Rhodan Kosmos sich überflüssig gemacht hat. Natürlich wurden in den Planetenromanen serienunabhängige Themen angesprochen und auch abgehandelt, aber zumindest griffen die Autoren bis auf die Seuche mit den MDI und Zellaktivatoren von Peter Terrid auf interessante Nebencharaktere oder neu entwickelte Figuren zurück, denen serientechnisch “etwas passieren” konnte. So fühlt sich der Leser nach mehr als eintausend Seiten nicht nur erschöpft, verwirrt, provoziert oder am meisten gelangweilt, er hat auch das Gefühl, das die drei beteiligten Autoren selbst irgendwann den Überblick über ihr Mammutwerk verloren haben und letzt endlich den im Grunde chaotischen Plot einfach nur beenden wollten. Es ist traurig, das die ambitioniert gestartete Kooperation mit dem Heyne- Verlag niveautechnisch einen weiteren Tiefpunkt erreicht hat. Es bleibt zu hoffen, dass “Jupiter” vielleicht der letzte Band dieser Kooperation ist oder das sich die Perry Rhodan Redaktion in Rastatt um ein gänzlich neues Konzept mit neuen Autoren und vor allem anderen Perspektiven bemüht, das neue Leser auf die laufende Heftromanserie aufmerksam macht. Auf der anderen Seite ist der laufende Zyklus auch derartig langatmig, langweilig und chaotisch, das die Unterschiede zu “Jupiter” weniger stark sind als es die größten Pessimisten befürchten.

Montillon, Haensel, Vandemaan : "Jupiter"
Roman, Softcover, 1008 Seiten
Heyne- Verlag 2011

ISBN 9-7834-5352-7744

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