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Perry Rhodan



Wim Vandemaan

Das rote Imperium 3:
Die Zukunftsbastion

rezensiert von Thomas Harbach

Im letzten und dritten Band des Perry Rhodan Zyklus um „Das rote Imperium“ geht Exposeautor und Autor Hartmut Kasper des vorliegenden dritten Bandes zumindest auf Tuchfühlung mit dem „Matrix“ Universum. Eine Art Cyber Film Noir wird zu Beginn des Buches präsentiert. Der Terraner wird nach seiner Gefangennahme am Ende des zweiten Romans – ein Cliffhangar, der sich inzwischen eher unfreiwillig zum Running Gag der Rhodan Serie und seines Action Ablegers entwickelt – entführt, gefangen genommen und ins Mentale Symposium eingegliedert. Die Impulse seines Zellaktivators sollen das Ganzini- System ablenken. Immerhin einmal eine originelle Aufgabe für das kleine Ei, das ansonsten ja eher entliehen, gestohlen und verlegt wird. Rhodan verliert alle Erinnerungen und taucht in eine virtuelle Realität ein, die den amerikanischen Hardboiled Krimis entnommen worden ist. Als Privatdetektiv – natürlich zynisch, erfolglos und verbittert – erhält er in New York in der Mitte des 20. Jahrhunderts lebenden den Auftrag, die wertvollen Ganzini- Smaragde aus der Hand eines Diebes zurückzuholen. Natürlich eröffnen sich Rhodans Wächter, dass er mit dem Knacken dieses von Wim Vandemaan allerdings nicht sonderlich schwierig konstruierten Falls – hier hätte der Autor eher Anleihen bei Sherlock Holmes nehmen sollen – gleichzeitig auch das Schutzfeld um die Gazini- Barriere überlistet. Der Plan gelingt, auch wenn die in New York spielende Handlung mit fast einem Drittel des ganzen Buches einen viel zu breiten und teilweise trotz der gut geschriebenen Dialoge eher phlegmatischen Eindruck hinterlässt. Den Szenen fehlt die Dynamik des Neo Film Noirs, der eben Streifen wie „Matrix“ auszeichnete. Grundlegend stellt sich weiterhin die Frage, warum ausgerechnet außerhalb der Leidenschaft des Autoren, einen Kriminalroman zu schreiben, ausgerechnet diese Epoche genommen worden ist. Eine Spionagehandlung in der Tradition James Bonds oder eines John Le Carres hätte besser zum Rätsel gepasst. Vorsichtshalber und für den Leser natürlich sofort erkennbar, wird Perry Rhodan nach Erfüllung des Auftrages für tot erklärt. Was die wieder einmal im Kern überforderten Antagonisten nicht ahnen. In der virtuellen Welt New Yorks hat Rhodan von einer attraktiven Frau einen zweiten Auftrag erhalten. Der Detektiv soll ihren verschwundenen Bruder Perry finden. Mittels dieser Hilfskonstruktion findet Rhodan natürlich wieder zu sich selbst und kann später aktiv in das Geschehen eingreifen. Im Mittelteil des Buches greift Vandemaan fast schon mystisch verklärt auf die „Man on a Mission“ Filme und Bücher zurück. So soll Rhodan ohne größere Hilfsmittel innerhalb von 72 Stunden Velines töten. Alleine diese Prämisse widerspricht vielen grundlegenden Ideen der Rhodanserie. In den Heftromanen ist immer nur vom Ausschalten die Rede gewesen und die Kommandounternehmen der Terraner – nicht selten gestartet, um die Exposeredaktion aus der Klemme zu retten, in welcher sie sich mit schier unüberwindlichen Gegnern selbst hineingeschrieben hat – sind ja legendär. Von Beginn der Mission an, als Rhodan in einer kleinen Kapsel auf die Planetenoberfläche geschossen wird, schleicht sich ein Misston in den Roman ein. Die mechanischen Plotelemente funktionieren, aber zumindest impliziert hat der Leser nicht das Gefühl, einen wirklichen Perry Rhodan Roman zu lesen. Nach Ablauf des Ultimatums von 72 Stunden wollen die Verbündeten den Großangriff auf das Siamed System starten. Im letzten Drittel des Buches schlägt der Autor nicht nur einen Hacken nach dem anderen, beendet den Handlungsbogen um das rote Imperium und integriert Ernst Ellert aus den Eröffnungskapiteln wieder geschickt in die farbenprächtige Handlung. So unternimmt Ernst Ellert Ende Juni 1971 die Bahnreise nach Zürich, um die „Sanduhr“ – ein Schlüssel MacGuffin des vorliegenden Romans – in einem Schweizer Bankschließfach zu deponieren und sich auf dem Rückweg der neu gegründeten Dritten Macht Rhodans anzuschließen. Ein Kreis, der immerhin ein ganzes Parallelweltuniversum umfasst, hat sich geschlossen.

Obwohl Hartmut Kasper von seinen schriftstellerischen, aber nicht unbedingt dialogtechnischen Fähigkeiten deutlich über Leo Lukas thront, ähneln sich die beiden Autoren hinsichtlich ihrer Einstellung dem komplexen Perry Rhodan Universum gegenüber. Sie wollen sich nicht in ein enges Korsett einschnüren lassen. Leo Lukas sind inzwischen einige sehr übertriebene und die Atmosphäre des Rhodan Kosmos störende Ecken und Kanten abgeschliffen worden. Lukas hat sich gut integriert. Hartmut Kasper dagegen versucht mit seinen literarischen Exzessen einen anderen Weg zu gehen. Er schafft einfach seine eigenen Universen, die nur am Rande mittels leider auch manchmal sehr entfremdeter Figuren aus der Serie etwas mit den Pabel- Produkten zu tun haben. Das wirkt auf den ersten Blick belebend und die teilweise zu starren und vorhersehbaren Konzepte durchbrechend, auf den zweiten Blick allerdings auch frustrierend. Der anarchistische Kasper wirkt irgendwann immer von der „Realität“ eingeholt und muss am Ende seiner Exzesse nicht unbedingt reumütig in die fiktive Realität der Serie zurückkehren. Exemplarisch erkennbar am Romanauftakt. Die Hommage an die schwarze Serie, den amerikanischen Film Noir kennt der Leser/ Zuschauer schon vom Holodeck aus „The Next Generation“ bzw. der virtuellen Realität aus „Matrix“. Sicherlich für Perry Rhodan Leser, wer aber über den Tellerrand der Serie hinausschaut, wird von dem netten, aber nicht realen Auftakt solide, aber nicht überraschend unterhalten. Mit Perry Rhodan Vehikeln wie den Kugelraumern, den Druuf oder den Hinweisen auf das rote Imperium dringt die „Realität“ des PR Kosmos in diese virtuelle Welt ein. Aber auch hier erinnert manches an den weißen Hasen aus „The Matrix“. Vor allem gelingt es Hartmut Kasper nicht, über dieses nicht unbedingt überraschende Szenario und einige gute Einfälle hinaus den Leser zu verblüffen. Bildlich gesprochen fehlt dieser Handlungsebene der „Kick“, der sie aus dem bekannten Science Fiction Universum heraushebt.

Weiterhin leidet der Zyklus um „Das rote Imperium“ ebenso wie die laufende Serie – so weit es sich zehn Bände vor dem „Höhepunkt“ schon beurteilen lässt – oder die letzte Miniserie „Ara Toxin“ unter der Hilflosigkeit der Expokraten, dass Unheil, das mit zynischen Vergnügen gesät worden ist, auch für einen Leser überzeugend und nachvollziehbar wieder unter Kontrolle zu bekommen. Über eine insbesondere im Vergleich zum Gesamtzyklus langen Zeitraum sind die Feinde als brutal, dunkel, wahnsinnig und unbesiegbar aufgebaut worden. Dann werden sie im letzten Band aufgrund von Protagonisten, die eher aus dem Nichts als aus dem Konzept des Expokraten auftauchen und schnell zur Wunderallzweckwaffe deklariert werden, besiegt. Ärgerte den Leser schon der letzte Band von „Ara- Toxin“, ist der Frust bei „Die Zukunftsbastion“ noch größer, da Hartmut Kasper sich immer Zeit und Platz für zahlreiche, nicht schlechte Nebenideen lässt und den Leser nicht durch einen zu langen, zu phlegmatischen und mit zu viel Füllmaterial ausgestatten sechsteiligen Zyklus jagt. Das Ende des vorliegenden Bandes gehört wie die Enden zahlreicher anderer Perry Rhodan Miniserien zu den größten Schwächen.

Eine weitere Schwäche ist Kaspers Hang zum Schwafeln. Ihm reicht es nicht, eine Geschichte stringent und zielführend zu erzählen. Fallen schon die Versuche auf, den Ton der Rhodanserie dunkler, brutaler und exzessiver zu gestalten, so wird die Plotführung teilweise zu einem Geduldsspiel. Christian Montillon und Christian Schwarz haben in dem „Desaster“ Zyklus für die „Professor Zamorra“ Reihe ein ähnliches Experiment gestartet. Hartmut Kasper geht ein wenig intelligenter vor, in dem er vieles als reine Propaganda des roten Imperiums entlarvte. Aber weder Propaganda noch virtuelle Realitäten befriedigen auf die Dauer die Leser. Irgendwann möchte man das verlockende Gericht nicht nur sehen und riechen, sondern auch essen. Nicht selten will der Leser den Autoren einfach anschreien, seine Story endlich zu Ende zu bringen. Mindestens einhundert Seiten hätten aus dem vorliegenden Roman herausgekürzt werden können. Impliziert gesagt, Hartmut Kasper vesucht seine Unsicherheit hinter einer Unzahl von Ideen zu verstecken. Sobald man allerdings die Haut von „Die Zukunftsbastion“ abzieht, bleibt ein durchschnittlicher und vor allem uneinheitlicher Roman zurück. Hartmut Kasper wollte wie einige seiner Vorgänge zu viel und scheitert vielleicht wenige großartig als ein Michael Marcus Thuner, aber vieles wirkt an „Das rote Imperium“ wie Stückwerk. Die fehlende Abstimmung der Autoren hinsichtlich der Cliffhangar frustriert genauso wie die Manie, eine Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven noch einmal zu erzählen bzw. die bisher bekannte Hintergrundhandlung auf einen Schlag als falsch zu entlarven. Im Vergleich zum extrem schwachen Minizyklus „Ara Toxin“ stellt „Das rote Imperium“ eine leichte Steigerung dar, aber angesichts eines ideenreichen Exposeautors wie Hartmut Kasper und eines interessanten Themas ist die vorliegende Trilogie sehr uneinheitlich geworden. Überambitioniert, aber nicht zufrieden stellend.




Wim Vandemaan: "Das rote Imperium 3: Die Zukunftsbastion"
Roman, Softcover, 461 Seiten
Heyne Verlag 2009

ISBN 9-7834-5352-4996

Weitere Bücher von Wim Vandemaan:
 - Die Tefroder 3: Die Stadt der tausend Welten
 - Perry Rhodan Action 11 - Gericht der Regenten
 - Perry Rhodan Neo 14 - Die Giganten von Pigell
 - Perry Rhodan Neo 14: Die Giganten von Pigell
 - Perry Rhodan Neo 22 - Zisternen der Zeit
 - Perry Rhodan Neo 4 - Ellerts Visionen
 - Perry Rhodan Neo 4: Ellerts Visionen
 - PR Neo 22- Zisternen der Zeit

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