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Perry Rhodan



Michael Marcus Thuner

Das rote Imperium 1:
Die fossile Stadt

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Die fossile Stadt“ liegt der ersten Band des neuen Perry Rhodan Taschenbuchzyklus „Das rote Imperium“ vor. Im Gegensatz zu den bisherigen Zyklen nur ein Dreiteiler, der von Michael Marcus Thuner, Christian Montillon und Wim Vandemaan geschrieben wird. Der ebenfalls aus drei Bänden bestehende „Pan- Thau- Ra“ Zyklus von Frank Borsch erschien im Paperbackformat. Also ist „Das rote Imperium“ der bislang kürzeste Zyklus. Sicherlich zur Freude vieler Leser, da bislang jede der Heyne- Perry Rhodan Kombinationen Füllbände und teilweise unnötig in die Länge gezogene Passagen aufwiest. Das Konzept hat Wim Vandemaan alias Hartmut Kasper unter Einbeziehung von Ideen seiner Mitautoren entwickelt. Keine große Überraschung, dass Perry Rhodan und der Leser auf weiße Kaninchen – siehe „Alice im Wunderland“ – bzw. Mäuse stoßen und die Handlung in München beginnt. Das Geschehen beginnt vier Jahre nach dem letzten Zyklus „Ara- Toxin“ und spielt ungefähr drei Jahre vor der laufenden Heftromanhandlung. Diese enge Verbindung mit dem Geschehen in der Erstauflage ist aus kommerziellen Gründen verständlich, aber nicht unbedingt akzeptabel. Der Hintergrund ist die Bedrohung durch TRAITOR, der Plot führt in die Anfänge der Serie zurück. So spielt ein sehr kleiner Teil der Handlung unmittelbar von Rhodans Flug zum Mond. Die Druuf traten im zweiten Zyklus der Perry Rhodan Serie auf und Ernst Ellert gehörte zu den ersten Mutanten der Serie, auch wenn der Klappentext seine Rolle zumindest im vorliegenden Band in ein gänzlich falsches Licht rückt. Das Problem der Prämisse ist eher die Unglaubwürdigkeit, denn wie in fast allen anderen Zyklen wird Perry Rhodan in diesem Fall mit einem unfreiwilligen Mitstreiter von der geballten Macht des Solaren Imperiums isoliert und muss sich fast alleine diversen unbekannten Gefahren stellen. Michael Marcus Thuner versucht dem Leser glaubhaft zu machen, das Perry Rhodan in seiner Verzweifelung auf jede noch so unwahrscheinliche Hilfe zurückzugreifen bereit ist. Als sich dann im ehemaligen Deutschen Museum ein Fenster offensichtlich in andere Dimensionen öffnet, ist Perry Rhodan zusammen mit dem Mutanten Startac Schroeder zur Stelle. Anstatt mit seiner geballten Macht das Fenster zu sichern, schlendert er in einer unglaubwürdigen, aber zumindest bissig humorvoll geschriebenen Szene über den Viktualienmarkt der Zukunft und erinnert sich an seine eigene Kindheit. Viele Touristen halten ihn für einen maskierten Wichtiguer, nur der Kleinganove Wiesel glaubt den echten Rhodan zu erkennen. Er hat auch die Wettquoten verfolgt, aus denen hervorgeht, das Rhodan die Residenz verlassen, zusammen mit Schroeder unterwegs und sich nach Europa wendet. In einer Medienkultur erscheint es unwahrscheinlich, das erstens Rhodan nicht unter den Touristenschwärmen auffällt, das zweitens alleine die Sicherheitsbeamten für ausreichend Aufsehen gesorgt hätten und drittens zumindest die geschäftstüchtigen Händler auf dem Platz aufmerksam geworden wären. Je intensiver Thurner versucht, Rhodans zumindest kurzfristige Reise in die Vergangenheit angesichts einer unbekannten Erscheinung in einem öffentlichen Haus und vor allem angesichts der exorbitanten Bedrohung zu beschreiben, desto surrealistischer wird das beschriebene Geschehen. Thurner ist leider weder ein Clark Darlton noch ein Ernst Vlcek und das merkt man diesen übertriebenen bis teilweise wirklich unlustigen Szenen in München sehr deutlich an. Zwar rettet sich der Autor, in dem er dieses „Bayern“ als Touristenfalle unter anderem auf Atlans Erzählungen basierend relativiert, aber irgendwie stört die Übertriebenheit der Szenen von Beginn an die Atmosphäre des Romans. Der Leser kann ihn nicht für voll nehmen und diese relative Distanz zeigt sich auch in anderen Sequenzen. So entscheidet sich Perry Rhodan nur aufgrund eines vagen Hinweises auf Ernst Ellert und den noch luftigeren Verweis auf eine Möglichkeit, eine weitere entscheidende Waffe im Kampf gegen TRAITOR in die Hände zu bekommen, zu der Expedition durch das Dimensiontor.
Unabhängig von der Tatsache, dass Thurners Ausgangsposition schon arg konstruiert erscheint, fällt es auf, das die letzten Heyne- Zyklen alle sehr ähnliche Prämissen und Plotausgangssituationen haben. Wieder bricht Rhodan mit wenigen Begleitern – in diesem Fall nur einen – auf ins Unbekannte auf. Er gerät sofort in Gefahr und wird im Verlaufe der Handlung mindestens einmal entführt. Wie in „Die Posbis“ hat es Rhodan mit Menschen zu tun, die vor kurzer Zeit - oder langer Zeit im Druuf Universum - die Heimat der Menschheit eher frustriert verlassen haben, um noch einmal von vorne anzufangen. Die Verbindung zum laufenden Geschehen ist in vorliegenden Fall in doppelter Hinsicht unglücklich, da selbst das Rhodan Team nicht die Frechheit haben wird, die Rettung aus TRAITORs Klauen in einer Nebenserie entwickeln zu lassen und dann ohne weitergehende Erklärungen in die Hauptserie zu übertragen. So sind im Grunde alle Aktivitäten der Kopernikaner unabhängig von der brüchigen Prämisse, das sie in dieser Zeitisolation im Grunde unentdeckt forschen und entwickeln können, schon von Beginn dieses Taschenbuchzykluses an ad absurdum geführt. Hätte das Rhodanteam auf die Idee einer engen Verbindung zur laufenden Serie verzichtet, wäre die grundlegende Idee unabhängig von der Ähnlichkeit zu „Old Man“ Entstehung im „M87“ Zyklus vielleicht noch erträglich gewesen. Im Gegensatz allerdings zu den anderen Zyklen steht er ohne größere technische Hilfsmittel in einem wirklich fremden Universum mit eigenen physikalischen Gesetzen dar. Gut, das Fenster als Übergang/ Transportmittel ist genauso bizarr wie der spätere Zeitrausch. Thurner und Kasper schlagen in diesen Szenen ein wenig sehr über die Strenge. Zur reinen Parodie fehlt ihnen der Mut, als ernsthafter Plotbestandteil wirken die Sequenzen zu abgehoben. Sie negieren ein wenig den Eindruck der Einfaltslosigkeit, der sich schnell wegen der bekannten Ausgangssituation breit macht.
Genauso unglaubwürdig ist, dass der Kleinganove Wiesel sich mittels seiner Technik in das abgesperrte Museum schleichen kann und sogar mit Rhodan im Gegensatz zum Mutanten Schroeder durch das Dimensionstor schreitet. Bislang ist Wiesel als verschlagener geschäftstüchtiger Opportunist beschrieben worden. Rhodan schreitet in voller Ausrüstung durch das Tor, Wiesel springt einfach hindurch. Ebenfalls eine nicht besonders glaubwürdige Idee. Insgesamt wirkt die Personencharakterisierung insbesondere für einen Roman eines erfahrenen Teamautoren teilweise zu oberflächlich. Diese Schwäche wird nicht selten durch die skurrilen bis sehr einfallsreichsten Hintergrundideen kompensiert, aber insbesondere sowohl Wiesel als auch Rhodan wirken seltsam distanziert und eindimensional gezeichnet. Wiesel ist viel zu sehr eine Figur der Gegenwart, die sich in einem Krimi - insbesondere denen aus der Feder Thomas Zieglers - sehr viel wohler fühlt als in dieser Perry Rhodan Geschichte. Natürlich müssen sich Rhodan und Wiesel zusammenraufen und im Verlaufe des ersten Bandes ergänzen sie ihre sehr unterschiedlichen Fähigkeiten. Die Antipathien werden zumindest teilweise überwunden und Rhodan reagiert nicht mehr nur genervt auf Wiesels wieselartiges, schleimiges Verhalten. Deutlich besser gelingt es Thurner, die unterschiedlichen politischen Positionen an Hand einzelner Charaktere im roten Imperium zu definieren. Es ist natürlich keine Überraschung, das Rhodan aufgrund seines Zeitankers das rote Imperium im Reich der Druuf mit einem gänzlich anderen Zeitablauf wieder verlassen kann, während die Kopernikaner mit ihren zwanzig Ultraschlachtschiffen für immer - zumindest im ersten Band - im anderen Universum bleiben müssen.

Handlungstechnisch überzeugt „Die fossile Stadt“ in erster Linie durch die vielen „schrägen“ Ideen auf einzelnen Ebenen. Da ist auf der einen Seite die technische Vielfalt, dabei erinnern viele Ideen an die barocken Space Operas gegenwärtiger britischer Science Fiction Autoren. Thurner hat aber die einzigartige Fähigkeit, zumindest im vorliegenden Band diese bizarren Auswüchse der Technik zusammen mit durchaus farbenprächtigen und interessanten Hintergründen zu kombinieren. Der Leser folgt Rhodan gerne insbesondere im Mittelteil durch dieses fremdartige Universum, ohne das handlungstechnisch wirklich etwas passiert. Diese auch stilistisch gut geschriebenen Passagen lassen viele ähnliche und dort vor allem deutlich sinnlosere Reisen in den anderen PR Mehrteilern vergessen. Sicherlich versucht man mit dem vorliegenden Zyklus, eine weitere Flanke in der Rhodan Historie zu schließen. Der Rückgriff auf die Vor- Rhodan Ära - also vor der ersten Begegnung mit den Arkoniden - könnte in einer Zeitschleife enden, in welcher Ernst Ellert seine Fähigkeiten von Rhodan und dessen Artefakt erst erhält. Die außergewöhnliche Perspektive auf das Leben eines damals noch normalen Bürgers in einer Art Parallelwelt ist gut geschrieben, im Verhältnis zum Plot wird Ernst Ellert als eine der schillernsten Figuren zu wenig eingesetzt. Auf der anderen Seite funktioniert es allerdings nicht, den Rhodan der gegenwärtigen Handlung mit Antagonisten aus der Frühzeit der Serie zu kombinieren und dabei zu ignorieren, das das Solare Imperium in ihrer ersten Expansionsperiode auch ordentlich insbesondere gegenüber fremden Rassen austeilen konnte. Auch wird das rote Imperium wieder als expandierende, aggressive Macht geschildert, deren Ziel natürlich wieder die Eroberung des Universums ist. Stellenweise hat der Leser das Gefühl, als wollten Thurner und Kasper zum ersten Mal die Gelegenheit nutzen, um auf das tragische Schicksal der Kindsoldaten in unserer dritten Welt genauso hinzuweisen wie auf die Verfolgung von unschuldigen Menschen und deren Genozid. Die Knochenstadt könnte an die Hinterlassenschaften der kommunistischen Schreckensherrschaft in Kambodscha erinnern. Diese Bezüge auf unsere aktuelle politische Missgegenwart sind gut platziert, wenn auch dank der vordergründig moralischen Entrüstung Rhodans teilweise negiert. „Die fossile Stadt“ ist ein solider, aber keineswegs spektakulärer Auftakt zu einem Kurzzyklus, der im Grunde auch über die Zukunft der Perry Rhodan Taschenbücher im Heyne Verlag entscheiden könnte. Das qualitative Ruder sollte und muss herumgerissen werden. Handlungstechnisch gehen die Autoren um Hartmut Kasper einen enttäuschend sicheren Weg. Diese fast statische Entwicklung wird durch eine Reihe ungewöhnlicher und originell erzählter Ideen ein wenig negiert. Die literarischen Anspielungen von „Alice im Wunderland“ bis zu Kurt Vonnegut - die Szenen im touristischen München könnten auch dessen Feder entsprungen sein - kompensieren zum großen Teil die zugrunde liegende Plotschwäche. Thurner macht nicht den Fehler einer Reihe von Autoren der laufenden Heftromanserie und zitiert Seiten weise die technische Erläuterungen aus den Exposes. Der Leser wird wie Rhodan und Wiesel mit der Technik konfrontiert. Die Protagonisten müssen sie einfach ausprobieren, um auf ihrer labyrinthischen Odyssee voranzukommen, sich dem langsameren Zeitablauf anzupassen und schließlich zu überleben. Das Rhodan im ersten Band gleich erklärt wird, das im Normaluniversum kaum Zeit vergeht, ist allerdings eine der überflüssigen Erläuterungen, welche dem Buch die Spannung nehmen. Unabhängig davon erscheint der Plot zumindest in der vorliegenden Fassung sehr mit der heißen Nadel gestrickt. Die Zeit auszunutzen ist insbesondere auch in Hinblick auf die laufende Handlung keine neue Idee. Die fehlende Hyperimpedanz muss genauso erläutert werden wie die Idee, innerhalb von 2000 Jahren Waffen gegen TRAITOR zu entwickeln, die es nicht einmal nach unendlichen Millionen Jahren gibt, wie der Leser jetzt mit augenscheinlicher Ausnahme der GESETZGEBER in der laufenden Serie erkennt. Weiterhin erscheinen selbst die phantastischen technischen Entwicklungen in einem Druufzeit Universum zu überdreht, zu überdimensional und in einem zu starken Kontrast zur laufenden Serie. Alles Punkte, die im Laufe der nächsten beiden Romane entweder überzeugend geklärt werden müssen, damit die Serie nicht wie „Ara Toxin“ mit dem enttäuschenden bis frustrierenden letzten Band sich selbst erfolgreich in Frage stellt.

Michael Marcus Thuner: "Das rote Imperium 1: Die fossile Stadt"
Roman, Softcover, 413 Seiten
Heyne Verlag 2008

ISBN 9-7834-5352-4972

Weitere Bücher von Michael Marcus Thuner:
 - Der Posbikrieg 1 Das gestrandete Imperium
 - Die Tefroder 2 Segler im Sonnenwind
 - Turils Reise

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