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Perry Rhodan



Hubert Hänsel

Ara Toxin 5: Die Trümmerbrücke

rezensiert von Thomas Harbach

Fünfte Bände bei den Heyne/ Perry Rhodan Sechsteilern haben
es in sich. Nicht selten sind sie die Schlüsselbände, in denen große Teile des Szenarios enthüllt werden, während der Abschlussband im Grunde nur noch die roten Fäden zusammensucht. Bei „Ara- Toxin“ liegt der Fall ein klein wenig anders. Nachdem Tifflor und Rhodan im letzten Band erkannt haben, dass das Ara- Toxin so genannte Mobys - Wale, die aus der Materie von bewohnten Planeten stammen - hervorruft, ist die Gefahr für die Galaxis im Allgemeinen und die Erde im Besonderen ins Unendlich gewachsen. Immerhin hat Hubert Hänsel fast vierhundert Seiten zur Verfügung, um dieses Gefahrenpotential herauszuarbeiten. Teilweise nutzt er allerdings sein Potential nicht aus und stilistisch gehört „Die Trümmerbrücke“ zu den ambivalent bis gleichgültig geschriebenen Taschenbüchern. So gleichförmig und distanziert wie der Stil entwickelt sich auch der Plot. Wie ein roter Faden durchzieht den Roman der Konflikt zwischen Rhodan und Tifflor. Während Rhodan nicht akzeptiert, dass es gegen das Ara- Toxin kein Gegenmittel geben soll und deswegen den Gestaltwandler verfolgen möchte, will Tifflor die Erde warnen und mit der Evakuierung beginnen, bevor die Heimat der Menschen ebenfalls in einen Moby verwandelt wird. Zu Beginn des Buches gelingt es Hubert Hänsel noch, den Konflikt interessant zu gestalten, im Verlaufe des Romans zieht er sich allerdings auf eine Reihe von Floskeln zurück. Da wird argumentiert, dass die Spannungen entstanden sind, weil Rhodan und Tifflor noch niemals auf ihrem langen gemeinsamen Weg so eng zusammengearbeitet haben. Dann ist Rhodan der Meinung, dass Rache die Triebfeder des Unbekannten sein muss. Er selbst will allerdings auch die Millionen von unschuldigen Wesen, die bei der Entstehung von inzwischen vier Mobys ums Leben gekommen sind, auch rächen. In dieser Hinsicht überspannt Hubert Hänsel den Bogen. Insgesamt wirkt der Konflikt zwischen Tifflor und Rhodan für die Länge des Romans ermüdend, zumal der Autor am Ende die Konflikte wie erwartet glättet und an Rhodans Image natürlich nicht gekratzt werden darf. Auf ihren Untergrundmissionen müssen trotz unterschiedlicher Positionen Tifflor und dessen Leibdiener Rhodan zusammenarbeiten, spätestens ab diesem Moment sind die Positionen klar definiert. Hier wäre es unerwartet, aber sinnvoller, auch Tifflor einmal Recht zu geben. Insgesamt agiert Hubert Hänsel bei der Charakterisierung der Hauptpersonen unglücklich, dafür hat er allerdings die diversen außerirdischen Nebenfiguren deutlich besser im Griff. Insbesondere die Ara- Attentäterin Zhanauta Filgris mit ihrer ambivalenten Haltung spaltet Rhodan und Tifflor weiter, aber Hubert Hänsel gelingt ist, sie nicht nur als interessante Frau - fünf Zentimeter nackte Haut als erotische Verführung zu bezeichnen ist allerdings übertrieben - zu beschreiben, sondern als zwielichtigen Charakter, der sich im Verlaufe der wenigen dann allerdings gut geschriebenen Aktionszenen in alle Richtungen entwickeln kann. Das Verhältnis zwischen Tifflor und Filgris kühlt sich schnell ab, als dieser der Meinung ist, das sie die Gestaltwandlerin sein könnte. Trotzdem sind die beiden in einigen Aktionen aufeinander angewiesen und hier gelingen Hubert Hänsel einige wenige gute Szenen. Anscheinend befreit er sich deutlich mehr vom Expose, wenn er sich nur auf eine der beiden Hauptpersonen - Tifflor wirkt dabei dreidimensionaler und in seiner ganzen Haltung überzeugender als Rhodan - konzentrieren muss. Bei den Springersippen der Trümmerbrücke allerdings deckt Hubert Hänsel das gesamte Spektrum von peinlich bis interessant ab. Eine erstaunliche Leistung, wie auch der ganze Roman zwischen verschiedenen Extremen hin und her schwankt. Die Handlung findet erst auf den letzten Seiten wieder in die Spur und endet mit einem interessanten Cliffhanger als Überleitung auf den letzten Band des Zyklus.

Ein altes Plotelement aus unzähligen Krimis - dort allerdings unbewiesen und hier technisch aufgemotzt, aber nicht unbedingt originell - muss den Protagonisten auf die Spur helfen. Bei der Autopsie Plob Arnoyns finden sie Implantate, welche die letzten Minuten seines Lebens aufgezeichnet haben und ein Wesen zeigen, das rasant schnell seine Gestalt ändern kann. Am Ende blickt Arnoyn seinem Ebenbild ins Auge. Bei der Einnahme einer angeblich unbemannten wissenschaftlichen Beobachtungsstation, von welcher Gys- Voolbeerah mit einem Kugelraumer gestartet ist, findet das Team um Tifflor wichtige Informationen. Diese deuten auf eine Verbindung zu den Springern und deren THAU Konsortium, die seit geraumer Zeit Waffen und Hyperkristalle liefern. Das Thau- Konsortium beherrscht die Trümmerbrücke, eine wirtschaftliche Hochburg der Springer im Arkonidenraum, die aus einem alten Wrack eines kosmischen Basars im All entstanden ist. Rhodan und Tifflor schleusen sich zusammen mit der Ara- Attentäterin ein, der Kontaktmann ist ein drogensüchtiger Tefroder.

Auf der zweiten Handlungsebene erfahren - im Gegensatz zu Tifflor und Rhodan - die Leser, das auf der Trümmerbrücke ein extrem seltenes Naturprodukt Antazymol gehandelt wird, das möglicherweise - wozu sonst die ganzen Seiten verschwenden? - den Grundstoff für das Ara- Toxin liefert. Hubert Hänsel geht sehr genau in die Details der einzelnen Springersippen und vor allem der seltsamen Atmosphäre auf der einzigartigen Station, die von einer grauen Eminenz namens „Gelau“ kontrolliert wird. Als der Finanzier und Hauptanteilseigner seinen seltenen Besuch auf der Station ankündigt, setzt er eine ganze Lawine in Bewegung.

Obwohl Hubert Hänsel einen sehr umfangreichen Roman mit auf den ersten Blick vielen handlungstechnischen Verästelungen geschrieben hat, der mehr von den interessanten und diversen Nebenhandlungen lebt als dem Hauptstrang, wirkt das Buch teilweise leblos und vor allem aufgeblasen. Nicht jede kleine und wahrscheinlich in Hinblick auf den Gesamtzyklus unwichtige Informationen muss mittels einzelner Szenen vermittelt werden, Dialoge oder Computerinformationen hätten ausgereicht. Das Familienleben des Springer Lamos Ozwachs ist eine Aneinanderreihung von Klischees und vor allem im Kern unsympathischer Charaktere. Warum sich Hubert Hänsel an diesem Familienclan im wahrsten Sinne des Wortes festbeißt, dürfte sein Geheimnis bleiben. Für den Leser ist dieses Szenario langweilig und bedeutungslos. Genauso umständlich integriert der Autor das Naturprodukt Antazymol, der Leser ahnt oder weiß, dass es nicht nur ein wichtiger Bestandteil für die Produktion des Ara- Toxin ist, sondern das die Trümmerbrücke bei der Produktion dieser tödlichen Droge/ Waffe eine nicht unwichtige Rolle spielt. Aber wie Hubert Hänsel diese Informationen dem Leser darreicht, ist umständlich und teilweise unnötig kompliziert. Dabei hat der Leser keinen Augenblick den Eindruck, als wolle der Autor die Informationen vor seinen Lesern verstecken, ihm fehlt nur irgendwie der Schlüssel, sie interessant und spannend zu verpacken.

Unabhängig von den mehr oder weniger wichtigen, aber zumindest teilweise lesenswerten Rückblicken hat sich der Autor auf die Fahne geschrieben, bei seinen Figuren eine gewisse intellektuelle Tiefe zu suggerieren, in dem sie in eher pseudophilosophische Betrachtungen bis an die Grenzen Freuds verfallen. Dieses Stilmittel nutzt der Autor bis an die Grenze des Erträglichen, um nicht etwas die Handlung voranzutreiben, sondern eher durchschnittliche Szenen aufzublähen. Das Hubert Hänsel die Figuren Tifflor und Rhodan nur peripher im Griff hat, ist schon beschrieben worden, dass die beiden Zellaktivatorträger und wichtigsten Personen des Sonnensystems die Fußarbeit von besser ausgebildeten Geheimagenten übernehmen, gehört zum wiederholten Male zu den Gesetzmäßigkeiten einer Heftromanserie. Im vorliegenden Band ist ihr Vorgehen aber teilweise so überzogen, das man eine Parodie vermuten könnte. Leider meint es Hubert Hänsel ernst und findet erst auf den letzten Seiten wieder zu seinen Charakteren zurück.

Wie plottechnisch einfallslos Hubert Hänsel unter dem Expose Michael Marcus Thuners agiert, zeigt die Tatsache, dass sich Rhodan und Tifflor zweimal unters Messer legen, um für ihre Geheimoperation chirurgisch umgearbeitet zu werden. Trotzdem werden sie zumindest auf ihrer zweiten Mission trotz der als allmächtigen beschriebenen ARA Technik sehr schnell erkannt. Dabei überschreitet Hubert Hänsel nicht das Niveau der ebenfalls immer unglaubwürdiger werdenden „Mission Impossible“ Fernsehfolgen und spricht zweimal bei den Operationen an den Unsterblichen von tief greifenden Veränderungen . Das die ARA Medizintechnik inzwischen fast alles kann, ist fragwürdig und dient mehr als einmal als MacGuffin, um das Expose und den Autoren aus schwierigen, fast unmöglichen Situationen zu retten. Wie einzelne Science Fiction Autoren inzwischen die Nanotechnologie zum allgegenwärtigen und vor allem allmächtigen Gott erhoben haben - siehe Charles Stross -, scheint der Glaube der Rhodan´schen Exposeredakteure und dementsprechend der Autoren an die ARAs in diesem Kurzzyklus unerschütterlich. Nur übers Wasser wandeln können sie noch nicht, Tote wieder zum Leben zu erwecken, scheint dagegen mit der entsprechenden Bezahlung eher alltäglich. Um die Glaubwürdigkeit des ganzen Kurzzyklus zu untermauern, wäre weniger deutlich mehr gewesen. Natürlich findet auch die „Trümmerbrücke“ am Ende des Buches ein eher unrühmliches Ende, schade, nachdem Hubert Hänsel sich so viele Mühe gegeben hat, aus ihr einen interessanten Schauplatz zu machen. Plottechnisch bleiben alle Fragen nach den Hintermännern offen. Hier kann Michael Marcus Thuner im letzten Band des Zyklus aus dem Vollen schöpfen. Informationstechnisch finden sich in dem wirklich durchschnittlich, abschnittweise fast lieblos niedergeschriebenen Roman zu wenige Hinweise auf den Gesamtzyklus, die Handlung hätte deutlich gerafft werden können, ohne das „Die Trümmerbrücke“ wichtige Szenen verloren hätte. Die intellektuelle Vorgehensweise - erst in sich gehen, dann noch einmal die Möglichkeiten durchdiskutieren und schließlich nach einigen Dutzend Seiten auch handeln - gibt der kaum vorhandenen Handlung einen phlegmatischen Eindruck. Insgesamt eine sehr durchschnittliche Arbeit mit einem interessanten, aber zu wenig effektiv genutzten Hintergrund und vor allem einer für einen so routinierten Autoren wie Hubert Hänssel fast peinlichen Hauptcharakterführung. „Die Trümmerbrücke“ ist einer der schwächsten Romane des „Ara- Toxin“ Zyklus. Im Anhang findet sich eine Kurzgeschichte von Susan Schwartz, die sich zusammen mit einem Gastroman bei der laufenden Serie wieder dem Rhodankosmos nähert. „Die Linearraumgondel“ lebt von Susan Schwartz leichtem, aber unterhaltsamen Stil - welch ein Unterschied zum Hauptroman - und der soliden, aber auch irgendwie nicht neuen Idee des betrogenen Betrügers. Da in jeder der anliegenden Kurzgeschichten Aras eine Rolle spielen müssen und nicht alle Aras Ärzte sind, kümmert sich die Autorin mit einer Informationshändlerin wie auch der Teile des „Ara-Toxin“ Zyklus um die ARA Frauen.




Hubert Hänsel: "Ara Toxin 5: Die Trümmerbrücke"
Roman, Softcover, 415 Seiten
Heyne Verlag 2008

ISBN 9-7834-5352-3906

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