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Perry Rhodan



Rüdiger Schaefer

Rudyn- Trilogie Band 2- Das Sphärenrad

rezensiert von Thomas Harbach

Der zweite Band der „Rudyn“- Trilogie stammt aus der Feder Rüdiger Schäfers. Wie Achim Mehnert ein Kind des Fandoms der achtziger Jahre. Insbesondere Schäfers Verdienste im ATLAN im Fandom sind mannigfaltig, seitdem der 1975 mit zehn Jahren mit der Lektüre der Perry Rhodan Serie angefangen hat. Von der Mitgründung des „Atlan Club Deutschlands“ über die Idee der Perry Rhodan Perspektive, einem Fanzine, das die Entwicklung der Perry Rhodan Serie in Form von kritischen Rezensionen bis heute begleitet, bis zur Fortsetzung der mit Band 850 eingestellten ATLAN Heftromanreihe. Diese Fanedition ist inzwischen in vier schön gespalteten Paperbackbänden im Mohlberg- Verlag neu erschienen. Inzwischen ist Rüdiger Schaefer, der in seinem realen Leben für den Bayer- Konzern in Leverkusen arbeitet, auch Vorsitzender der Perry Rhodan Fanzentrale. Mit dem Schreiben hat er in den achtziger Jahre für diverse Fanzines begonnen, es folgten Geschichten in „SOL“ , die Romane im Rahmen der ATLAN Fanserie und schließlich zwei Heftromane für die inzwischen mit Band sechzig wieder eingestellte ATLAN Heftromanserie, bestehend aus Kurzzyklen über jeweils zwölf Bände. Nach zwei Büchern für die Mark Powers Schwesterserie im Mohlberg- Verlag erfolgt jetzt sein ATLAN Debüt im Taschenbuchformat. Eingeleitet von einem Richard Gere verblüffend ähnlich sehendem Charakterkopf auf dem Titelbild. Zumindest Atlan scheint es nicht zu sein.

Mit „Das Sphärenrad“ liegt das erste Taschenbuch aus Rüdiger Schäfers Feder und der Mittelband der „Rudyn“ Trilogie Feder vor. Den Abschluss des Kurzzyklus wird sein alter Weggefährte Michael Buchholz schreiben. Der Mittelband einer Trilogie ist immer eine undankbare Aufgabe vor allem wenn die Serie von mehreren Autoren geschrieben worden ist. Während der alleinige Verfasser oft diese Kurzzyklen als einen Roman konzipiert und entsprechend auch niederschreibt, bleibt in diesem Fall Rüdiger Schäfer nicht viel anderes übrig, als das Geschehen am Laufen zu halten und dem Leser glänzend zu unterhalten, ohne zu einem Höhepunkt – handlungstechnisch – zu Kommen. Nur ganz wenige sehr routinierte Autoren beherrschen diese Kunst und Rüdiger Schäfer gehört nicht zu ihnen. Insbesondere zu Beginn des Romans ist Rüdiger Schäfers Unsicherheit deutlich zu spüren und hier hätte der Lektor auch eingreifen müssen. Neben den vielen Adverbien fehlt es dem Autoren am nötigen Gefühl, um seine Protagonisten wirklich dreidimensionale und emotional überzeugend erscheinen zu lassen. Das beginnt bei seiner mangelnden Fähigkeit, dem Leser wirklich etwas Leine zu lassen. Alles wird zum Teil umständlich und lang erläutert. Natürlich ist es die Absicht des Autoren, auch Nichtleser der ATLAN Serie anzusprechen – wie wahrscheinlich es ist, dass dieser ausgerechnet den Mittelteil einer Trilogie einer ihm unbekannten Serie aus dem Regal am Bahnhof oder im Kaufhaus zieht, steht auf einem anderen Blatt. Dazu benötigt dieser entsprechende Hintergrundinformationen. Es gibt zwei Wege, diese Fakten in die Handlung zu integrieren. Steife, trockene Erläuterungen oder implizierte in Form von nuanciert und interessant geschriebenen Dialoge. Dabei darf nicht der Fehler gemacht werden, dass die Dialoge wie Monologe erscheinen. Rüdiger Schäfer bemüht sich redlich, an einigen Stellen dem Bedürfnis der Information zu versagen und die im Grunde nicht uninteressante Handlung voran zu treiben. Insbesondere zu Beginn des Buches hat er allerdings Schwierigkeiten, seine Ambitionen im Zaune zu halten und in erster Linie einen unterhaltsamen Romanen zu schreiben. Ob es am Taschenbuchformat gelegen hat, lässt sich nicht erklären, aber er setzt für sich als im Grunde jungen Autoren die Meßlatte viel zu hoch und scheitert an wenig an seinen Nerven. Um nicht in die Monotonie des Sagens zu verfallen und sich stilistisch zu wiederholen, greift er insbesondere zu Beginn des Buches zu unnötigen Adverbien. Der Leser hat das Gefühl, als wolle Rüdiger Schäfer jede Antwort, jeden Dialog besonders hervorheben. Dabei erreicht er das Gegenteil. Teilweise wäre er typische „er sagte“ erträglicher als diese unbeholfenen Stilübungen. Warum er die verbalen Passagen überhaupt mit Ein- oder Ausleitungen versehen hat, wird das Geheimnis sein, das er wahrscheinlich mit seinem Lektor teilt. Hier wäre es sinnvoll gewesen, gleich zu Beginn hilfreich einzugreifen und insbesondere die erste Hälfte des Buches zu überarbeiten. Rüdiger Schäfer ist kein Anfänger als Autor – zumindest auf fannischer Ebene -, aber als Profi verdient er eine bessere Betreuung und hier haben das Lektorat von Helmut Ehls und die Redaktionsarbeit von Sabine Kropp versagt.

Das diese äußere Form so dürftig geworden ist – im Verlauf des Buches legt Rüdiger Schäfer diese verbalen Entgleisungen teilweise ab und fühlt sich vor allem bei den zahlreichen Actionszenen deutlich wohler als den mehr als einmal unnatürlich steifen Dialogen – ist in doppelter Hinsicht schade. Erstens muss der Käufer für sein Geld eine zumindest ordentliche technische, in diesem Fall stilistische Leistung erwarten und zweitens gehört insbesondere der Rydyn- Zyklus zu den besseren Serien um den Lordadmiral ATLAN. Litten insbesondere die 12 bändigen Zyklen der Heftromanserie teilweise unter zu vielen Füllromanen, denen schließlich ein abruptes und unbefriedigendes Ende gegenüber gestanden hat, scheinen die jeweils drei Taschenbücher sich besser zu eignen, um kurzweilig spannende Geschichten zu erzählen.

Die Suche nach dem Zellaktivator geht weiter. Dazu kommt das geheimnisvolle Sphärenrad, ein neuer Raumschiffprototyp, der das labile Gleichgewicht zwischen dem Solaren Imperium und den unabhängigen Reichen weiter gefährden kann. Wie Anti- Rhoden die Stimmung ist, macht ein Händler deutlich, der ATLAN insbesondere den Protektionismus des Solaren Imperiums verhält und Homer Adams als egoistischen Kapitalisten der schlimmsten Sorte bezeichnet. Leider macht der Roman aus diesem interessanten Ansatz zu wenig, denn schließlich ist jeder käuflich. Hier wäre es sinnvoll gewesnen, insbesondere in Person ATLANs dem Solaren Imperium eine gewisse Lehre zu erteilen. Vielleicht hätte der Händler ATAN nicht mitnehmen sollen und vor allem die Suche nach dem Zellaktivator behindert. Wenn schon solche Thesen aufgeworfen werden, sollten sie auch entgegen der bislang bekannten Serienstruktur einmal durchgespielt werden. Insbesondere die Taschenbücher dieser Edition bieten die Möglichkeit, den Horizont der Serie zu erweitern und gegen die inzwischen wieder zu einem Klischee reduzierte Heftromanhandlung zu spielen. Leider macht das Expose zu wenig aus diesen Nebenideen und Rüdiger Schäfer bleibt zumindest die Freude, dem Lordadmiral verbal für einen kleinen Augenblick den Kopf zu waschen.

Während der Leser einen tieferen Einblick in die Vergangenheit der PSI Kämpferin Trillith Okt erhält, etabliert sich der Wissenschaftler Ponter Nastase als neuer Antagonist auf der Jagd nach dem Zellaktivator. Rüdiger Schäfer beschreibt ihn als rücksichtslosen Egoisten, der ohne die geringsten Skrupel nicht nur seine politischen Vorstellungen durchzusetzen sucht und mit dem Zellaktivator ein Instrument in seinen Händen, mit dem er aus seiner Sicht in die Gefilde der Mächtigen aufsteigen kann. Während die Rückblenden auf Trillith Okt das insbesondere von Achim Mehnert im ersten Band entwickelte Charakterbild sehr gut abrunden, wirkt Nastase eher wie das Klischee des Erzschurken, der am Ende sein verdientes Schicksal erhält. Auch wenn sich Rüdiger Schäfer wirklich bemüht, ihm zumindest den Hauch von Dreidimensionalität zu verleihen, hat der Leser das Gefühl, als könne er von Beginn an nichts mit ihm als Figur wirklich anfangen. Seine Handlungen wirken eher wie interessant herunter geschriebene Versatzstücke und offenbaren sehr wenige charismatische Züge.

„Das Sphärenrad“ ist eine zumindest handlungstechnisch solide Arbeit. Die verschiedenen Actionszenen sind die einsamen Höhepunkte des Romans. Hier lebt Rüdiger Schäfer als Autor auf. Wie von einem Korsett befreit schreibt er sie interessant und variiert die einzelnen Situationen. Die Figur des Atlan in Kombination mit dessen Extrasinn beherrscht der Autor über weite Teile des Romans sehr gut. Nur an einigen Stellen wirken insbesondere die Antworten des ständigen Begleiters sehr platt und abgedroschen. Das Gesamtbild des Mittelteils der Rudyn- Trilogie ist uneinheitlich. Die stilistischen Schwächen werden zumindest teilweise durch die rasante, interessante Handlung ausgeglichen.

Rüdiger Schaefer: "Rudyn- Trilogie Band 2- Das Sphärenrad"
Roman, Softcover, 316 Seiten
Fanpro 2007

ISBN 3-8906-9172-5

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