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Perry Rhodan



Michael M. Thurner

Befreiung in Camouflage

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Befreiung in Camouflage“ aus der Feder des Exposeautoren Michael M. Thurners kommt die Lepso- Trilogie zu ihrem Abschluss. Der Verlag Fanpro ist mit der Kundenresonanz zufrieden gewesen, denn im Anhang dieses Taschenbuchs findet sich schon ein Hinweis auf die im April beginnende zweite Trilogie mit einem Auftaktroman aus der Feder Achim Mehnerts. Mit Wim Vandemanns und Christian Montillons Mitwirken sowie unter der Prämisse eine an die inzwischen klassischen USO Abenteuer angelehnte Geschichte zu erzählen hat Michael Thurner frischen Wind – im Vergleich zu seinem parallel laufenden Sechsteiler „Der Posbi- Krieg“, der nach einem sehr guten Beginn irgendwie weichgespült und nur noch selten wirklich aufregend erscheint – mit einem Hauch österreichischen Schmäh und einem gewissen nicht zu leugnenden Hang zur Simplizität in die in der komplexen Intrawelt gestorbenen Heftromanserie gebracht. Alle drei Romane leben in erster Linie von ihren oft exzentrisch überzeichneten außerirdischen Protagonisten, denen der Chef der USO auf seiner wieder waghalsigen Suche nach den Urhebern seiner eigenen Todesmeldung begegnet. Michael Thurner geht noch einen Schritt weiter, plottechnisch besteht sein Roman über weite Strecken aus lesenswerten, aber isolierten Episoden, eine Art von immer extremer werdenden Glaubensprüfungen für Körper und Geist, der sich Atlan insbesondere zu Beginn fast naiv dümmlich einen sich in Luft auflösenden Infiltrationsplan vor sich herschiebend auf dem Weg zur Auflösung des plottechnischen Rätsels zu stellen hat.

Die Spur führt zum Planeten Sadik. Atlan macht sich in aus seiner Sicht perfekten Tarnung zusammen mit einer Arkonidin auf, diese Welt zu untersuchen. Schnell verpassen ihm die Behörden einen weiblichen Aufpasser. Das junge Mädchen wirkt lethargisch, aber diese Müdigkeit scheint sich Atlan überzugreifen. So sehr sich auch Thurner bemüht, zu Beginn des Romans ein interessantes Szenario aufzubauen, so stark leidet der Auftakt unter seiner Vorhersehbarkeit. Wer sich nur ein wenig in der klassischen Science Fiction Literatur auskennt, ahnt die Zusammenhänge zwischen Atlans Müdigkeit und seinem Schatten. Der Arkonide braucht deutlich länger als der Leser, um diese Gefahr zu erahnen und als sie ihm wirklich klar geworden ist, hat er aufgrund seines Zellaktivators sich schon wieder aus ihr reaktiv, aber nicht aktiv befreit. Den letzten I- Punkt setzt der Autor wieder auf eine pseudoerotische Art, die nicht unbedingt sehr ernst, aber auch nicht unbedingt effektiv und vor allem harmonisch nicht nur diesen Thurner Roman durchzieht. Wenn der Leser dann in der nächsten großen Episode – eine Mischung aus John Sturges Film „Die große Flucht“ und einer grotesken „Moby Dick“ – „Tabu“ Melange – eine weitere noch bizarrere Idee – Atlan reitet auf dem männlichen Geschlechtsorgan eines riesigen Fisches, während dieser sich auf die Paarung vorbereitet und inzwischen eine Reihe von Sklaven mehr oder minder zerdrückt hat – liest, wird der Roman trotz einer Reihe von ernsten und sehr guten absichtlich oder unabsichtlich zur Parodie und mit wenigen Strichen negiert Thurner den bislang sehr gut aufgebauten „Sense of Wonder“. Auch Atlans Führerschaft im Gefangenenlager – obwohl effektiv und dramatisch befriedigend geschrieben – erscheint auf den ersten Blick bekannt, nicht unbedingt aus dem Perry Rhodan Universum, sondern unzähligen Kriegsabenteuern und vor allem einer Reihe von unsäglichen, schablonenhaft überzeichneten „Abenteuerfilmen“ wie „Flucht oder Sieg“. Nur im vorliegenden Roman „unterschreiben“ die modernen Sklaven Arbeitsverträge über vier Monate, um aus der Tiefsee seltene Mineralstoffhaltige Perlen – natürlich ein wichtigen Bestandteil eines Liebestrankes - zu bergen. Aber die Tiefsee ist gefährlich und die sadistischen Aufseher besorgen den Rest. Atlan organisiert sehr schnell seine bunt gemischte Gruppe, kann die ersten Aufgaben – das Säubern der eigenen Baracke innerhalb einer Stunde – effektiv abwickeln und entwickelt sogar neben dem täglichen Überlebenskampf eine Strategie zur Flucht, während sich seine unorthodoxen Reserveeinheiten auf die Besetzung des Planeten vorbeireiten. Natürlich trifft rechtzeitig das Signal ein, dass der „Taucher“ Atlan noch lebt und handlungsfähig ist. Die Zusammenfassung verzerrt ein wenig die Perspektive des Romans, selbst die bekannten, zwar bodenständigen aber im Gesamtkontext der phantastischen Literatur wenig originellen Passagen sind aus Inbrunst der Überzeugung geschrieben worden und im Kleinen versteht sich Thurner inzwischen sehr gut, Spannung zu erzeugen und dramatische Abläufe zu entwickeln. Nur rückt der Leser einen Schritt ab, dann wirkt diese schnelle Abfolge unterschiedlicher Szenen unglaubwürdig und ein wenig zu konstruiert. Insbesondere die begleitenden Dialoge sind phasenweise mit einem Hang zum Schlampigkeit und gegenwärtiger Umgangssprache geschrieben worden.

Im letzten Drittel des Zyklus und des Romans ändert sich mit Camouflage, der Faltenwelt das Szenario deutlich zum Besseren. Hier lässt Thurner seiner Phantasie – die sich in den ersten Zwei Dritteln auf skurrile Charaktere und bizarre Kreaturen mit sadistischen Neigungen konzentrierte – mehr Spielraum und der Autor erschafft eine wirklich fremdartige, nur ansatzweise beschriebene neue Ebene. Auch wenn die eigentliche Handlung wieder auf die anfliegende Kavallerie – in diesem Fall Tipa Riordans Piraten unter dem Deckmantel der USO – reduziert wird, welche die Bösewichte und leider auch neunzig Prozent der fremden Welt zerschießen, erahnt der Leser zumindest einen Hauch der Wunder dieser Welt.

Da Michael Thurner gleichzeitig der Autor des letzten Buches und des gesamten Zyklus ist, kann sich ein Fazit nicht auf seinen Roman alleine konzentrieren. Mit der Rückkehr zu den USO Zeiten wird in der ATLAN Serie – wie auch indirekt in der laufenden Perry Rhodan Heftromanreihe – der Weg zurück – nicht unbedingt zu den Wurzeln – aber den zarten erste Trieben fortgeführt. Die Struktur bleibt immer gleich, möglichst in den ersten Heften oder in diesem Fall dem ersten Taschenbuch ein interessantes Szenario etablieren, dessen Geheimnis in den Folgebänden nach und nach eruiert wird. Im letzten Band kommt dann die obligatorische Auflösung, inzwischen nicht mehr unbedingt auf einer intellektuellen Ebene, sondern wieder mit Waffengewalt oder Material und Menschen fressenden Raumschlachten. Dazwischen finden sich exotische Wesen, deutlich mehr Erotik – hier reicht das Spektrum von Oralsex bis zu Anklänge aus dem Bereich Sadomasochismus – und vor allem Sex für die Hauptdarsteller, allen voran der unsterbliche Arkonide – und fremdartige, aber überzeugende Welten. Die Romane fließen nicht mehr unbedingt von kosmischen Rätseln über, die Gegner sind trotz wahnsinniger Kosmokratenwächter oder den Vorboten des Chaos greifbarer geworden. Dazu kommen mit der ersten LEPSO- Trilogie eine abenteuerliche, über weite Strecken sehr gut erzählte Actiongeschichte. Die drei an Perry Rhodan Jahren sehr jungen Autoren erzählen ihre Stoffe fließend und stilistisch ansprechend, die eigentliche Handlung verfügt über ausreichende Wendungen, um das Interesse des Lesers aufrecht zu erhalten. Das eigentliche Szenario ist – nicht unbedingt negativ gemeint – bodenständig, oft werden Versatzstücke der Science Fiction modifiziert integriert – siehe auch die an „Mad Max- Beyond Thunderdome“ und Fredric Browns Kurzgeschichte „Arena“ erinnernden Sklavenkämpfe im zweiten Band. Diese Mischung aus Vertrautheit und einigen wenigen intelligenten, innovativen Ideen gibt den Romanen von Beginn an eine fast nostalgische Vertrautheit. Zumindest mit der Lepso- Trilogie und dem Weg zurück in die Zukunft hat der Fanpro Verlag einen der besten Rhodan/ATLAN Kurzzyklen der letzten Jahre veröffentlicht. Es fehlt vielleicht die dramatische Tiefe „Lemurias“, aber im Vergleich zur schwachen Vorstellung in dem gescheiterten Experiment PAN-THAU-RA eine deutliche Steigerung. Vergleicht man die Lepso- Romane direkt mit dem parallel laufenden „Der Posbi- Krieg“, dann erscheinen drei oder vielleicht vier Taschenbücher als die passende Anzahl von Abenteuern für Thurners Szenarien, denn die unsäglichen Längen des Heyne- Zyklus gibt es hier nicht, der Text wirkt kompakter und die Handlung stringenter. Die beiden größten Schwächen sind Thurners oft ohne Not eingestreuten zu bizarren und dann nicht weiterentwickelten kleinen Ideen und manchmal sehr schlampigen Dialoge. Umgangssprache ist – um eine Figur natürlicher erscheinen zu lassen – ein opportunes Mittel, aber der Autor sollte sie opportun einsetzen, um einen Effekt zu erzielen und nicht wie im vorliegenden Roman – und einigen seiner anderen Werke – um ein Ausrufezeichen Marke Thurner - oder Lukas, dem er leider in dieser Hinsicht zu sehr nacheifert – zu setzen.

Michael M. Thurner: "Befreiung in Camouflage"
Roman, Softcover, 330 Seiten
Fan Pro 2007

ISBN 3-8906-4488-0

Weitere Bücher von Michael M. Thurner:
 - Die grüne Insel

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