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Perry Rhodan



Hans Kneifel

Illochim- Trilogie Band 1:
Das Relikt der Macht

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem ersten Band der “Illochim” Trilogie beginnt die Fanpro Edition inzwischen den dritten Dreizyklus um den unsterblichen Arkoniden. Exposeautor Michael Marcus Thuner konnte mit Hans Kneifel für den Auftaktband den Autoren gewinnen, der nicht zuletzt mit seinen vielen Zeitabenteuern unendlich viel für das Image Atlans getan hat. Der zweite Roman wird wieder von Achim Mehnert geschrieben, der ja auch ein “Perry Rhodan Special” verfasst hat und im Grunde inzwischen die Voraussetzungen erfüllt, auch regelmäßig bei der “Perry Rhodan” Serie mitzuschreiben zu können. Von seiner Kontinuität und Qualität her hätte er es längst verdient, im Vergleich zu einigen inzwischen stark schwächenden Stammautoren. Da insbesondere der Pabel- Verlag inzwischen das Crossselling in jeder Form forciert, hat der Exposeautor Thuner mit dem Volk der Illochim den Bogen zum Perry Rhodan Adventurespiel geschlagen, das von Robert Feldhoff verfasst worden ist.

Die Geschichte beginnt auf der Erde, in dem baufälligen Stadtviertel Kunshun, das im Rahmen des Ausbaus der Thora Road abgerissen und in modernisierte Form wieder aufgebaut werden soll. Die meisten Bewohner des Viertels sind nicht unbedingt gegen das Vorhaben, nur eine kleine Gruppe hat sich unter dem Namen MEINLEID zusammengeschlossen, um in der Art der sozialistischen Straßenkämpfer der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts gegen das allgegenwärtige Kapital anzukämpfen. Sie empfinden natürlich die Führung des Solaren Imperiums in Perons Homer G. Adams als imperialistisch - hier liegen sie sicherlich nicht falsch - und faschistisch. Von der kommerziellen Ausbeutung der armen Bevölkerung ganz zu schweigen. In dieser Prämisse geht Thuner auf einen Seitenaspekt der Perry Rhodan Serie allerdings erstaunlich oberflächlich ein. Insbesondre K.H. Scheer hat sich im wahrsten Sinne des Wortes wenig um die Aspekte einer wirtschaftlich überzeugenden Grundlage des Solaren Imperiums gekümmert. Wie eng insbesondere die politische Führung und das Kapitel zusammenhängen. In den heutigen Heftromanen werden diese Aspekte - siehe das Leben unter dem TERRANOVA Schirm und der komplette Verlust des Im- und Exporthandels - angedeutet, aber nur selten wirklich behandelt. Aus irgendwelchen geheimen Quellen und den Tiefen der wirtschaftlichen Erfahrung Adams geht es schon weiter, egal wie katastrophal die Ausgangssituation ist. Zu den Köpfen der MEINLEID Gruppe gehört Tristan Li, der Dunkelwanderer. Er inspiziert seit vielen Jahren die vergessenen Tunnelanlagen unter dem Stadtviertel Kunshun. Bei einem dieser Ausflüge hat er ein außerirdisches Artefakt gefunden. Das Artefakt verändert die Persönlichkeit des Finders. Sein Verstand wird schärfer und er entwickelt das Charisma eines Anführers. Mit dieser Ausstrahlung kann er einer Suggestion gleich jeden Menschen unter seinen Willen zwingen. Die Benutzung dieses muschelförmigen Gegenstandes macht allerdings auch süchtig. Wer sich nicht regelmäßig in diese Muschel legt und seine Persönlichkeit auf diese Art und Weise auffrischt, beginnt unter Depressionen zu leiden, später setzt der körperliche Verfall ein. Neben Li greifen auch zwei weiterer Anführer der Gruppe MEINLEID auf diese Auffrischungskuren zurück: die attraktive Greta Gale und Simmi Orloff. Für sie ist die Muschel Mittel zum Zweck, um den bewaffneten Widerstand gegen das Kapitel in Person Adams aufzunehmen. Bei einem Selbstmordanschlag durch die MEINLEID Gruppe wird ein Polizist getötet und Adams bittet den einzigen weiteren Unsterbliche auf der Erde - ATLAN - um seine Mithilfe. Gemeinsam kommen sie dem Artefakt auf die Spur und tauchen zu den Stelle auf dem Grund des Pazifiks, wo das Artefakt im Jahre 2113 gefunden worden ist. Im Verlaufe der hektischen politischen Ereignisse ist es wieder in Vergessenheit geraten. Sie finden auch eine weitere größere Muschel, die Atlan - im Irrglauben, durch den Zellaktivator geschützt zu sein - an sich selbst ausprobiert. Inzwischen spitzen sich die Ereignisse um die MEINLEID Gruppe zu und eine Spur weist zu den Sternen, um den Ursprung des Artefakts zu erkunden.

Hans Kneifel gehört ohne Frage zu den routiniertesten und betrachtet man sein Gesamtwerk zu den besten Autoren, die sich mit der Person des Arkoniden auseinandergesetzt hat. Im Rahmen der kurzlebigen Pabel Hardcover hat er ja ein lesenswertes weiteres Atlan Abenteuer beigesteuert, der zweite Band ist aufgrund der sehr mäßigen Verkaufszahlen nur als E- Book erschienen. In den ATAN Heftromanen der zweiten Serie und vor allem in den sechsbändigen Perry Rhodan Zyklen des Heyne- Verlages sind seine literarischen Leistungen lustlos und mäßig gewesen. Für den Mohlberg- Verlag hat er jetzt seinen Zyklus um die interstellaren Händler überarbeitet und wird einige weitere Romane seines umfangreichen Werkes im Rahmen der “Utopischen Welten” neu veröffentlichen. “Das Relikt der Macht” ist mit seinen knapp zweihundertachtzig Seiten ein ungewöhnlich kompaktes Buch. Auch wenn der Leser am Ende des Romans den Endruck hat, als sei nicht unbedingt viel Geschehen, liest sich der vorliegende Roman im Vergleich zu einigen anderen Kneifel- Werken sehr kompakt und flüssig. Insbesondere die Dialoge sind weit weniger sperrig als bei manch anderem Kneifel- Roman. Handlungstechnisch bildet das Buch sicherlich ein Kuriosum, das sich erst am Ende des Zyklus richtig beurteilen läßt. Mit der Suche nach dem Zellaktivator hat Thurner in seinem letzten Dreiteiler es leichter gehabt, die Leser auf seine Seite zu ziehen. Dieses Thema fasziniert immer. Im vorliegenden Roman wirkt die Mischung aus in die Zukunft extrapolierter Bürgerprotest und außerirdischem Fundstück nicht griffig genug, um wirklich die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln. Die Bürgerproteste wirken irgendwie archaisch und unecht. Verschiedene politische Strömungen hat Perry Rhodan im Laufe seiner langen Karriere in erster Linie in Kombination mit zahlreichen Gefahren auf den Kolonialwelten kennen gelernt. Auf der Erde und in Terrania ist diese Vorgehensweise bislang fremd gewesen und die Proteste der Bürgerbewegung wirken in der bisher als blühende Landschaften - trotz einiger Einschränkungen im Kriegsfall - beschriebenen Rhodan Serie fast bizarr. Außerdem fehlt Thuner mit dieser Prämisse der letzte überzeugende Kniff. Die Bestandteile sind alle vorhanden, alleine sie passen nicht zu dieser Serie. Damit soll auf keinen Fall davon gesprochen werden, dass Innovation und neue Ideen gegen die Rhodan Serie sprechen, aber diese Prämisse wirkt zu abgefahren und gegen den Strich gebürstet. Zumal Thuner und Kneifel handlungstechnisch im Grunde an der Oberfläche kratzen und nur einige Formeln in den Ring werfen. Außerdem wirken insbesondere die Nebenfiguren in der ersten Hälfte des Buches zu statisch entwickelt. Thuner/ Kneifel geben ihnen nicht die notwendige Tiefe und der Aufbau einer Sympathieebene wäre deutlich positiv für den Roman gewesen, schließlich leidet der Leser mit interessanten Figuren, die unter einen außerirdischen Einfluss oder gewissenlose menschliche Manipulatoren fallen, mehr mit als mit eindimensionalen, Phrasen dreschenden Abziehbildern der studentischen Revolution der späten sechziger und frühen siebziger Jahre sowie der aggressiven Hausbesetzerszene der achtziger Jahre. Der Romane wäre allerdings auch ideal für eine Stärkung der Figur des Roland Tekeners. Gleich zu Beginn des Romans hilft Atlan bei einem Einsatz gegen Drogendealer in Tekeners Truppe aus. Für die Fanpro Edition ist dieser actionorientierte Auftakt inzwischen in signifikantes Markenzeichen, im vorliegenden Roman hätten Thuner und Kneifel die Figur des Smilers sehr gut mit in die Haupthandlung übertragen können. Einige Begegnungen zwischen jugendlichen Demonstranten und dem USO Spezialisten hätte die Würze in den vorliegenden Roman gebracht, nicht unbedingt die grundlegende Spannung erhöht, aber das Spektrum breiter und differenzierter erscheinen lassen.

Mit dem Fund des Artefakts wird die Handlung deutlich besser und überzeugender. Das die Flugplattform auf dem Weg vom Pazifik zu ihrem endgültigen Standort ausgerechnet in Terrania unbemerkt abstürzt, erfordert vom Leser sehr viel Kompromissbereitschaft. Zum Teil wird Kneifels Werk schließlich zur Farce, wenn die attraktive blonde Greta - hier wäre deutlich mehr Ironie angebracht - mit einer riesigen Muschel - diese Situation stelle sich der Leser bitte einmal bildlich vor - und ihre Reize zeigend ein Raumschiff unter die Kontrolle bringt und obwohl alle anderen Raumschiffe Startverbot haben, natürlich aus dem System flieht. Da braucht nicht einmal die blonde Greta lange nachzudenken, dass sich die Verfolger an ihre Spuren heften. Hier hätten sich Kneifel/ Thuner deutlich mehr einfallen lassen können und müssen. Insbesondere die Flucht von der Erde ist ein derartig fauler Kompromiss, das man schon fast von Ideenverweigerung sprechen kann. Atlans Reise auf den Grund des Pazifiks gehört zu den besten Passagen des Buches. Immer wenn sich Hans Kneifel aus dem unmittelbaren Exposegriff etwas befreien kann, beginnt sein Roman aufzuleben und ideentechnisch zu überzeugen. Der Leser erinnert sich auch mit viel Freude an die Unterwasserkugel, in die sich der unsterbliche Arkonide immer wieder zwischen den Abenteuern in der menschlichen Geschichte zurückgezogen hat. Hier taucht sie in Form eines Modells des Atlan begeisterten Museumsdirektors auf, der mit dem Einsamen der Zeit einen eher faulen Kompromiss schließt. Für jede Informationen von seiner Seite muss Atlan ein Stück seines Museums authentifizieren. Es sind diese kleinen Episoden, die über die handlungstechnischen Fragwürdigkeiten hinwegführen und den vorliegenden Roman zu keinem gänzlich befriedigenden Abenteuer machen, aber zumindest aufgrund der bisherigen Prämisse zu einem der buntesten und im Grunde eher komischen als kosmischen. Wenn Atlan und seine USO Agenten sich als Händler verkleiden und mit ihrem Raumschiff AVIGNON zur Erde fliegen, um Delikatessen und französische Spitzenweine einzukaufen, schöpft der lebenslustige Hans Kneifel aus dem Vollen. Der Roman gehört zu Hans Kneifels besten Arbeiten seit vielen Jahren. Mit viel Enthusiasmus und einem sehr stringenten Stil erzählt er eine bizarre und teilweise arg konstruierte Geschichte. Er bemüht sich, mit kleinen Episoden einige Schwächen des Exposes elegant auszugleichen und hat sehr viel Spass, wieder mit seinem alten Freund, dem Arkoniden Atlan , zusammenzutreffen. Zu Thurners Expose lässt sich zur Zeit noch nicht sonderlich viel sagen. Zwischen den Zeilen hat der Leser das Gefühl, als probiere Thuner seine späte Robert A. Heinlein Phase aus. Mit der “Illochim” Trilogie beginnt die empfehlenswerte Serie auf jeden Fall von den bislang eher bodenständigen Abenteuern der ersten beiden Serien abzuweichen und ihr Spektrum zu erweitern. Da nicht erkennbar ist, ob Thuner alles wirklich ernst meint und wohin der Weg der Muschel wirklich führt, sollte man “Das Relikt der Macht” als typischen Thurner´schen Auftakt eines sich immer noch in alle Richtungen ausbreitenden Kurzzyklus sehen und schauen, für welche Ausrichtung sich der Österreicher schließlich entscheidet, bevor man ein endgültiges Urteil fällt. Für die Fans von Hans Kneifel wäre es allerdings schön, wenn er auf diesem Niveau weitere Roman im Rahmen der Fanpro- ATLAN Edition veröffentlichen würde.

Hans Kneifel: "Illochim- Trilogie Band 1: Das Relikt der Macht"
Roman, Softcover, 288 Seiten
Fanpro Edition 2007

ISBN 3-8906-4174-1

Weitere Bücher von Hans Kneifel:
 - Atlan X Band 3: Das schwarze Schiff
 - Die interstellaren Freihändler
 - Höllenwelt 3: Dämmerung über Höllenwelt
 - Lemuria 2 - Der Schläfer der Zeiten
 - Monolith 3: Echo der Verlorenen
 - Perry Rhodan Action 17 - Das Auge des Kosmos
 - Perry Rhodan Action 3 - Rhodan mal tausend
 - Perry Rhodan Action 30 - Das dunkle Korps

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