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Perry Rhodan



Michael Marcus Thuner

Der Posbikrieg 1 Das gestrandete Imperium

rezensiert von Thomas Harbach

Nach dem in vielerlei Hinsicht enttäuschenden Paperback- Dreiteiler „Pan- Thau- Ra“ kehrt das Jointventure zum bewährten Sechsteiler im Taschenbuchformat zurück. Nach dem Expose von Robert Feldhoff schreibt eine Mischung aus routinierten Autoren – Hubert Haensel, Uwe Anton, Leo Lukas -, sehr guten Ergänzungsspielern wie Frank Böhmert, Aufsteigern wie Michael Marcus Thurner und einer Newcomerin Cathrin Hartmann die Serie unter dem viel versprechenden und nicht nur deswegen an die goldenen Zeiten erinnernden Titel „Der Posbi- Krieg“. Wenn Perry Rhodan gegen des Romans davon spricht, dass die gestrandeten Kolonisten sich immer noch an Heldenfiguren orientieren, enthält diese Aussage nicht nur eine gewisse Ironie – der Leser hat diese „Helden“ in Form von charismatischen, aber machthungrigen Feudalherren und Intriganten aus den inneren Führungskreisen mit dem Hang typischer Westentaschendiktatoren inzwischen ausgiebig kennen gelernt -, sondern in Bezug auf den vorliegenden Zyklus und die Heftromanserie sehr viel Wahrheit. Die Rückkehr zu den Wurzeln zeigt sich nicht nur in der verminderten Leistungsfähigkeit der Raumschiffe, sondern insbesondere in der Konzentration auf die Person des ehemaligen Großadministrators, der für die Siedler von Altera diesen Titel in Gedanken zumindest noch trägt.

Michael Marcus Thuner teilt seinen Roman in zwei sehr große Bereiche ein. Die Geschichte der unfreiwilligen Besiedelung des erdähnlichen Planeten durch die Menschen, erzählt anhand einer manchmal eigenwilligen Chronik des Familie Donnings. Dann Rhodans Mission, insgesamt 29 Milliarden Menschen zu retten – an einer Stelle kommen selbst die Autoren mit diesen großen Zahlen durcheinander und reduzieren sie wieder auf 29 Millionen Menschen –. Diese ist ihm bei einem Besuch auf der von Posbis ausgebauten Werftwelt Rundron von Lotho Keraete, dem Boten der anderweitig gebundenen Superintelligenz ES, im wahrsten Sinne des Wortes aufs Auge gedrückt worden. Er hat nur die Wahl, mit dem Boten sofort und von einer Handvoll ausgesuchter Begleiter unterstützt zeitverlustfrei zum Ort des Geschehens zu eilen oder später den Weg aus eigener Kraft zu versuchen. Die zweite Hälfte des Angebots ist natürlich illusorisch, da die Hyperimpedanz eine solche Reise aus viele Jahre ausdehnen würde. Also nimmt Perry Rhodan zusammen mit Mondra Diamond, dem Mutanten Startac Schroeder, den Posbis Aluminiumgärtner – eine Spür und Analyseeinheit mit einem unglücklichen, kindischen komischen Talent und dem Drang, zu dichten – und Drover – eine Kampfeinheit – sowie einem Matten- Willy Mauerblum. Die Abgrenzung der Handlung von der laufenden Heftromanserie – ohne einen Verzicht auf entsprechende aber nicht elementare Querverweise – ist schon das Markenzeichen der ersten beiden Taschenbuchzyklen „Andromeda“ und „Odyssee“ gewesen. Der Reiz des Romans liegt in dem starken Kontrast zwischen dem inzwischen gereiften Perry Rhodan und einer zumindest aus seiner Sicht archaischen Führungsstruktur, die ihren Lebensraum gegen die immer weiter vordringenden Posbis auf der Suche nach dem wahren Leben und den geschäftstüchtigen Laren verteidigen müssen.

Die Altaner teilen das Schicksal vieler Terraner, deren Berichte der interessierte Leser oft im Rahmen der Perry Rhodan Planetenromane verfolgen konnte. Auch diese Menschen – auf insgesamt zwölf Schiffen verteilt – sind vom ihrem Kurs abgekommen und von einem Hypersturm in die Tiefen des Alls verschlagen worden. Elf dieser zwölf Schiffe konnten auf einer erdähnlichen Welt notlanden und insgesamt 50 Terraner mussten im Grunde von vorne beginnen. Das technische Wissen ist zwar noch vorhanden gewesen, aber die meisten Schiffseinrichtungen sind durch den Absturz irreparabel beschädigt worden. Dazu kommt in dieser Galaxis eine Besonderheit, jegliche 5 dimensionale Technik funktioniert nicht. In einer Parallelhandlung – die Kapitel sind sehr gut gekennzeichnet – kann man den Rücksturz in die Primitivität, aber nicht Barbarei verfolgen, die Gründung der Städte, den alltägliche Überlebenskampf und schließlich die Rückkehr zu den Sternen. Die Orientierung am Schicksal einer Familie hilft dem Leser, die vielen Fakten sehr gut zu ordnen. Trotzdem bietet insbesondere diese Chronik sehr wenige Überraschungsmomente, sie ist sehr routiniert, aber nicht unbedingt herausragend geschrieben worden. Zu oft konnte man diese Art des Stoffes insbesondere im Rhodan Universum verfolgen.

Durch das Eintreffen Perry Rhodans und seiner Begleiter werden die Kolonisten zumindest alarmiert. Die Ankömmlinge werden vom Geheimdienst festgenommen und in einem geheimen Gefängnis verhört, gefoltert und vor der Öffentlichkeit versteckt. Das psychologische Duell mit Laertes Michou, dem Geheimdienstchef, gehört zu den packenden Passagen dieses Buches. Rhodans Reaktion auf das ihm entgegengebrachte Misstrauen wirkt allerdings ein wenig unglaubwürdig, schließlich hat ihm schon ES´s Bote gezeigt, welches Grauen die Posbis in der fernen Galaxis anrichten, und er taucht mit zweien dieser Maschinenteufeln im Herzen des Imperiums scheinbar auf dem Nichts auf. Die unverhohlene Kritik an den so genannten Staatsdienern und ihren ewigen, inzwischen paranoiden Verschwörungstheorien wirkt sehr aktuell. Nachdem Rhodan schließlich auch einen Test mit für normale Menschen tödlichem Giftgas überstanden hat, glaubt man ihm endlich, Perry Rhodan zu sein. Er erfährt mehr über die Geschichte dieser Welt und den verzweifelten Kampf gegen die übermächtigen Posbis. Sowohl auf diplomatischen Parkett – seine Rede vor dem Parlament wirkt theatralisch und ist vom Autoren zu überzogen dargestellt worden – als auch an der Front – so versucht er die Posbis davon zu überzeugen, dass sie es mit wahrem Leben zu tun haben – beginnt er mit unterschiedlichen Resultaten seine Führungspersönlichkeit in die Waagschale zu werfen. Als auch noch der eher gutwillige Regierungschef schwer verletzt wird und Michou die Macht übernimmt, sieht es für die bunt gemischte Rettungsexpedition nicht mehr nach einem Erfolg aus.

„Das gestrandete Imperium“ lebt in erster Linie von seiner Vielfalt, sehr schnelle Ortswechsel, überraschend differenziert dargestellte Nebencharaktere und eine klassische, verzweifelte Ausgangssituation, die nicht zu Unrecht mit dem Band 300 „ Alarm im Sektor Morgenrot“ von K.H. Scheer allerdings vor einem anderen universellen Hintergrund vergleichen werden kann. Ganz bewusst wird hier die aus den ersten Heftroman bekannte Gigantonomie – das Auftauchen von Tausenden von Posbiraumern – mit einer bodenständigen Abenteuerhandlung zu einem kurzweilig zu lesenden Roman verbunden. Da man mit den Laren, den Posbis und den Maahks auf alt vertraute außerirdische Rassen baut und auch die Geschichte der Familie Donning als Bezugselement für die Besiedelung einer fremden Welt an die Perry Rhodan Planetenromane erinnert, kann man im Grunde nicht viel falsch machen. Michael Marcus Thuners Schreibstil ist unauffällig, geradlinig und gut zu verfolgen, seine Charaktere sind routiniert entwickelt und orientieren sich eher an gegenwärtigen Prototypen. Irgendwelche negativen Überraschungen – bis auf den dichtenden Posbi – finden sich nicht.
Interessant ist der Kontrast zwischen Perry Rhodans Auftreten und der Beurteilung seiner Aktionen durch die Alteraner. Diese unterschätzen deutlich seinen Pazifismus und halten ihn für zu weich, zu kompromissbereit. Natürlich ist es immer ein Klischee, den charismatischen Führer direkt in die Gefahrenzone zu schicken und natürlich darf er nicht auf seine schier unerschöpflichen Reserven in der Heimat zurückgreifen, sondern muss sich das Problem mit nur wenigen, aber ganz gezielt von ES Boten ausgesuchten Helfern angehen. Es bleibt allerdings die Frucht, dass sich am Ende – wie bei einigen anderen Zyklen – die optimistische Prophezeiung, nur Perry Rhodan kann den gordischen Knoten durchschlagen wieder nicht erfüllen wird.

Ein kleiner logischer Aussetzer: Warum man ausgerechnet jetzt Perry Rhodan quasi im Eilverfahren hinzuzieht, wird nicht weiter erläutert, der Krieg geht immerhin schon gute 36 Jahre.

Die Schwierigkeit des Buches und damit des Zyklusauftaktes liegt allerdings auch in seiner Vorhersehbarkeit. Nicht ein einziges handlungstechnisches Element ist wirklich überraschend. Fast ängstlich folgt man den bekannten, nicht unbedingt ausgetretenen Pfaden der Erfolgsära. Nur sehr wenige aktuelle Bezugspunkte zur gegenwärtigen Handlungsebene werden in den Spannungsbogen integriert. Phasenweise wirkt diese Art des Vorgehens wie eine Hommage des Teams um den Exposeautoren Robert Feldhoff an die eigene Schöpfung Überschöpfung. Trotzdem hat der Autor allen Charakteren sinnvolle und vor allem überzeugende Aufgaben gegeben und scheut sich auch nicht, eine gewisse kritische Distanz zum rasanten Geschehen einzunehmen.

Zusammenfassend ist „Das gestrandete Imperium“ eines der lesbarsten Perry Rhodan Heyne- Taschenbücher und weckt die Hoffnung, einen ähnlich packenden Zyklus wie „Lemuria“ lesen zu können. Die nächsten Romane werden zeigen, ob zusätzlich zur bodenständig spannenden Handlung eine gewisse Innovation Einzug hält.

Im Anhang findet sich noch ein netter Artikel von Hartmut Kasper. "Das Whistler- Museum von Terrania" erzählt die Geschichte einer eng mit der Roboterentwicklung verknüpften und dem Führungskreis um Perry Rhodan verwandten Dynastie in Form einer Museumsführung.

Michael Marcus Thuner: "Der Posbikrieg 1 Das gestrandete Imperium"
Roman, Softcover, 360 Seiten
Heyne Verlag 2006

ISBN 3-4535-3262-7

Weitere Bücher von Michael Marcus Thuner:
 - Das rote Imperium 1: Die fossile Stadt
 - Die Tefroder 2 Segler im Sonnenwind
 - Turils Reise

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