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Perry Rhodan



Marc Hillefeld

Die Quantenfestung

rezensiert von Thomas Harbach

Marc Hillefelds „Die Quantenfestung“ schließt nicht nur den ersten Paperback- Perry Rhodan Zyklus im Heyne Verlag ab, mit dem Autoren tritt ein Newcomer in das Universum der erfolgreichsten Science Fiction Serie der Welt ein. Nach dem eher schwachen Auftaktband dieses Zyklus aus der Feder des Exposeautoren Frank Borsch und dem rasanten, aber unnötig komplex gestalteten Mittelband Andreas Brandhorsts keine leichte Aufgabe, diesen Zyklus befriedend abzuschließen. Wie gut er sich in fremde Welten hineindenken kann, hat Hillefeld mit seinem Beitrag zu Dan Browns kontrovers populärem Buch um den Da- Vinchi Code bewiesen. Neben Drehbüchern, Sachbüchern und Comics veröffentlichte er auch im Heyne Verlag einen historischen Roman um die Himmelsscheibe und unterstrich, das er akkurat, faktenreich und doch spannend einen Garn spinnen kann.

Der Konflikt um das Sporenschiff PAN-THAU-RA strebt seinem Höhepunkt entgegen. Die beiden Loower Gruppen führen einen gnadenlosen Vernichtungskrieg gegeneinander. Höhepunkt ist eine Raumschlacht, an der laut Ortungsschätzungen der Terraner mindestens einhundertsiebzigtausend Raumschiffe teilnehmen. Immer wieder müssen von Menschen bewohnte Welten vor den herannahenden Feinden evakuiert werden. Das kostet – wie Homer G. Adams in einem kleinen, aber ironischen geschickt gezeichneten Auftritt feststellt – die inzwischen auch nicht mehr unendliche reiche LFT sehr viel Geld. Perry Rhodan ist weiterhin verschwunden. Er befindet sich als Gefangener auf Hisk- Mekangs Flagschiff und dient als Verbindungsglied in dieser Verschwörung zum Leser. Auf seiner Handlungsebene erfahren diese von den Zusammenhängen zwischen dem Sporenschiff und der Hyperimpedanz. Reginald Bull dagegen verliert die Geduld und bricht mit dem alten Ausbildungskreuzer CALEB auf, um seinen Freund zu suchen. Julia Tifflor folgt dem in einer Endlosschleife gesendeten Funkspruch „Befreit mich“ und trifft auf Baya Gheröls konservierten Körper. Diese hatte in der Originalserie ersten Kontakt zum Überbewusstsein der Loower und galt nach dem Eingriff der Kosmokraten als verschollen. Gucky versteckt sich in der Transferstation und muss zum wiederholten Male auf seine Fähigkeiten, aber zumindest nicht auf seine nostalgischen Anspielungen auf den Retter des Universums verzichten. Höhepunkt und Finale der Trilogie ist natürlich der Rücksturz der PAN-THAU-RA aus dem Hyperraum. Dieses Ereignis wird zum Katalysator einer Tragödie und stellt Rhodan zum wiederholten Male vor eine schwierige Entscheidung.

„Die Quantentesung“ ist Marc Hillefelds erster Beitrag zum Rhodan- Universum. Wie Andreas Brandhorst hat er sich die literarischen Sporen bei serienunabhängigen, eigenständigen Werken verdient. Das zeigt sich in diesem über weite Strecken sehr flott geschriebenen Roman. Das Buch zeichnet durch einen ansprechenden, unauffälligen, aber sehr gut fließenden Stil aus. Selbst Stammleser der Serie werden immer wieder kleine, aber feine Details an ihren Lieblingen in diesem Buch finden, die ein wenig anders wirken und ein wenig anders beschrieben worden sind. Im Gegensatz zu einer immer stärkeren Schematisierung nutzt Hillefeld die ihm trotz des engen Exposes gegebenen Freiheiten aus, um nuanciert die bekannten Protagonisten zu charakterisieren. Insbesondere Reginald Bull ist ihm sehr gut gelungen, bei Gucky hat er die obligatorische Schwierigkeit, dessen fast kindliche oder kindische Dialoge überzeugend zu schreiben. Es scheint wirklich schwierig, Walter ERnstings populärer Schöpfung ein gewisses Eigenleben einzuhauchen. Anfänglich ist das Leo Lukas gelungen, die letzten Romane wirken allerdings eher wie ein Strohfeuer.

Ein weiteres positives Attribut ist der schnelle Szenenwechsel und die Hinführung der einzelnen Handlungsebenen zu einem Kumulationspunkt, dann schnelles Umschalten auf eine neue Ebene und das Schema wiederholt sich. Mit diesem hier sehr gut genutzten Trick überdeckt Hillefeld die Tatsache, dass trotz des großartig angelegten Szenarios in diesem Roman über weite Strecken wieder nichts Entscheidendes passiert. Erst rückblickend stellt der Leser überraschend fest, dass der eigentliche Höhepunkt des Buches und damit des Zykluses fast unscheinbar im Vorübergehen erzählt worden ist. Damit begeht Hillefeld – vielleicht auch durch die Schwächen im Expose begünstigt - einen typischen Heftromanfehler, der in dieser Form in einem Paperback mit fast fünfhundert Seiten Umfang nicht geschehen darf. Der Roman wirkt unausgewogen in seiner Komplexität und hinterlässt nach der Lektüre das Gefühl, fast überhastet geschrieben worden zu sein. Um kein Missverständnis zu erwecken, die mechanischen Teile funktionieren alle sehr gut, stilistisch gibt es nichts auszusetzen und die Dialoge sind über weite Strecken auch lesenswert und realistisch. Aber einzelne Teile – wie die eindringliche und sehr gute Charakterisierung der Biophoren und ihrer Geschöpfe – ragen weit aus dem gesamten Buch heraus. Die wichtigsten Protagonisten haben alle eine oder mehrere gute Szenen, aber das Buch macht – wie dieser ganze Zyklus – einen unrunden Eindruck und gerät schnell wieder in die Vergessenheit. Das hat sicherlich mit dem überhastet geschriebenen und wenig wirklich durchdachten Expose zu tun. Frank Borsch hat sich bemüht, eine populäre Idee aufzugreifen, ohne sie wirklich zu durchdenken. Was sollen die Loower denn wirklich mit dem Sporenschiff in unserem Universum anfangen? Der Plan ist, es hinter die Materiequellen zu schaffen und dort die Konfrontation mit den Kosmokraten zu suchen. Leider fehlt bei diesem Plan ein wichtiger Baustein, das Flugziel. Bislang war der Weg hinter die Materiequellen ein Geheimnis und der Exposeautor Borsch versteckt zumindest in den drei vorliegenden Romanen keine Hinweise, wann und wo das Geheimnis einmal offenbart worden ist. Wie er den Konflikt um das Sporenschiff endgültig – und hoffentlich endgültig – löst, wirkt überhastet. Es steht auch in einem gewissen Widerspruch zu den Anstrengungen der Kosmokraten, das Schiff vor jeglichem Missbrauch zu schützen. Die Plattitüde „aus den Augen, aus dem Sinn“ sollte hier hoffentlich nicht gespielt werden.

Marc Hillefeld wiederholt sehr viele Informationen aus den ersten beiden Bänden und führt damit den Auftaktroman endgültig ad absurdum. Ein Zweiteiler wäre ausreichend, um die verschiedenen Themen umfassend und ausreichend abzuarbeiten. Es empfiehlt sich sogar, auf den schwachen ersten Band der Serie gänzlich zu verzichten und mit Brandhorst Arbeit zu starten. Leser werden es nicht bemerken, dass sie nicht über die Startlinie gegangen sind. Quereinsteiger eröffnet sich das Universum genauso.
Die Gradwanderung liegt in der Ansprache an die Leserschaft. Wie viele elementare Informationen sind für die neuen Leser notwendig, wie hält man die Stammleser bei der Stange? Hillefeld gelingt es, seine Handlungsbögen – nicht unbedingt gleichzusetzen mit dem übergeordneten Spannungsbogen – sehr gut trotz einer Unmenge von Daten, Fakten, Vermutungen und schließlich Informationen am Leben zu erhalten. Wer mit der grundlegenden Perry Rhodan Serie vertraut ist, wird nach der Lektüre des Bandes eher enttäuscht sein. Nichts ist wirklich neu, nichts wirklich überraschend. Der scharfe Kontrast zwischen den unglaublichen Raumschlachten und der schließlich fragwürdigen Auflösung des Konfliktes überfordert Hillefeld als Autoren. Er bemüht sich, die Schlachten und deren Folgen möglichst aus einer eingeschränkten Perspektive zu erzählen. Was bei Perry Rhodan oder Reginald Bull vielleicht noch funktioniert, findet keinen Widerhall bei der Besatzung der CALEB und verpufft im Vakuum. Andere Abschnitte – hier sei nur die Guckyebene genannt – ziehen sich in die Länge, wirken weder im Ansatz noch in der Lösung wirklich überzeugend und können leicht quer gelesen werden, ohne etwas wirklich zu versäumen.

Der ersten Schritt, die Perry Rhodan Serie aus der Isolation des Heftromans zu holen, ist mit der Integration neuer Autoren – Andreas Brandhorst und auch Marc Hillefeld – gelungen. Ganz bewusst hatte der Verlag schon in den ersten drei Taschenbuchserien für diese Zyklen seine besten Autoren aus der laufenden Serie herausgenommen. Die Qualitätseinbussen bei den Heftromanen zahlten die Stammleser. Der zweite Schritt, den neuen Lesern wirklich gute und originelle, den Flair der Originalserie beinhaltete Stoffe zu liefern, ist bislang nur ein einziges Mal gelungen: Lemuria unter dem Exposeredakteur Hubert Hänsel stellt die bislang beste Kurzserie dar. Das Team um Klaus N. Frick muss sich weiterhin den Vorwurf gefallen lassen, dass es nicht reicht, Quantität zu produzieren, sondern Qualität und Frank Borsch ist zumindest bei der PAN-THAU-RA als Exposeredakteur entweder überfordert gewesen oder alleine gelassen worden. Trotz ansprechender Leistung Brandhorsts und Hillefelds ist diese dreiteilige Serie keine Initialzündung und wenn sich Rüdiger Schäfer in seinem Anhang auf der Suche nach wahrem Leben wieder auf das Zwiebelschalenmodell stürzt, unterstreicht er den Unterschied zwischen der Vision William Voltz und der soliden, aber wenig inspirierten Handwerkerarbeit, die zur Zeit aus dem Pabel- Verlag kommt.

Marc Hillefeld: "Die Quantenfestung"
Magazin, Softcover, 493 Seiten
Heyne 2006

ISBN 3-4535-3215-5

Weitere Bücher von Marc Hillefeld:
 - Der Herrscher der Zeit

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