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Perry Rhodan



Andreas Brandhorst

Pan-Thau-Ra 2. Die Trümmersphäre

rezensiert von Thomas Harbach

Andreas Brandhorst übernimmt mit dem Mittelteil „Die Trümmersphäre“ der aktuellen Perry Rhodan Trilogie „ Pan-Thau- Ra“ das Staffelholz vom Exposeautor Frank Borsch. Dieser hatte mit seinem sehr umfangreichen, aber emotions- und inhaltslosen Roman extreme Schwierigkeiten, neben einer Fülle von kaum erklärten Informationen eine vernünftige Handlung aufzubauen. Der routinierte Andres Brandhorst hat zuletzt mit der ersten in seinem eigenen Universum spielenden Kantaki- Trilogie unterstrichen, dass er wahrscheinlich der momentan beste deutsche Space Autor Opera ist. Kritisch gesehen beginnt dieser inzwischen vierte Kurzzyklus im Heyne- Verlag erst mit diesem zweiten Band. Brandhorst nimmt nicht nur die Fäden des Vorgängers konsequent auf und erläutert einige der in der Luft hängenden Fäden, ihm gelingt es auch, die fremdartigen Loover als dreidimensionale Wesen darzustellen und die Vergangenheit dieses Volkes komplex, aber gut nachvollziehbar zu erläutern.

Sein Roman spielt auf drei unterschiedlichen Handlungsebenen. Dabei sind die mit Reginald Bull und Perry Rhodan „besetzten“ Bögen im Grunde die unterinteressantesten. Wie erwartet hat der Erbe des Universums die Explosion an Bord des Schiffes überlebt, mit dem er zwischen die Fronten geraten ist. Fremde Wesen an Bord eines Looverschiffes holen ihn an Bord. Diese bezeichnen sich selbst als Nichtdenker. Ihm wird geraten, den Anderen zu finden, der Rhodans Hilfe benötigt.

Nur der Hinweis auf den „Anderen“ gibt der Rhodan Handlung einen Sinn. Wie schon im Auftaktband finden sich zu wenige Informationen in diesem Abschnitt. Die Dialoge sind zum Teil steif und wirken erheblich konstruiert. Das Rhodan als Frontmann der Eindenker gegen die Zweidenker auf der PAN-THAU-RA eingesetzt werden soll, wirkt nicht sonderlich überzeugend. Zu sehr gerät er wieder in eine mystische Schlüsselposition und das gesamte Geschehen beginnt sich auf ihn zu konzentrieren. Überraschend ist diese sehr schwache, fast unscheinbare Charakterisierung dieser Figur im Vergleich zu den Loovern, aber auch seinem Stellvertreter Bull und dem Mausbiber Gucky.

Reginald Bull dagegen operiert ohne dessen übermächtigen Schatten sehr viel freier und ungezwungener. Unterstützung findet er bei einem ernsteren und dadurch überzeugenderen Gucky. Andreas Brandhorst versteht es, dem Mausbiber gute, zum teil auch unterhaltsame Dialoge aufs Fell zu schreiben ohne übertrieben albern zu werden. Im Gegensatz zu zu vielen anderen Perry Rhodan Romanen kann Reginald Bull seiner Rolle als Stellvertreter Rhodans endlich gerecht werden. Er agiert umsichtig, aber konsequent. Brandhorst verzichtet auf notorische Wutausbrüche Bulls. Dadurch rückt der agierende Bull mehr und mehr in die Rolle eines reagierenden Rhodans, ohne dass diese Charaktere austauschbar werden.

Der überzeugendste Protagonist ist allerdings der Loover Karn-Terg, ein ehemaliger Pilot, der für einen im Drogenrausch verübten Mord zum Tode verurteilt und dann begnadigt in die Verbannung geschickt worden ist. Dort soll er einen Kinderhort leiten. Was auf den ersten Blick ein wenig lächerlich wirkt, arbeitet Brandhorst sehr geschickt und überzeugend anhand der fremden Kultur heraus. Bislang herrschte eher das Prinzip vom Überleben der stärkeren vor, mit dem rührseligen Kindergärtner, der sich intensiv um den Nachwuchs kümmert und deswegen einer höhere Überlebensrate hat, fließt ein neues Element in die Handlung ein. Als erfahrener Vater zweier Kinder kann Brandhorst in diesen Passagen aus dem Vollen schöpfen. Die aus diesem Hort stammenden Loover haben überdurchschnittliche Überlebenschancen und bessere Entwicklungschancen in der Titel gebenden Trümmersphäre. Diese Trümmersphäre besteht aus Millionen von Looverschiffen, die einen Planeten vollständig umschließen. Die Loover wollen sich ihrer oft dunklen Vergangenheit als Vagabunden des Universums mit der Sesshaftigkeit entledigen.

Es scheint aber auch einen Zusammenhang zu humanoiden Wesen zu geben. In alten Aufzeichnungen finden sich Hinweise auf ein schlafendes Wesen in einem Schrein. Diese Fragen wird wahrscheinlich erst der dritte Roman von Marc Hillefeld aufklären.

Obwohl noch hundert andere Ideen in den umfangreichen Roman einfließen, steht die eigentliche Handlung erstaunlich still. Über weite Strecken wirkt der Roman im Gegensatz zum ersten Band der Serie wie ein gelungenes, gut geschriebenes Expose. Andreas Brandhorst konzentriert sich auf seine Stärken: Aliens und deren Lebensumgebung ausführlich, fremdartig, aber überzeugend zu beschreiben. Dabei gibt er den Wesen im übertragenen Sinne menschliche Züge, ohne ganze Charaktereigenschaften in die fremden Körper zu transplantieren.

Fast schon anrührend ist die Entdeckung der Emotionalität. Brandhorst beschreibt sehr gut, wie Karn-Terg Gefühle für die ihm anvertrauten Looverkinder entwickelt. Aus der Strafarbeit wird für ihn eine Lebensaufgabe. Dabei scheut er sich auch nicht, diese Kinder als rechte Quälgeister darzustellen. Immer im Rahmen eines fremden Volkes. Auf dieser Grundlage bauen sich die einzigen wirklich überzeugenden Informationen des Romans auf. Über weite Strecken muß er handlungstechnisch gezwungen neue Fragen aufwerfen.

Handlungstechnisch bleibt die Absicht der Loover, das Sporenschiff zu erobern, im Vordergrund. Hier kann der zweite Roman weder neue Informationen noch neue Ansätze liefern. Aber im Gegensatz zum ersten Roman gelingt Andreas Brandhorst eine komplexe Geschichte überzeugend zu erzählen. Die wenigen wichtigen Details aus Frank Borsch Epos hätten sich gut in dieses Buch mit integrieren lassen.

„Die Trümmersphäre“ gewinnt nicht zuletzt durch Andreas Brandhorst angenehmen und fließenden Stil. Schon in seinen Kantaki- Romanen hat er seine Fähigkeit unterstrichen, exotische Welten plastisch und überzeugend zu beschreiben. Es ist erstaunlich, wie intensiv einzelne Passagen des Buches wirken. Um „PAN-THAU-RA“ zu lesen und zu verstehen, ist es notwendig, den ersten Roman zumindest durchzublättern, die eigentliche Tiefe der Geschichte offenbart sich im Mittelteil des Zyklus und hoffentlich findet die Sage einen würdigen Abschluss im letzten Band. Bis dahin ist „Die Trümmersphäre“ eine der besseren Rhodan- Arbeiten der letzten Zeit und reicht in der Qualität an den bislang herausragenden Lemuria- Zyklus heran.

Rüdiger Schäfer bemüht sich in seinem kurzen Expose, die von William Voltz lange Zeit bestimmte Kosmologie der Perry Rhodan Serie herauszuarbeiten und auf die Stärken und Schwächen hinzuweisen. Dabei macht er es sich leider im Tenor der neuen Töne des Hauses VPM zu leicht. Handlungsschwächen, der Versuch, offene Fragen zu beantworten und Lücken in Serie zu schließen in allen Ehren, wenn aber der zugrunde liegende Stoff nicht ausreicht – oder zu sehr mit Füllromanen gestreckt wird, wie es augenscheinlich der Fall ist – oder die vorhandenen Autoren zu schwach sind, weil die besseren Schriftsteller an den Prestigeprojekten der Serie arbeiten, dann spielt der problematische oder komplexe Hintergrund weniger eine Rolle als das Team der Macher.

Die optische Ausstattung mit einem schönen Titelbild von Oliver Scholz ist wieder ein Augenfang und rundet einen gelungenen Band ab.

Andreas Brandhorst: "Pan-Thau-Ra 2. Die Trümmersphäre"
Roman, Softcover
Heyne 2005

ISBN 3-4535-3214-7

Weitere Bücher von Andreas Brandhorst:
 - Das Artefakt
 - Die Stadt
 - Die Stadt
 - Feuerstürme
 - Feuerträume
 - Feuervögel
 - Kinder der Ewigkeit
 - Lemuria 3 - Exodus der Generationen
 - Äon
 - Äon
 - Äon

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