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Perry Rhodan



Frank Borsch

Pan-Thau-Ra Band 1 „Die Lebenskrieger“

rezensiert von Thomas Harbach

Nach drei Sechsteilern im Heyne Verlag, greift Perry Rhodan zur derzeitigen Königsklasse im Verlagswesen. Den großformatigen Paperbacks. Im Gegensatz zu den bisherigen Serien wurde für den „Pan-Thau-Ra“ Zyklus einiges verändert. Nur noch drei, zweimonatlich erscheinende und mit mehr als fünfhundert Seiten umfangreiche Bücher. Dazu mit Frank Borsch nur noch ein Stammautor, der gleichzeitig für das Expose verantwortlich ist. Unterstützung findet sich in Andreas Brandhorst, dessen erster Kantaki- Zyklus bei Heyne erschienen ist und der einen Roman zur Vorgängerserie und dem vorläufigen Höhepunkt in der Zusammenarbeit mit Heyne „Lemuria“ beigetragen hat, und Marc Hillefeld als absoluten Neuling im Perryversum. Das er ein mitreißender Erzähler ist, hat er mit dem ebenfalls im Heyne Verlag erschienen historisch fiktionalen „Der Herrscher der Zeit“ unter Beweis gestellt.

Die Titelbilder stammt wieder aus der geübten Feder Oliver Scholls und lädt den Leser augenscheinlich ein, einer fesselnden Geschichte beizuwohnen. Während das äußere Ambiente stimmt, verstimmt die Lektüre des ersten Buches. Unwillkürlich schleicht sich der Eindruck ein, dass sich das Team um Klaus N. Frick und Frank Borsch mit diesem Zyklus zu viel zugemutet hat. Die Erscheinungstermine der Paperbacks – im Herbst, also der attraktivsten Buchzeit – standen schon lange fest. Darum musste Frank Borsch unter Zeitdruck das Expose und seinen ersten Roman fertig stellen. Das er in dieser Zeit zum ersten Mal Vater geworden ist, hat nicht unbedingt zum stoffsicheren Umgang mit der Materie beigetragen.

Im Anhang findet sich eine Kurzzusammenfassung der bisherigen Perry Rhodan Geschichte aus der Feder Rüdiger Schäfers. Er beschreibt, dass er für diesen Artikel sich das Feeling bei einer erneuten Lektüre des ersten Perry Rhodan Romans geholt hat. Anstatt in das Heft reinzulesen, hat er plötzlich drei Stunden beim „Unternehmen Stardust“ verbracht. Leider kann die neue Paperbackserie – trotz aller Marketingbemühungen – nicht annähernd ein entsprechendes Gefühl aufbauen. Das liegt aber auch an der Struktur der Perry Rhodan Serie, wie sie sich im Moment darbietet. Das Team ist unterbesetzt. Altgediente Autoren haben sich verabschiedet. Auch wenn sie nicht mehr an ihre guten oder besten Zeiten heranreichen konnten, haben sie jüngeren, guten Autoren der Rücken freihalten können. Thomas Ziegler wäre prädestiniert gewesen, insbesondere bei Projekten wie eben Pan-Thau- Ra es ist, seine Erfahrung in der Konzeption / Exposeredaktion und vor allem seine erzählerische Klasse einfließen zu lassen. Nichts gegen Frank Borsch, der sich mit zwei Sonderprojekten und einer Handvoll guter Perry Rhodan Romane einen Platz im Team erkämpft hat, aber wie bei „Andromeda“ und „Odyssee“ der gesamte Zyklus wirkt der erste Paperbackband eher lieblos und unter großem zeitlichen Druck geschrieben als von langer Hand geplant. Einzig der Sechsteiler „Lemuria“ konnte elegant den Makel einer hübschen Verpackung ohne wirklichen Inhalt abstreifen und die Leser herausragend unterhalten. Da die Mehrteiler im Heyne- Verlag zumindest ein finanzieller Erfolg sind, wird man mit der stetig fortschreitenden Kommerzialisierung und Selbstbeweihräucherung des Verlages bei solchen Projekten weiter leben müssen.

Dabei ist der Auftakt des Romans klassisch. Am 08. April 1341 NGZ materialisiert eine Flotte aus auf den ersten Blick wrackähnlichen Raumschiffen unweit des durch seine überschweren Bewohner bekannt gewordenen Planeten Oxtorne. Diese setzen die Reste ihrer verbliebenen Heimatflotte unter dem Kommando des für die Oxtorners ungewöhnlich alten Deshwan Jankoff ein, um den potentiellen Feind möglichst tief im Raum zu stellen. Dabei interessiert die für den Kampf lebenden Oxtorner das Ungleichgewicht der Kräfte wenig. In letzter Sekunde kann Perry Rhodan – in Begleitung von Julian Tifflor und Reginald Bull – die gewalttätige Auseinandersetzung unterbinden. In der Zwischenzeit erfahren die Menschen, dass weitere Trümmerflotten aus dem Nichts auftauchen und sich gegenseitig unter Beschuss nehmen. Jeglicher Versuch der Kontaktaufnahme durch Rhodan scheitert.

Die Fremden gehören dem Volk der Loower an. Anscheinend haben Gruppen dieses Volkes des Planeten Alkyra II verlassen, auf dem sie sich vor mehr als 1500 Jahren angesiedelt hatten. Tiffler macht sich auf den Weg, das Geheimnis dieser Welt zu untersuchen. Das Ziel der Trümmerflotte könnte der Planet Snowflake sein, ein Eiswelt. Erst die vierte Generation der menschlichen Bewohner konnte sich dank der genetischen Manipulation durch den Oxtorner Jankoff einem Leben auf dieser Welt anpassen. Diese meisten Informationen erhalten die Leser zu diesem Handlungsstrang in der Form eines langen Interviews mit dem gefangen gesetzten Mitglied der vierten Generation Yun, einem Gleiterpiloten. Anscheinend gibt es auf dieser unwirtlichen Welt mehr als ein intelligentes Volk.

Dieser Konflikt droht nicht zuletzt durch das überhitzte Eingreifen der Oxtorner zu eskalieren. Auf einer dritten Handlungsebene versuchen die Loower das scheinbar verlassene Sporenschiff PAN-THAU-RA zu erobern und es zu kontrollieren. Millionen von Loowersoldaten durchdringen die Hülle und beginnen mit ihren auf Modularbasis operierenden Robotern die in dem Sporenschiff lebenden Flachaugen gnadenlos zu vernichten. Nach der bekannten Taktik der verbrannten Erde öffnen sie alle eroberten Räume dem Vakuum. Schwieriger wird der Konflikt, als sich den Loower auf den ersten Blick artgleiche Wesen entgegenstellen, anscheinend Biowesen, die aus den geheimnisvollen Kammern des Sporenschiffes stammen.

Das ungewöhnliche Format stellte zumindest Frank Borsch in diesem Auftaktband vor eine neue Herausforderung. Wie viel Inhalt im Vergleich zu wie viel Hintergrund verträgt der Roman? Welche neuen Informationen kann ein geübter Autor in die Handlung einstreuen, wie kombiniert man so unterschiedliche Extreme wie das Sporenschiff PAN-THAU-Ra, die Loower und schließlich auch die Oxtorner? Obwohl Frank Borsch zumindest zu den stilistisch besseren Perry Rhodan Autoren gehört, wirkt er hier zwar nicht überfordert, sondern eher überambitioniert. Er will zu viel und liefert zu wenig ab. Trotz dreier Handlungsebenen wirkt der Roman insbesondere im Mittelteil gestreckt und langatmig, dass die Versuchung immer größer wird, die Seiten schneller durchzublättern. An reinen Sachinformationen finden sich nur dürftige Hinweise, die vielleicht in den nächsten Romanen weiter ausgeführt werden. Hier böte sich als einzige Alternative ein Handlungsstrang an, der insbesondere das Volk der Loower deutlicher durchleuchtet und den bislang spärlichen Hintergrund extrapoliert. Sollte das der Fall sein, könnten der Mangel an echten, die Handlung voranbringenden Informationen dieses ersten Romans ausgeglichen werden. Sollte es nicht der Fall sein, ist das Experiment mit den Paperbacks in dieser Form bei diesem Zyklus zum Scheitern verurteilt.

Sprachlich bewegt sich Frank Borsch sehr nahe am Abgrund. Umgangssprache setzt er oft beim Verhör Yuns ein. Dabei begnügt er sich, unsere alltägliche und schnell veraltet wirkende Umgangssprache leicht zu verfremden. Sind die ersten Anspielungen auf eine Kultur aus dem Eis noch lustig, beginnen die Dialoge schnell zu langweilen und bilden einen zu starken negativen Kontrast zu der futuristischen Umgebung. Für einen überzeugenden Proleten reicht es bei Frank Borschs Charakter einfach nicht. Außerdem steht dieser Handlungsstrang inhaltlich in keinem vernünftigen Verhältnis zum gesamten Spannungsbogen und ist prädestiniert dafür, überblättert zu werden. Einzelne Interviewabschnitte hätten zur Auflockerung des Textes beigetragen. Ein guter Autor hätte diese Passagen vielleicht noch mit Tagebuchaufzeichnungen oder Berichten ergänzt, so wirken sie wie ein Fremdkörper in einer sich im heißen Wasser auflösenden Zwiebel. Sprachlich hätte der Roman einen vernünftigen Lektor benötigt. Schon die Lektoratsarbeit bei der eigentlichen Heftromanserie wirkt oft wie eine Strafarbeit, in diesem Paperback hat der Leser gänzlich den Eindruck, dass sich niemand zeitlich oder arbeitstechnisch für den ungeliebten Part verantwortlicht fühlte. Neben einer Reihe von stilistischen Holprigkeiten – man lese die Dialoge einfach laut und stellt sehr schnell fest, wie steif, unrealistisch und unbeholfen geschrieben diese sind – häufen sich temporale Fehler und die Vokabel ist in diesem Buch auch nicht auf der Seite des Autoren. Für einen Paperback eine sehr schludrige Arbeit.

Unabhängig von den handwerklichen Mängeln gelingt es dem Autoren nicht, die verschiedenen Aliens überzeugend darzustellen. Viele der Wesen werden zwar fremdartig beschrieben, in ihrem Handeln bleiben sie allerdings menschlich. Insbesondere bei den Loower verschenkt Frank Borsch die fast einmalige Möglichkeit, ein fremdes Volk in den Mittelpunkt der Ereignisse zu stellen und aus deren Perspektive die Handlung zu entwickeln. Keine leichte Aufgabe für einen noch jungen Autoren, doch Frank Borsch bemüht sich nicht einmal ansatzweise, diesen Weg zu gehen. Zwar bemüht er sich redlich, mit der Loowerin An-Keyt uns eines dieser Wesen näher zu bringen und in ihre Gefühls- und Gedankenwelt einzudringen, doch bis auf ihr stetiges Paarungsverhalten – das wird auch nicht näher erläutert – bleibt sie den Lesern doch fremd und wird schließlich im Nebensatz eliminiert. Das dabei nicht unbedingt ein beklemmendes Gefühl beim Leser aufkommt, unterstreicht das Scheitern des Autoren. Eher ungläubig fragt man sich, warum fast zweihundert vorangegangene Seiten derart verschwendet worden sind. Es findet sich bis dato in dem Handlungsgerüst kein Charakter, der ihre Fackel und ihre Mission übernehmen könnte. Wenn dieser Strang ganz bewusst ins Leere geschrieben worden ist, um beim Leser eine Emotion zu erwecken, dann scheitert Frank Borsch in seinem Bemühen kläglich. Der überraschende Tod von die Handlung tragenden Protagonisten sollte die Leser zwar überraschen, aber die Bindung zwischen dem Buch und dem außen stehenden Betrachter intensivieren und nicht wie in diesem Fall fast unterbrechen. So macht die Konstruktion keinen Sinn und die Botschaft, dass jeder zu ersetzen ist, verpufft in zweifacher Hinsicht. Auch der „Tod“ Perry Rhodans wird angedeutet und negiert das Opfer An-Keyts. Dabei hat die Loowerin schon vorher eine Reihe unglücklicher Szenen zu überstehen.


Platt geschrieben schließt sich mit ihrem Dahinscheiden zumindest ein Teilkreis des Romans. Das sie aber lebend für die Handlung deutlich besser und für den Leser als Identifikationsfigur und reflektierender Erzähler wichtiger gewesen wäre, zeigt sich in ihrer naivsten, aber auch – bei richtiger Behandlung – eindrucksvollsten Szene. Ein feindlicher Soldat versucht mir der Loowerin An-Keyt in einen friedlichen Dialog zu treten. Das deswegen das Oberkommando zumindest dieser Loower nicht den Angriff stoppen wird, ist offensichtlich. Zuviel Zeit verschenkt Frank Borsch in diesem auch vordergründig sinnlosen Abschnitt. Warum hat er nicht diese Situation als Ausgangspunkt genommen, um den Gerüchten nachzugehen, dass auch beim Oberkommando der Loower etwas außer Kontrolle geraten ist? So wäre aus diesem Dialog ein neuer Handlungsstrang entstanden. So bleibt alles außen vor. Auch der Informationsfluss zum Leser ist derart konfus angelegt.
Weder bei den Loower noch bei dem Sporenschiff PAN-THAU-RA nähert er sich den Lesern. Warum also bekannte Wesen und bekannte Raumschiffe nutzen, wenn man nicht mit ihnen „arbeitet“? Reine Namensähnlichkeit sind Schall und Rauch.


Was er allerdings mit den Überschweren Oxtorner gemacht hat, ist eine peinliche Mischung aus „Star Trek“ Klingonen und der Hilflosigkeit des Autoren, das Papier vor sich zu füllen.

Wie die Klingonen sind die Oxtorner ein Kriegervolk. Ihre Vergangenheit ist ja inzwischen dank der rückwirkenden Einführung von genetischen Manipulationen - die sie auch anderen hilfsbedürftigen Menschen auf anderen unwirtlichen Welten zur Verfügung stellen – umstritten. Das dieses Volk aber jeden und alles um jede Position kämpfen lässt, wirkt derart tragisch lächerlich, dass man sich schon unwillkürlich nach komödiantischen Ansätzen fragt. Sicherlich ist es vernünftig, einem Kriegervolk auf den Leib zu schreiben, dass ihre Führer zu einem gnadenlosen Auswahlprozess unterwerfen müssen. Dieser kann auch gegenseitige Herausforderungen oder Ringkämpfe mit Tieren umfassen. Aber das diese sich um ihre Plätze an Bord balgen und auch bei den einfachsten Rängen an Bord des Raumschiffes gekämpft wird, ist unglaublich. Das Prinzip könnte vor der Planung einer längeren Mission bei den Kommandanten funktionieren, aber warum ein Funker – wenn er einen Techniker besiegt – einen besseren Ingenieur abgeben soll, das wird das Geheimnis des Autoren bleiben. Außerdem wird jegliche Hierarchie und Ordnung an Bord des Raumschiffs durcheinander gewirbelt. Spätestens wenn es keine Spezialisten mehr gibt, könnte es Probleme mit dieser Mission geben. Oder werden die dann falsch eingesetzten Männer gleich wieder von ihren Vorgesetzten oder Untergebenen herausgefordert? Dann gibt es auf jeden Fall irgendwann keine Besatzung mehr, denn es ist ja kein Gesetz, dass bei einem Zweikampf einer verliert und der andere unverletzt sein neues Amt antreten kann. Außerdem fehlt in einer solchen militärischen Unordnung ein elementares Bestandteil einer erfolgreichen Armee: Routine. De einzelnen Truppenteile sollten sich auf den gehobenen Ausbildungsstand der Anderen verlassen können und nicht jedes Mal auf deren Schulterstücke schauen müssen, um zu wissen, mit wem man es zu tun hat. Das dann die Medoroboter und Schutzanzüge über Bord geworfen werden, um mehr Platz für Soldaten – in einer Raumschlacht !!! – zu haben, ist der Gipfel einer Reihe von wirklich haarsträubenden Szenen. Das die Überlebenschance bei einer direkten Treffer nicht unbedingt hoch ist, steht ja nicht in Frage, aber die Oxtorner rechnen eigentlich in ihrer von Frank Borsch zugeschriebenen Arroganz nicht mit Problemen. Nicht zum ersten Mal kommt ein faszinierendes und altgedientes Volk im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder des neuen Teams.

Im Gegensatz zu „Lemuria“ ist der Auftakt von PAN-THAU-RA schwach. Zu wenig Szenario wird gut vorbereitet, zu viele Ideen nicht ausgearbeitet und der Leser wird im wahrsten Sinne des Wortes im All ausgesetzt. Mit einigen Marketingideen und gut gestreuten Interviews und Werkstattberichten wurde der neue Zyklus dem Leser schmackhaft gemacht. Diese Zeit hätte deutlich mehr in die Handlung und vor allem den schriftstellerischen Hintergrund investiert werden müssen. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Materie scheint im Verlag nicht stattzufinden. Ob die Lektoratsarbeit jetzt bei der Heyne Abteilung oder im Hause VPM stattfinden sollte, ist eine ungeklärte Frage. Vielleicht haben sich die beiden Verlage auf den jeweiligen Partner verlassen. Das Sporenschiff PAN-THAU-RA soll ja Leben sähen, vielleicht birgt es in seinen vielen Kammern einige Intelligenzsporen, die diesem Zyklus dringend zum ersten Leben helfen. „Die Lebenskrieger“ ist eine bedauernswerte Todgeburt und mit Abstand die schlechteste und eine unausgereifte Arbeit Frank Borschs.

Frank Borsch: "Pan-Thau-Ra Band 1 „Die Lebenskrieger“"
Roman, Softcover
Heyne 2005

ISBN 3-4535-3213-9

Weitere Bücher von Frank Borsch:
 - Alien Earth Phase 2
 - Lemuria 1- Die Sternenarche

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