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Perry Rhodan



Hubert Haensel

Lemuria 6 - Die längste Nacht

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Die längste Nacht“ endet der dritte Taschenbuchzyklus der Perry Rhodan Serie im Heyne-Verlag. Mit Hubert Haensel verneigt sich der Exposeautor mit dem sechsten Band vor seinen Lesern.
Gleichzeitig mit der Besprechung dieses letzten Textes stellt sich auch die Frage, ob der Wechsel in der Exposeredaktion von Uwe Anton auf den erfahrenen, findigen und mehr Abenteuerorientierten Haensel ein Glücksgriff war oder nicht.
Hubert Haensel fährt einen anderen Ansatz. Der geschmeidige Alleskönner mit dem Faible für Spezialaufgaben wie die Kosmoschroniken und einen angenehmen, unauffälligen und deswegen für Teamarbeiten extrem wichtigen Stil baut hier keine extravaganten Paläste auf, immer wieder nach einer beunruhigend langen Einführungsphase von zwei Taschenbüchern – den schwächsten Arbeiten der Serie – beginnt er in jedem einzelnen Band eine Vielzahl von Fragen nach und nach abzuarbeiten. Das erhöht das Lesevergnügen der einzelnen Taschenbücher und lässt den Leser nicht am Ende unbefriedigend zurück, das verstärkt das Interesse einiger Autoren, gute in sich abgeschlossene Werke abzuliefern und trotzdem wirkt das Gesamtbild geschlossener als in den beiden vorangegangenen Serien. Das liegt sicherlich auch daran, dass Haensel auf Nummer sicher geht. Ein klassisches Thema, beliebte Hauptfiguren – Perry Rhodan und Icho Tolot -, eine rasante Achterbahnfahrt und ein letztes Geheimnis, das sich der routinierte Autor bis zum Schluss aufhebt. Da spielt es keine Rolle, dass immer wieder Punkte aufgegriffen werden und scheinbar befriedigend zum Abschluss gebracht werden, die letzte Szene, der letzte Vorhang sind die entscheidenden Schlüssel, mit denen hier der Leser zum Verbleiben eingeladen wird.
Im Vergleich mit „Andromeda“ und „Odyssee“ wirkt dadurch die „Lemuria“ Serie farbenprächtiger, kompakter – obwohl die Handlung mehr als 50000 Jahre umspannt – und autarker. Es finden sich immer wieder Bezüge zur aktuellen Handlung, doch die Sternenarchen der Lemurier, die Haluterbestien, Zeitreisen und tiefere Erkenntnisse in das bislang oft geheimnisvoll abgeschiedenen Akonen Volk beleuchten einen immer noch sehr beliebten Zyklus und dessen Auswirkungen – „die Meister der Insel“, Heft 200 bis 299 - . Wie ein lieb gewonnener Gast zieht sich die erste Begegnung mit dem Andromedanebel, die Reise in die tiefste Vergangenheit der Menschheit und die erste Begegnung mit dem Stammvolk – den Lemurier, den Großeltern allen humanoiden Lebens in der Milchstraße – durch die Heftromanserie. Hier stehen diese Ereignisse im Mittelpunkt einer Anfangs zu vorsichtig, zu langsam und zu konstruiert aufgebauten Handlung, die sich mit den Romanen von Andreas Brandhorst und Leo Lukas rasant entwickelt, seinen vorläufigen Höhepunkt im zusammenfassenden Roman von Thomas Ziegler findet und trotz der vielen ungeklärten Fragen im vorliegenden Band eher ausläuft als eine explosionsartige Auflösung zu finden.

„Odyssee“ und „Andromeda“ wirkten durch ihre zeitliche und räumliche Entfernung zu befremdlich, zu außen stehend. Hier fühlen sich viele Leser heimischer als in einer offensichtlichen Sonderserie. Auch wenn nicht viel Bezug zu den augenblicklichen Handlungssträngen genommen wird – da hatte „Odyssee“ mit seinem neuen Schwarm größeren Bezug, auf auch die Schwierigkeit, ein inzwischen abgearbeitetes Thema wieder aufgreifen zu müssen – sind Lemuria, die Meister der Insel, die Crew der Crest, die Old Man baute, die Bestien und späteren Haluter elementare und gleichzeitig historisch Bestandteile der Serie und selbst Fans ein Begriff, die seit Jahrzehnten nicht mehr zu den heften gegriffen haben. Das dürfte auch das eigentliche Motiv gewesen sein, jetzt „Lemuria“ zu bringen. Man möchte neue Leser ansprechen und vielleicht die alten inzwischen ergrauten Fans auf ein Neues motivieren. Das macht ein geschickter Public Relation Mann am Besten mit etwas Altem, etwas Bewährtem und etwas Neuen. Das alte sind die Bezüge zum vielleicht besten Zyklus der gesamten Serie, das Bewährte die sechs Taschenbücher mit den zur Zeit besten Teamautoren , einem Newcomer – Andreas Brandhorst – und dem tragisch kurzen Comeback vom beliebten Thomas Ziegler. Erstaunlich ist auch die Teamdisziplin, Thomas Ziegler verzichtet auf seine exzentrischen Charaktere und Leo Lukas besinnt sich auf seine eigentlichen Stärken.

Zwar bemüht sich Haensel, in diesem Abschlussband allen Fragen gerecht zu werden, doch zu sehr baut er neue Elemente in die Handlung ein, versucht wie im klassischen Abenteuergenre noch eine Entwicklung auf die bisherigen verschiedenen Ebenen drauf zu legen. Dabei gelingt es ihm weniger, den Leser zu fesseln .
Ausgerechnet beim letzten Roman des Zykluses versagt das bislang bewährte Konzept, geradlinig viele Fragen in einem Roman zu beantworten und den roten Faden mehr im Hintergrund zu ziehen. Hubert Haensel kann auf nichts mehr aufbauen und hat schnell das Problem, die letzten zu beantwortenden Fragen auf mehr als zweihundertfünfzig Seiten ausgeweitet bearbeiten zu müssen. Das funktioniert zwar mit viel Routine, aber weniger Herz und kaum erzählerischen Höhepunkten.
Der Autor konzentriert sich plötzlich wieder auf die klassische Situation „Perry Rhodan als Retter des Universums“ oder hier der möglichen Zeitlinien und damit Paralleluniversen zu etablieren. Viele der behutsam und vielschichtig aufgebauten und konzipierten Nebenfiguren gehen in den gegen Ende des Buches immer hektisch werdenden Szenen unter. Hier möchte das Team mit einem Knalleffekt sich verabschieden. Das gelingt auch über Strecken erfreulich gut: die Begegnung zwischen der klassischen Bestie und Perry Rhodan ist eine direkte Hommage an die erste Begegnung zwischen Icho Tolot und Perry Rhodan in den Heftromanen und gehört zu den besten Szenen des Romans. Andere Szenen verlieren ihre Tiefe und wirken eher nebenbei erzählt.

Wie in den anderen beiden Serien muss sich die Redaktion allerdings den Vorwurf gefallen lassen, für die ersten Taschenbücher zu wenig Stoff zu haben. Oft wartet der Leser vergebens auf originelle und gute Wendungen in den Romanen, erst mit besseren und konsequenteren Erzählern gelingt es dem Team, den roten Faden mit einem interessanten Hintergrund zu einem gelungenen Ganzen zu verbinden. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern ist „Lemuria“ die bislang beste Leistung, ein Schritt in die richtige Richtung, den PR Kosmos zu verbreitern und neue Leser für sich zu gewinnen.
Im Vergleich zum überarbeiteten Uwe Anton kann Hubert Haensel trotz der wenigen Zeit, die auch ihm bei der Konzeption der Exposes und der Umsetzung mit den anderen Autoren verblieben ist, eine überzeugendere Leistung abliefern. Die Serie wirkt homogener und geschlossener. Auch der Verzicht auf Routiniers wie Hanns Kneifel mit seinen wirklich schlechten Romanen in den ersten beiden Serien rundet die gesamte Erscheinung geschmeidiger ab.
Die gelungene optische Ausstattung mit den Risszeichnungen, den stimmungsvollen Titelbildern und den sehr flüssig zu lesenden sekundärliterarischen Beiträgen von Hartmut Kasper runden das Bild eines ansprechenden Kurzzykluses ab.

Hubert Haensel: "Lemuria 6 - Die längste Nacht"
Roman, Softcover
Heyne 2005

ISBN 3-4535-3020-9

Weitere Bücher von Hubert Haensel:
 - Der Posbi- Krieg 4- Der Milliardenmörder
 - Perry Rhodan 2291: Duell in Magellan
 - Perry Rhodan Neo 8 - Die Terraner
 - Perry Rhodan Neo 8: Die Terraner

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