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Perry Rhodan



Hans Kneifel

Lemuria 2 - Der Schläfer der Zeiten

rezensiert von Thomas Harbach

Im Laufe dieses zweiten Bandes der sechsteiligen Serie sucht Perry Rhodan sein Heil in der Flucht nach vorne und ruft Icho Tolot, den Haluter und Freund der Menschen, zur Hilfe. Hans Kneifel beendet den etwas aufgesetzten Dialog natürlich mit der für den friedlichen Riesen so typischen Floskel "mein Kleines". Diese Szene ist eine der wenigen Stellen, an denen zum ersten Mal nostalgische Gefühle in den Lesern seit mehreren Jahrzehnten aufkommen. Obwohl die Serie Lemuria heißt, obwohl die beiden Generationenschiffe ein hoffentlich spannendes Geheimnis in sich getragen haben, der Kommandant scheinbar ein Aktivatorträger ist, die Akonen ein falsches Spiel vorantreiben und immer wieder indirekt oder direkt Bezug auf einen der besten Zyklen der Heftromanserie genommen wird, kommt eines beim Leser auch nach diesem zweiten Band nicht auf: wärmende Erinnerungen an den MDI Zyklus.

Zu kompliziert, komplex und geplant wirkt auch der Aufbau dieses zweiten Bandes. Nachdem man glaubt, das erste Gefecht verloren zu haben, macht sich die Explorermannschaft mit Perry Rhodan mittendrin und inzwischen von Hans Kneifel derart deplaziert dargestellt und voller erkennbaren Widerwillen von Seiten des Autoren in das Bordgeschehen integriert auf die Suche nach der geheimnisvollen zweiten Arche. Dieses stürzt auf einem Planeten ab, der in dem Unsterblichen gleich ungute Gefühle auslöst. Vorsichtig lockert das Expose einige Geheimnisse, dazwischen gibt es eine Reihe von dezenten Sexszenen, allerdings ohne Perry Rhodan, zwei oder drei Aktionsequenzen, Dialoge, Monologe und Diskussionen ohne Ende, aber keine Besserung. Steif, ungeschickt, manchmal überzogen gestalten sich insbesondere die kommunikativ wichtigen Szenen Fast schon mit Absicht unterdrückt Kneifel jegliche natürliche Emotionen. Bei sich und seinen Charakteren.

Vergleicht der Leser diese sechs Taschenbücher mit einem hundert Hefte umfassenden Zyklus so fällt auf, dass das Füllmaterial immer früher zur Geltung kommt. Viele der hier beschriebenen Szenen hätten in den ersten Roman gepasst. Die Nutzung eines zweiten Raumschiffes, das dann ins Verderben fliegt, wirkt derart in die Länge gezogen und zum Teil klischeehaft wieder verwendet, dass sich der Leser zum jetzigen Zeitpunkt einfach langweilt. Es ist schon wichtig, dem Hund, sprich Kunden, einen Knochen hinzuhalten, doch Herrchen darf nicht vergessen, ihn geschickt zu plazieren oder wenigstens an einigen Stellen auszupacken. Er muss ihn ja nicht direkt vor die Nase halten, aber hier ist eindeutig zu wenig Aufwand in der sorgfältigen Planung getrieben worden.

Es stellen sich unabhängig vom Plot viele Fragen: Warum ist Rhodan überhaupt auf einem nicht standesgemäßen Schiff unterwegs ? Warum werden wichtige Figuren wie z.B. Icho Tolot, die wie kaum eine andere Figur an den MDI Zyklus gebunden und mit ihm ursprünglich verwurzelt gewesen ist, erst am Ende des zweiten Buches eingeführt ?

Viel eher hätte die Redaktion auf die gesamte klischeehafte und derart oberflächlich dargestellte Mannschaft der PALENQUE verzichten können. Ein Raumschiff mit einer vernünftigen alten Besatzung - Reginald Bull, Perry Rhodan, Gucky und Icho Tolot - auf einem Präsentationsflug oder einer Hochzeitsreise - können sich Mausbiber mit Halutern paaren ?- begegnet der ersten Arche. Das hätte den Autoren die Möglichkeit gegeben, viel kompakter, direkter und nachhaltiger die Ereignisse der Vergangenheit mit der Gegenwart oder möglicherweise der Zukunft zu verbinden. Eine Mischung aus Rückblenden und Entdeckungsroman mit vielleicht einem oder zwei neuen Charakteren hätte die älteren Lesergenerationen genauso angesprochen wie die, die MDI erst im hauseigenen Lexikon nachschlagen müssen.

Auch die Übertreibung mit zwei Generationenschiffen - erst findet man eines und hat dann eine obskure Verbindung zum zweiten Schiff - wirkt eher unüberzeugend. Eine Kolonie auf einem Planeten, von den Überlebenden des zweiten Schiffes gegründet, hätte deutlich mehr Anreize für Leser und Autoren gegeben. Basierend auf den alten lemurischen Grundlegen, die außer Rhodan niemand mehr kennt. Dann eine klassische Auftaktbegegnung mit Icho Tolot als Beispiel für die Bestien. Dramatische Entwicklungen wie eine zeitliche Extremsituation um den Plot zu schärfen hätten ein übrigens getan. So plaudern und fliegen unsere Helden durchs All, frei nach dem Motto, finde ich es morgen nicht, dann schaue ich übermorgen weiter.

Obwohl immer wieder propagiert wird, die Lücken im Universum zu schließen, fällt es den Autoren schwer, die Brücke im alten Glanz erstrahlen zu lassen. Wenn ein Routinier wie Hans Kneifel dann zum wiederholten Male eine derart langweilige und herunter geschriebene Arbeit präsentiert, stellt sich eine weitere Frage: Ist es sinnvoll, noch angestammte, angegraute Autoren für diese Taschenbücher zu engagieren. Bislang hat sich der Wechsel von Uwe Antons als Triebfeder der Perry Rhodan Taschenbücher zu Hubert Haensel nicht gelohnt und wenn man in Artikeln immer wieder von der kurzen Zeit liest, die den Autoren zur Verfügung stand, um dann doch gute Arbeiten, hervorragende, innovative Werke abzuliefern, die engen Termine, die Hubert Haensel gesetzt worden sind, dann offenbart sich - bis auf das wieder gelungene Titelbild von Oliver Scholl, das allerdings wenig der eigentliche Handlung zu tun hat - , das Kommerz über Inhalt gesiegt hat. Schon die ATLAN Mini-Serie war inhaltlich kein Ruhmesblatt, es scheint so, als würde zumindest LEMURIA nicht viel besser werden. Aber nach zwei Runden sind die wenigsten Boxer endgültig K.O. gegangen und es bleibt zu hoffen, daß auch diese Serie wieder aufsteht.

Hans Kneifel: "Lemuria 2 - Der Schläfer der Zeiten"
Roman, Softcover, 301 Seiten
Heyne 2004

ISBN 3-4535-3008-X

Weitere Bücher von Hans Kneifel:
 - Atlan X Band 3: Das schwarze Schiff
 - Die interstellaren Freihändler
 - Höllenwelt 3: Dämmerung über Höllenwelt
 - Illochim- Trilogie Band 1: Das Relikt der Macht
 - Monolith 3: Echo der Verlorenen
 - Perry Rhodan Action 17 - Das Auge des Kosmos
 - Perry Rhodan Action 3 - Rhodan mal tausend
 - Perry Rhodan Action 30 - Das dunkle Korps

Leserrezensionen

Leserrezensionen
27.12.04, 14:17 Uhr
Ulrich Brennhäuser
unregistriert


Hallo!! ich bin süchtig!! wann kommt Band 4 entlich!!!!