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Perry Rhodan



Frank Borsch

Lemuria 1- Die Sternenarche

rezensiert von Thomas Harbach

Zum dritten Mal vereinigen sich Heyne und Moewig zu einem neuen Perry Rhodan Sechsteiler, zum dritten Mal schreibt Frank Borsch einen Roman, dieses Mal den Auftaktband beim zum ersten Mal von Hubert Haensel exposetechnisch betreuten Zyklus. Das alles wird durch den fr├╝hen Tod von Thomas Ziegler ├╝berschattet, dessen letzter Roman als f├╝nfter Teil des Zyklus erscheinen wird.



F├╝hrte "Andromeda" in eine ferne Galaxis, "Odyssee" in ferne Zukunft drehen die Autoren dieses Mal das Szenario um: aus fernster Vergangenheit und bei der Begegnung doch ansehnlicher Entfernung trifft Perry Rhodan - auf einer diplomatischen Mission zu den

Akonen - auf ein Generationenraumschiff, das scheinbar direkt vom legend├Ąren Lemuria, dem Ausgangspunkt der meisten intelligenten humanoiden V├Âlker, in den Scho├č des Erben des Universums f├Ąllt. Die Lemurianer waren auf der Flucht vor den furchterregenden und unbesiegbaren Bestien, den Halutern. Aber nicht nur Perry Rhodan mit einer Gruppe von Raumfahrern an Bord des Explorers PALENQUE findet das unsch├Ątzbare Relikt, auch ein Schiff der Akonen trifft zum dramatisch richtigen Zeitpunkt ein.



Der "Meister der Insel" Zyklus stellt immer noch f├╝r viele Leser den absoluten H├Âhepunkt der ├╝ber 2250 Hefte umfassenden Serie dar. Die einhundert Hefte - Nummer 200 bis 299 - f├╝hrten nicht nur zu einer entfernten Galaxis - Andromeda - ,sondern in fernste Vergangenheit und hatten mit den geheimnisvollen, brutalen Meister der Insel faszinierende, fremdartige und durchtriebene B├Âsewichter. Alleine die letzten drei├čig Hefte, in denen sich die Menschen unter gro├čen Opfern zu den mit Fallen best├╝ckten St├╝tzpunkten der ebenfalls unsterblichen MDI durchk├Ąmpften, vereinigten das humanistische Sendungsbewusstsein Rhodans mit einer Neuinterpretation der Landserromane.



Unter einer neuen ├ägide und der F├╝hrung Rainer Castors haben sich die Autoren mehr und mehr entschlossen, handlungstechnisches Niemandsland zu vereinigen und lose F├Ąden abzuschlie├čen. Das birgt die Gefahr der ├ťberinterpretation einzelner Abschnitte und eine unbewusste Entt├Ąuschung verschiedener Lesergenerationen in sich , die lieber ein offenes unbefriedigendes Ende ihr Eigen nennen als die verschiedenen Versuche der Rhodan Redaktion, eine geradlinige Handlung zu entwerfen.



In seinem umfassenden Artikel "Das Generationenraumschiff in der Science Fiction" am Ende des Buches weist Hartmut Kasper auf elementare klassische Romane des Genres genauso hin wie auf eine Reihe von ungl├╝cklichen Versuchen. Autor und Leser kommen nach der Lekt├╝re dieses Romans zum gleichen Fazit: Es l├Ąsst sich der Thematik kaum etwas Neues abgewinnen. Und an dieser Schwierigkeit scheitert Frank Borschs Auftaktroman. Vielleicht die Idee, Fahrr├Ąder als unverw├╝stliche Energielieferaten in einer von der Hand im Mund lebenden Gesellschaft zu nutzen, k├Ânnte ├╝berraschend wirken, doch sp├Ątestens in der Sekunde, als ein begeisterter Perry Rhodan bei seinem Besuch im Generationenraumschiff um die Kurve radelt und dort nat├╝rlich etwas entdeckt, wirkt die Szene in ihrer ganzen Breite einfach kindisch und l├Ącherlich.



Das Perry Rhodan alleine auf die Suche nach Diplomatie geht und dabei auf dieses Artefakt trifft, wirkt ebenso unglaubw├╝rdig. Es ist schade, dass die Autoren bislang nicht die Chance genutzt haben, auf Figuren der zweiten Reihe auszuweichen. Icho Tolot , der Haluterfreund der Menschheit, h├Ątte hier sehr gut hineingepasst. Als Ratgeber oder Verteidiger seiner fr├╝her unbeherrschten und kriegsw├╝tigen Vorfahren ? Die Konzentration auf Rhodan in diesem ersten Band und das Handling durch Frank Borsch wirkt nicht ├╝berzeugend. Atlan liegt ihm als Charakter einfach besser.



Fairerweise muss herausgestellt werden, dass Frank Borsch eine undankbare Aufgabe hat. Jeder Leser wei├č, dass es sich bei dem Schiff um ein ├ťberbleibsel vom sagenhaften Kontinent Lemuria handelt. Der Klappentext des Roman wei├čt darauf hin. Darum interessieren den Leser auch mehr die Fakten, wie kommt das Schiff in den Akonenraum, was wissen die ├╝berlebenden Raumfahrer und welche Geheimnisse m├Âchten die Rhodan Autoren wirklich enth├╝llen bzw. werden jetzt neu erfunden ? Der Leser sollte sich immer im Klaren sein, dass es bei diesem sechsb├Ąndigen Zyklus um eine Zusammenstellung der bekannten Fakten aus den Exposes der K.H. Scheer ├ära und dar├╝ber hinaus eine neue Geschichte handelt. Das bekannte Themen fesselnd neu aufgelegt werden k├Ânnen, unterstreicht die laufende Handlung der Heftromanserie. Im Sternenozean taucht ein neuer Schwarm auf und Perry Rhodan mit Hilfe von Atlan sucht das Geheimnis dieser pl├Âtzlichen Erscheinung zu erkunden. Das ein Schwarm auch im letzten Sechsteiler "Odyssee" eine wichtige Rolle spielte , zeigt , wie aktuell selbst unzureichend umgesetzte Ideen aus der alten Serie noch sind. Die "Meister der Insel" und ihre Heimstatt Andromeda haben nie ihre Faszination verloren und die Me├člatte liegt beim aktuellen Autorenteam um Hubert Haensel extrem hoch. Vielleicht auch aufgrund der Tatsache, dass das Team um K.H. Scheer damals nur das Notwendigste enth├╝llte bzw. komponierte und ihren Lesern in Bezug auf die eigene Phantasie freie Hand liessen.



Als einzelner Roman betrachtet liefert Frank Borsch eine routinierte Arbeit ab. Sachlich ruhig entwickelt er die verschiedenen Handlungsebenen, versucht durch die Augen des einfachen Prospektoren das Charisma Perry Rhodan zu vermitteln und hat mit der exzentrischen und cholerischen Kommandantin des Explorerraumschiff eine Figur entwickelt, die positiv aus dem glatten, stromlinienf├Ârmigen Universum der Serie f├Ąllt . In einzelnen Sequenzen gelingt es dem Autoren, aus dem vorhersehbaren Stoff spannende Szenen herauszuquetschen. Andere Abschnitte wirken gedehnt und handlungstechnisch ├╝berfl├╝ssig langweilig. Das gesamte Auftaktszenario h├Ątte f├╝r ein halbes Taschenbuch gereicht, auf knappen dreihundert Seiten geschieht zu wenig, wird zu wenig angedeutet und wiederholt sich zu viel, als das das Taschenbuch in dieser Konstellation ├╝berzeugen kann. Wie in den beiden ATLAN Minizyklen beharrt die Redaktion auf ihrer Vorgabe, wieder sechs Taschenb├╝cher mit entsprechender Handlung zu f├╝llen. Diese Handlung muss allerdings erst gefunden werden und im Gegensatz zu einer w├Âchentlichen Heftromanserie verzeiht ein Taschenbuchleser die F├╝llb├Ąnde nicht so leicht.



Der optisch - wieder mit einem Titelbild von Oliver Scholl und einer Risszeichnung von G├╝nther Puschmann - gut gestaltete Band ist ein durchschnittlicher und f├╝r die Anspr├╝che entt├Ąuschender Auftakt zu einem der vielleicht wichtigsten Begleitzyklen der ganzen Serie.

Frank Borsch: "Lemuria 1- Die Sternenarche"
Roman, Softcover, 318 Seiten
Heyne 2004

ISBN 3-4535-3003-9

Weitere BŘcher von Frank Borsch:
 - Alien Earth Phase 2
 - Alien Earth Phase 3
 - Pan-Thau-Ra Band 1 ÔÇ×Die LebenskriegerÔÇť
 - Perry Rhodan 2500 - Projekt Saturn
 - Perry Rhodan Action 13 - Die Tr├╝mmerwelt
 - Perry Rhodan Neo 1 - Sternenstaub
 - Perry Rhodan Neo 17 - Der Administrator
 - Perry Rhodan Neo 17- Der Administrator
 - Perry Rhodan Neo 1: Sternenstaub
 - Perry Rhodan Neo 24 - Welt der Ewigkeit
 - Perry Rhodan Neo 24- Welt der Ewigkeit
 - Perry Rhodan Neo 36- Stolz des Imperiums
 - Perry Rhodan Neo 6 - Die dunklen Zwillinge
 - Perry Rhodan Neo 6: Die dunklen Zwillinge
 - Perry Rhodan Neo 9 - Rhodans Hoffnung
 - Perry Rhodan Neo 9: Rhodans Hoffnung

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