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Perry Rhodan



Wim Vandeman

Ara- Toxin 4- Die eiserne Karawane

rezensiert von Thomas Harbach

Wim Vandemann übernimmt mit dem vierten Band des „Ara- Toxin“ Zyklus kein leichtes Amt. Erstes wird der Staffelstab mit einem Cliffhanger überreicht, der erstaunlicherweise im Prolog von „Nekrogenesis“ sich abgezeichnet hat und zweitens muss er die roten Fäden wieder fest in die Hand nehmen, da „Nekrogenesis“ zu weiten Teilen wieder einen langen, nicht unbedingt Füllroman darstellte. Wie oberflächlich das Expose der vorliegenden Reihe strukturiert ist, zeigt sich gleich zu Beginn des Buches. Der Ara- Wissenschaftler Trantipon befindet sich in der Haft an Bord des Raumschiff CONNOYT. Seine Nägel sind mit einem Lack überzogen, der in James Bond Manier mikrominiaturisierte Helfer in sich bürgt. Da Trantipon sich an Bord eines Aras Schiffes befindet und vor allem mit Hilfe von Aras gefangen genommen worden ist, stellt sich die Frage, warum er nicht auf derartige Hilfsmittel untersucht worden ist? Es erscheint unwahrscheinlich, dass alleine Trantipon trotz seiner später im Roman in Rückblicken immer wieder heraus gestellten und expliziert betonten Genialität über diese Geheimwaffe verfügt. Hier wäre es sinnvoller gewesen, Trantipon einen Bewunderer aus der Mannschaft der CONNOYT an die Seite zu stellen, ein nicht weniger abgenutztes Klischee, aber zumindest ein Pfund, mit dem Schriftsteller noch wuchern können. Seine Flucht dauert nicht lange. Perry Rhodan und Julian Tifflor stellen ihn. In die Enge getrieben mischt Trantipon zwei weitere Komponenten seines Lacks und setzt sich selbst, als auch Julian Tifflor in Flammen. Trantipons Körper verbrennt vollständig. Auch hier stellt sich die Frage, warum er mit dieser wiederum überraschenden Geheimwaffe die absolut unvorbereiteten Rhodan und Tifflor nicht angegriffen hat? Dieser Selbstmordversuch ergibt keinen Sinn, vor allem bei einem so eiskalt kalkulierenden Charakter, der in seiner egozentrischen Eigenliebe kein anderes Wesen als gleichwertig akzeptiert. Wäre er auf der Flucht von Feinden erschossen worden, nachdem er sich bis zum letzten Fingernagel gewehrt hätte, würde das eher überzeugen. Tifflor und Trantipon werden dann auf ein Hospitalschiff gebracht, wo die Aras Tifflors verbrannte Augen und Haut innerhalb kürzester Zeit wieder herstellen. Zum wiederholten Male werden plottechnisch allerdings unnötig die brillanten Fähigkeiten der Ara- Mediziner herausgestellt. Während Tifflors schwerste Verletzungen in einer Nebenhandlung geheilt werden, rekonstruieren die Aras Trantipons Körper mittels neuester Nanotechnologie und passender weise stückelt die ARA Medizin sogar den flüchtigen Geist wieder zusammen. Psychisch hat das Wesen auf den ersten Blick wenig mit dem Original zu tun, aber zumindest erinnert es sich an Trantipons Lebensgeschichte, welche stellvertretend für den Leser einer Positronik erzählt wird. Vorher ist „es“ mit einem Beiboot entkommen – zwei Fluchtversuche in einem Band zeigen die Löcher im interstellaren Sicherheitssystem und die Lustlosigkeit der Exposeredaktion oder des Autoren mehr als deutlich auf -, einem Ruf zum Planeten Oyloz folgen und dort notlanden.

Trantipons Erinnerungen stellen eine neue Nebenhandlung des Buches dar. Schon im vierten Band mit der Geschichte der Besiedelung des Kolonialplaneten durch die Kreolen nahmen Rückblicke einen breiten Raum ein. Etwas zu einfach macht es sich Hartmut Kasper in Hinblick auf das Unsterblichkeitsserum. In den Heftromanen ist diese Möglichkeit angedeutet, hier könnte es zumindest vom Autoren impliziert die Zellaktivatoren überflüssig machen. Da bislang in der bisherigen Serie dieses Thema bis auf die erste Erwähnung unter K.H. Scheer tunlichst ignoriert worden ist, hätte ein wenig Zurückhaltung dem Buch gut getan. Positiv gesehen gelingt es Hartmut Kasper allerdings, die Aras als fremdartige Rasse mit einem komplexen, aus menschlicher Sicht fragwürdigen Ethos darzustellen. In den ersten drei Bänden sind die ideologischen Unterschiede zwischen Menschen und Aras kaum zu Tage getreten, die wenigen Dialoge verliefen oft im Sand. In dem sich Kasper alleine auf Trantipons lange Ausbildung und Geschichte konzentriert, wirkt „Die eiserne Karawane“ exotisch und interessant, wenn auch nicht immer spannend. Um diesen Eindruck noch zu verstärken, fügt Kasper immer wieder kurze Zwischenspiele hinzu, in denen die durch seine Rekonstruktion stark beschädigte oder künstlich wieder zusammengesetzte Psyche beleuchtet wird. Im Vergleich zu vielen anderen Perry Rhodan Autoren ist Kasper zumindest in der Lage, sich stilistisch der Handlungssituation anzupassen. Die exzentrischen Ausflüge sind nicht so bemüht wie bei einem Leo Lukas und im vorliegenden Band setzt der Autor seine inzwischen für ihn charakteristische Schreibtechnik in den meisten Situationen pointiert und gezielt ein. In den meisten Situationen, denn manchmal mutet sich Kasper auch zu viel zu und schreibt von der Leber weg über Völker und Ereignisse, denen der Leser im Verlaufe der Rhodan Serie niemals wieder begegnen wird. Ohne viel von der teilweise unnötig komplexen und komplizierten Handlung zu verlieren, hätte der vorliegende Roman gute zwanzig Prozent kürzer sein können.

„Die eiserne Karawane“ sind mehrere Kilometer lange Eisenbahnzüge mit gigantischen Dampflokomotiven und Waggons, in denen die Ureinwohner des Planeten Oyloz – die Siccyi – über ihren offen vulkanischen Planeten fahren und den Feuerwalzen auszuweichen suchen. Die Siccyu selbst werden als aufrecht gehende Schildkröten mit ausfahrbaren Hälsen beschrieben. Die Siccyu selbst wissen nicht, wer ihnen ein weit verzweigtes Schienennetz hinterlassen hat, auf dem die Züge mit Zahnrädern dahinfahren. In den wenigen Zonen ohne vulkanische Aktivitäten sind Karawanenstützpunkte, das technische Niveau entspricht wenig überraschend dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Karl May lässt grüßen, es fehlt nur noch der Überschildkrötenheld, hier halten sich Thurner und Kasper zumindest zurück.
Das Schienennetz ist sogar in der Lange, sich selbst zu reparieren, sich selbst zu erweitern und seinen Lauf kontinuierlich und ungeplant zu verändern. Diese grundlegende Idee ist nicht schlecht, aber wie auch die Kreolen auf Remio sich über Jahrtausende angeblich nicht verändert haben, wirkt dieser Schienenstrang zu vertraut für eine außerirdische Rasse. Es wäre sinnvoller gewesen, die Technik einem menschenähnlichen Volk zuzuschreiben und damit zumindest latent an China Mievilles Bücher zu erinnern. Handlungstechnisch bleiben allerdings in Hinblick auf die Siccyu und ihre Lebensumstände mehr Fragen offen als Antworten gegeben werden. Nach und nach offenbart Hartmut Kasper zwar einige weitere Geheimnisse dieses seltsamen Planeten, die stimmiger und exotischer erscheinen als die Lokomotiven, aber abgeschlossen wird das alles nicht. Tifflor folgt Trantipon ohne größe Schwierigkeiten über die fremdartige Welt, aber anscheinend war dessen Flucht wirklich nicht Teil eines größeren, erst in den nächsten beiden Bänden zu erklärenden Plans. In der Zwischenzeit untersucht Perry Rhodan im All den Moby, der durch ein Planetentransformat aus Remio entstanden ist. Rhodan dringt in den Moby ein – die eigentliche Idee ist schon nicht sonderlich überzeugend und wirkt selbst für den Rhodan Kosmos zu weit hergeholt und soll den Bogen zum allgegenwärtig präsenten „MDI“ Zyklus schlagen, siehe auch „Lemuria“ -, stellt fest, dass zumindest ein Teil der über sechs Millionen durch die Seuche verstorbenen Remiona eine neue geistige Heimatstatt im Moby gefunden hat. Das würde auch die Gleichgültigkeit erklären, mit welcher diese unglaubliche Anzahl von Toten im vorherigen Band behandelt worden ist. Man ist eben erst tot, wenn dem Expokraten nichts mehr einfällt oder man im ungünstigen Falle zur Sicherheitscrew mit den roten Leibchen gehört. Rhodan kann natürlich das Wesen rechtzeitig verlassen, bevor es zur nächsten Sonne fliegt, um Energie zu tanken. Also Sonnenlicht saugen. Diese Prämissen muss der Leser fraglos akzeptieren, um von diesen Kapiteln unterhalten zu werden. Im Vergleich zu den letzten eher bodenständigen Miniserien sicherlich eine konzeptuelle Drehung um einhundertachtzig Grad. Es ist wenig glaubwürdig, dass auf die bisher beschriebene Weise das geheimnisvolle Ara- Toxin ganze Planeten in Mobys umwandeln kann und soll, wie auch beim Unsterblichkeitsserum wird hier mit den Fähigkeiten der Aras fast fahrlässig und großspurig umgegangen. Diese Übertreibungen zerstören auch Hartmut Kaspers gut gemeinte Ansätze, die galaktischen Mediziner als wirklich fremde Rasse darzustellen. Etwas mehr Konzentration auf ihren auch aus den Heftromanen bekannten fragwürdigen Ehrenkodex hätte dem vorliegenden Roman und vor allem der bisherigen Miniserie gut getan. Der vierte Band ist stilistisch die bislang beste Arbeit, keine Frage, aber handlungstechnisch läuft der Zyklus spätestens mit dem vorliegenden Buch aus dem Ruder. Der Expokrat vertraut viel zu sehr auf Zufälle – der Moby entsteht ohne weitere Erklärungen in dem Moment, als auch sein „Vater“ im Labor rekonstruiert wird – und Ungereimtheiten – Trantipons Flucht – als das es bislang wirklich schlüssig und stimmig zugeht. Viel mehr hinterlässt „Aratoxin“ den Eindruck, als wäre wieder einiges mit heißer Nadel gestrickt und vor allem ohne viel grundlegend durchzudenken niedergeschrieben worden. Michael Marcus Thuners Stärken – außerordentliche und provozierende Ideen – und Schwächen – viele Logikfehler und an entscheidenden Stellen zu starre, konstruierte Handlungsverläufe – zeigen sich überdeutlich. Als Bonbon erhält der Leser eine Kurzgeschichte aus der Feder Andreas Eschbachs. In „Zweitod“ hält sich ein Mann für Fellmer Lloyd, weil er an seinem Arbeitsplatz – einem Museum – einen porleytischen Kardec- Schild begegnet ist. Die Aras haben nur eine Nebenrolle, aber die Geschichte ist routiniert geschrieben und unterhaltsam.

Wim Vandeman: "Ara- Toxin 4- Die eiserne Karawane"
Roman, Softcover, 416 Seiten
Heyne- Verlag 2008

ISBN 3-4535-2389-X

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