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Perry Rhodan



Hans Joachim Alpers

Ara Toxin 3: Nekrogenesis

rezensiert von Thomas Harbach

1981 veröffentlichte Clark Darlton als Perry Rhodan Planetenroman 222 „Die andere Welt“. In diesem Text hat Walter Ernsting die Eindrücke seiner Südseereise verarbeitet. Im dritten Band des „Aratoxin“ Zyklus aus der Feder des Gastautoren Hans Joachim Alpers kommt zumindest impliziert ein kleines Deja Vu auf. Das Hans Joachim Alpers vor vielen Jahren sehr kompetent die Moewig Science Fiction Reihe betreute, galt als kleine Sensation. Ein Perry Rhodan Roman aus seiner Feder zeigt, dass die außerparlamentarische Opposition um die linksorientierte Science Fiction Times endgültig der Vergangenheit angehört. Der 1943 in Bremerhaven geborene und inzwischen in Hamburg lebende Hans Joachim Alpers hat in den siebziger Jahren zusammen mit Ronald M. Hahn einen Zyklus von Jugend Science Fiction Büchern veröffentlicht. Daneben schrieb er unter diversen Pseudonymen Science Fiction und Fantasy- Romane, war Herausgeber der Science Fiction Times Mitredakteur des kurzlebigen „Comet“. Im bürgerlichen Leben absolvierte Alpers eine Lehre als Schiffschlosser, es folgten Studien in den Fachrichtungen Maschinen, Politik und Erziehungswissenschaften. Im Zuge der ersten Rollenspielwelle entwickelte Alpers 1984 „Das schwarze Auge“ mit. In den letzten Jahren hat er viele Romane geschrieben, welche in diesem Universum spielen. Mitte der neunziger Jahre veröffentlichte er mit „Deutschland in den Schatten“ eine Trilogie von Büchern – inzwischen als Sammelband erhältlich – aus dem „Shadowrun“ Universum, die nicht nur inhaltlich und durch die ungewöhnlichen Schauplätze, sondern auch stilistisch für Aufsehen sorgte und zu seinen besten Arbeiten gehört.
Perry Rhodan und seine Begleiter sind mit einer kleinen Flotte unter Führung der CONNOYT und zehn Begleitschiffen auf dem Weg zum Planeten Remion, dem Testgelände für das Ara-Toxin. Rhodan selbst hat den Planeten schon zweimal in seinem langen Leben besucht und keine guten Erinnerungen an die Welt. Zu Beginn des Buches erzählen Tifflor und er den Aras von den beiden Besuchen, besonders der zweite erinnert mehr an eine überdrehte Slapstick- Parodie mit einem dümmlich agierenden Rhodan, der schließlich den Planeten fluchtartig verlässt. Immerhin haben ihn die Eingeborenen als Abgott der Kloaken und der Mißgunst „verehrt“ oder verflucht. Bei den Festivitäten sind immer Abbilder von ihm rituell verbrannt worden. Die Einwohner Remions stammen von den Kreolen ab. In ihrem immer noch starken Glauben vermischen sich Voodoo, Christentum und einige Naturreligionen. Wie die Rückblicke zeigen, sind sie nicht nur ein freiheitsliebendes Volk, sondern bestehen aus Individualisten und toleranten Großfamilien. Parallel zur Rhodan Ebene erhält der Leser sehr tiefe Einblicke in die Kultur Remions durch die Lebensgeschichte Marco Dochschues. Dochschue beobachtet schließlich auch das Treiben der Aras im Verborgenen. Auch der erste Mord seit vielen Jahrzehnten scheint in einem engen Zusammenhang mit den Experimenten der Aras zu stehen. Als Rhodan sich schließlich Remion nähert, erkennt er gewaltige Brände. Der Betreiber des Raumflughafens erläutert, dass verschiedene Seuchenherde, welche die Flora und Fauna bedrohen und anscheinend in einem direkten Zusammenhang mit den Aras stehen, ausgebrannt werden sollen.
Im dritten Band erfährt der Leser mehr über das Ara- Toxin. Kein reines Gift mehr, sondern eine semi-intelligente biologische Waffe. Sie mutiert natürlich rasant schnell und arbeitet sich von unten nach oben durch die planetaren Ökosysteme. Jeder höher die Lebensform, desto schneller das Verbrennen der befallenen Zellen.
Die brutale Vernichtungswaffe ist vielleicht das originellste Element des kurzweilig geschrieben, aber sowohl handlungstechnisch als auch im Zusammenhang mit dem Gesamtzyklus eher statischen Romans. Rhodan unrühmliche vorangegangene Landungen sind mit deftiger Ironie geschrieben worden. Die Erste mit den Demonstranten und Obstwerfern erinnert nicht zufällig an die wilden sechziger und siebziger Jahre mit den Studentenrevolten. Bei der zweiten Landung wird er als Gott der Kloaken verscheut. Vorher hat sich Rhodan auf eine unglaubwürdig dümmliche Art erkundigt, wie die einfache Planetenbevölkerung – zum Beispiel eine zahnlose Alte – zum Solaren Imperium steht! Die Szene, als jemand den Großadministrator in der Menge am Strand erkennt, ist dagegen klamaukartig humorvoll geschrieben worden.
Bei der Kultur der Remiona hat Hans Joachim Alpers allerdings in enger Zusammenarbeit mit dem Expokraten deutlich über die Strenge geschlagen. So unterhaltsam lustig bis detailreich die Beschreibungen der lebenslustigen, sittenfreien Kreolen draußen im All auch erscheint, so unglaubwürdig erscheint deren Kultur vom ersten Besuch an. Da rotten natürlich die Raumschiffe vor sich hin, während neben den Raumflughafen Wellblechhütten entstanden sind, da wird gefeiert, was das Zeug hält und kulturell herrscht ein anarchistischer Sozialismus vor. Außerdem hat der Leser das Gefühl, als wäre zwischen ihrem Leben auf der Erde und den Jahrtausenden auf der neuen Welt nichts wirklich Bewegendes passiert. Zwar wird für die Ausflüge ein Gleiter benutzt, aber ansonsten beherrschen weiterhin Voodoo und Priester die Szenerie. Nach den ersten vergnüglichen Szenen wirkt diese Prämisse immer unglaubwürdiger. Alpers hat zwar sehr viel Spaß, aber wie Leo Lukas exzentrischer Stil passt es nicht zur Perry Rhodan Serie. Das am Ende – wie nicht selten bei Perry Rhodan – die Kultur entwurzelt oder vernichtet wird, ist keine Überraschung, nur der Raum, welchen die einführenden Beschreibungen einnehmen steht in keinem Verhältnis zur Wichtigkeit des Volkes. Es schleicht sich der Verdacht ein, dass man es dem Neuautoren möglichst einfach machen wollte und zumindest das erste Drittel des Taschenbuchs Füllmaterial ist. Gegen Ende des Plots werden natürlich die Bösen bekämpft, der Planet ist verloren. Hier zeigen sich die moralischen Unterschiede zwischen den Menschen und den Aras zum wiederholten Male. Rhodan ist wieder entrüstet und entsetzt, hat aber selbst nicht daran gedacht, die Paralysatoren von Bord des Raumschiffs mitzubringen. Im ganzen Roman macht Rhodan eine sehr unglückliche Figur. Konnte der Leser seine ersten Landungen auf Remion noch belächeln, ist sein Verhalten am Ende des Buches aufgesetzt, überzogen und seltsam altbacken. Impliziert hat der Leser das Gefühl, als wollte Hans Joachim Alpers Perry Rhodan nicht ernst nehmen.
Der Plot suggeriert, das das Ara- Toxin direkt oder indirekt zur Herstellung eines Mobys genutzt werden kann. Deren Herkunft ist ja eines der Rätsel der Perry Rhodan Serie und konsequent schreitet mit dem vorliegenden Sechsteiler die Schließung weiterer Lücken im Rhodan Universum voran. Bedenkt man allerdings, dass mit dem vorliegenden Band erst die Hälfte des Zyklus veröffentlicht worden ist, stellen sich ernste Zweifel ein, ob der Stoff wirklich für einen Sechsteiler reicht. „Nekrogenesis“ hätte auf halb so vielen Seiten doppelt so spannend, wenn auch nicht so unterhaltsam abgehandelt werden können. Es ist nicht so, dass sich das vorliegende Buch gedehnt oder langweilig liest – auch die Hintergründe der kreolischen Kultur sind gut gezeichnet – es passiert plottechnisch einfach zu wenig. Alpers ist aber zumindest ein routinierter Autor, um den Stoff im Fluss zu halten. Am Ende dieses Bandes findet sich eine Kurzgeschichte von Hanns Kneifel mit dem Titel „Das großem Wohltätigkeitsturnier von Isan“. Kneifel arbeitet sich durch alle Klischees des Genres und präsentiert am Ende einen Ara als Helden. Die Geschichte ist sehr durchschnittlich, es fehlt ihr Schwung und vor allem Flair.




Hans Joachim Alpers: "Ara Toxin 3: Nekrogenesis"
Roman, Softcover, 368 Seiten
Heyne- Verlag 2008

ISBN 3-4535-2388-1

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