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Perry Rhodan



Leo Lukas

Ara- Toxin 1:
Die galaktischen Mediziner

rezensiert von Thomas Harbach

Leo Lukas hat den Auftaktband zum neuen Perry Rhodan Taschenbuch Zyklus „Ara Toxin“ geschrieben- Exposeautor Michael Marcus Thuner wird in bekannter Manier die Serie mit dem sechsten Taschenbuch abschließen. Als „Neuautor“ gesellt sich Hans Joachim Alpers zum Team, der in den letzten Jahren in erster Linie auf Rollenspielen basierende Werke geschrieben hat. Mit Alpers tritt jetzt offiziell ein weiterer Linker der Fandom Vergangenheit der Serie bei, die er früher vehement in Publikationen wie der „Science Fiction Times“ verdammt hat. In den achtziger Jahren hat er schon für Moewig als Herausgeber der auch heute sehr empfehlenswerten Science Fiction Reihe gearbeitet. Aber Alpers ist nicht der einzige Dinosaurier, der für diesen Zyklus aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wird. Mit den Aras betreten die populären – das bezieht sich nicht auf ihre Sympathieskala – galaktischen Mediziner wieder die Bühne. Die Zeiten, in denen die Aras wie bei weiland K.H.
Scheer wie Teile der gegenwärtigen Pharmaindustrie auf Krankheiten hofften bzw. selbst initiierten, um teuer die Antibiotika zu verkaufen, sind inzwischen so lange her, daß man sie den Neulesern als originell präsentierten kann und den Stammlesern die Erinnerung an spannendere Zeiten zurückgibt. Mit dem Neubau des galaktischen Zoos wird sogar eine Idee reaktiviert, die in der Perry Rhodan Serie der sechziger Jahre schon einen Bart aus den Pulpabenteuern des amerikanischen Golden Age mit sich herumgetragen hat. Warum das Team für diesen nostalgischen Auftaktband nicht einen routinierten und vor allem weniger exzentrischen Autoren wie Hubert Haensel gewählt hat, wird ein Geheimnis bleiben. Hubert Haensel hätte aus dieser zumindest unterhaltsamen, wenn auch wenig guten oder gar originellen Geschichte eine interessante Hommage an die Frühzeit der Perry Rhodan Serie machen können. Leo Lukas wehrt sich vehement gegen diese Würdigung der Urzeiten der Perry Rhodan Serie, in dem er seine inzwischen störenden exzentrischen Exkurse zu sehr im Vordergrund platziert. Also sollte jeder Mensch auch ohne einen Blick auf das Cover erkennen, dass es sich in erster Linie um einen Leo Lukas Roman und in zweiter Linie um ein Perry Rhodan Abenteuer handelt. Hier wäre es dringend von Seiten der Redaktion erforderlich, den österreichischen Entertainer zur Ordnung zu rufen.

Die Geschichte beginnt im Mai 1340 NGZ –also knappe sechs Jahre vor der laufenden Handlung - mit den Einweihungsfeierlichkeiten für den Circinus Maximus, eines gewaltigen Klinikums auf dem Planeten Tahun. Perry Rhodan und sein Außenminister Julian Tifflor nehmen als Vertreter der Liga Freier Terraner an dem Ereignis teil.
Auch die Arkoniden erscheinen mit arrogantem Prunk zu der Einweihung. Kaum haben sich Tiffler und Rhodan akklimatisiert, werden sie entführt, betäubt, ihre Körper operativ verändert und schließlich auf einer fremden Welt ausgesetzt. Ihre Zellaktivatoren scheinen mit der Heilung ihrer Körper überfordert. Auf der Suche nach Hilfe und Hinweisen auf die Welt trefen sie auf die tischartigen Aerimi, die als fahrende Künstler in dieser scheinbar archaischen Welt von Stadt zu Stadt fahren. Auf diesem Planeten werden – in einer Anwandlung von Walter Moers´schen Humor? – Krankheit und Siechtum verehrt. Die Götter holen nur die schwächsten und kränksten ab und es wäre eine Ehre, durch besonders exotische Krankheit aufzufallen und abgeholt zu werden. Im Elysium – einem Garten Eden – sollen sich die Götter ausschließlich um diese Wesen kümmern. Mit Hilfe eines Einheimischen dringen Rhodan und Tiffler in diesen Garten Eden ein und finden nicht nur die Hölle auf einer fremden Welt vor, sondern werden mit Erfahrungen und Ereignissen aus ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Anscheinend haben die galaktischen Mediziner auf dieser abgeschiedenen Welt einen zweiten galaktischen Zoo etabliert. In einer Parallelhandlung verfolgen die Leser den Werdegang eines rücksichtslosen Killers, der anscheinend für die Entführung Perry Rhodans und Julian Tifflors verantwortlich ist. Dessen Motive und die Gefahr, welche das Ara Toxin für die Galaxis bedeutet, deutet Leo Lukas nur an, weitere Antworten soll es im zweiten Roman aus der Feder Uwe Antons geben.


Der vorliegende Roman ist wieder ein typischer Leo Lukas. Zu erst stellt sich die Frage an das Lektorat, warum seine Romane nicht gründlicher überarbeitet werden. Die diversen Austriazismen wirken in einer fernen Zukunft besonders störend. Sein bekanntes Spiel mit Anagrammen und Verballhornungen ist im vorliegenden Roman weniger störend, weil deren Bedeutung wahrscheinlich dem größten Teil der Nichtinsider entgehen und sie deswegen einfach überlesen werden. Das sich Lukas bemüht, besonders witzige und/ oder groteske Situationen und Personen zu beschreiben, gehört zu seinem Markenzeichen. Aber singende Tische mit Modelleisenbahnen auf ihrem Rücken sind ähnlich wie das Atto- Karnickel aus dem „Andromeda“- Zyklus deutlich zu viel. Rhodan und Tifflor spielen nicht nur zu Beginn des Romans Fussball – auch diese Anspielungen wirken inzwischen ermüdend und sollten deutlich zurückgefahren werden, immerhin geht es hier um mehr als Leben und Tod - ,sie fahren Ski und Dreierbob mit einem der fremden Wesen. Hier zerstört Lukas im Grunde bewusst den Sense of Wonder und vor allem die Ernsthaftigkeit der interessanten Prämisse. Immerhin geht es um die Bedrohung der Galaxis durch einen Virus, für den es anscheinend kein Gegengewicht gibt und der in den Giftküchen der brillanten und skrupellosen Aras gezüchtet worden ist. Damit ist das grundlegende Thema dieses Zyklus nicht nur spannend und interessant, sondern auch brisant und aktuell.

Dabei dient der Auftaktroman der Extrapolation des umfangreichen Plots. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, nicht wieder Perry Rhodan zu entführen. Auch im Zusammenspiel mit Julian Tifflor ist diese Prämisse nicht sonderlich neu und nimmt dem Buch sehr viel an Spannung. Der Leser weiß ganz genau, daß die beiden Unsterblichen es wieder schaffen werden. Auch wenn sie durch das Gift in ihrem Körper nicht volle Leistungsbereitschaft zeigen können. Es wäre sicherlich sinnvoller gewesen, unbekannte Figuren in den Mittelpunkt des Auftaktbandes zu stellen und Rhodan/Tifflor erst später übernehmen zu lassen. Die teilweise sehr spannenden Sequenzen werden durch diese Vorhersehbarkeit immer wieder ausgebremst. Dazu kommt, dass insbesondere der unbekannte Ich- Erzähler, dessen Rolle im zweiten Teil der Serie deutlich erweitert wird, wie ein Klischee daherkommt. Wenn er sich während seiner Ausbilder zum Attentäter diversen Prüfungen unterwerfen muss, greifen Thuner und Lukas nicht etwa in die Trickkiste, sondern reihen eine Anzahl von aus diversen Science Fiction Romanen bekannten Szenen aneinander. In der Hoffnung, dass insbesondere Neuleser diese Prämissen noch nicht kennen. Dabei machen es sich die beiden Österreicher teilweise zu einfach. Dabei gehört es zu den Stärken der Perry Rhodan Serie, nicht nur interessante Nebenfiguren – wie in diesem Fall Nummer 71 – aufzubauen, sondern ihnen auch gute Hintergrundgeschichten mit auf den Weg zu geben. 71 ist vielleicht die einzige Figur, um deren Schicksal der Leser bei einer originelleren und vor allem dreidimensionaleren Historie wirklich bangen könnte. Die beiden Unsterblichen scheiden aus und die anderen Nebenfiguren sind einfach zu grotesk, zu unglaubwürdig beschrieben worden, als das sie als Sympathieträger funktionieren könnten. Zu den besseren Szenen seines Buches gehört das Zusammenspiel von Julian Tifflor – eine unterschätzte Figur – und Perry Rhodan. Nach dem eher abstoßenden Auftakt mit dem Hallenfußssball gelingt es Lukas, einige Szenen im Stile der beliebten amerikanischen Buddy- Movies zu kreieren. Nur kennen sich in diesem Fall die Schicksalsgefährten seit einigen tausend Jahren. Und zeigen dieser lange Ära mehr als deutlich. Das sie beide mit Ereignissen konfrontiert werden, die sie vor vielen tausend Jahren aus Erster Hand mit erlebt haben, erhöht das Lesevergnügen, ihren verbalen Schlagabtauschen zu folgen. Solange sich Leo Lukas im Griff hat. Ihm fehlen einfach Selbstkritik und Selbstbeschränkung und anscheinend traut sich sein Lektor nicht, in diese Mischung aus Humor, Satire und Peinlichkeit entscheidend einzugreifen. Das Tifflor den aktiveren Part übernimmt, während Rhodan mehr geschwächt – siehe insbesondere der zweite Band der Serie – ist, hilft phasenweise in dem sich insbesondere gegen Ende des Buches in bewährter Manier – Analyse des Ist-Zustandes, Entfachen eines Aufstandes mit Hilfe der anderen Gefangenen, Kontrolle eines Raumschiffes und schließlich Cliffhanger zum nächsten Taschenbuch – ablaufenden mechanischen Plot. Leo Lukas bietet den Lesern in erster Linie handfeste Action und geht bei der Beschreibung der Gewaltszenen nicht sonderlich zimperlich mit seinen Figuren und Lesern um. Sadistische Mediziner hinterlassen nicht erst seit Dustin Hoffmanns „Der Marathon- Mann“ im Betrachter ein ungemütliches Gefühl des ausgeliefert seins und auf dieser Tastatur spielt der Österreicher überzeugend und überdurchschnittlich. Der Zyklusauftakt leidet weniger unter dem interessanten Plot – man wartet gespannt auf einige Antworten, deren Fragen von Thurner/ Lukas sehr geschickt aufgeworfen worden sind – als Lukas durchwachsener Schreibe. Im Bereich der Action sehr gut, im Bereich der Exzentrik zu abgehoben und unkontrolliert. Insgesamt ist das Buch für die behandelten Themen eindeutig zu lang und teilweise auch zu langatmig geschrieben worden. Insbesondere den Mittelteil auf der fremden Welt hätte man deutlich straffer erzählen können. Dazu agieren Rhodan/ Tifflor für das Prinzip Zufall teilweise zu entschlossen und aufgrund der unvollständigen Informationen für den Leser nicht immer nachvollziehbar. „Ara Toxin“ beginnt mit einem durchschnittlichen Roman, man hat aber in der Vergangenheit deutlich schlechtere Auftaktromane gelesen.

Im Gegensatz zu den bisherigen sekundärliterarischen Artikel im Anhang fügt der Heyne- Verlag jedem Band eine Kurzgeschichte von einem anderen Perry Rhodan Autoren hinzu. In diesen Texten soll gezeigt werden, dass die Aras als Volk auch unter den Vorurteilen der Galaxis zu leiden haben. Darum soll jede der hier präsentierten Kurzgeschichten eine andere Facette der galaktischen Mediziner zeigen. Ernst Vlcek macht mit „Im Garten der irdischen Lüste“ den Auftakt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Ara, der als Kunstliebhaber in virtuelle Welten gelockt wird. Diese entsprechen den Gemälden Hieronymus Bosch. So interessant die Geschichte auch ist – sie ist routiniert geschrieben, Vlcek kombiniert sehr geschickt den Surrealismus von Bosch Welten mit einem süffisanten Ende – fehlt der direkte Bezug zu den Aras. Das Opfer könnte aus jedem Volk stammen.


Leo Lukas: "Ara- Toxin 1: Die galaktischen Mediziner"
Roman, Softcover, 385 Seiten
Heyne- Verlag 2007

ISBN 3-4535-2386-5

Weitere Bücher von Leo Lukas:
 - Der Posbi-Krieg 2: Stern der Laren
 - Lemuria 4 - Der erste Unsterbliche
 - Perry Rhodan 2504 - Die Hypersenke
 - Perry Rhodan Neo 25- Zielpunkt Arkon
 - Perry Rhodan Neo 3 - Der Teleporter
 - Perry Rhodan Neo 3: Der Teleporter

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