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Perry Rhodan



Michelle Stern

PR Neo 38- Der Celista

rezensiert von Thomas Harbach

Am Ende des letzten PR Neo Romans hat Perry Rhodan beschlossen, die Position der Erde aus den Archiven des legendären Epetran- Archivs zu löschen, da er befürchtet, das der mysteriöse Regent sonst seinen Planeten angreifen könnte. Die grundlegende Prämisse ist arg konstruiert, da die Erde während der Auseinandersetzungen mit den Maahk mitsamt seinen primitiven Bewohnern Zentrum einer wichtigen Schlacht gewesen ist. Außerdem nützt es wenig, die Position zu löschen, wenn jederzeit wieder die Aufmerksamkeit auf das abgeschiedene Sonnensystem gelenkt werden könnte. Immerhin hat Perry Rhodan zusammen mit den Naats einen der modernsten Prototypen arkonidischer Raumschiffkunst „mitgehen“ lassen.
Die Planungen der Expedition werden übersprungen. Zum ersten Mal im Verlaufe der „Neo“ Serie setzt die Handlung nicht unmittelbar an einen der letzten beiden Romane an. Dabei wäre es in diesem Fall ganz einfach gewesen. So bleiben in Michelle Sterns ansonsten geradlinig verfassten Agentenabenteuer zu viele Fragen offen. Perry Rhodan, Crest, Atlan und zwei als Tiefkühlleichen getarnte Menschen – wahrscheinlich Mutanten – wollen mittels Tarnexistenzen vom Gespinst unter Mithilfe Belinkhars zu einer Medizinwelt aufbrechen, um von dort den Vorstoß zum Epetran- Archiv zu wagen. Die Anreise zum Gespinst, wo sie ein Passagierraumschiff der Mehandor besteigen, wird nicht beschrieben. Belinkhar fällt beim abendlichen Treffen anscheinend einem Attentat zum Opfer, um kurze Zeit später wie Rhodan, Atlan oder Crest verkleidet ebenfalls die Reise an Bord des Mehandor Raumers im Doppelzimmer mit Rhodan anzutreten. Damit die Mission der Fünf bzw. Sechs überhaupt einen Ansatz von Erfolg haben kann, müssen die Vorbereitungen umfangreicher gewesen sein als hier angesprochen. Die Tarnexistenzen müssen nicht nur oberflächlichen Überprüfungen standhalten, sondern auch einen Tiefenscan überstehen. Da weder Crest noch Atlan einen echten Zugriff auf die gegenwärtige arkonidische Bürokratie haben, müsste Belinkhar Rhodan schon mehr als einen Gefallen tun. Ihr angeblicher Tod durch einen Attentäter soll ihr ermöglichen, dem inneren Druck der Sippen auf ihre Antihaltung der Arkonidenimperium zu entkommen. Genauso hätte sie auf diese Art und Weise vor Entdeckung ihrer Hilfe den Menschen gegenüber fliehen können. Auf jeden Fall bedeutet ein erfolgreiches Attentat auf einen Sippenführer eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen, da der Attentäter oder die Hintermänner an Bord der nächsten Raumschiffe fliehen könnten. Also hat dieser Plan im Grunde Rhodan, den auf dem Gespinst ohne Frage sehr bekannten Crest und schließlich Atlan gefährdet.
Das Rhodan ein eher verklemmter Zeitgenosse ist, haben viele Neo Romane schon gezeigt. Im Gegensatz zu Atlan, der Frauenbekanntschaften als perfekte Ergänzung ihrer Tarnung sieht. Die Dialoge zwischen Rhodan und Belinkhar sind eher beschämend peinlich und klischeehaft. Warum Rhodan nicht einmal in die Vollen greifen lassen, zumal er Belinkhar im Grunde die ersten erfolgreichen Schritte dieser eher bemühten und offen gesprochen sinnlosen Expedition zu verdanken hat? Da die Tarnexistenzen nicht ausreichen, etabliert die Autorin noch zwei ausgesprochen unterschiedliche Handlungsebenen. Auf der einen stehen Crest und Atlan im Mittelpunkt des Geschehens. Crest versucht auf eine eher dümmliche Art den Kontakt zum abweisenden Atlan zu intensivieren. Atlan macht Crest Vorbehalte, er hätte die Terraner missbraucht, nachdem die erste Mission nach Arkon zu scheitern drohte. Interessanterweise war Atlan während eines Aufenthalts auf der Erde auch daran interessiert, die Menschheit im eigenen Interesse ohne Rücksicht auf die globalen Folgen voranzutreiben, damit er wieder den Planeten verlassen konnte. Die einzige signifikante Information der Atlan/ Crest Handlungsebene kommt mit dem kindischen Vergleichen der jeweiligen Zellaktivatoren. Einer der beiden ist auf jeden Fall größer. Atlan gibt nur zu, dass sein ramponierter Aktivator nicht von ES stammt. Eine Informationen, welche die „Neo“ Leser schon vorher erhalten haben. Natürlich soll mit dieser Divergenz Spannung erzeugt werden. In der alten Serie waren „Es“ und „Anti Es“ die einzigen, die Zellaktivatoren in der Galaxis verteilt haben. Vielleicht bezieht sich der Hinweis auf die Kosmokraten, wobei Atlans Helfer Rico bzw. Atlan selbst sich eher als Helfer der Superintelligenz auf Topsid Manoli und dem Echsenregenten gegenüber präsentiert haben. Immerhin halten die beiden Arkoniden fest, dass es anscheinend unterschiedliche Zellaktivatorproduzenten geben könnte. Das einer der Aktivatoren nicht über die bekannten und markanten Zellschwingungsimpulse verfügt ist der letzte markante Unterschied zwischen den beiden relative Unsterblichkeit verleihenden Kleindoden. Wie bei einigen anderen Szenen gelingt es Michelle Stern nicht, diesen anscheinend relevanten Szenen ein Pathos, eine nachhaltige Bedeutung zu geben. Wie bei vielen Passagen insbesondere des vorliegenden Buches im Vergleich zu ihren anderen „Neo“ /“Atlan“ Beiträgen sind die Dialoge mechanisch und distanziert schwach. Sie entwerten solche bei Scheer zumindest erhabene Momente. Hoffentlich erweist sich diese Aktivatorenhandlungsebene nicht als weitere Irreführung wie die zahlreichen Toten beim ersten Vorstoß nach Arkon, die im übernächsten Taschenheft wie durch ein Wunder wieder zum Leben erwacht sind.
Den Hauptteil der Handlung nimmt die Begegnung Rhodans mit dem Titel gebenden Celista ein, einem der unzähligen unbeliebten Spione des Regenten, die Verräter suchen und hinrichten. Rhodan kann noch nicht als Verräter geführt werden und Crest gilt bislang hinsichtlich seiner Expedition als verschollen. Als hätte der Celista unter den zahlreichen repräsentativen Mitgliedern der Arkoniden und Mehandor Gesellschaft im Grunde keinen echten Auftrag zu erledigen. Überzeugender wäre es, wenn der Celista Belinkhars Spur aufgenommen und sie als echte Verräterin auf das Raumschiff verfolgt hätte. Dann wäre der Verdacht auch automatisch auf die drei mit ihren Reisenden gefallen. Stattdessen ist der bislang dreizehn Mal erfolgreiche Celista einen Schritt schneller. Er schaltet ein Besatzungsmitglied des Passagierschiffs vor dem Abflug aus und nimmt dessen Position ein, weil ihm Atlan, Crest und Perry Rhodan schon an Bord des Gespinstes verdächtig vorgekommen sind. Dem Celista alleine und keinem anderen an Bord der gigantischen Station, obwohl zumindest Rhodan als Verweigerer der Siebten und Crest deutliche Spuren hinterlassen haben. Später stehen Rhodan und Crest auf der Todesliste des Regenten. Wahrscheinlich wurde eine digitale Bandaufzeichnung nach Arkon geschickt. Der Regent hat daraus einen Steckbrief gemacht und diesen wieder zurück geschickt. Interessanterweise wusste Belinkhar von dieser Entwicklung nichts, was angesichts der für die Tarnung notwendigen Vorbereitungen eher unwahrscheinlich erscheint. Aber irgendwie muss der Auftrag des Celistas in der zweiten Hälfte des Romans gerechtfertig werden. Michelle Stern braucht den Celista, um Spannung in diesem ansonsten ruhig aufgebauten Roman zu erzeugen. Aber zum Leidwesen des ganzen Bogens halten Frank Borsch und Michelle Stern eine „Deus Ex Machina“ Lösung bereit, die frustrierend den ganzen mühsamen Spannungsaufbau verpuffen lässt.
Zum einen ahnt der Kommandant des Schiffes Talamon, das ein Celista an Bord ist. Entweder sind diese Tötungsagenten des Imperators derartig häufig, dass man im Grunde immer über sie stolpern muss oder der an Bord tätige Celista stellt sich so auffällig an, dass ein ansonsten mit anderen Aufgaben beschäftigter Kommandant über ihn fallen muss. Talamon geht aber noch einen Schritt weiter. Er sichert die Positronik gegen mögliche Machtübernahme durch den Celista ab. Als wenn dieser gegen eine unbekannte Überzahl bestehen könnte. Zusätzlich will er dem Celista eine Falle stellen. Dazu informiert er aber nicht Belinkhar, die von Rhodans sensibel sinnloser Mission weiß, sondern versucht es auf eigene Faust. Wie gut, dass das Expose aber für fast alles eine Lösung in Form einer kleinen Flugkapsel bereit hält, die im All gefunden wird. Sie enthält ein Wesen, dass unter einer plötzlich auftretenden Transsitionskrankheit leidet und deswegen – um es zu schützen – ausgesetzt wird. Interessanterweise fliegt es bei annähernder Lichtgeschwindigkeit, so dass außerhalb der kleinen Kapsel Jahrtausende vergehen können, während an Bord nur wenige Wochen vergangen sind. Warum man derartige Passagiere nicht in einen Tiefschlaf versetzt, welcher das Bewusstsein ausschaltet und sie trotzdem an Bord belässt, bleibt unerklärt. Spielt im Grunde auch keine Rolle, denn das Wesen an Bord der Kapsel wird zu einem einzigen Zweck benötigt: den zum wiederholten Male unfähigen Rhodan in letzter Sekunde zu retten. Warum gewähren die Autoren dem Neo Rhodan nicht eine einzige Heldentat. Jedesmal auf Wundermittel zurückzugreifen, wirkt überzogen, übertrieben und langweilig. Der an Bord befindliche Purrer Chabalh ist eine eineinhalb Meter lange pantherartige schwarze Raubkatze, die halbintelligent des Sprechens mächtig ist. Michelle Sterns Definition von Halbintelligenz ist nur noch peinlich. Purrer werden schon seit langer Zeit als Leibwächter eingesetzt, da sie Gerüchte weise über telepathische Fähigkeiten verfügen. Es ist aber erstaunlich, dass der Purrer trotz Unstimmigkeiten seiner Geschichte sich an Bord des Passagierschiffes vor allem auch zum Unwillen der anderen Mitreisenden frei bewegen kann.
Der Celista wagt schließlich einen Anschlag auf Rhodan, wobei auch diese Aktion eher sinnfrei ist. Das Schiff ist noch einige Zeit unterwegs und der Attentäter müsste inzwischen erkannt haben, dass Rhodan nicht alleine operiert. So werden nur die Mitreisenden gewarnt. Auch die Einleitung einer Soforttransition nachdem man festgestellt hat, dass die Positronik trotz der Sicherungsmaßnahmen manipuliert worden ist, erscheint unlogisch. Wer weiß, wohin man nun endgültig transportiert wird.
Abschließend darf Belinkhar noch Andeutungen machen. Mit Andeutungen, halbherzigen Prophezeiungen schleppen sich die „Neo“ Macher schon durch die ganzen Romane. Natürlich hat sie Rhodan nicht aus Barmherzigkeit geholfen. Sie sieht in ihm deutlich mehr. Das erotische Anmachen war nur eine Ablenkung, schließlich ist Belinkhar in einem reiferen Alter im Vergleich zum jugendlich biederen Helden. Warum diese ganze Aktion? Nur Füllmaterial. Und die ominösen Hinweise als Cliffhangar überzeugen genauso wenig wie die ad Hoc manipulierte Rettungskapsel, die explodiert, sollte sich der ausgesetzte Celista in den nächsten zwei Wochen seiner Zeit – also mindestens einhundert Jahre in der Realzeit - an der Funkanlage versuchen! „Der Celista“ verschenkt unglaublich viel Potential. Nicht einmal das Titelbild passt zum Roman, da die weibliche Protagonistin laut Romanbeschreibung lange lockige rote Haare hat. Ein Spannungsaufbau findet so gut wie nicht statt, da der Attentäter nur scheitern kann. Das Verhältnis zwischen Crest und Atlan ist über weite Strecken des Romans derartig unterkühlt und abweisend, das man sich nicht vorstellen kann, das sie am Ende sich gegenseitig ihre Zellaktivatoren zeigen. Michelle Sterns ansonsten lesenswert unterhaltsamer Stil wirkt im vorliegenden Romans schwerfällig bis stellenweise belehrend. Alleine die wenigen Actionszenen sind solide geschrieben worden, wobei die Rettung Rhodans vor dem Celista der Schwachpunkt des vorliegenden Bandes ist. Der Teilzyklus „Der große Imperium“ – inzwischen stehen die Namen und Bände auf der Rückseite der Taschenhefte – gerät schon mit zu Beginn der Reise heftig ins Schlingern.

Michelle Stern: "PR Neo 38- Der Celista"
Roman, Hardcover, 160 Seiten
Pabel Verlag 2013

Weitere Bücher von Michelle Stern:
 - Maddrax Band 217 – Der Unsichtbare
 - Maddrax Band 233 - Enklave der Träumer
 - Maddrax Band 238 - Herz aus Eis
 - Maddrax Band 243 - Das namenlose Grauen
 - Maddrax Band 246 - Am Ende aller Zeiten
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 - Perry Rhodan Neo 18- Der erste Thort
 - Perry Rhodan Neo 18: Der erste Thort
 - Perry Rhodan Neo 27- Das Gespinst
 - PR Neo 32- der schlafende Gott
 - Sternenfaust 111 - Die Stimmen der Götter
 - Sternenfaust Band 104 - Die Kristalle der Dondari
 - Sternenfaust Band 108 - Die Gabe der Telepathen
 - Sternenfaust Band 117 - Sternenjagd
 - Sternenfaust Band 132 - Das Urteil des Raisa
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 - Sternenfaust Band 90 – Der goldenen Kubus
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