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Perry Rhodan



Frank Borsch

Perry Rhodan Neo 36- Stolz des Imperiums

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Perry Rhodan Neo 36- der Stolz des Imperiums” liegt der Abschlussband des laufenden “Vorstoss nach Arkon” Zyklus aus der Feder des Exposeautoren Frank Borsch vor. Der Vorstoss nach Arkon ist gescheitert. Im Gegensatz zu der Originalserie gelingt Perry Rhodan als Randerscheinung der galaktischen Auseinandersetzung zwischen den Arkoniden und ihren Helfern sowie den Topsidern nicht alles. Getreu der Serie bringt Rhodan aber unwahrscheinliche Beute mit nach Hause, um mittels eines zwangsweise entliehenen Raumschiffes die irdische Flotte zu grĂŒnden. Ganz der Tradition Scheers folgend, der aus Rhodans MĂ€nnern Beuteterraner gemacht hat.

Obwohl sich Frank Borsch redlich bemĂŒht, den inzwischen zwölfteiligen Minizyklus zufrieden stellend abzuschließen und einige der wichtigsten Fragen zu beantworten, stellt sich der Leser unwillkĂŒrlich eine Reihe von Fragen. Warum musste ein Großteil der Serie aus unterschiedlichsten Gefangenschaften auf zwei Handlungsebenen - Manoli auf Topsid als Peinlichkeit der Serie sowie Perry Rhodan im Gespinst, auf einem Eisplaneten und schließlich bei den Naats - bestehen? Welchen Einfluss hĂ€tte Perry Rhodan ĂŒberhaupt auf das Geschehen haben können. Im Grunde hat er nur auf die teilweise wie konstruierten Situationen reagiert. Hinzu kam, dass der gewaltsame Tod im Rhodan Universum nur selten endgĂŒltig ist. “Perry Rhodan Neo” fehlt in dieser Hinsicht jegliche Dynamik. Teilweise versucht es Frank Borsch mit einem entschiedenen Auftreten Atlans in einer gĂ€nzlich anderen Rolle auszugleichen. Da bislang keine freundschaftlich abtastende Beziehung zwischen Rhodan und Atlan aufgebaut worden ist, lĂ€sst sich deren VerhĂ€ltnis noch nicht beurteilen. Aber im Gegensatz zum schlappen und unrealistisch erscheinenden Rhodan wirkt Atlan nicht nur entschlossener, er kennt vor allem Hanns Kneifels Tricks aus der Originalserie, was dem Leser zumindest kurzweilig ein LĂ€cheln auf die Lippen zaubert.

In Bezug auf die Zyklus Entwicklung handelt es sich um einen Tanz um das goldene Ei. WĂ€re Rhodan gleich im Tatlira System angekommen, hĂ€tte man sich sehr viel Handlung ersparen können. Auch Manolis Trip nach Topsid bringt erst im letzten Band mit Rico als Undercoveragent und einem den Transmitter öffnenden Atlan eine einzige Überraschung. FĂŒr drei oder vier Taschenhefte ist das viel zu wenig.

Zumindest umschifft Frank Borsch bis auf einige eklatante Technikaussetzer, die zumindest der anscheinend eingesparte Lektor merken mĂŒsste, die meisten unlogischen und unglaubwĂŒrdigen Klippen, die er seinen Mitautoren in deren Exposes mit fast bösartiger RegelmĂ€ĂŸigkeit eingebaut hat.
Atlan ĂŒberrascht als Kommandant der restlichen topsidischen Flotte. FĂŒr das Versprechen der Unsterblichkeit konnte er nicht nur Manoli und Anhang befreien - endlich wurde diese Handlungsebene erlöst -, sondern versucht Frieden zwischen den Naats und den Topsidern zu stiften. Atlan als intergalaktischer Friedensengel ist eine wĂŒrdige Expositionen vergleichbarer Missionen auf der Erde. Um die Altleser zu befriedigen, prĂ€sentiert Atlan allerdings eher zeitlich unangebracht Doktor Manoli eine Episode aus seiner Jugend. Diese unnötigen wie ĂŒberraschenden Exkurse lassen die Taschenhefte umfangtechnisch gewichtiger und leider nicht selten langweiliger erscheinen als sie bei einer strafferen PlotfĂŒhrung sein mĂŒssten. Frank Borsch neigt aber wie Christian Montillon zu Leichtsinnsfehlern. So erfĂ€hrt Atlan ĂŒber den Ausgang der Schlacht von Tatlira nicht von Augenzeugen oder zumindest entsprechenden Fernerkundungssonden, sondern vor allem vom Autoren, der sich als allwissender ErzĂ€hler profiliert und damit den eigenen Handlungsaufbau torpediert. Es ist nicht das erste Mal, dass ein belehrender unrealistischer Ton in die “Neo” BĂ€nde einfließt, in diesem Fall wird aber die ErzĂ€hlposition unnötig unterminiert.

Neben Atlan spielt Crest im Vergleich zur Originalserie eine wichtige Rolle. Die Grundidee, das er mit seiner Unsterblichkeit nicht zurecht kommt, ist ein emotionaler in der Originalserie viel zu selten berĂŒcksichtigter Effekt, der im vorlĂ€ufigen Abschlussband dieser Staffel verpufft. Crest leidet ein wenig darunter, dass er im Grunde nicht der richtige EmpfĂ€nger der Unsterblichkeit ist. Leider fehlt es den meisten Perry Rhodan Neo Autoren am notwendigen emotionalen EinfĂŒllungsvermögen, um dem sympathischen Crest mehr Tiefe und mehr AuthentizitĂ€t zu schenken. GĂ€nzlich zur Farce wird der alte Arkondide, wenn er plötzlich aus nicht nĂ€her erklĂ€rten, widersinnigen GrĂŒnden andere ZellaktivatortrĂ€ger quasi “orten” kann. Hier hĂ€tte Frank Borsch vielleicht die Idee von sich gegenseitig beeinflussenden Schwingungen des Zellaktivators integrieren können, damit der Leser diesen aus der Luft gezauberten und plottechnisch vollkommen ĂŒberflĂŒssigen Aspekt akzeptiert.

Perry Rhodan verfĂŒgt in dem Roman ĂŒber eine einzige nennenswerte Szene, die entweder als Parodie auf den ScheerÂŽschen Übermenschen oder als Verzweifelungstat eines Autoren angesehen werden kann. Nicht zum ersten Mal versucht sich Perry Rhodan Heldenhaft ins Rampenlicht zu stellen. Er fordert den Naat Tirkassul zu einem Zweikampf heraus. Die Auswirkungen dieser Auseinandersetzungen haben die Leser in den empfehlenswerten Exkursen in die dann doch wieder zu menschlich erscheinenden Naatkultur kennen lernen können. Perry Rhodan schafft es, den Naat mit seinen Worten zu besiegen. Nicht nur mit ĂŒberzeugenden menschlichen Tugenden, die der Leser bislang wenig kennen lernen konnte, sondern zahlreichen Zitaten aus der “Naat” Kultur bzw. den letzten “Neo” BĂ€nden, die in dieser Form unterstreichen sollen, das Pery Rhodan aus der Zelle heraus den potentiellen Feind und natĂŒrlich umgehenden Freund ausreichend studiert hat. Die Idee, den Naat schließlich im Sonnensystem Exil anzubieten, ist interessant, aber auch nicht weiter durchdacht. Das die Arkoniden nicht nach den Spuren der desertierten Naats suchen und mittels ihrer Roboter - ein Thema, das kein “Neo” Autor gerne vertieft - die restlichen Naat unter Druck setzen oder versklaven können, bleibt unberĂŒhrt. Es ist nicht der einzige Zweikampf, den Rhodan gegen alle Wahrscheinlichkeiten ĂŒberlebt, in dem er nicht „körperlich“ antreten musste.

Frank Borsch hat ohne Frage positiv und zeitgemĂ€ĂŸ eine pazifistische Note - trotz zahlreicher Raumschlachten und BĂŒrgerkriegen - in die Serie eingefĂŒhrt. Aber manchmal neigt er zu Übertreibungen. Die VerbrĂŒderungsszene des vorliegenden Bandes deutete sich in den vorangegangenen Taschenheften auf der militĂ€rischen Ebene zwischen den Naat und den Topsidern an. Jetzt reichen sich Novaal und Tresk- Takuhn im wahrsten Sinne des Wortes die Hand. Eine zutiefst menschliche Geste, die ihre Entsprechung mehrmals in der originalen Serie gefunden hat. Das Bild ist aber rĂŒhrend und am Rande des Kitsches, zumal die Inhalte auch ein wenig verzerrt erscheinen. FĂŒr die Naats ist es nichts Neues, dass ihre Rasse unter der Knechtschaft der Arkoniden leidet. Daran wird sich nichts Ă€ndern. Die Topsider sind seit vielen Jahren die Erzfeinde der Arkoniden. Das macht sie aber nicht automatisch zu Freunden der geknechteten Naat. Hier wird die grundsĂ€tzlich pazifistische Einstellung in einem herausfordernden wie brutalen Universum zu sehr verklĂ€rt naiv dargestellt. Interessanterweise finden sich Ă€hnlich undefinierte Beschreibungen auch in der laufenden Heftromanserie, wo durch den Faktor Zufall die Menschheit in aussichtsloser Situation noch einmal eine Karte zugespielt bekommt, die sie umgehend militĂ€risch nutzen. Da helfen auch keine Friedensengel mehr. Wie viele Aspekte der "Neo" Serie erscheint dieser Punkt zu simpel, zu einseitig und vor allem zu wenig ĂŒberzeugend herausgearbeitet und negiert die teilweise solide Arbeit, die Frank Borsch in diesen fĂŒr seine bisherigen Arbeiten sogar knapp ĂŒberdurchschnittlichen Roman gesteckt hat.
Es ist schade, dass Thoras und Guckys Schicksal unter der Obhut vom leider zu gesichtslosen Ernst Ellert nicht weiter extrapoliert worden ist.
Zusammengefasst ist "Der Stolz des Imperiums" ein zufriedenstellender Abschluss eines unbefriedigenden Zyklus. Zu wenig echte Handlung steht der soliden Beschreibung der Naat Kultur bis auf einige Absonderlichkeiten gegenĂŒber. Über die Topsider durfte man viele Sachen erfahren, die einem diese Rasse nicht nĂ€her bringen, sondern die Faszination deutlich abkĂŒhlen lassen. Hier menschlichen die Autoren zu sehr. Und das ohne Grund. Nicht selten gelingt es Frank Borsch ĂŒberhaupt nicht, die exotischen HintergrĂŒnde und fremdartigen Rassen auch nicht menschlich handeln zu lassen. Das reiht sich ein Kompromiss an den nĂ€chsten. So bleibt festzustellen, dass "Neo" mit dem "Vorstoss nach Arkon" entwicklungstechnisch und vor allem hinsichtlich der OriginalitĂ€t einen im Vergleich zu den letzten beiden schon phlegmatischen wie langweiligen Minizyklen weiteren Schritt zurĂŒck gemacht hat und die RĂŒckkehr zu acht- bzw. noch besser eine weitere Straffung auf sechsteilige Ministaffeln empfehlenswert wĂ€re.

Frank Borsch: "Perry Rhodan Neo 36- Stolz des Imperiums"
Roman, Softcover, 161 Seiten
Pabel Verlag 2013

Weitere Bücher von Frank Borsch:
 - Alien Earth Phase 2
 - Alien Earth Phase 3
 - Lemuria 1- Die Sternenarche
 - Pan-Thau-Ra Band 1 „Die Lebenskrieger“
 - Perry Rhodan 2500 - Projekt Saturn
 - Perry Rhodan Action 13 - Die TrĂŒmmerwelt
 - Perry Rhodan Neo 1 - Sternenstaub
 - Perry Rhodan Neo 17 - Der Administrator
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 - Perry Rhodan Neo 1: Sternenstaub
 - Perry Rhodan Neo 24 - Welt der Ewigkeit
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 - Perry Rhodan Neo 6 - Die dunklen Zwillinge
 - Perry Rhodan Neo 6: Die dunklen Zwillinge
 - Perry Rhodan Neo 9 - Rhodans Hoffnung
 - Perry Rhodan Neo 9: Rhodans Hoffnung

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