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Perry Rhodan



Marc A. Herren

Perry Rhodan Neo 19- Unter zwei Monden

rezensiert von Thomas Harbach

Marc A. Herren hat mit seinem Beitrag „Unter zwei Monden“ eine halbwegs dankbare Aufgabe erhalten, auch wenn der Roman im Gesamtkontext zu den LĂŒckenbĂŒĂŸern gehört. In erster Linie dient der Plot dazu, die in der zweiten Staffel mit „Der letzte Thort“ abgeschlossene Vergangenheitsebene auf Ferrol noch einmal zu aktivieren und die dort beschriebenen Ereignisse nach Rhodans Einsatz fortzuschreiben. Die zweite auf der Erde spielende Handlungsebene um den gefangenen und schließlich entfĂŒhrten Fantan ist so uninteressant und sich wie ein Kaugummi ziehend geschrieben, das die Versuchung ausgesprochen groß ist, mit dem ÜberblĂ€ttern anzufangen.

Tatana, Crest und der Topsider Trker-Hon landen nach ihrem Sprung mittels Transmitter aus der Unterwasserkuppel auf dem Grund des Atlantiks kommend im Urwald einer ihnen auf den ersten Blick unbekannten Welt. Der Topsider kann sie nicht zuletzt aufgrund der zwei Monde als Ferrol identifizieren. Der Leser ahnt aber schon, dass das Trio im Grunde in der gleichen Epoche wie Perry Rhodan gelandet ist, ohne das es fĂŒr die ZeitreisefĂ€higkeiten der Transmitter eine wirklich ĂŒberzeugende ErklĂ€rung gibt. Am Ende des Buches lĂ€sst Marc A. Herren den Thort noch einmal die ihm bekannten technischen FĂ€higkeiten der Transmitter zusammenfassen. Weder Zeitreise noch der Übergang in ein Paralleluniversum scheint programmierbar zu sein. Das Tanana, Crest und Trker- Hon am Ende des Buches mittels eines weiteren Transmitters – neben Arkonidenwracks scheinen Transmitter zu den inflationĂ€ren technischen Errungenschaften der „Neo“ Serie zu gehören, da Autoren und Exposeverfasser sie an jeder möglichen wie unmöglichen Ecke aus dem Hut zaubern. Alleine vier spielen direkt wie indirekt im vorliegenden Band eine Rolle. Der Abstrahltransmitter unter dem Meer, der beim Angriff mittels eines Luftschiffes zerstörte Transmitter. Eine weitere Anlage ist einem diese Epoche besuchenden Arkoniden mit gegeben worden. Und die vierte Möglichkeit zieht der Thort quasi aus einer weiteren Kammer seines Palastes. Zumindest wird erklĂ€rt, wie Rhodan und seine Crew ein altes Arkonidenwrack Jahrtausende in der Zukunft finden können.
Marc A. Herren gelingt es zumindest zeitweilig, eine lesenswerte AtmosphĂ€re zu erschaffen, in dem er sich plottechnisch nicht zu viel Zeit nimmt, um diese den Ankommenden fremde Welt zu erkunden. Dabei wird die Bombenattacke mittels eines Luftschiffes unter Einsatz des „gleißenden Todes“ sehr gut beschrieben. Da Trker- Hon aus der Gegenwart weiß, das diese Waffe vom ersten Thort vor Jahrtausenden verboten worden ist, erkennt er als erster die Zeitreise in die Dunklen Jahrhunderte an. Um aus dieser dunklen Vergangenheit zu entkommen, mĂŒssen sie in den zukĂŒnftigen Palast eindringen, unter dem sich zumindest in der Gegenwart eine weitere Anlage befinden soll. Um ihr exotisches Aussehen – hier sei insbesondere der Topsider angesprochen – zu tarnen, schließen sie sich einem Wanderzirkus an.

Die Idee eines Wanderzirkus ist nicht unbedingt neu. Schon bei Edmond Hamiltons „Captain Future“ Romanen spielt der Weltraumzirkus eine wichtige Rolle. Viel schlimmer ist, das sich die drei wie auch Perry Rhodan im Grunde auf einer Art Spiegelerde befinden. Das wird ĂŒberdeutlich, als ein neidischer Rivale um Tananas Gunst das Geheimnis der intelligenten Echse verrĂ€t. Der Topsider rettet vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber sehr pragmatisch die Situation, in dem er verrĂ€t, dass er von den Sternen kommt und auf Ferrol gestrandet ist. So sehr sich Marc A. Herren auch bemĂŒht, aus dieser Aneinanderreihung von Klischees kann er keinen vernĂŒnftigen Spannungsbogen bauen. Immer wenn es plottechnisch in der „Neo“ Reihe schwierig wird, macht man einen spektakulĂ€ren Fund oder eine Nebenfigur wie Ernst Ellert versucht es mit OrakelsprĂŒchen anstatt seine EindrĂŒcke direkt zu beschreiben. In „Unter zwei Monden“ obliegt diese Rolle einem alten Mann, der inzwischen erblindet ist. Vor vielen Jahren ist eine riesige Metallwalze – vielleicht die Ankunft der Springer ?- in der NĂ€he seiner Herde gelandet. Eines dieser Wesen schenkt ihm zwar kein neues Leben, aber ein langes Leben. Der Ansatz mag ja interessant sein, da Isach seitdem mehr als dreihundert Jahren gelebt hat ohne zu Altern. Vorsichtshalber ist Isach nach dem GesprĂ€ch mit dem fremden in Ohnmacht gefallen. So brauchen Autoren und Leser nicht spekulieren, ob Wanderer bei LebensverlĂ€ngernden Maßnahmen ĂŒberflĂŒssig geworden ist. Ob Es in Menschen Ă€hnlicher Gestalt seine Gaben eher wahllos verstreut oder Isach in Anspielung auf die UFO EntfĂŒhrungen nach Wanderer gebracht, geduscht und schließlich zurĂŒck transportiert worden ist. Er trĂ€gt auf jeden Fall keinen Zellaktivator und Zellduschen reichen ja bekanntermaßen im Originaluniversum nur eine beschrĂ€nkte Zeit. Zumindest gibt es einen weiteren Hinweis auf die Möglichkeit eines langen, fast unsterblichen Lebens ohne das man sich an Fakten festhalten muss. Diese ambivalente wie frustrierende Vorgehensweise wird nur noch durch das ĂŒberhastete Ende dieser Handlungsebene mit möglichen Diskussionen um Zeitparadoxa beendet, da der Arkonide Kerlon seinen Landsmann Crest und wahrscheinlich auch den Topsider Trker-Kon erkennen könnte. Die Wahrscheinlich, das Tatana als Mensch erkannt wird, ist einer dieser OberflĂ€chlichkeiten der Serie. Allerhöchstens könnte sie als Nachkommin der Lemurer erkannt werden, da die Menschheit zu dieser Zeit noch auf einem sehr primitiven Niveau ihren Planeten bewohnt hat. Das ein Arkonide sofort trotz der Evolutionsbedingten körperlichen Unterschiede frĂŒhzeitlicher gegenĂŒber den im 20. Jahrhundert lebenden Menschen die richtigen SchlĂŒsse gezogen hĂ€tte, muss ins Reich der Fabel verwiesen werden. NatĂŒrlich muss Kerlon einen Transmitter zur Erde bringen, damit Crest diese Zeitreise unternehmen kann, genau wie ein anderer bislang unbekannter Vertreter außerirdischer Rassen einen Ă€hnlichen Transmitter Rhodan im Wegasystem zur VerfĂŒgung gestellt hat. Anstatt irgendwelche spannenden Komplikationen aufzubauen oder dieser Handlung nach einem soliden Auftakt etwas Dynamik zu verleihen, durchschlĂ€gt Marc A. Herren den gordischen Knoten bodenstĂ€ndig und einfallslos und beendet diese dominierende Handlungsebene mit einem weiteren Cliffhangar. Wahrscheinlich werden Crest, Tananas und Trker- Kons Abenteuer erst im ĂŒbernĂ€chsten Band mit einem weiteren Abstecher auf einen letzt endlich uninteressanten wie unwichtigen Planeten fortgesetzt. Der liegt wie aus dem Nichts kommend außerhalb des Wegaystems. Das wird genauso wenig erklĂ€rt wie die an „Es“ erinnernde Stimme aus dem Off, welche den Tod kranken Arkoniden antreibt und gleichzeitig ein wenig verspottet.

Die zweite Handlungsebene spielt auf der Erde. Im Mittelpunkt steht der sechzehn Jahre alte Sid, den Marc A. Herren ein wenig mehr im Griff hat als seine Mitautoren. Das er mit sechzehn Jahren ein Bier in einer Kneipe serviert bekommt, das natĂŒrlich als Abschreckung ekelhaft schmeckt, wĂ€hrend er mit einer sechs Jahre Ă€lteren Kellnerin herum kokettiert, ist der einzige Aussetzer auf dieser Handlungsebene, die aber inhaltlich im wahrsten Sinne des Wortes eine Quadratur des Kreises darstellt und „Neo“ nicht einen einzigen Schritt nach vorne bringt, sondern frustrierend aus reinem FĂŒllmaterial besteht. Und das im dritten Band der dritten Staffel. Anscheinend reichen die Ideen fĂŒr die einzelnen Ministaffeln nicht mehr, um sechs Taschenhefte zufrieden stellend zu fĂŒllen und vor allem die Staffeln auch gleichmĂ€ĂŸig zu strukturieren.
Anstatt die Begegnung zweier unterschiedlicher Mutanten, im Grunde auch zweier kontrĂ€rer Auffassungen, da Goratschin fĂŒr den nicht selten tragisch untermalten Einfallsreichtum der alten Serie und Sid fĂŒr die moderne OberflĂ€chlichkeit der Neuinterpretation stehen könnten, zu einem emotionalen Höhepunkt der Serie zu machen, agiert Marc A. Herren auf der emotionalen Ebene ĂŒberfordert, distanziert und stellenweise ein wenig hilflos. Sid verwechselt die beiden BrĂŒder und greift Iwan Goratschin an. Dieser versucht sich in Terrania von seinen MutantenfĂ€higkeiten heilen zu lassen. Mit Scaramanca - hinter dem Pseudonym verbirgt sich ebenfalls ein Charakter der alten Serie, dessen Schöpfer sich im Grab umdrehen - taucht ein emotional gestörter Psychopath auf, welcher zugleich ein technisches Genie ist. FĂŒr ihn zĂ€hlen nur die FĂ€higkeiten eines Menschen. Anstand und Moral spielen keine Rolle. Reginald Bull verwehrt ihm den Zugang nach Terrania, was umgehend schwerwiegende Folgen hat. Scaramanca tötet neun Menschen und verwandelt sie in Roboterpuppen. Auch keine neue Idee, aber hier generiert der Autor zumindest etwas an Spannung. Vor allem nutzen die Helden Scaramancas gestörte Persönlichkeit, um ihm wĂ€hrend des Showdowns mit einer brachialen, aber erstaunlich effektiven Strategie beizukommen. Um weiteren Druck auf Bull aufzuĂŒben, hat Scaramanca einen der letzten Fantan auf der Erde in seine Gewalt gebracht. Das letzte Drittel des Romans nimmt die wie schon angesprochen effektive, aber auch stellenweise stereotyp geschriebene Befreiungsaktion ein. Diese Handlungsebene leidet unter ihrer Uneinheitlichkeit. Iwan Goratschin möchte sich von seinen FĂ€higkeiten heilen lassen, muss sie aber - das ist wirklich keine Überraschung - am Ende zum Guten einsetzen. Der moralisierende Sid wird weniger affektiert als in den anderen Romanen beschrieben und mutiert in doppelter Hinsicht nicht zum Helden, welcher die vertrackte Situation in einer Art Alleingang löst, die Figur entwickelt sich aber auch zu wenig weiter und mancher Monolog muss in die Schublade belangloses SchwĂ€tzen mit der Tendenz zum SeitenfĂŒllen abgelegt werden. Vor allem ĂŒberwinden sowohl Sid als auch Goratschin ihre bis dahin tief sitzenden Zweifel bzw. das einseitige Misstrauen. Dazu finden sich erstaunliche Exkurse in die wirtschaftliche Entwicklung Terranias. Homer G. Adams hat mit dem Solar eine neue WĂ€hrung eingefĂŒhrt, welche die HĂ€ndler zwangsweise akzeptieren mĂŒssen, um GeschĂ€fte zu machen. Angeblich wird der Solar innerhalb einer unbestimmten Zeit - in dieser Hinsicht gehen die Autoren recht frei mit Tagen, Wochen, Monaten und den in ihnen statt findenden Entwicklungen um - zu einer der zehn wichtigsten WĂ€hrungen des Planeten. Hier hat Marc A. Herren sein Bankwissen komplett ĂŒber Bord geschmissen und baut sich einen Elfenbeinturm, welcher den Leser nur noch staunend zurĂŒcklĂ€sst. Es scheint unglaubwĂŒrdig, dass fahrende HĂ€ndler ĂŒber mehrere hundert bis tausend Kilometer die WĂŒste Gobi durchqueren, um dort Waren zu verkaufen, fĂŒr die sie insbesondere zu Beginn eine WĂ€hrung erhalten, die außerhalb von Terrania nichts wert ist. Wenn Homer G. Adams und Marc A. Herren wenigstens die Tauschwirtschaft - Lebensmittel gegen primitive arkonidische Erzeugnisse - beibehalten hĂ€tten. ZusĂ€tzlich ist nicht interessant, dass inzwischen auch die arkondischen SchutzanzĂŒge kaputt gehen, die vorhandenen Roboter ĂŒber kein Wissen verfĂŒgen, neue herzustellen, aber zumindest Exoskelette hinzugefĂŒgt werden.

WĂ€hrend K.H. Scheer und Walter Ernsting ĂŒber diese kleinen Details angesichts ihrer kosmopolitischen handlungstechnischen Weichenstellung großzĂŒgig hinweg gesehen haben, versucht Frank Borsch und Co diese elementaren LĂŒcken zu fĂŒllen und verfangen sich in so vielen unlogischen Fallstricken, das sie dem Leser schon leid tun können. Inhaltlich kann Scaramanca dem Antimutanten Monk aus dem voran gegangenen Roman als Gegenentwurf nicht das Wasser reichen. Durch die Vorhersehbarkeit der Handlung und die fehlenden Ideen auf allen Ebenen wirkt dieses FĂŒllmaterial nicht enttĂ€uschender. Zumindest wird der Handlungsbogen im Gegensatz zum offensichtlich wie frustrierend Cliffhangar der letzten Ebene abgeschlossen.

Marc A. Herren hat sich inzwischen einen sehr bodenstĂ€ndigen, wenig exzentrischen und lesenswerten Stil angewöhnt, welcher die hier zum wiederholten Male eher fĂŒr Videogamergeneration erschaffene Handlung solide rĂŒber bringt. WĂ€hrend Crests Suche nach dem Planeten der Unsterblichkeit zumindest leidlich interessant ist, frustriert das verschenkte Potential in der Sid/ Goratschin Handlung schon sehr. Qualitativ der bislang beste Roman der dritten Staffel, es reicht aber trotzdem nicht fĂŒr eine befriedigende Note. Das ist schon sehr armselig, was „Neo“ seinen Lesern momentan zumutet.

Marc A. Herren: "Perry Rhodan Neo 19- Unter zwei Monden"
Roman, Softcover, 162 Seiten
Pabel Verlag 2012

Weitere Bücher von Marc A. Herren:
 - Monolith 4: Der Silbermann
 - Perry Rhodan Action 16 - Tarkalons Abgrund
 - Perry Rhodan Action 32 - Eismond Iridul
 - Perry Rhodan Action 34 - Kind des Asteroiden
 - Perry Rhodan Action 5 - Lazarus Tod
 - Perry Rhodan Action 9 - Der ZĂŒndermutant
 - Perry Rhodan Neo 12 - Tod unter fremder Sonne
 - Perry Rhodan Neo 12: Tod unter fremder Sonne
 - Perry Rhodan Neo 19 - Unter zwei Monden
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