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Perry Rhodan



Michelle Stern

Perry Rhodan Neo 18- Der erste Thort

rezensiert von Thomas Harbach


Mit „Der erste Thort“ debütiert Michelle Stern nach Ihrem ATLAN Roman in der „Perry Rhodan Neo“ Reihe. Da die Handlungsvorgaben durch Frank Borschs Expose sie als Autorin in diesem konkreten Fall eher behindern als beflügeln, wäre es unfair, von einem gänzlich misslungenen Roman zu sprechen. Michelle Stern hat mehrmals selbst in den schwächeren Phasen von „Sternenfaust“ bewiesen, das sie insbesondere zwischenmenschliche emotionale Szenen mit soliden Dialogen schreiben kann, während sie Technik als benutzbar, aber niemals als Heilsbringer per se eingestuft hat. Die größten Probleme des vorliegenden Romans sind inzwischen symptomatisch für „Perry Rhodan Neo“. Der Roman ist erstens schlicht und ergreifend langweilig, da oberflächlich viel passiert, hintergrundtechnisch der eigentliche Handlungsbogen mit der Suche nach Crest und damit verbunden der Welt der Unsterblichkeit nicht vorangetrieben wird. Stattdessen fügt Frank Borsch eine im Grunde unnötige, in tiefster Vergangenheit spielende und vor allem eher zum abgeschlossenen „Wega“ Zykluses gehörende Geschichte ein, in der Michelle Stern zumindest einen sadistischen Tyrannen integrieren kann. Der zweite Spannungsbogen greift mit dem jungen Julian Tifflor auf der Suche nach seinem im Anschluss an den Prozess gegen Crest verschwundenen Vater die politisch wirtschaftlichen Umwälzungen in den USA im Zuge der Gründung der hier nicht als dritter Macht bezeichneten Rhodanschen Enklave auf. Tifflor ist mit Gucky unterwegs, der bis auf die wunderbare Bekehrung des Retters des Universums von fetten Pommes zu frischen Mohrrüben aus der Hand einer Frau mag, die kitschig erscheint, von der Autorin bislang im Rahmen der „Neo“ Bände am meisten überzeugend beschrieben worden ist. Für die zahlreichen Logikfehler, die immer in entscheidenden Momenten zusammenbrechende Technik und schließlich die pathetisch kitschige und wenig originelle Auflösung einer der beiden Handlungsebenen kann Michelle Stern relativ wenig.

Schon der Auftakt des Romans besteht aus der Art plottechnischen Wunschdenkens, der „Neo“ zu einem derartig frustrierenden Leserlebnis macht. Crest ist durch den Transmitter der Unterseestation gegangen. Die Maschine ist anschließend im Übereifer durch Thora zerstört worden. Also fliegt Rhodan zur nächst möglichen Transmitterstation – zurück ins Wegasystem. Wie gut, dass man in „Der Administrator“ ein entsprechendes topsidisches Raumschiff „gefunden“ und als Finderlohn gleich behalten hat. Rhodan, Reginal Bull, Ras Tschubai, Thora, die neue ultimative-wenn-Mutanten-versagen-Waffe PROTO sowie einer der Wächter der Transmitter der Ferrone Loosoher inklusiv weniger anderer nützlicher Nebenfiguren gehen durch einen Transmitter im Wegasystem, in der Hoffnung, das dieser Transmitter sie Crest näher bringt. Diese Verzweifelungsstrategie ohne genaue Hinweise in ein fremdes Transmitternetz einzusteigen, ist für den Leser vielleicht noch nachvollziehbar. Das das Team allerdings gute zehntausend Jahre in die Vergangenheit, das dunkle Zeitalter, transportiert werden, eher Lückenfüllerlei. Sie landen in einer Kriegszone. Die Truppen des sadistischen, macht hungrigen Feldherrn Durhai Nerlan zerstören nicht nur den Empfangstransmitter - über diese Logik braucht sich der Leser gar keine Gedanken mehr zu machen, als wenn die Maschine in der Gegenwart auf dem Mond Zardik des 13. Planetens nur auf diesen einen einseitigen Abstrahlversuch gewartet hat -, sondern auch PROTO, womit wieder eine der zahlreichen Entwicklungen, Erfindungen oder eines der unzähligen Fundstücke vor einem effektiven Einsatz zerstört worden ist. Bevor Nerlan noch bis drei zählen kann, hat sich Perry Rhodan mit seinem Team schon ergeben. Diese Nachgiebigkeit des Sofortumschalters ist den meisten der „Neo“ Romanen wirkt deutlich überzogen. Es gibt eine Reihe von Situationen, in denen sich auch K.H. Scheers Rhodan erst ergeben und dann geplant hat. An dieser Vorgehensweise wäre auch nichts schlimmes, wenn sie alternierend mit aktiven Handlungen Rhodans stattfinden würde. Da aber in dieser Serie ein aktiver Rhodan genauso selten ist wie eine zufrieden stellende Handlungsführung bedienen sich Autorin ind Exprokrat wieder den Prinzipien des Zufalls. Während die gefangenen Männer als Kanonenfutter im Kampf um die Hauptstadt Remanor an die Front geschickt werden, plant der unter einer starken Hauterkrankung leidende Nerlan, die Frauen zu seinem eigenen Vergnügen vorzuhalten. Die Heilerin Sue bietet Nerlan im Austausch für das Leben und die Gesundheit Thoras an, ihn zu heilen. Anschließend wird durch einen weiteren Zufall und dem wiederholten Einsatz von Sues Heilungskräften der Heilsbringer Guall entsprechend positioniert. Im anschließenden Showdown mit entsprechendem Pathos kommt Nerlan natürlich aufgrund seines Machthungers und seines despotischen Handelns zu Fall und nicht durch eine Feindaktion. Die Rhodan Handlungsebene ist - höflich gesprochen - eine wirre Mischung aus stereotypen Kampfmustern, wobei zwischendurch immer wieder über die Tatsache philosophiert wird, warum man bzw. Rhodan immer wieder in den gleichen Schwierigkeiten landet und bei der friedlichen Einigung des Universums als Fernziel keinen Schritt weiterkommt. Das Rhodan und sein Team in die Vergangenheit geschleudert worden sind, ist vielleicht noch erträglich, das aber so gut wie keine offensiven Handlungen von der Gruppe ausgehen und Thoras Unversehrtheit mehrmals in den Mittelpunkt der Verhandlungen gestellt wird, ist durchschnittliches Pulpniveau. Die Kampfszenen und die entsprechenden Folgen sind von Michelle Stern „Sternenfaust“ geschult, solide beschrieben. Auf der anderen Seite kann die Autorin mit einer Reihe von Figuren wie Ras Tschubai oder Reginald Bull wenig bis gar nichts anfangen, während die bislang im Hintergrund agierenden Charaktere deutlich dreidimensionaler und überzeugender beschrieben worden sind.
Ansonsten Reisen in die Vergangenheit und im Gegenzug Visionen der Zukunft inklusiv des ersten Thorts wiegen sich gegeneinander auf. Das arkonidische Kampfanzüge anscheinend eine Art „Eigenleben“ führen und je nach Handlungsverlauf über ambivalente Fähigkeiten verfügen, ist eine dieser inzwischen für die „Rhodan“ Serien so typischen, aber nicht mehr zu entschuldigenden oder liebenswerten Schwächen. Der Expokrat legt den Rahmen fest, der Autor versucht sich mit einem anderen Szenen widersprechenden Trick zu retten und letzt endlich merkt es nicht einmal der Lektor, der zumindest in sprachlicher Hinsicht dem Eindruck der Lektüre folgend die wenigste Arbeit gehabt hat. Das alles in keinem Zusammenhang mit der in „Der Administrator“ begonnenen Haupthandlung steht und Frank Borsch fleißig ignoriert, das er seinen Stoff in acht Taschenheften und nicht über einhundert Heftromane erzählen sollte, steht auf einem anderen Blatt.

Viel frustrierender ist die zweite Ebene des Romans mit Julian Tifflor und Gucky. Das angesichts des massiven Widerstands der verschiedenen Nationen gegen Perry Rhodan und seine Terrania Machtzentrale drei Monate nicht ausreichen, um die Menschen zu Einen, steht außer Frage. Schließlich fehlen erstens Rhodan die Angriffsmittel und zweitens die Persönlichkeit, um aktiv einen derartigen Prozess in die Wege zu leiten. Tifflors Suche nach seinem Vater führt ihn und das Hündchen Gucky, sowie Mildred Orsons in die USA. Wieder eine Einzelaktion Tifflors. Aber das spielt keine Rolle, da er ja für seinen unwahrscheinlichen Husarenritt in der zweiten Staffel belohnt worden ist. Wieder schmuggelt man sich außerhalb der USA eines Flugzeuges nach Seattle, von dort geht es mittels Teleportation und Auto inklusiv ausführlicher, aber wenig in die Handlung eingebundener Ortsbeschreibungen nach Washington. Anstatt die Chancen zu ergreifen und „Neo“ wirklich anders im Gefolge des 11. Septembers oder der globalen Wirtschaftskrisen zu erzählen, bleibt es bei dunklen Andeutungen, die eher stereotyp die üblichen Klischees abarbeiten. Wie oberflächlich die Serie wirklich geschrieben worden ist, unterstreichen Aussetzer wie die Idee, Gucky als Hund bei aufmerksamen Polizisten durchzuschmuggeln. Das funktioniert in Filmen wie „E.T.“, wo EIN Außerirdischer auf die Erde „gefallen“ ist, aber niemals auf einem Planeten, der sich gerade von der Invasion galaktischer Sammler mit unzähligen Raumschiffen zu erholen sucht. Entweder kennt Michelle Stern die zweite Staffel von „Perry Rhodan Neo“ nicht oder sie denkt nicht über diese Art von kleinen Szenen nach. Immerhin gibt es erstens eine Pro Rhodan - Regierung in einem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land. Immerhin gibt es keinen Hinweis, das bei einem derartigen kriegerischen Zerfall einer der größten Wirtschaftsnationen der Welt es im Grunde auch keine Weltwirtschaft mehr gibt. Bei den wenigen Einblicken in den vorangegangenen Romanen ging alles relativ normal von statten. Egal, nach einer exzentrischen Besichtigungstour landet Gucky schließlich in den Händen von Fanatikern,
die vom Antimutanten Monk angeführt wird. Es lässt sich trefflich streiten, ob Guckys PSI Fähigkeiten eine Mutation aus menschlicher Sicht darstellen oder nicht, ob passenderweise blockiert er dessen Fähigkeiten und die zu einer genetischen Züchtung reduzierte Kreatur landet im Knast, wo sich in einer positiven Wendung der Ereignisse Betty Toufry um ihn kümmert. So schön es ist, wieder von Betty Toufry oder Monk zu lesen, so wenig macht die Autorin aus diesen Szenen. Gucky wirkt menschlicher, weniger aufdringlich, weniger penetrant, aber sie verfügt über keine einzige originelle Idee. Zumindest erfüllt Gucky die Mission, zu der er aufgebrochen ist, wobei - um nicht zu viel Spannung zu verlieren - auch die zweite Handlungsebene in eher kryptischen Bemerkungen endet, während beim Rhodan Spannungsbogen natürlich alles mit einem erneuten Transmittersprung endet.

Viel frustrierender als die hier präsentierte Handlung sind die Ideen, die irgendwo im Nirgendwo impliziert und von Frank Borsch Expose übersehen worden sind. Warum nicht den Konflikt zwischen den Rhodan Anhängern und seinen Gegnern in den schon vorher wenig demokratischen, von Organisationen wie der Homeland Security regierten USA ausführlicher und vor allem mit interessanten Nebenfiguren beschreiben? Warum nicht auf eine Nachbürgerkriegsregierung eingehen, der im Grunde nur noch ein ausgehöhltes und wirtschaftlich nicht mehr funktionierendes Land zur Verfügung steht? Warum ausgerechnet einen Antimutanten etablieren, der eine sympathische Telepathin in seiner Gewalt hält, anstatt einen wirklich ebenbürtigen Gegner zu erschaffen, dessen Vorgehensweise weniger naiv ist? Warum bekannte „Namen“ wie Julian Tifflor derartig zu verunstalten und ihn zusammen mit Syd auf das Niveau eines Jugendbuchcharakters zu reduzieren, der entgegen aller Unlogik vieles kann und noch viel mehr darf? Warum so viel Raum für so wenig interessante Handlung einräumen? Reicht Frank Borschs Phantasie schon nicht mehr aus, acht Taschenhefte vernünftig zu strukturieren und eine stringente, aber zumindest packende Handlung zu etablieren? Bei den letzten Heyne Sechsteilern waren diese Ermüdungserscheinungen schon erkennbar. „Der erste Thort“ wird mit dem Untertitel verschenkte Möglichkeiten in einem bislang uninteressanten, langweiligen Minizyklus leben müssen. Es ist allerdings frustrierend, das eine talentierte Autorin wie Michelle Stern derartigen Durchschnitt - nur wenige Szenen wirklich lesenswert und dank zahlreicher Anspielungen auf Vergewaltigen sexuell ein wenig „brutaler“ - abliefert und Frank Borsch inzwischen entweder die Lust oder noch schlimmer die Orientierung zu verlieren scheint.

Michelle Stern: "Perry Rhodan Neo 18- Der erste Thort"
Roman, Softcover, 162 Seiten
Pabel Verlag 2012

Weitere Bücher von Michelle Stern:
 - Maddrax Band 217 – Der Unsichtbare
 - Maddrax Band 233 - Enklave der Träumer
 - Maddrax Band 238 - Herz aus Eis
 - Maddrax Band 243 - Das namenlose Grauen
 - Maddrax Band 246 - Am Ende aller Zeiten
 - maddrax Band 254 - Das Nest
 - Maddrax Band 258 - Chronik des Verderbens
 - Maddrax Band 278 - Der Gott der Mar'osianer
 - Perry Rhodan Neo 18: Der erste Thort
 - Perry Rhodan Neo 27- Das Gespinst
 - PR Neo 32- der schlafende Gott
 - PR Neo 38- Der Celista
 - Sternenfaust 111 - Die Stimmen der Götter
 - Sternenfaust Band 104 - Die Kristalle der Dondari
 - Sternenfaust Band 108 - Die Gabe der Telepathen
 - Sternenfaust Band 117 - Sternenjagd
 - Sternenfaust Band 132 - Das Urteil des Raisa
 - Sternenfaust Band 138 - Tyrannenmord auf Kridania
 - Sternenfaust Band 145 - RĂĽckkehr zu den Basiru-Aluun
 - Sternenfaust Band 146 - Die kosmische Barriere
 - Sternenfaust Band 150 - Das Auge des Universums
 - Sternenfaust Band 189 - In Pranurs Gewalt
 - Sternenfaust Band 90 – Der goldenen Kubus
 - Sternenfaust Band 91 – Das Geheimnis der Starr
 - Sternenfaust Band 98 - Verloren

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