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Perry Rhodan



Frank Borsch

Perry Rhodan Neo 9:
Rhodans Hoffnung

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem vorliegenden neunten “Neo” Taschenheft beginnt die zweite Staffel der Serie, ohne das der Stammleser wirkliche BrĂŒche oder ÜbergĂ€nge feststellen kann. Noch frustrierender ist, dass Expokrat Frank Borsch die Quadratur des Kreises im Grunde auf die Spitze treibt und der Aufbruch ins Wega- System in Kombination mit dem eher verwundernden, als ĂŒberraschenden Cliffhangar handlungstechnisch relativ bis ehrlicherweise zu spĂ€t stattfinden. Bis dahin schleppt sich der wenig inspiriert geschriebene Romane auf zwei Handlungsebenen dahin, von denen die eine um Julian Tifflor und seine Ankunft in Terrania im Grunde ĂŒberflĂŒssig bis langweilig ist. Litten die letzten Arbeiten schon unter diesem Phlegma, ist “Rhodans Hoffnung” eine Art Plotluftballon, den Frank Borsch ĂŒber einhundertsechzig Seiten bis kurz vor dem Platzen aufpustet. K.H. Scheer hĂ€tte die ganze Geschichte auf knappen zwanzig Seiten erzĂ€hlt und die Leser dann zusammen mit Perry Rhodan ins All geschickt.

Wie schon angesprochen ist die Handlung um Julian Tifflor und seine Ankunft in Terrania langweilig. General Bai ist der Ansicht, dass die chinesischen StreitkrĂ€fte sich selbst zerfleischen, wĂ€hrend in Peking nach einem neuen Staatsoberhaupt gesucht wird. Terrania ist ja ohne Schutz, da die Energiekuppel nicht funktioniert. Warum das ganze nicht mit einer gezielten Atomrakete beenden, nachdem man schon in den voran gegangenen Romanen mehrmals versucht hat, entweder die Energiekuppel zu durchdringen bzw. Rhodans Traum mit einer unterirdischen Atombombenexplosion zu beenden. Die FlĂŒchtlinge leiden unter extremen Wassermangel - eine Doppelung, die auf der zweiten Handlungsebene fĂŒr Spannung sorgen soll, sich aber gefĂŒhlt endlos dahin zieht - und die desertierten chinesischen Truppen weisen weitere FlĂŒchtlinge ab, um die VersorgungsengpĂ€sse nicht eskalieren zu lassen. Tifflor kommt nur zusammen mit seiner Begleiterin/ LebensgefĂ€hrtin/ Partnerin nach Terrania, weil ein Offizier an seinem archaischen indischen GefĂ€hrt Gefallen findet. Danach folgen eine Reihe von eher belanglosen Diskussionen/ Beschreibungen/ kleinen Problemen, bis Rhodan gegen Ende natĂŒrlich erfolgreich zurĂŒckkehrt. Der Funke will auf dieser absolut ĂŒberflĂŒssigen Handlungsebene nicht ĂŒberspringen. Es ist sicherlich positiv, Rhodan nicht alles selbst erledigen zu lassen, aber dann muss auch durch die Nebenfiguren etwas progressives passieren. Die Roboter können aus dem Nichts heraus eine ganze Stadt errichten - woher sie die Materialen haben, bleibt wahrscheinlich das Geheimnis der Autoren, da Konverter bislang nicht erwĂ€hnt worden sind -, aber keine Nahrungsmittel beschaffen. Es gibt auch keinen Hinweis, dass nach dem Zusammenbruch der Energiekuppel und dem Aufbrechen des chinesischen Belagerungsringes die Truppen alle Hubschrauber abgegeben haben. Zumindest impliziert Frank Borsch, das sie auch nicht mehr an Nachschub kommen. Aber es gibt zumindest terranisches neues Geld mit verschiedenen GesichtszĂŒgen. Die arkondische Technik macht es möglich. Was mit dem Geld gekauft werden kann, bleibt wieder das Geheimnis der Autoren. Diese sinnlose Aneinanderreihung von bizarren Ideen ohne eine ĂŒberzeugende und bodenstĂ€ndige Verbindung frustriert spĂ€testens mit dem vorliegenden Taschenheft.

“Rhodans Hoffnung” weckt zumindest den Eindruck, als ĂŒbernehme Rhodan nach der doch mehr dem Zufall geschuldeten Crest Befreiung ein weiteres Mal die Initiative. NatĂŒrlich entpuppt sich diese Hoffnung im Gegensatz zum Titel als Trugschluss.

Frank Borsch schickt seinen distanzierten Helden auf eine klassische “Mission Impossible” inklusiv der entsprechenden Gesichtsmasken. Das Ziel ist das zum Absturz gebrachte arkonidische Raumschiff, mit dem Thora erstens von den Venus zurĂŒckgekommen ist und zweitens eine Reihe von irdischen DenkmĂ€ler wie den Eiffelturm in ihrer Wut verdampft hat. Nun liegt das Schiff vom amerikanischen MilitĂ€r bewacht in der WĂŒste und wartet nur darauf, von Rhodan und einer Handvoll Mutanten gekapert zu werden. SpĂ€testens nach der Befreiung Crests mĂŒssten der amerikanische PrĂ€sident und dessen Soldaten gewarnt sein, aber wahrscheinlich haben sie nicht damit gerechnet, dass Rhodan so schnell wieder zuschlĂ€gt. Es stehen ja “Millionen” von Zielen zur VerfĂŒgung. Rhodan muss zusammen mit einigen Helfern ĂŒber einen zivilen Flughafen in die Staaten einreisen, wobei Homer G. Adams ansonsten ĂŒber auch monetĂ€r unbegrenzte Mittel verfĂŒgt, die aus unerklĂ€rlichen und Seiten schindenden GrĂŒnden plötzlich nicht mehr greifen sollen. Kaum haben sich Rhodan, Thora und ihre Helfer sich dem Schiff bemĂ€chtigt, funktioniert natĂŒrlich auch der Rest des Plans. Obwohl das Schiff aus relativ großer Höhe aufgeschlagen ist, entpuppen sich die SchĂ€den als relativ gering. Nicht auszudenken, wenn das Raumschiff nicht hĂ€tte starten können. Der grĂ¶ĂŸte “Schadensfall” dieser ganzen Aktion ist Perry Rhodan, der sich bei den ersten Problemen nach der Kaperung gleich wieder den amerikanischen Eliteeinheiten im Rumpf des Schiffes ergeben will, die nach und nach die einzelnen Antriebseinheiten in die Luft sprengen und so eine RĂŒckkehr in den amerikanischen Luftraum erzwingen wollen. Zum GlĂŒck ist Thora inzwischen deutlich menschlicher, so dass sie den General in diesem Fall bei seinem kolumbianischen Trauma packt und die Soldaten zu Aufgeben zwingen kann. Es ist schon erstaunlich, wie die Autoren Perry Rhodan im Laufe dieser jetzt neun Taschenhefte zu einem passiven, fast willenlosen Antihelden demontiert haben, Frank Borsch setzt dieser Entwicklung im vorliegenden Band die Krone auf. Das die das Raumschiff bewachenden MilitĂ€rs im Grunde dumm sind, weil Rhodan ohne Probleme und weitergehende als amerikanischer PrĂ€sident in einem nachgekauten und von Homer G. Adams finanzierten Hubschrauber einfliegen kann, ist schon naiv. Das die ganze Welt nach der Landung Rhodans in Terrania anscheinend gegen die diktatorischen wie demokratischen Regierungen rebelliert und eine vereinte Erde fordert, erscheint wenig plausibel und setzt eher die antiamerikanische Tendenz der Serie fordert. BĂŒrgerkrieg als Ablenkung, weil den Autoren zu wenig einfĂ€llt.
Nicht nur, dass das beschĂ€digte Schiff plötzlich wieder fliegen kann, es repariert sich sogar selbst. Erstaunlich, das eine derartige Technik bislang selbst in den “Neo” Romanen unbekannt gewesen ist. Was Frank Borsch hier abliefert, widerspricht nicht nur dem bisherigen Stand der arkonidischen Technik, es wirkt so verzweifelt konstruiert, das man sich fragen muss, warum die Autoren ĂŒberhaupt vom ursprĂŒnglichen Serienkonzept wie schon mehrmals angesprochen in den Details abweichen, wenn das Ganze wieder auf Linie getrimmt wird. Zusammen mit den jeweils langweiligen Nebenhandlungen muss sich die “Neo” Redaktion den Vorwurf der Seitenschinderei gefallen lassen und die mehrmals avisierten Abweichungen von der Originalserie stellen sich bis dahin nur in den kleinsten Details ein, wĂ€hrend die großen ĂŒbergeordneten Plotelemente mit peinlichen Szenen wie der endlosen Gefangenenbefreiung im letzten Band oder der EntfĂŒhrung des Raumschiffs im vorliegenden Roman verbunden werden.

Kaum ist Thora mit dem notdĂŒrftig automatisch geflickten Raumschiff in “Terrania” gelandet und als Hilfsterranerin akzeptiert geworden, bricht dieser Handlungsbogen ab und es geht endlich ins All. Aus dem nahen Wega- System wird passenderweise ein Funkspruch empfangen, in dem anscheinend Arkoniden um Hilfe gegen bislang unbekannte wie aggressive Fremde bitten. Endlich hat Rhodan sein Ziel erreicht, er kann mit der frisch getauften “Good Hope” zu den Sternen fliegen und Terrania im wahrsten Sinne des Wortes hinter sich lassen. Reginald Bull bleibt mit den chinesischen Truppen zurĂŒck, um die neue Welthauptstadt weiter auszubauen. Hoffentlich lassen ihm Rhodan und Thora etwas arkonidische Technik zurĂŒck, denn es erscheint unwahrscheinlich, dass die WeltmĂ€chte sich monatelang ausschließlich mit der eigenen Bevölkerung beschĂ€ftigen und Terrania als Dorn in ihren Machtspielen ĂŒbersehen.
Die Zeichnung der einzelnen Charaktere ist oberflĂ€chlich. WĂ€hrend Julian Tifflor als Verteidiger Crests zumindest phasenweise ĂŒberzeugen konnte, verliert die Figur im vorliegenden Band an Charisma und vor allem an Tiefe. Zumindest mĂŒssen die Mutanten nicht mehr alle Eisen aus den Feuern holen, in erster Linie lesen sie die Gedanken von amerikanischen GenerĂ€len oder bereiten sich zusammen mit Perry Rhodan auf den Flug zu den Sternen vor. Wie schon angesprochen sind sowohl Perry Rhodan als auch im vorliegenden Roman Reginald Bull eindimensionale Abziehbilder der damaligen Helden. WĂ€hrend man sich im Falle Rhodans schon frustriert an die Unwilligkeit der Autoren gewöhnt hat, einen modernen “AnfĂŒhrer” zu etablieren, erscheint Reginald MacGuyver Bull als ewiger Stellvertreter verschenkt. Zumal mit dem chinesischen General ein ausgezeichneter AnfĂŒhrer zur VerfĂŒgung steht, welcher die Organisation “Terranias” ohne Probleme ĂŒbernehmen kann. Peinlich ist es nur, dass er sich vor Rhodan und Bull noch einmal aufgrund seiner Mischherkunft rechtfertigen muss, wĂ€hrend er mit seinen Taten mehrmals bewiesen hat, dass er inzwischen ein loyaler Gefolgsmann Rhodans ist.
Schon in den letzten Romanen haben die Autoren ĂŒber mehre Taschenhefte interessante Handlungsbögen “vergessen”, die aus dem Nichts plötzlich wieder belebt werden. Nach Thoras Verschwinden ĂŒber der Venus wird jetzt Ernst Ellert nach einer gefĂŒhlten handlungstechnischen Ewigkeit “reaktiviert”. Er liegt - gerettet von Rhodan im Chaos nach dem Angriff der chinesischen Truppen und der Reaktivierung des Energieschirms - im kĂŒnstlichen Koma in einem Krankenzimmer Terranias. Es ist schade, dass die Autoren mit dieser interessanten Figur bislang gar nichts anfangen konnten.
Zusammengefasst schleppt sich die “Perry Rhodan Neo” weiterhin blutleer dahin. Einfache HandlungsstrĂ€nge werden nicht nur unrealistisch beschrieben, sondern frustrierend lange ausgewalzt, bis selbst die wenigen interessanten Szenen in dem organisierten Chaos untergehen. Alle Versuche, die Serie zu modernisieren, wirken halbherzig und eher ambivalent. Die von K.H. Scheer und spĂ€ter William Voltz bzw., Horst Hoffman liebevoll zusammengestellte silberne Buchausgabe bleibt der ideale und vor allem respektvolle Einstieg in die Serie, wenn man sich vor den inzwischen mehr als zweitausendsechshundert einzelnen Heftromanen scheut. Bei den “Neo” Taschenheften frustrieren die vielen kleinen Details, die unterstreichen, wie wenig MĂŒhe sich die Autoren im Allgemeinen und Frank Borsch als Exposeautor im Besonderen gemacht haben, um respekt- und nicht nur kommerziell orientiert, den Mythos Perry Rhodan fĂŒr eine neue Generation neu zu erschaffen.

Frank Borsch: "Perry Rhodan Neo 9: Rhodans Hoffnung"
Roman, Softcover, 162 Seiten
Pabel Verlag 2012

Weitere Bücher von Frank Borsch:
 - Alien Earth Phase 2
 - Alien Earth Phase 3
 - Lemuria 1- Die Sternenarche
 - Pan-Thau-Ra Band 1 „Die Lebenskrieger“
 - Perry Rhodan 2500 - Projekt Saturn
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