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Perry Rhodan



Michael Marcus Thurner

Der Killer von Terra

rezensiert von Thomas Harbach

Als dreizehntes Taschenheft erschien mit Robert Feldhoffs „Terra in Tranche“ ein Begleitband zum inzwischen in der fünften Auflage abgeschlossenen „Cantaro“ Zyklus, dessen Schwerpunkt ja eine in einer virtuellen Irrealität gefangene Menschheit gewesen ist.
„Der Killer von Terra“ ist keine echte Neuveröffentlichung im Rahmen der Taschenheft Planetenromane. Michael Marcus Thurner hat den Plot seines im Rahmen der PR Fanedition veröffentlichten Bandes „Mit den Augen des Mörders“ – sein literarisches Debüt – grundlegend überarbeitet und modernisiert. Das Thema der Simusense – die fiktiv künstliche Welt, in welche die ganze Menschheit im Rahmen der PR Serie von den Schurken übergeleitet worden ist – wird wieder aufgegriffen. Nur das die Handlung nicht mehr auf der Erde spielt, sondern auf einer entlegenen, den ganzen Mann fordernden Kolonialwelt.
Während „Mit den Augen des Mörders“ ein 2002 veröffentlichter Fanroman gewesen ist, der inhaltlich sich teilweise sehr nahe an Kathryn Bigelows brillanten Streifen „Strange Days“ heranwagte, hat Michael Marcus Thurner dem Szenario ausreichend Speck hinzugefügt, um auf einem stilistisch positiv zurückhaltenden Niveau solide zu unterhalten.

Der Plot spielt Ende des 13. Jahrhunderts neuer galaktischer Zeitrechnung, als sich die Unsterblichen enttäuscht durch die nationalistischen Strömungen in der Milchstraße zurückgezogen haben. Der Roman beginnt mit dem brutalen wie sadistischen Mord an einem Mann. Erst später erfährt der Leser, dass es sich um einen Agenten des terranischen Liga- Dienstes Otmar Leo gehandelt hat. Sein Freund – auf Seite 16 sogar Lebensgefährte! – Stendal Navajo ist seit einiger Zeit nicht mehr an der Front im aktiven Dienst, aber die brutale Tat drängt ihn, auf eigene Faust auf der entfernten Kolonialwelt zu ermitteln, während seine Vorgesetzte Gia de Moleon keine Spezialisten abstellen möchte, die an den anderen zahlreichen Brandherden des Galaxis benötigt werden.

Michael Marcus Thurner folgt bei seinem Roman – sowohl der „Fan- Edition“ Version als auch dem hier vorliegenden Taschenheft – dem klassischen Schnüfflerszenario eines einzelnen Mannes in einer ihm grundsätzlich fremden Welt. Vor zweitausend Jahren ist Tryops besiedelt worden und etwas aufgesetzt zürnen die Nachkommen immer noch den ersten Siedlern, die sich eine unwirtliche fast lebensfeindliche Welt ausgesucht haben. Vergleicht der Leser allerdings die Beschreibungen Thurners mit einer Reihe anderer Extremwelten des Rhodanuniversums, wirken diese in erster Linie verbalen Exzesse wie mancher Dialog aufgesetzt und die Seiten füllend.

Mit Stendal Navajo dringt ein typischer Außenseiter in diese im Grunde isolierte Gesellschaft ein, der sich schnell eine Reihe von Feinden macht. Diese überwachen jeden seiner Schritte und sind sich nicht zu schade, ihn mit der malträtierten Leiche eines seiner Informanten zu schockieren. Gleichzeitig erfährt Navajo mehr über einen pervertierten Ableger des Simusense Netzes, in dem die Teilnehmer sich nicht nur in andere Bewußtseine virtuell versetzen lassen können, sondern – inzwischen eine eher antiquierte Idee – live an Morden, Vergewaltigungen und anderen Straftaten teilnehmen. Natürlich legt Navajo mit seinen fortgesetzten Ermittlungen in der eher archaisch erscheinenden, stark an die Erde in näherer Zukunft erinnernden Gesellschaft einen ganzen Sumpf von Verbrechen offen. Michael Marcus Thurner variiert zwar das Tempo seines Romans, der eigentliche Plot verläuft aber eher wie auf Schienen und bürgt zu wenige wirkliche Überraschungen in sich. Insbesondere Stendal Navajo kann sich an den Einfluss und die daraus resultierende Abhängigkeit der Menschen von den Monos erinnern, die mit ihrer virtuellen Realität den von Ihnen gefangenen Menschen Wohlstand, Frieden und Überfluss vorgegaukelt haben. Dass auf der entfernten Kolonialwelt im Kleinen ein ähnliches Experiment vollzogen werden soll, schockiert Navajo, auch wenn dessen Umfeld ihm immer wieder vermittelt, das die körperlich anstrengende, die Lebenserwartung drastisch reduzierende Arbeit die Menschen förmlich in diese Traumwelten treibt. In Person seines ermittelnden Alter Egos versucht Michael Marcus Thurner zuerst vor der Abhängigkeit vor diesen virtuellen Welten zu warnen. Dabei schießt der Autor fast ein wenig über das Ziel hinaus, denn als modernste „Fernsehalternative“ ginge dieser virtuelle Erfahrungsaustausch gut durch. Nicht jede Nutzung führt automatisch zur Sucht, wie Navajo am eigenen Intellekt ausprobiert. Hier winkt der Autor ein wenig zu dramatisch mit dem warnenden Zeigefinger, wobei die Isolierung von gewalttätigen Exzessen - von einer anscheinend sanktionierten Unterfirma womöglich sogar kostenlos angeboten – und damit einhergehend der Verbot dieser Straftaten nicht entschlossen genug herausgestellt wird.
Der Aufbau des Romans mit kursiv gedruckten Zwischenkapiteln – in denen der anscheinend übergeschnappte Täter weitere Opfer im wahrsten Sinne des Wortes sadistisch hinrichtet – lässt spannungstechnisch zu wenige Fragen offen. Das Oswald Leo kein zufälliges Opfer eines Massenmörders geworden ist, steht für alle außer seiner direkten Vorgesetzten fest. Wenn man bedenkt, wie paranoid sowohl die LFT als auch die USO auf tödliche „Unfälle“ ihrer Agenten reagieren, wirkt de Moleons Argumentation wie manch andere Passage ausgesprochen konstruiert. Navajo wird ein wenig durch die Siedlungen getrieben, bevor er sich durch einen Zufall auf den Landsitz eines der wenigen Menschen begibt, die ihm nicht nur sympathisch sind, sondern vor allem auf der wissenschaftlichen Ebene bei seinen Ermittlungen helfen können. Der Auftakt des Buches ist nicht sonderlich rasant, aber zumindest Zufrieden stellend. In der zweiten Hälfte des Romans greift Michael Marcus Thurner auf einige arg konstruierte Wendungen wie die von einem außerordentlichen Preis begleiteten Hinweise Theodoras zurück. Das am Ende nur noch zwei Verdächtige übrig bleiben, minimiert die Spannung, zumal Thurner alle Anzeichen in eine einzige Richtung deuten lässt. Das Ende des Romans stammt aus den modernen Thrillern, in denen der eigentliche Feind immer derjenige ist, der dem Protagonisten am Nächsten gekommen ist.
Der Prolog ist dann eine klassische Lehrstunde in Macht und Machtausübung, wobei einige Punkte überraschen. Es gibt kein wirkliches Motiv, den Täter so lange auf einem Außenplaneten am Leben zu erhalten. Hätte Thurner zumindest impliziert, dass er wegen seiner einzigartigen Fähigkeiten quasi auf dieser abgeschiedenen Welt trotz seiner Brutalität und seiner Serienmorde bis zum nächsten Einsatz geparkt worden ist, wäre alles plausibler erschienen. Hätte man den Killer rechtzeitig vor Navajos Eintreffen eliminiert, hätte es keine Chance gegeben, den zu dunklen Machenschaften auf der höheren Ebenen der LFT auf die Spur zu kommen. Zumindest beendet Thurner seinen Roman nicht mit einem kitschigen Happy End oder einer heroischen Kurzschlusssituation.

Die Zeichnung der Charaktere ist dagegen solide bis überdurchschnittlich. Navajo Stendal ist eine zugängliche Persönlichkeit mit Ecken und Kanten, aber kein typisch zynischer Schnüffler oder Superheld. Nicht selten ist es der sprichwörtliche Zufall, der ihn aus einer unangenehmen Situation rettet. Über weite Strecken des Romans verzichtet Michael Marcus Thurner auf überdrehte Antagonisten, wobei der psychopatische Massenmörder alle Klischees dieses Subgenres in sich vereinigt. Ein wenig überzogen versucht Michael Marcus Thurner das Portrait einer wirklich archaischen Kolonie zu zeichnen, wobei – viele der Arbeiter leben von der Weinernte, mit knapp dreißig Litern produzierten Weines kommen sie gerade über die Runden – manchmal das Gefühl aufkommt, als beschreibe Thurner eher die österreichische Heimat auf eine fremde Welt versetzt als eine sich auf einer unwirtlichen Welten entwickelnde Kolonie. Zu distanziert, zu stoisch schweigsam sind die Nebenfiguren und die wenigen Versuche, mittels Bestechung – man kauft einfach eine Flasche des besten Weines zu überhöhten, aber nicht unverschämten Preisen – an Informationen zu kommen wirken rückblickend eher notwendig denn überzeugend herausgearbeitet. „Der Killer von Terra“ – der Titel ist zu plakativ, während „Mit den Augen des Mörders“ auf eine der grundlegenden Ideen des Plots den Leser zu früh aufmerksam macht – ist ein solider Unterhaltungsroman, der eine Reihe von Michael Marcus Thurners Stärken unterstreicht. Im Gegensatz zu seinen eher oberflächlich bis undiszipliniert geschriebenen nur wegen der exotischen Hintergründe interessanten Einzelromanen im Heyne Verlag präsentiert der Autor keine wirklich originelle oder vielschichtige Idee, aber zumindest eine lesenswerte Variation auf bodenständigeren Niveau eines der nicht ganz unumstrittenen Perry Rhodan Zyklen. Stilistisch hält sich Michael Marcus Thurner erfreulich zurück und konzentriert sich darauf, die im Vergleich zur ursprünglichen Fassung gut erweiterte Geschichte stringent zu erzählen.


Michael Marcus Thurner: "Der Killer von Terra"
Roman, Softcover, 161 Seiten
Pabel Verlag 2011

Weitere Bücher von Michael Marcus Thurner:
 - Ara-Toxin 6: Der Unlichtplanet
 - Coco Zamis 33- Töte Dorian Hunter
 - Die Plasmawelt
 - Maddrax 26: Der Truveer von Neu´oleens
 - Maddrax Band 235 - Auf dem sechsten Kontinent
 - Perry Rhodan 2290: Daellians Kampf
 - Perry Rhodan 5: Schule der Mutanten
 - Perry Rhodan Action 25 - Mutantensterben
 - Perry Rhodan Neo 11 - Schlacht um Ferrol
 - Perry Rhodan Neo 11: Schlacht um Ferrol
 - Perry Rhodan Neo 5 - Schule der Mutanten
 - PR Neo 39- Der König von Chittagong

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