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Perry Rhodan



Norbert Mertens

Geleitzug nach Andromeda

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Geheimoperation Onager“ legten Ideengeber Kurt Kobler und Autor Norbert Mertens das erste Fanprojekt in diesem Fall zum „Negasphären“ Zyklus vor. Zum fünfzigsten Geburtstag der „Perry Rhodan“ Serie legen Kurt Kobler und Norbert Mertens mit „Geleitzug nach Andromeda“ eine den populärsten Zyklus der ganzen Serie – „Meister der Insel“ - begleitenden Roman vor. Michael Fey fügt dem Roman eine farbige im DIN A3 gefertigte Risszeichnung eines Kugelraumers bei, Raimund Peter hat den Text mit einigen teilweise allerdings sehr stark nach Computerzeichnungen ausschauenden Graphiken illustriert. Das ist sein umlaufendes farbiges Titelbild ein echter Augenfang.

Die grundlegende Idee der Versorgung der Truppen Rhodans bei ihrem Vorstoß in Andromeda – in der Serie nicht gestreift – ist nicht schlecht. Sie ermöglicht es Kurt Kobler und Norbert Mertens, eigenständige Geschichten zu erzählen. Dabei hätte die Prämisse für mehr als den vorliegenden Roman ausgereicht. Von der logistischen Seite lehnen sie sich eng an das im Zweiten Weltkrieg bewährte Konvoikonzept – der Konvoi ist nur so schnell wie das langsamste Schiff – an, dessen Prämie „Kampfstern Galactica“ zu den Sternen getragen hat. Es ist allerdings schade, das diese Ausgangsformel im Verlaufe der Abenteuer nur eine untergeordnete Rolle spielt. So wird viel Handlungsspielraum verschenkt. Anstatt mehrere aufeinander aufbauende Geschichten um den Geleitzug zu schreiben, überschlagen sich die ab einem bestimmten Punkt leider auch ein wenig vorhersehbaren Ereignisse auf den letzten Seite, nachdem Norbert Mertens im Vergleich zur Gesamthandlung allerdings sehr viel Zeit benötigt hat, um die grundlegende Idee des Vorstoßes zu etablieren, die einzelnen relevanten Protagonisten in die entsprechenden Positionen zu schieben und die Expedition beginnen zu lassen. Der ganze Roman wird ein wenig unrund, die einzelnen Komponenten zu wenig ausbalanciert. Um es noch einmal hervorzuheben, die Ausgangsidee ist wirklich gut und die Leser werden schnell in die goldene Zeit – der sich die „Perry Rhodan“ Serie nach ihrem pazifistischen Exkurs mit gewaltigen Raumschlachten ja wieder nähert – zurücktransportiert. Aber die Charaktere und die Prämisse hätten für mehr als einen Roman ausgereicht.

Abgesehen von einigen offensichtlichen – so wird Major Anson Tesker in der Vergangenheitsebene von den beruflichen wie privat unzertrennlichen Freunden William Voltsch, Carl H. Scheer und Clark Darlt gerettet – bis schwer zu entschlüsselnden Anspielungen konzentriert sich Norbert Mertens auf im Serienkontext realistische Figuren. Major Anson Tesker hat bei einem Einsatz ein Bein verloren. Obwohl er eine voll funktionsfähige Beinprothese trägt, füllt er sich nicht mehr als richtiger Soldat bzw. impliziert Mann. Als die militärische Führung die Zusammenstellung eines Versorgungskonvois nach Andromeda plant, ist er aufgrund seiner Erfahrung und seiner Verfügbarkeit als Offizier – er hat selbst den aktiven Dienst quittiert – der einzige potentielle Kandidat für das Flagschiff der Flotte. Norbert Mertens versucht die Figur über seine Erlebnisse in der Vergangenheit zu charakterisieren, allerdings wirkt Anson Tesker über weite Strecken des Plots zu distanziert, zu selbstmitleidig und vor allem stellenweise ein wenig zu arrogant. Die Mischung stimmt nicht. Von seinen Untergebenen – sowohl in der Vergangenheit als auch Gegenwart – nicht zuletzt aufgrund einer spektakulären Rettungsaktion, bei der seine Behinderung offensichtlich wird, ihn aber nicht einschränkt bewundert, hat der Leser niemals wirklich das Gefühl, als wenn unter seinem Kommando etwas schief gehen könnte. Über mehrere Romane mit kleinen Abenteuern, Unternehmungen und Herausforderungen hätte Norbert Mertens die Figur dreidimensionaler und zugänglicher oder konsequent distanzierter entwickeln können. So bleibt manches zu ambivalent, als das Major Anson Tesker wirklich nachhaltig überzeugen kann. Noch schwieriger ist das Verhältnis des Lesers zu Admiral a.D. Jason Colworth. Er hat das Potential zum einsamen Wolf, wirkt aber teilweise zu eindimensional, zu sehr auf die konsequente „Pointe“ hin konstruiert. Da die Figur nicht ganz entwickelt ist, können die letzten Sequenzen ihr durchaus vorhandenes Potential nicht gänzlich ausschöpfen.
Die interessanteste Figur des ganzen Romans ist der auf der Erde gestrandete Lebenskünstler Andur da Calbur, der sich neben dem Handel mit eher inoffiziellen und geheimen Informationen als Ingenieur und Hobbyhistoriker verdient. Die Figur ist derartig vielschichtig und ambivalent angelehnt, das er entweder Held oder Verräter, Retter und Täter sein kann. Er muss sich nicht nur das Vertrauen der Terraner und später seiner Kameraden erarbeiten, seine Motivation ist von Norbert Mertens so vielschichtig herausgearbeitet, das der Leser jeden Augenblick einen Verrat vermutet.
Als Identifikationsfigur und Opfer eines laufenden Gags ist der Flottenkadett Claude Desseau der Protagonistenriege hinzugefügt worden. Er stellt nicht selten die Fragen, die auch dem Leser auf den Lippen brennen. Sein Verhältnis zu einer schönen Akonin, die ihn sich als Gespielen auf ihrer Welt durchaus vorstellen kann, durchzieht den Roman ab dem Auftreten der Akonen wie ein lustiger roter Faden, ohne das dieser Witz seine Halbwertzeit überschreitet. Aus den an Bord genommenen Akonen hätte man allerdings mehr machen können und vielleicht sogar müssen. Sie hätten bei einer laufenden Serie zumindest für einen Handlungsstrang ausgereicht.
Die grundlegende Idee, das die Mühlen insbesondere der terranischen Kriegsbürokratie etwas falsch archivieren können, ist auf der einen Seite interessant etabliert, auf der anderen Seite wirkt sie auch ein wenig konstruiert. Unabhängig von ihrer Glaubwürdigkeit ermöglicht diese Prämisse dem Konvoi eine signifikante Chance, nach Andromeda vorzustoßen.
Wie schon angesprochen nimmt die Planung der Expedition rückblickend mehr Raum als der eigentliche Flug. Hier gelingen Kurt Kobler und Norbert Mertens dank des Einsatzes dem Leser bekannter Rassen – die Tefroder seien herausgestellt – sowie die Nutzung der Scheer´schen Technologie, die auch fünfundvierzig Jahren nach ihrer Premiere immer noch beeindruckt, eine Reihe von packender Szenen, die unterstreichen, das Norbert Mertens unabhängig von der Entwicklung überzeugender Figuren ein solider bis teilweise inspirierter Autor ist. Im Gesamtkontext werden sie allerdings zu schnell und zu stringent abgehandelt. Einige Hindernisse mehr; einige unglückliche Zufälle, welche die bisherigen Pläne ad absurdum führen und die berühmte berüchtigte Improvisation der Terraner notwendig machen, hätten dem ganzen Plot sehr gut getan. In den kritischen Situationen erweisen sich de Calbur als treibende Kraft im Hintergrund, die sich sehr gut in die Mannschaftsreihen integriert hat sowie insbesondere Anson Tesker als Figuren, die nicht nur mit ihren Aufgaben wachsen, sondern insbesondere was Tesker angeht ihre Neurosen hinter sich lassen und die Verantwortung stemmen, für die sie teilweise ein Leben lang ausgebildet worden sind.
Zusammengefasst ist „Geleitzug nach Andromeda“ unabhängig von den kleinen, insbesondere für ein derartig gut präsentiertes Fanprojekt zu verzeihenden Schwächen, solide Unterhaltung. Stilistisch arbeitet sich Norbert Mertens nach anfänglich einigen gestelzt erscheinenden Dialogen sehr gut in die Handlung ein. Am Ende des stringenten Romans hält er während des packend geschriebenen Showdowns die Spannung hoch und katapultiert viele Leser in die Zeit zurück, in der sie die Auseinandersetzung mit den „Meistern der Insel“ auf Augenhöhe verfolgt haben. Kurt Kobler und Norbert Mertens kennen sich in dem Zyklus sehr gut aus und integrieren in die laufende Handlung immer wieder entsprechende Querverweise auf die eigentliche Geschehen während dieser Phase der „Perry Rhodan“ Serie.
Die sehr gelungene Risszeichnung Raimund Peters rundet ein interessantes Fanprojekt auf dem sehr hohen, wie bekannten Niveau des TCEs ab, aus dem ohne Probleme ein Miniserie – vielleicht sogar mit unterschiedlichen Autoren – hätte entstehen können, wenn nicht sogar angesichts des Potentials hätte entstehen müssen.

Norbert Mertens: "Geleitzug nach Andromeda"
Roman, Softcover, 144 Seiten
TCE 2011

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