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Nachrufe



Nachruf auf Mark Brandis alias Nikolai von Michalewsky

Mark Brandis ist gestorben

von Ralf ┬╗Searge┬ź Pappers

Nikolai von Michalewsky alias Mark Brandis war in den letzten Jahrzehnten einer der geachtetsten und bekanntesten deutschen SF-Autoren. Gleichzeitig wird er wohl f├╝r viele nur ein Name hinter einer Buchserie sein, zu dem sie aber mit der Zeit eine ganz besondere, innige Beziehung aufgebaut haben.

Am 27. Dezember 2000 verstarb Nikolai von Michalewsky unerwartet im Alter von 69 Jahren. SF-Radio Redakteur Ralf Pappers schildert in einem gleichwohl pers├Ânlichen wie ergreifenden Nachruf, was der Autor und sein Tod f├╝r ihn bedeutet.


Meine erste Begegnung mit der SF fand in den 60er Jahren statt. Eigentlich war ich knallharter Western-Fan und liebte die damaligen Western ├╝ber alles. Wenn ich heute zur├╝ckblicke, dann ist eigentlich ganz klar, da├č ich nur den Sattel und die Pistole im Holster wechselte. Aus dem treuen Vierbeiner wurde einfach der gro├če Pilotensessel eines Raumschiffes und aus dem "Peacemaker" eine Strahlenwaffe. Denn ich mu├č zugeben, ich bin ein absoluter Space Opera-Freund.

Aber daneben existierte auch SF, die sehr nahe an der Realit├Ąt lag, und das lag daran, da├č ein Autor es verstand, spannende Geschichten zu erz├Ąhlen. Und er machte dies im Grunde wie auch Karl May. Er schrieb Reiseabenteuer in der Ich-Form. Sein Name war Mark Brandis. Lange Jahre wu├čte fast niemand, wer dieser Mark Brandis eigentlich war. Nur ein kurzer Klappentext auf einem seiner Jugendb├╝cher aus den 60er Jahren gab sp├Ąrlich Auskunft.

"Nikolai von Michalewsky wurde 1931 in Dahleitz, im Kreis Teltow, geboren. Sein bisheriges Leben verlief abenteuerlich genug. Nach der W├Ąhrungsreform verlie├č er notgedrungen die Schule, um Geld zu verdienen. Er wurde Hafenarbeiter, Reporter, Industriepolizist, sah sich in Afrika um und arbeitete auf einer Kaffeeplantage. Dabei verlor er nie sein Ziel, Schriftsteller zu werden, aus den Augen. Tats├Ąchlich machten ihm seine mitrei├čend geschriebenen Jugendb├╝cher, seine Romane und H├Ârfolgen, fast ├╝ber Nacht bekannt, und er konnte also bei diesem Beruf bleiben. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Seine Hobbys sind Segeln und Tauchen, au├čerdem liebt er es, schnelle Wagen zu fahren."

In der Mark Brandis Reihe, erfuhr man erst 1982 etwas ├╝ber den Autoren. In damals erschienen einzigen Taschenbuch "Testbuch", wurde ein Brief des Herder-Verlages an einen Leser ver├Âffentlicht. Ein Name wurde hier aber nicht genannt, und so tappte der geneigte Leser auch weiterhin im Dunkeln.

Aber wer h├Ątte damals gedacht, da├č dieser Mann auch der heldenhafte Mark Brandis w├Ąre, der seine Raumschiffe wie eine Segeljacht steuerte und befehligte. Heute wei├č ich, da├č genau dies zutrifft, denn sein Steckenpferd war immer schon das Segeln. Und das war auch ein Grund, wie er mir erz├Ąhlte, weswegen es auf "seinen" Schiffen auch immer einen Koch, aber niemals einen Arzt gab. "Man mu├č was zu bei├čen haben, wenn man unterwegs ist. Kleinere Wehwehchen steckt man weg, oder sie werden vom Koch kuriert." Ja so war er, kurz, knapp und manchmal auch ein bi├čchen bissig.

Er baute ein eigenes Universum auf, in dem es auf der Welt nur noch zwei gro├če Machtbl├Âcke gab. Die EAAU (Europ├Ąisch-Amerkanisch-Afrikanische Union) und die VOR (Vereinigte Orientalische Republik). Mark Brandis stammte nat├╝rlich aus der EAAU und die Hauptstadt, in der er lebte, war eine in das Meer gebaute k├╝nstliche Stadt, Metropolis.

Von 1970 bis 1987 erschienen regelm├Ą├čig seine B├╝cher im Herder Verlag. Mit wundersch├Ânen Schwarz-Wei├č-Zeichnungen von Robert Andr├ę. Angefangen hatte er im Jahre 2069 als Pilot im B├╝rgerkrieg und endete als Leiter der UGzRS (Unabh├Ąngigen Gesellschaft zur Rettung Schiffbr├╝chiger) im Jahre 2092. Dazwischen lagen glanzvolle Perlen der SF-Literatur. Von der B├╝rgerkriegs-Reihe, mit ihrem Anfang in "Bordbuch Delta VII", ├╝ber die "Testakte Kolibri", in der er als Leiter einer Testreihe von neuen Raumschiffmodellen verzweifelt gegen Sabotage k├Ąmpfte. Bis hin zu "Die lautlose Bombe", in der er, zusammen mit seinem b├Ąrenstarken, sibirischen Navigator Lieutenant Stroganow, in einem SF-Krimi einem wahnsinnigen Wissenschaftler ausfindig machen mu├č, um den Untergang der Welt durch eine unvorstellbare Seuche zu verhindern. Wo viel Licht ist, ist nat├╝rlich auch Schatten. Und so sind seine B├╝cher, die in den 70er Jahren die Wirtschaftskriesen behandelten, wohl mit die schlechtesten der Abenteuer. Zum Ende der Serie kam er wieder auf den Ursprung seiner Geschichten zur├╝ck. Denn in den letzten beiden B├Ąnden brandet wieder B├╝rgerkrieg in der EAAU auf.

Dann ist es pl├Âtzlich sehr lange still um Mark Brandis. Und erst 1998 tritt er das erste mal ├Âffentlich im SF-Rahmen auf, auf den 10.SF-Tagen NRW in Dortmund. Ich komme extra einen Tag sp├Ąter ein weiteres Mal dorthin, um mir ein Autogramm in eines seiner B├╝cher schreiben zu lassen. Er krakelt, setzt ab und entschuldigt sich, bis gestern w├Ąre seine Hand noch gel├Ąhmt gewesen. Auch 1999 kommt er vielumjubelt zur Trinity und bekommt dort den Deutschen Phantastik Award 1999 verliehen. Er erz├Ąhlt mir, in einem gem├╝tlichen Kaffeeplausch, von seinen Pl├Ąnen, Mark Brandis wieder auferstehen zu lassen, und ich bin nat├╝rlich hin und weg. Und er macht seine Worte wahr. Im Juli 2000 erscheint sein neuestes Buch "Ambivalente Zone". Mark Brandis ist "erwachsen" geworden. Wie er denn auf den Namen Mark Brandis gekommen sei, frage ich ihn nat├╝rlich. "Ich komme aus der Mark Brandenburg!" ist seine knappe Antwort.

Und dann lese ich pl├Âtzlich, dass Nikolai von Michalewsky gestorben ist. Anscheinend sehr pl├Âtzlich und unerwartet, denn Michael Plogmann vom Storisende Verlag, hat Anfang Dezember noch mit ihm telefoniert, wie er mir mitteilte.

Ich bin sprachlos und auch traurig. Ein gewisses Gef├╝hl von Verg├Ąnglichkeit schleicht sich in meine Gedanken. Ein Hauch von Schwermut! Denn Mark Brandis ist ein fester Bestandteil meiner gl├╝cklichen Kindheit, genauso wie Raumpatrouille und Raumschiff Enterprise. Und davon ist nun wieder ein Teil f├╝r immer verschwunden und nur in den Gedanken derer, die sich seiner und seiner Geschichten erinnern, wird er weiter leben.