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Mystery (diverse)



Alisha Bionda

Dark Ladies II

rezensiert von Thomas Harbach

Die Resonanz auf den Aufruf, über die „Dark Ladies“ nach den Bildern der Künstlerin Gaby Hylla zu schreiben, ist mit ansprechenden Kurzgeschichten so groß gewesen, dass sich die Herausgeberin Alisha Bionda und schließlich die Verlegerin Uschi Zietsch entschlossen haben, zwei Taschenbücher gleichzeitig herauszugeben. Im zweiten Band der „Dark Ladies“ sind insgesamt fünfzehn Geschichten vertreten. Als einzige Autorin findet der Leser zwei thematisch sehr unterschiedliche Kurzgeschichten von Barbara Büchner in jedem der beiden Bände. Sowohl das Seitenlayout als auch die sehr ansprechende Titelbildgestaltung inklusiv der farbigen Wiedergabe weiterer Arbeiten Gaby Hyllas in den Klappumschlägen entspricht dem Niveau des ersten Bandes. Das thematische Spektrum ist ebenso breit, auch wenn im Ganzen gesehen die Qualität der Geschichten ein weniger schwächer, die Themen deutlich weniger provozierend und der Aufbau der Texte ein wenig simpler ist.


Fran Henz eröffnet die Sammlung mit „Rudelkämpfe“. Ein Volk der Gestaltwandler hat sich in archaischen Zeiten mit dem Frauenraub und der entsprechenden Vergewaltigung/ Zeugung fortgepflanzt. Geleitet wird der Stammvater zusammen mit seinen zwei eher schwächlichen Söhnen von den Weissagungen einer Seherin. Diese möchte auf ein gegebenes Versprechen dringend fortziehen, was den Anführer des Stammes in die Enge treibt. Mit Aggression versucht er sein eigenes Sehervolk zu zeugen und ahnt nicht, dass er dabei in einer perfide Falle läuft. Die Geschichte beginnt in dunklen, intensiven Bildern. Mit kurzen, präzisen Hinweisen stellt die Autorin den Hintergrund des Rudels vor. Der Plot selbst offeriert zwar eine Reihe von Windungen, die Auflösung selbst ist nicht ganz schlüssig und wirkt ein wenig konstruiert. Anscheinend hätte die Seherin diesen risikoreichen Umfang gar nicht gehen müssen. Aber zusammengefasst ein gut geschriebener Auftakt. Jennifer Schreiner greift mit „Was die Lieder nicht verraten“ tief in die griechische Mythologie. Ein junger extrovertierter Künstler wird immer besessener von seiner hübschen Muse, bis er auf einer Reise zu den angeblichen Wurzeln seiner mythologischen Vorfahren nicht mehr zwischen Realität und Wahnsinn unterscheiden kann. Stilistisch wirkt die kleine Geschichte fast überambitioniert. Anstatt manche Passagen direkt zu erzählen, versucht die Autorin sie mit Querhinweisen und opulenten Beschreibungen noch weiter als unbedingt notwendig auszuschmücken. Der Plot ist rudimentär und das Ende vorhersehbar. Allerdings gelingt es Jennifer Schreiner, eine surreale Atmosphäre zu erschaffen. Was dem Text aber vor allem fehlt, ist eine notwendige Beziehung zwischen dem Protagonisten und dem Leser. Die Auflösung des Plots berührt den Leser nicht sonderlich, zu fremd und distanziert ist ihm die Figur geblieben. Jennifer Schreiner hat ein bisschen zu viel auf die sicherlich künstlerisch ambitionierte Form und zu wenig auf das Herz geachtet.

Sowohl Rainer Innreiters “… und führe mich nicht in Versuchung” als auch Barbara Büchner “Die Schrecken der Stille” sind weniger Kurzgeschichten als markante Impressionen. Während es in der ersten Kurzgeschichte um ein unstillbares Verlangen geht, beschreibt Barbara Büchner in ihrem kurzen Text die Gefühle einer masochistisch veranlagten Sklavin, die am Ende erkennen muss, das die ihr bereiteten Qualen in Wirklichkeit eine ganz andere, sehr viel dunklere Ursache haben. Die beiden im Grunde unvollständigen Geschichten sind gut, ambitioniert geschrieben und geben die jeweiligen Emotionen zufrieden stellend bis gut wieder. Aber sie entsprechen mehr einer nachvollziehbaren Interpretation der ihnen zugrunde liegenden Bilder von Gaby Hylla als einer eigenständigen Geschichte. Vor allem Barbara Büchner hat mit ihrer markanten Kurzgeschichte in der ersten “Dark Ladies” Anthologie unterstrichen, das sie die Würze der Kürze mit einem ansprechenden, provokanten Plot verbinden kann.

Einer klassischen Vampirin begegnet der Leser in Tanya Carpenters “Desmodia” Wie fast alle anderen Geschichten dieser Sammlung stilistisch ansprechend erzählt ist der Plot leider allzu sehr vorhersehbar. Tanya Carpenter konzentriert sich fast krampfhaft auf die wenigen Charaktere - drei um genau zu sein - ihrer Geschichte sowie das Umfeld, als das sie wirklich eine überzeugende und hinsichtlich ihrer möglichen Tragik auch gut ausbalancierte Story erzählt. Noch schwächer ist Arthur Gordon Wolfs “Das Fest der grauen Mondin.” Die grundlegende Idee ist inzwischen wirklich in allen möglichen Varianten ausprobiert worden. Dem Text fehlt entweder der satirische Humor oder handlungstechnisch etwas Außerordentliches, um diese inhaltliche Leere auszugleichen. Während sich der Leser zumindest mit Carpenters traurig erotischer Vampirin identifizieren kann, fehlt hier jeglicher Bezug zwischen dem Protagonisten und dem Leser. Auch die ausführliche Beschreibung der virtuellen Spielwelt kann die Geschichte leider nicht retten.



Monika Wunderlichs „Tabea“ und Dave T. Morgans „Shadoir“ sind zwei unterschiedliche Geschichten mit einem ähnlichen Tenor. In beiden Texten geht es um die Faszination der Legenden. In der zweiten Kurzgeschichte um die Faszination des Hörensagens, in der Ersten im Rahmen eines Grusel/ Horrorgeschichtenwettbewerbs – ein etwas unglücklicher Auftakt – um das vorgetragene Wort. Während die Pointe von Monikae Wunderlichs Geschichte sehr weit im Vorwege erkennbar ist und sie im Plot um das eifersüchtige Waisenkind in einem Haushalt mit vier bevorzugten Brüdern keine neuen Impulse setzen kann, konzentriert sich Dave T. Morgan mehr auf eine sinnliche Atmosphäre seines Textes. Eine stringente Handlung ist kaum vorhanden, das Geschehen läuft ohne wirkliche Überraschungen dank der lesenswerten Beschreibungen kurzweilig ab. Beide Geschichten lesen sich flüssig, überzeugen aber hinsichtlich inhaltlicher Originalität leider kaum. Linda Budinger verbindet in ihrer Geschichte „Der Schleier des Vergessens“ Teile der Orpheus Saga mit einer klassischen Quest. Anfang und Ende des Textes sind ein wenig zu schwülstig geschrieben. Stimmungstechnisch trifft sie die ihre Story begleitende Zeichnung von Gaby Hylla gut. Der Leser wird in ihrer Fantasy- Welt mit einer Reihe von Begriffen/ Bezeichnungen konfrontiert, für welche sie im Vergleiche der Geschichte keine weiteren Erklärungen liefert. So muss der Leser einfach glauben, dass tollwütige Lanots gefährlich sind. Die Membele im Reich der Toten gestellten Aufgaben sind eher metaphorisch zu verstehen, runden aber die unterhaltsame Story zufrieden stellend ab.

„Geliebte des Winters“ von Guido Krain ist eine zumindest zu Beginn interessante Heroic Fantasy Geschichte. Die Protagonistin nimmt an einer wilden und obskuren Kriegerfeier teil, in deren Verlauf die Frauen mehr und mehr leicht bekleidet den Gelüsten der Krieger/ Männer/ Jünglinge anheim fallen. Auf dem Höhepunkt der Feier kündigt sich ominös Besuch an. Die Beschreibungen sind gut, Guido Krain bemüht sich, eine archaische Atmosphäre zu entwickeln. Leider fehlt wie bei vielen Geschichten dieser Anthologie der Zugang zu der Protagonistin. Das nimmt der Pointe ein wenig die Effektivität. Robin Gates „Schlangenblut“ schildert die direkte Konfrontation zweier ungewöhnlicher Frauen. Zu Beginn wird eine besondere Profikillerin ausgeschickt, eine scheinbar schutzlose ältere Frau zu ermorden. Der Auftrag erweist sich für sie als eine Reihe von Tests, an deren Ende sie eine neue Meisterin kennen lernen wird. Robin Gates Geschichte ist stilistisch adäquat, geradlinig und vor allem sehr bodenständig beschrieben. Mit kurzen pointierten Anmerkungen schenkt der Autor seinen beiden Antiheldinnen entsprechende Hintergründe. Die eigentliche Konfrontation überrascht mit einigen interessanten und originellen Wendungen. Obwohl plottechnisch angelegt sicherlich keine der besten Storys dieser Sammlung überrascht die Ideenvielfalt genauso positiv wie die erfolgreich umgesetzten Ambitionen des Autoren, aus bekannten Elementen etwas Neues, etwas Originelles zu machen.

Dagegen ist Christoph Marzis Geschichte „Epiphany“ eine wunderschön zu lesende Wundertüte, welche in der Mitte ihrer nicht langen Verweildauer den Mut hat, den Plot im Grunde noch einmal auf den Kopf zu stellen. Die Protagonistin Epiphany ist eine nicht mehr ganz junge Frau, die sich um ihre schwer kranke Mutter kümmert und tagsüber im Supermarkt an der Kasse arbeitet. Aber sie hat auch eine eigene Vergangenheit, die urplötzlich ein letztes Mal lebendig wird. Mit einfachsten, aber unglaublich effektiven Mitteln stellt Marzi dem Leser diese öde, langweilige und von schweren Schicksalsschlägen geprägte Welt vor, um dann urplötzlich Themen/ Ideen aus George R.R. Martins „Wild Cards“ Serie oder Kurt Busieks „Astro City“ mit dem richtigen Gespür für eine gelungene Mischung aus Hommage, Melancholie und zumindest vordergründig grotesker Action anzusteuern. „Epiphany“ ist eine der besten Geschichten dieses zweiten Anthologiebandes. Nicht nur wegen der Themen, die angesprochen werden, sondern vor allem aufgrund der Art, in welcher Marzi diese im Grunde allgegenwärtigen Probleme anspricht und für einen letzten Augenblick zeigt, das Mut, Entschlossenheit, Opferbereitschaft und Optimismus auch heute noch bewundernswerte Tugenden sein müssen. Christophe Marzi hat die folgende Geschichte „Das Geschenk“ der Musikerin/ Komponistin Aino Laos ins Deutsche übersetzt. Zu Beginn beschreibt sie das schwere Schicksal eines jungen Mädchens, das an den Rollstuhl gefesselt ist. Eine konträre Ausgangsposition zu Marzis eigener Geschichte. Sie will nicht auf die ständige, fast erdrückende Hilfe ihrer Mutter angewiesen sein. Durch einen zufälligen Fund öffnet sich das Tor zu einem leider rückblickend eher zweifelhaften Ausweg. Aino Laos legt sehr viel Wert, ihre Protagonistin zu charakterisieren und eine Sympathieebene zum Leser aufzubauen. Das gelingt in den ersten Szenen sehr gut, wirkt aber im Mittelteil der Geschichte ein wenig zu bemüht und zu sperrig. Das Ende ist hinsichtlich der Mischung aus Magie und Nihilismus gut konzipiert, manipuliert allerdings auch spürbar den Leser. Die zu Beginn der Story so sorgfältige gezeichnete Figur geht im Geschehen unter, ohne das der Leser wirklich „Abschiedsschmerzen“ empfindet. Zusammengefasst ist „Das Geschenk“ aber eine der besseren Texte dieser Sammlung, da die Pointe in dieser Form nicht gleich erkennbar gewesen ist.

Sowohl in Desiree und Frank Hoeses „Deine Nacht soll niemals enden“ als auch „Nagual“ von Harald Bream geht es um sehr unterschiedliche Reisen zwar auch in verschiedenen Ländern unseres Planeten. Beide Texte leben von der Neugierde des Lesers, welchen Herausforderungen die Protagonisten sich stellen müssen. Die Figuren sind überzeugend gezeichnet, die Schauplätze entsprechend exotisch und überzeugend. Nur am Ende von Harald Breams Text macht sich ein gewisses Gefühl der Leere breit. Irgendwie hat man etwas Mehr, etwas Herausforderndes erwartet. Desiree und Frank Hoese dagegen erzeugen eine dunkle, fast klaustrophobische Atmosphäre. Ihre sehr geradlinige Story überzeugt sowohl hinsichtlich der ihr innewohnenden Dynamik als auch der Pointe.

Ein kurzes Nachwort der Verlegerin sowie ausführliche Vorstellungen der Herausgeberin, der Künstlerin – beide stammen aus dem ersten Band – sowie aller Autoren runden die Anthologie technisch zufrieden stellend ab.

Wie schon mehrmals im Rahmen der Rezension angesprochen überzeugen eine Reihe der hier vorgestellten Geschichten – noch stärker als im ersten Band – nicht gänzlich. Sie wirken teilweise zu verkrampft und starr hinsichtlich der graphischen Vorlagen konstruiert und fordern nicht zufrieden stellend die morbide Phantasie der Leser heraus. Stilistisch befinden alle Storys auf einem erstaunlich hohen Niveau. Zusammen mit dem ersten Band „Dark Ladies“ handelt es sich aber trotz angesprochenen Schwächen und gerade wegen der außergewöhnlich guten Mischung aus dunkler Kunst sowie thematisch breit gefächerten Geschichten um ein interessantes Experiment.

Alisha Bionda: "Dark Ladies II"
Anthologie, Softcover, 256 Seiten
Fabylon Verlag 2009

ISBN 9-7839-2707-1261

Weitere Bücher von Alisha Bionda:
 - Der Himmelspfeifer

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