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Mystery (diverse)



Alisha Bionda( Hrgb.)

Dark Ladies

rezensiert von Thomas Harbach

Auf zwei handwerklich sehr schön gestaltete Paperbacks teilt Herausgeberin Alisha Bionda ihre “Dark Ladies” Anthologie auf. Gaby Hyllas 3D Graphiken im Internet – insbesondere der hier abgebildete Zyklus der Dark Ladies – hat Alisha Bionda inspiriert, eine entsprechende Anthologie zusammenzustellen. Unabhängig davon, dass aufgrund der zur Zeit laufenden weiblichen Vampirwelle das Thema immer neue Anhänger findet. Die Graphiken von Gaby Hyllas sind optisch gut strukturiert, aber wie vielen Computerzeichnungen – insbesondere von Menschen – wirken sie ein wenig zu distanziert, zu statisch. Immerhin soll es sich um „Vollblutfrauen“ handeln. Die Druckqualität ist gut. Die Zeichnungen sind in schwarzweiß. Im Internet wirken die Arbeiten in Farbe aber deutlich plastischer. Es empfiehlt sich, während der Lektüre der vorliegenden Anthologie immer wieder einmal die Galerien im World Wide Web zu besuchen. Aufmachungstechnisch ist dem Fabylon- Verlag allerdings ist trotz der kleinen Einschränkung eine optisch empfehlenswerte Präsentation gelungen. Der erste Band enthält passend zum dunklen Thema dreizehn sehr unterschiedliche Geschichten.

Martin Clauß eröffnet mit „Luzifers Schöpfung“ die Sammlung. Die Idee ist ambitioniert. Es gibt zwei Schöpfungsgeschichten, von denen die eine rückwärts läuft. Die Ich- Erzählerin wird quasi Zeuge des Zeitablaufes dieser spiegelverkehrten Geschichte. Erst am Ende des kurzweilig geschriebenen, handlungstechnisch ungemein komprimierten Textes wird für den Leser ersichtlich, dass die Ich- Erzählerin ein elementarer Bestandteil dieses Prozesses ist.


Eher im dunklen Kriminalmilieu siedelt Sabine Ludwigs ihren Text „Maclath“ an. Die Pointe dieser solide geschriebenen Geschichte ist vorhersehbar. Diese Schwäche wird aber durch die unheimliche, stellenweise surrealistische Atmosphäre ausgeglichen, welche die Autorin mit ihren sprachlichen Bildern erzeugt. Auch in „Stadttiere“ von Harald A. Weissen treffen Mythen auf Realismus. Das erste Drittel der Geschichte ist in einer eher schwachen Charles Bukowski Imitation gehalten. Der Ich- Erzähler schwelgt in Selbstmitleid und würde ohne die Begegnung mit dem seltsamen Geschichtenerzähler eher früher als später im Alkohol ertrinken. Dieser berichtet ihn von den Stadttieren, die aus den Exzessen eines römischen Feldherrn gezeugt worden sind. Bei den Details ist Weissen sehr expliziert. Auch wenn sich die Schockelemente in der zweiten Hälfte der Geschichte zu übertreffen suchen, wirkt der ganze Plot ein wenig zu statisch und das Ende ist zu früh zu erkennen. In erster Linie als „historische“ Leerstunde über das dekadente Roman interessant. Die Verbindung zwischen Realität und Mythen sich Martin Kay auch in „Der Kuss Walhallas“. Der von Todessehnsüchten geplagte Protagonist begegnet einem Engel, der ihn nach Walhalla bringen soll. Erst zu spät erkennt der Protagonist, dass jedem Menschen ein persönlicher Himmel, eine persönliche Hölle zugeordnet werden kann. Und das zwischen Wunsch und Wahrheit eine große Lücke klafft. Gut geschrieben zieht Martin Kray den Leser auf die Seite des „Helden“. Die Mischung aus geradlinigem Plot und Hintergrundinformationen ist deutlich besser ausbalanciert als zum Beispiel in „Stadttiere“. Allerdings verzichtet Kray ganz bewusst auf eine zweite Erzählebene und informiert den Leser in erster Linie mittels gut geschriebener Dialoge. Auch bei dieser Geschichte - wie bei leider zu vielen anderen Texten dieser Sammlung - ist das zynische Ende vorhersehbar, aber folgerichtig. Uschi Zietschs „Dornröschen“ spielt ausschließlich in einer leicht verfremdeten Märchenwelt. Die bekannte Geschichte wird aus der Perspektive des Prinzen erzählt. Anscheinend suchen Generationen von Prinzen nach der schlafenden Schönheit, dessen Erweckung allerdings nicht nur das Happy End bedeutet, das die Legende verspricht. Stilistisch ansprechend mit einem düsteren, zynischen Ende ausgestattet zieht die Autorin ihre Leser zuerst in die Märchenwelt, um dann auf den letzten Seiten den Plot um 180 Grad zu drehen und insbesondere Dornröschen dunkle Seiten zu entlarven.

Zu den schwächeren Texten der Sammlung gehört Günther Sudas „Der letzte Pendelschlag“. Was als Beziehungsgeschichte – eine Frau zwischen zwei Männern – beginnt, endet schließlich impliziert im esoterischen Bereich. Die Charaktere sind nur spärlich charakterisiert, es baut sich keine Sympathieebene zum Leser auf. Daher lässt das Schicksal der einzelnen Figuren ihn auch eher kalt. Das dunklere Ende ist nach gut Zwei Dritteln des Textes vorhersehbar, ohne das es wirklich überzeugend wirkt.

Eine der längsten Geschichten der Sammlung stammt aus der Feder Corina Bomann: „Der Fluch der Hexengräfin“. Im Nachwort erfährt der Leser, dass die Autorin bislang einen historischen Roman veröffentlicht hat und an einem weiteren Buch schreibt. Obwohl phantastische Elemente zumindest handlungstechnisch integriert sind, erscheint die stilistisch ansprechende geschriebene Novelle eher wie eine Saga, die noch Auswirkungen auf die triste Gegenwart hat. Der reine grundlegende Plot wirkt schematisch und lässt sich leider von Anfang bis Ende vorhersehen. Die Geschichte lebt ausschließlich und das durchaus positiv gesprochen von den feinen Details. Der Autorin gelingt es ausgezeichnet, die Protagonistin – eine Hebamme, die auf dem Land in einem abgeschiedenen Dorf eine Praxis neu übernimmt – überzeugend und vor allem mit sehr viel Wärme zu charakterisieren. Die einzelnen Elemente, die notwendig sind, um den Fluch der Hexengräfin zu bekämpfen, die nach dem ungeborenen Baby einer hellhaarigen Frau zu greifen sucht, sind solide gewählt und ausdrucksstark beschrieben. Die Nebenfiguren sind solide beschrieben, agieren teilweise allerdings ein wenig zu statisch. Zu sehr verlässt sich die Autorin auf die Entschlusskraft ihrer Protagonistin.
Von der erzähltechnischen Seite unterhält die Geschichte zufrieden stellend, auch wenn der Plot sich aus allen möglichen Versatzstücken der Gruselliteratur zusammensetzt. Es ist eher eine Geschichte für die Anhänger der Gothic Romance, die ein bisschen Schauder bei ihrer Lektüre mögen als Vielleser der phantastischen Literatur.

Eva Markers „Eiskalt“ spielt im Ewigen Eis. Es ist eine morbide Liebesgeschichte zwischen einem Inuit und einer übernatürlichen Kreatur, deren Ende leider vorhersehbar ist. Stilistisch ansprechend geschrieben beschränkt sich Eva Markert im Grunde auf Impressionen, während Barbara Büchners „Das Geheimnis“ zeigt, wie eine ähnliche Konstellation deutlich effektiver, erotischer und provozierender erzählt werden kann. Es ist die ewige Geschichte zwischen Beauty and the Beast, auf wenigen Seiten im Tagebuchstil erzählt. Der Leser ist überrascht, wie effektiv Barbara Büchner mit Andeutungen und märchenhaften Beschreibungen ohne eine explizierte Beschreibung der Kreatur eine erotisch morbide Atmosphäre erschaffen kann, die sich alleine trägt. Das eine morbide Atmosphäre und Anspielungen auf Clive Barkers „Hellraiser“ Sado- Masochismus nicht ausreichen, zeigt Christoph Hardebusch „Tag& Nacht“. Die Handlung wird nur fragmentarisch erzählt. Es bestimmen groteske sprachlich gut ausformulierte nihilistische Bilder den Plot. Das Wechselspiel zwischen der Folter eines Sklaven und einer Legende lässt den Text unrund erscheinen. Beide Ebenen sind zu stark komprimiert, als Experiment gelungen, als Geschichte zu unzugänglich.

Damian Wolfes „Hexenspiele“ kümmert sich um das Thema von einer zynisch humorvollen Seite. Zwei Hobbyhexen wollen einen Dämon beschwören. Nur will die angebliche Dämonendame nicht auf die neuen Herrinnen hören und beginnt ihr eigenes Spiel. Pointierte Dialoge unterstützen den geradlinigen Plot inklusiv eines effektiven, aber rückblickend ein wenig aufgesetzt wirkenden Plots. Lother Nietschs „Thanatos Muse“ beginnt sehr effektiv. Ein Wieder Junggeselle kauft sich für seine Wohnung ein Bild, das natürlich Einfluss zu nehmen beginnt. Wie einige andere Texte dieser Sammlung wird keine unbedingt neue Idee extrapoliert und insbesondere die zweite Hälfte der Geschichte wirkt ein wenig zu statisch, zu konstruiert niedergeschrieben, als das sie in Kombination mit dem eindimensionalen Protagonisten wirklich überzeugen kann.

Boris Koch setzt mit „Die, die tote Herzen bricht“ einen erotisch subversiven Schlusspunkt. Ein sechszehnjähriger Junge, der von seinen Eltern an der kurzen Leine gehalten wird, begegnet am Strand einer charismatischen Frau, erotisch gekleidet und über eine aggressiv sexuelle Ausstrahlung verfügend. In der zweiten Hälfte des Textes erzählt Boris Koch dann ihre Leidensgeschichte als eine der sieben Todsünden, die immer begehrt wird, aber niemals die Liebe selbst auskosten kann. Das Leiden scheint gegenseitig zu sein. Gut geschrieben mit messerscharfen Beschreibungen, provozierend erotisch mit den entsprechenden Ecken und Kanten, eine ungewöhnliche Position hinsichtlich des Inferno a´la Dante einnehmend gehört die Geschichte zu den Höhepunkten dieser Anthologie.

Die meisten Texte treffen das übergeordnete Thema der „Dark Ladies“ sehr gut. In den meisten Geschichten sind die sehr unterschiedlichen Antiheldinnen treffend gezeichnet. Die Stärke der Anthologie ist ihre Bandbreite. Von der modernen Interpretation klassischer Märchen bis zu an Neil Gaiman´s „Sandman“ Universum erinnernden Texten. Horror, Mystik, Phantastik und Neorealismus wechseln sich aber. Alle Geschichten sind stilistisch sehr saubere Arbeiten Hinsichtlich der Plotelemente kann sich der Leser nicht des Eindrucks verwehren, das manche Idee für eine Kurzgeschichte zu schwach ist bzw. die bekannten Plots durch deutlich provozierende Handlungen aufgepeppt besser gewirkt hätten. Richtig schwache Storys sind allerdings positiv gesprochen nicht vorhanden. Eine Handvoll eher durchschnittlicher Geschichten wird umringt von einigen sehr guten Texten- rückblickend hätte sich der Leser thematisch ein wenig mehr Boris Koch oder Barbara Büchner und etwas weniger Sabine Ludwigs oder Corina Bomann gewünscht. Eine Vorstellung der Herausgeberin, der Künstlerin und aller Autoren schließt den Band ab.
Ingesamt eine empfehlenswerte Anthologie, welche auf die legendären „Hot Blood“ Anthologie zugeht, sie aber nicht ganz erreicht.

Alisha Bionda( Hrgb.): "Dark Ladies"
Anthologie, Softcover, 237 Seiten
Fabylon- Verlag 2009

ISBN 9-7839-2707-1254

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