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Mystery (diverse)



Stephen King & Peter Straub

Das schwarze Haus

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Das schwarze Haus“ haben sich die Titanen des Horrors Stephen King und Peter Straub ein zweites Mal nach „Talisman“ zusammengefunden. Der Leser sollte aber keine direkte Fortsetzung zu „Talisman“ erwarten. Das verbindende Element ist der Protagonist Jack Sawyer sowie ein Ausfluss in das Territorium, in welchem ein größerer Teil der Handlung des „Talisman“ gespielt hat. Zwischen beiden Handlungsbögen liegen fast zwanzig Jahre. Jack Sawyer ist inzwischen erwachsen geworden, hat nach erfolgreichen Ermittlungen seinen Job bei der Polizei aufgegeben und sich in die Einsamkeit zurückgezogen. So weit die Prämisse, welche der Leser mit einer leider vorhersehbaren Hinzufügung zu akzeptieren hat: ein Massenmörder - „The Fisherman“ genannt, weil seine Taten den eines früheren psychotischen Mörders Albert Fish ähneln – entführt Kinder und bringt sie auf eine bestialische Weise um, die eher an Hannibal Lector als an King erinnert. Wie in „Talisman“ lassen sich die Nahtstellen der Kooperation eher an Details als am ganzen Werk erkennen. So entsprechen die sadistischen Szenen eher Kings Schaffen in dieser Periode – Dreamcatcher, The Regulators und den weiteren Bänden seiner „Dark Tower“ Serie – als Peter Straubs immer komplexer werdenden Täterpsychogrammen. Auf der anderen Seite fügt Peter Straub eine eher konstruierte Liebe auf den ersten Blick Geschichte ein, die konträr zu Kings Schaffen steht. Zusammengefasst ist „The Black House“ kein Experiment wie „Talisman“ mit seinen Fantasy- Elementen, sondern eine nicht immer wirklich originelle oder gar Bahnbrechende Zusammenfassung bekannter Aspekte aus dem Schaffen beider Autoren.

Zu Beginn des Buches versuchen Straub/ King Jack Sawyer als einsamen Helden aus wohlhabendem Hause zu etablieren, der sich absichtlich in die Einsamkeit der amerikanischen Kleinstadt – bei beiden Autoren immer ein grundlegender Fehler – zurückgezogen hat, um die kranke amerikanische Gesellschaft nicht mehr ertragen zu müssen. Die Einsamkeit und im Grunde die Selbstzweifel beschreiben die Autoren sehr überzeugend und etablieren Jack Sawyer als innerlich angeschlagenen, aber nicht gebrochenen Antihelden. Im Mittelteil der Geschichte, als er die weitergehenden Zusammenhänge zwischen seiner eigenen Jugend in den Territorien und dem Massenmörder erkennt, schweißt Sawyer diese Zweifel zu leicht und stellenweise zu wenig herausgearbeitet über Bord und etabliert sich als treibende Kraft in einem Haufen von überforderten Kleinstädtlern. Am Ende des Buches wird er zu einer Art überdimensionalen amerikanischen Helden, der den Fall im Alleingang und dank eines Besuches des Territoriums nicht nur löst, sondern ein eher zweifelhafter und pathetisch überzogenes Happy End herbeiführt. Diese charakterliche Wandlung ist viel zu bemüht und stellenweise zu unglaubwürdig, als das der Leser Jack Sawyer im Gegensatz zum ersten Roman wirklich ernst nehmen kann. Selbst die Idee, dass Jack Sawyer die abergläubischen bis dummen Kleinstadtbewohner erst von seiner Aufrichtigkeit und geistigen Gesundheit überzeugen muss, schindet im Grunde nur Seiten. Die Nebenfiguren sind erstaunlicherweise mit einem leicht ironischen Unterton sehr gut beschrieben. Die Wanderung durch die Kleinstadt mit ihren diversen sehr verschiedenen Bewohnern nimmt den Auftakt von Stephen Kings Buch „Die Arena“ vorweg. Sobald die Figuren allerdings zu agieren beginnen, wirken sie teilweise unnötig eindimensional und leider phasenweise extrem schablonenhaft. Nur der blinde Henry Leyden, der örtliche Radiomoderator als kleine Anspielung auf den Radiosender, den sich Stephen King in seinem Heimatort zugelegt hat, überzeugt durch eine nuancierte, dreidimensionale, mehr als sensible und vor allem vielschichtige Charakterisierung. Es ist schade, dass die beiden Autoren bei den anderen, nicht weniger wichtigen Nebenfiguren nicht ähnlich sorgfältig vorgegangen sind. Raum genug hatten sie bei einem Epos mit über achthundert Seiten. Selbst auf den kleinen natürlich unschuldigen Sidekick, der im Kampf gegen das Böse seine „Unschuld“ verliert, ist zurückgegriffen worden. Insbesondere bei den Protagonisten scheint sich Stephen King durchgesetzt zu haben. Die Figuren ähneln sehr stark seinen Standardcharakteren, welche insbesondere in der Schwächephase Ende der neunziger Jahre und Anfang des laufenden Jahrtausends selbst zufriedenstellende Plots phlegmatisch und langweilig erscheinen ließen.

Der Antagonist – natürlich ein psychotischer Charakter – wirkt teilweise wie eine Parodie auf die vielen wirklich unheimlichen und gefährlichen Schurken, die sowohl King als auch Straub im Laufe ihrer langen und überdurchschnittlichen erfolgreichen Karrieren kreiert haben. Er hat nichts wirklich Gefährliches an sich. Er vergreift sich an kleinen Kindern im Gegensatz zu Hannibal Lector. Wenn er aber ab der Mitte des Buches mit seinen Aktionen das Licht der Öffentlichkeit sucht, die nächste Stufe erreicht, verlieren die beiden Autoren sich in unnötigen Nebenhandlungen, welche die subtile Atmosphäre und stellenweise intensive Spannung einfach nur noch negieren. Der Leser weiß, dass es bei diesen Konfrontationen nur einen Sieger geben kann. Mehr und mehr konzentriert man sich also auf das wie und weniger auf das wann.

Kaum ist der Massenmörder identifiziert führen die Autoren einen entführten Jugendlichen ein, der quasi zwischen den Welten gefangen gehalten wird. Er hat das Potential, beide Universen zu zerstören. Das Ausgangsszenario erinnert ein wenig an Jack Sawyers schwierigen Kampf um den kraftvollen Talisman. Um jegliche Vergleiche im Keim zu ersticken, haben die Autoren das schwarze Haus vor das Happy End gesetzt. Jack Sawyer muss durch das Portal, welches das Haus darstellt und eher David Lynchs „Twin Peaks“ entlehnt als eigenständig ist, gehen, sich den Herausforderungen des Territoriums ein zweites Mal stellen, um nicht nur das Leben des Jungen zu retten, sondern vor allem den Zusammenbruch des Universums zu verhindern. So reizvoll und herausfordernd diese Aufgabe auch ist, der Übergang von einer nicht unbedingt antiquierten, aber auch nicht innovativen Serienkillerstory ins Mystery und schließlich auf eine dunkle Fantasyebene geht nicht ohne Holpern und teilweise doch unglaubwürdige Konstruktionen von statten. Vom Titel gebenden schwarzen Haus hätte der Leser mehr erwarten können und dürfen. Zu dunkel, zu gefährlich, zu einzigartig machtvoll wird es angekündigt. Selbst der Vergleich zu Shirley Jacksons „Hill House“ wird gezogen. Am Ende leider zu viel heiße Luft und zu wenig wirklich Bedrohung. Zumindest bei einigen Passagen hat der Leser das Gefühl, als habe die beiden Autoren der Elan und die Energie verlassen. Nur der Showdown ist wieder
farbenprächtig und dreidimensional, aber im Vergleich zum Gesamtroman enttäuschend kompakt und im Grunde viel zu seicht. „Das schwarze Haus“ besticht in erster Linie im ersten Drittel des Plots.

Aber Stephen King muss seinen Spaß mit der Arbeit an diesem Epos gehabt haben. Es finden sich zahllose Querverweise auf die Serie um den dunklen Turm, welche King parallel geschrieben hat, auf Randall Flagg aus „The Stand“ oder Ted Bräutigam, der in „Hearts of Atlantis“ keine unwesentliche Rolle gespielt hat. Von Castle Rock gar nicht zu sprechen. Der jugendliche Humor erinnert leider eher an Romane wie „Dreamcatcher“ und „Tommyknockers“. Er wirkt teilweise aufgesetzt und steht in einem sehr starken Kontrast zum Humor des literarischen Audiokommentars. Vom ersten Augenblick an nutzen die Autoren die Erzählerebene, um sich unsichtbar in Position zu bringen und quasi das Geschehen inklusiv der handelnden Charaktere, ihrer Vergangenheit und teilweise Zukunft, ihrer Hoffnungen und Wünsche ironisch pointiert bis teilweise zynisch zu kommentieren. Selbst vor dem offensichtlichen Helden macht der Kommentar keinen Halt und gibt dem Buch eine würzige literarische Note, die über eine Reihe von leider zu offensichtlichen und zu kommerziellen Schwächen hinweg sehen lässt.

Im Vergleich zu insbesondere Stephen Kings späteren Arbeiten – nach seinem schweren Autounfall – wirkt „Das schwarze Haus“ teilweise zu mechanisch geplant, zu wenig emotional ausgeführt, auf der Goreseite zu übertrieben und zu wenig einfühlsam gestaltet und hinsichtlich der Mitarbeit Peter Straubs viel zu wenig mit einem Profil ausgestattet. Wie alle Bücher der beiden Autoren lässt sich „Das schwarze Haus“ in einem Zug flüssig herunterlesen und spricht spannungstechnisch teilweise sogar an, aber insbesondere als Fortsetzung zu der überraschend abwechselungsreichen dunklen Fantasy „Talisman“ bleibt zu vieles Stückwerk.

Stephen King & Peter Straub: "Das schwarze Haus"
Roman, Softcover, 832 Seiten
Heyne- Verlag 2004

ISBN 9-7834-5387-3704

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