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Mystery (diverse)



Sergej Lukianenko

Wächter des Morgen

rezensiert von Thomas Harbach

Nach sechs Jahren kehrt der russische Autor Lukianenko zur Nachtwache und seinen Anton Gorodezki zur√ľck. Im Original hei√üt der Roman "Die neuen W√§chter", der Heyne Verlag hat daraus nicht unpassend "W√§chter des Morgen" gemacht, denn es geht um die Gabe der Prophezeiung, die den W√§chtern des Tages und der Nacht nicht unbekannt ist, die aber angesichts der Unbestimmbarkeit der Voraussagen bislang eher beil√§ufig abgetan worden ist. Lukianenko geht aber noch einen Schritt weiter. Die Propheten verf√ľgen meistens √ľber nur eine eingeschr√§nkte Gabe, die sich auf ein sehr enges Spektrum bezieht. Sobald deren Vorhersage ausgesprochen und mehr oder weniger direkt/ indirekt eingetroffen ist, werden sie zu "normalen" Menschen und sind vor dem Zwielicht gesch√ľtzt. Bis zur Aussprache dieser Vorhersage verf√ľgt das Zwielicht in Form eines von Lukianenko absichtlich unbestimmt beschriebenen Wesens namens Tiger √ľber einen gnadenlosen J√§ger, der die Menschen zu t√∂ten sucht. Zu Beginn des Romans begegnet der inzwischen zu einem der wenigen hohen Magier der Nachtwache herangereifte Gorodezki an einem Flughafen einem Jungen, der nicht an Bord eines Flugzeuges gehen m√∂chte. Er sieht den Absturz der Maschine voraus. Die Mitglieder der Nachtwache greifen aktiv in das Geschehen ein und schicken den Jungen mit seiner Mutter nach Hause. Die Maschine startet und landet sicher am Zielflughafen. Doch in dem Jungen steckt eine zweite Prophezeiung, die das Ende allen Lebens auf der Erde bedeuten kann. Mit einem Trick versuchen die Mitglieder der Nachtwache der Tiger zu irritieren. Sie ahnen nicht, dass Anton Gorodzki √ľber einen Mitschnitt der Vorhersage verf√ľgt, da diese nicht nur die Magie auf Erde betrifft, sondern vor allem seine heranwachsende Tochter, deren F√§higkeiten noch nicht ausgereift sind.

Die letzten beiden "Nachtwache" Episodenromane litten unter Lukianenkos hohem Arbeitstempo. In sehr kurzer Zeit hat der Russe verschiedenste Werke ver√∂ffentlicht und dabei nicht selten Ideen in unterschiedlichen Variationen recycelt. Der vorliegende f√ľnfte Teil wirkt frischer, zumal der Autor das bisher zu stringente Fugenkonzept gelockert und einen stringenteren Roman verfasst hat.
F√ľnfzehn Jahre sind seit den letzten Abenteuern der Nachtwache vergangen. In Russland hat sich anscheinend nicht viel ver√§ndert. Mit einem melancholischen Unterton l√§sst Lukianenko seinen Charakter an die Zeiten erinnern, als die russischen Jugendlichen den viel zu engen Wohnungen nur auf die Spielpl√§tze nach Sonnenuntergang entkommen konnten. Oder das die gegenw√§rtige Sowjetunion nur vordergr√ľndig sich von der Planwirtschaft und dem pervertierten Ideal eines Kommunismus dem sozialistischen Kapitalismus zuwendet. Die Unterschiede sind im Alltag nur negativ zu sp√ľren. Altersarmut, Alkoholsucht und eine zusammenbrechende Wirtschaft stehen der Raffgier der Oligarchen gegen√ľber. Hinzu kommen Hohn und Spott f√ľr die normalen Ordnungskr√§fte, denen der Autor insbesondere in der Flughafensequenz eine lange Nase dreht. Diesen √ľberwiegend kritischen sozial realistischen Hintergrund verkn√ľpft der Autor nicht immer g√§nzlich befriedigend mit seiner phantastischen Handlung. Anton Gorodezki wirkte in den ersten vier B√ľchern nicht selten wie der letzte, naive und brave Soldat. In diesem Fall der "Nachtwache", der die Menschen vor √ľbernat√ľrlichen Einfl√ľssen mehr als einmal gerettet hat. Wenn er pl√∂tzlich eine ungeheure Summe Geld aus dem Automaten ziehen kann, handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um Hexenwerk, w√§hrend andere Mitglieder der beiden Wachen mit ihren magischen F√§higkeiten ohne Probleme ihren Lebensunterhalt mit Gl√ľcksspiel oder B√∂rsengesch√§ften verdienen k√∂nnen. Diese teilweise sentimentale und √ľbertrieben erscheinende Naivit√§t wird durch die beiden Auslandsreisen Antons verst√§rkt. Erst reist er auf der Suche nach Menschen, die ihm beim Propheten helfen k√∂nnen, nach London. Staunend betrachtet er den Reichtum, den sich insbesondere russische Oligarchen - hier impliziert Lukianenko mehr als das er diese Tatsache kritisch ausspricht - in der britischen Hauptstadt aufgebaut haben. Noch interessanter ist die Reise in den Fernen Osten, wie die waidwunde russische Seele auf eine g√§nzlich andere Kultur trifft. Beweinte Lukianenko in seinen bisherigen Romanen eher den Untergang eines in dieser Form niemals wirklich vorhandenen Russlands, so stellt er staunend, aber auch pointiert intelligent hinterfragend diese nur auf den ersten Blick positiven Erkenntnisse unbeschr√§nkter Reisefreiheit den Nachteilen des Verlusts der eigenen Nationalit√§t gegen√ľber. Manchmal schwafelt der Protagonist stellvertretend f√ľr den Autoren zu sehr. Aber im Gro√üen und Ganzen zeigen diese Abschnitte ein deutlich nuancierteres Bild der russischen Gegenwart, vor dem sich zum ersten Mal in dieser Konstellation der Kampf der Tag- und Nachtwache gegen das eher schwach beschriebene Zwielicht abspielt.
Die Idee der Propheten wird von Lukianenko nicht als "Deus Ex Machina" L√∂sung genommen. Kaum hat er diese F√§higkeit eingef√ľhrt, beschr√§nkt er sie teilweise auf sehr kuriose Art und Weise wieder. Der Leser kann nur schmunzeln, wenn die Minir√∂cke einer Maria richtig vorausgesagt und doch ganz anders eintreffend beschrieben werden. Mit dem aus dem Zwielicht kommenden Tiger gibt es sogar eine Art Kontrollorgan, das nicht allm√§chtig, aber zumindest Furcht einfl√∂ssend ist. Die Auseinandersetzung mit dem besser im Hintergrund agierenden Zwielicht gibt der Nachtwache eine neue Aufgabe und dem Leser einen weiteren Anreiz, tiefer in das ohne Frage nicht ausgereizte Universum einzusteigen. Der pers√∂nliche Br√ľckenschlag mit der Einbeziehung von Antons inzwischen auch pubertierender Tochter inklusive der leider zu abrupt beendeten Schlussszene wirkt teilweise zu stark konstruiert. Auch wenn die Aufl√∂sung hinsichtlich der Effektivit√§t und Simplizit√§t nicht nur √ľberrascht, sondern auch die meisten der roten F√§den zufriedenstellend abschlie√üt, h√§tte man sich vielleicht ein wenig mehr Dramatik gew√ľnscht.
F√ľr Neueinsteiger in die Serie h√§lt der Autor unauff√§llig √ľber den ganzen Roman verstreut ausreichend Hintergrundinformationen bereit. F√ľr Fans der Serie ist der weiter fortgeschrittene Reifeprozess einiger der Protagonisten sehr viel interessanter als manche der wenigen und sehr gut verstreuten magischen "Actionszenen". Zusammengefasst wirkt "W√§chter des Morgen" trotz mancher durchaus zu k√ľrzender Passage sehr viel frischer als die letzten beiden Romane dieser ungew√∂hnlichen russischen Phantastikserie.

Sergej Lukianenko: "Wächter des Morgen"
Anthologie, Hardcover, 445 Seiten
Heyne- Verlag 2012

ISBN 9-7834-5331-4115

Weitere BŁcher von Sergej Lukianenko:
 - Das Schlangenschwert
 - Der falsche Spiegel
 - Der Herr der Finsternis
 - Die Ritter der vierzig Inseln
 - Labyrinth der Spiegel
 - Spektrum
 - Sternenschatten
 - Sternenspiel
 - Trix Solier- ein Zauberlehrling voller Fehl und Tadel
 - Welteng√§nger
 - Weltentr√§umer
 - W√§chter der Ewigkeit
 - W√§chter der Nacht

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