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Mystery (diverse)



Ron Goulart

Groucho Marx, Secret Agent

rezensiert von Thomas Harbach

Der 2002 veröffentlichte Roman „Groucho Marx, Secret Agent“ ist der fünfte und vorletzte Teil der Serie um die privaten Ermittlungen des Komikers Groucho Marx zusammen mit seinem Partner Frank Denby. Zum zweiten Mal treffen die beiden auf Nazi Spione in und um Hollywood. In einer nur sechsteiligen Serie wäre es sicherlich ein Leichtes gewesen, derartige Wiederholungen selbst in einer Parodie/ Hommage von Charlie Chan über Mr. Motto bis Hitchcock zu vermeiden. Sehr viel intensiver bereitet Ron Goulart allerdings wichtige Plotelemente des abschließenden Romans „Groucho Marx, King of the Jungle“ vor. Zum einen die Arbeit an dem Ty- Gor Manuskript als Kategorie „C“ Alternative zur populären „Tarzanserie“ und zum anderen Janes fortschreitende Schwangerschaft, die schließlich in den Ermittlungen in einem letzten Mordfall gipfeln.

Wie im Auftaktroman der Reihe geht es um einen Selbstmord, der keiner ist. Ebenfalls wie im ersten Band sind die Vertuschungsaktionen – in diesem Fall des Studios des betroffenen Regisseurs – so auffällig, das die Witwe misstrauisch wird und dank des kurzen Dienstwegs auf die Dienste des inzwischen bekanntesten und dank der vorangegangenen zweihundertprozentigen Erfolge – jeder Roman beginnt mit einem Mord und endet mit mindestens einem zweiten - durchschlagkräftigsten Morddetektivduos diesseits und jenseits von Hollywood zurückgreift.

Der Roman beginnt stimmungsvoll mit einer Halloween Party, bei der sich neben B- Promis in Kostümen von A- Prominenten schmücken und der britische Regisseur Eric Olmstead vom Tod angesprochen wird. Der herzkranke Mann fällt in Ohnmacht und wird von seiner noch Ehefrau aus dem Raumgeleitet. Das Prominentenpaar hat sich heimlich getrennt. Am nächsten Tag versucht die Ehefrau aus dem Standhaus in Malibu Kontakt mit ihrem Mann aufzunehmen. Die Telefonleitung ist ständig besetzt. Sie fährt zu dessen Haus und wird von Mitarbeitern des Studios konfrontiert, die ihr nicht nur mitteilen, das sich ihr Mann erschossen, sondern aufgrund der vorstehenden Trennung einen mit Schreibmaschine verfassten Abschiedsbrief hinterlassen hat. Da die Studiomitarbeiter auf eine Hinzuziehung der örtlichen Polizei verzichten, wird die Witwe misstrauisch und wendet sich an Frank Denby, der mit seiner schwangeren Frau ebenfalls kurzzeitig die Halloween Party besucht hatte. Zusammen mit Groucho Marx macht sich Denby unter logistischer Unterstützung seiner schwangeren Frau aufgrund des einzigen Hinweises, das ein mit Schreibmaschine wegen der bevorstehenden Trennung geschriebener Abschiedsbrief zu auffällig ist, auf die Suche nach einem Motiv und dem Inhaber des verdächtigen Kostüms, das aus dem Fundus eines B- Studios heimlich entliehen worden ist.

Der Plot ist insbesondere im Vergleich zum Auftakt der Serie „Groucho Marx, Meisterdetektiv“ und der sehr gelungenen Sherlock Holmes Hommage „Elementary, My Dear Groucho“ sehr viel geradliniger. Ron Goulart baut mehrere Hinweise zu den Ermittlungen auf dem Sherlock Holmes Filmset ein. Spätestens als erkennbar wird, das Frank Denby und Groucho Marx es zum zweiten Mal mit Spionen in einem sich noch im ausgebrochenen Zweiten Weltkrieg neutral haltenden Amerika zu tun haben, greifen die beiden Protagonisten zur Selbstironie und vergleichen die damaligen Ermittlungen mit dem neuen Welt. Diese im Grunde doppelte Ironie tut dem Roman sehr gut, da der eigentliche Fall nicht viele wirkliche Überraschungen birgt. Der Hinweis, das Olmstead zusammen mit seiner attraktiven Frau mehrfach die Hallen eines Flugzeugbauers in der Nähe von Hollywood besucht hat, reicht schon, um ihn zumindest als Mitläufer des Naziregimes zu entlarven. Das Codebuch wird auffällig als einziges Nachschlagewerk in einem Schrank voller Westernromane entdeckt und Jane hilft per Telefon aus dem eigenen Haus Groucho Marx und Denby zu einem wichtigen Augenzeugen, der Teile des Gesprächs am Abend der Party zwischen dem Verstorbenen und dem Tod mitgehört hat. Die eigentliche Ermittlungsarbeit beschränkt sich in erster Linie auf das Stochern in einem sprichwörtlichen Ameisenhaufen ausländischer Spione inklusiv diverser Warnhinweise von stocksteifen FBI Agenten. Die überforderten Antagonisten verraten sich anschließend der Reihe nach selbst, was das Lesevergnügen plottechnisch ein wenig trübt. Ron Goulart arbeitet die Motive der einzelnen Gruppen - FBI, Hollywoodfunktionäre und schließlich die Boulevardpresse – bis auf die kriegswichtigen Interessen der Nazis ebenso wenig heraus wie die logischen Zusammenhänge einzelner Hinweise, die Groucho Marxs Bruder ohne Probleme von einem Studio in England erhält, während der ehemalige Reporter Frank Denby anscheinend keinen Vertrauten mehr hat, der die fiktive Biographie des Opfers in annehmbarer Zeit entlarvt.

Auf der anderen Seite hat Ron Goulart im vorliegenden fünften Band der Serie insbesondere im Vergleich zum schwachen und sich nur noch selbst zitierenden Abschlussband die Möglichkeit, das paranoide Hollywood am Vorabend des Zweiten Weltkriegs treffsicher und pointiert aufs Korn zu nehmen. Obwohl sich der populäre Groucho Marx in der Masse bewegt und seine bissigen Kommentare gegenüber den immer gegenwärtig seienden Autogrammjägern sich inzwischen wiederholen, verschiebt Ron Goulart ein wenig die Perspektive des Romans und betrachtet die eitle, nur auf den ersten Blick elitäre Gesellschaft Hollywoods mit dem Zynismus eines Kenneth Angers. Dieses Spiel beginnt mit der Hollywoodparty, auf der sich die Reichen und nicht so Reichen treffen, geht über das berühmte „Trick & Treat“ Spiel der Kinder mit Unterstützung Groucho Marxs weiter und endet schließlich was den Verkauf der neuen Radioshow – wie das Buch „Groucho Marx, Secret Agent“ betitelt – auf dem Bürgersteig einer Nebenstraße in dem berühmtem Vororts L.A.s, nachdem sich Groucho Marx geweigert hat, seine Ermittlungen gegen den Erhalt eines Vertrages für das Radioprogramm einzustellen. Im Gegensatz zum eher unscheinbaren Frank Denby besticht Groucho Marx dank seiner expressiven, aber im Vergleich zu anderen Teilen der Serie origineller Persönlichkeit. Marx muss nicht ständig bestimmte und berühmte Sprüche oder Phrasen aus den zahlreichen Filmen wiederholen. Dafür wirken die Verweise auf die verschiedenen Marx Filme zu aufgesetzt. Immerhin ist zwischen dem ersten Buch und der laufenden Handlung mindestens ein Jahr ins Land gegangen. Hier hätte sich Ron Goulart etwas Anderes einfallen lassen müssen. Ebenfalls schwach über weite Strecken des Buches sind potentielle Antagonisten. In einer Zeit, in welcher insbesondere begnadete Schauspieler wie Peter Lorre in unzähligen Schmachtfetzen und Propagandastreifen Hollywoods eingesetzt worden sind, hätte Goulart alleine auf diesen Fundus zurückgreifen können, um seinen Plot und vor allem seine Nebenfiguren aufzupeppen. Vieles bleibt in Bezug auf die einzelnen Charaktere und leider nicht klischeehaft genug, um als Parodie durchzugehen. Erst gegen Ende des Buches – inklusiv des obligatorischen Schlags auf Denbys Kopf mit entsprechender Ohnmacht als Running Gag der Serie – gewinnt „Groucho Marx, Secret Agent“ an Tiefe sowie ein wenig und fast zu spät an Spannung. In der ersten Hälfte des Buches stand im Grunde vom Auffinden des Abschiedsbriefes fest, das Olmstead keinen Selbstmord begangen hat das und die eigentlichen Täter im Umfeld der natürlich global operierenden Nazis gesucht/ gefunden werden muss. Mit etwas Frechheit hätte Ron Goulart zum Beispiel Olmstead eine unleserliche Handschrift andichten, die doch einen mit Schreibmaschine geschriebenen Abschiedsbrief notwendig macht und so zeitweise die beiden komischen, aber nicht mehr urkomischen Ermittler sowie den Leser verwirren können. Solche literarischen Exzesse sucht der Leser bis auf latente Ansätze im allerersten Band in allen sechs Romanen vergeblich. Wie die Nazis schließlich heißen und welche anderen Aufgaben sie im Sonnenstaat übernommen haben, um Hitlers Welteroberungspläne zu verwirklichen, interessiert insbesondere im unterdurchschnittlich dynamischen und alleine von den pointierten Dialogen lebenden Mittelteil des Romans wenig. Am Ende von „Groucho Marx, Secret Agent“ fallen die einzelnen Versatzstücke des wenig komplizierten Falls sehr gut konstruiert zusammen. In Erinnerung bleiben einige wenige wirklich flotte Mono wie Dialoge Groucho Marx, sowie der Verzicht auf unnötigen Ballast hinsichtlich der Plotentwicklung. Der Abrieb ist latent schon erkennbar, wird im letzten Band „King of the Jungle“ schließlich fast die rudimentäre Handlung erdrücken. Zusammengefasst eine nur oberflächlich unterhaltsame Lektüre. Aus den Plotvorgaben sowie den zahlreichen möglichen Querverweisen zu den B und C Filmen dieser Zeit hätte Ron Goulart mit etwas mehr Mühe deutlich mehr machen können und müssen.

Ron Goulart: "Groucho Marx, Secret Agent"
Roman, Hardcover, 217 Seiten
St. Martin´s 2002

ISBN 9-7803-1228-0055

Weitere Bücher von Ron Goulart:
 - Elementary, my Dear Groucho
 - Groucho Marx und die Broadway Murders
 - Groucho Marx, King of the Jungle
 - Groucho Marx, Meisterdetektiv
 - Groucho Marx, Private Eye

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