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Mystery (diverse)



Ralf Isau

Die Dunklen

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Die Dunklen“ legt Ralf Isau einen modernen Thriller vor, der sich an vielen historischen Ereignissen und in diesem speziellen Fall dem Leben des Franz Liszts orientiert. Autoren wie Wolfram Fleischhauer – „das Buch, in dem die Welt verschwand“ - , Kai Meyer und mit deutlichen Einschränkungen Dan Brown oder Wolfgang Hohlbein haben dieses im Grunde klassische Subgenre schon mehrmals erfolgreich gespielt. Dabei ist es wichtig, die richtige Balance zwischen Handlung und Hintergrund zu finden. In seinem Nachwort geht Isau darauf ein, dass er zwar nicht alle der mehr als einhundert Biographien über den Musiker Liszt gelesen hat, aber zumindest sechshundert historische korrekte Informationen in den im Grunde überraschend geradlinigen Plot eingeflossen sind. Um den Leser bei der Stange zu halten, ist es wichtig, den Übergang von der Realität auf die Fiktion so packend wie möglich und so authentisch wie darstellbar anzugehen. Ralf Isau macht das kommerzielle geschickt. Obwohl Franz Liszt Dreh- und Angelpunkt des Buches ist, tritt der Meister nur im ersten obligatorischen Auftaktkapitel selbst in Erscheinung. Die dramatischen Ereignisse kann der Leser erst im Verlauf des Buches richtig zuordnen. Danach springt die Handlung in die Gegenwart – das Jahr 2005 – und ab sofort bleibt er auf Augenhöhe mit der wichtigen Protagonistin – einer Nachkommin des Musikers. Gemeinsam mit ihr lernt der aussenstehende Betrachter von dem schier endlosen Konflikt der Farbenlauscher, das Geheimnis der Purpurlinie und schließlich von einer weltweiten Verschwörung, die ihre Wurzeln weniger in diesem Roman, sondern eher in Stephen Kings vorletztem Buch „Puls“ hat.

Bis zu diesem im Vergleich zur Plotanlage eher profanen Showdown ist es allerdings ein weiter Weg. Die junge selbstbewusste Sarah D´Albis ist nicht nur eine attraktive Frau, sondern auch eine meisterliche Pianistin. Weiterhin ist erst vor kurzem bekannt geworden, dass sie eine Nachfahrin von Franz Liszt ist. Weiterhin kann sie in Tönen Farben und Formen, später auch Botschaften erkennen. In Weimar wird ein lange verschollenes Stück von Franz Liszt wieder aufgeführt. Der Leser weiß im Gegensatz zu den Charakteren, dass dieses Musikstück eine besondere, eine durchaus bedrohliche Bedeutung hat. Während des Konzerts beginnt Sarah zum ersten Mal in den Tönen eine geheimnisvolle Botschaft zu erkennen, die Franz Liszt in sein Werk eingeflochten hat. Nur Menschen mit der Gabe des Farbenhörens können diese Botschaft entziffern. Aber Sarah ist nicht die einzige, die zumindest von dieser Fähigkeit gehört hat. Es beginnt für sie eine Schatzsuche durch halb Europa, um weitere Botschaften Franz Liszt aufzuspüren. Dabei wird sie von unterschiedlichen Menschen begleitet, deren Interesse an der sogenannten Pupurpartitur schwer einzuschätzen ist. Mit diesem Musikstück soll der freie Wille der Menschen ausgeschaltet werden können. Ein Geheimbund – sehr einfach und nicht unbedingt effektiv „Die Dunklen“ genannt – sucht ebenfalls nach diesem Musikstück, um zum geeigneten Zeitpunkt nicht weniger als die Herrschaft über die Welt zu übernehmen und die Menschen mittels sublimer Botschaften ins Chaos zu stürzen.

„Die Dunklen“ ist ein Roman, der wahrscheinlich mehr Ralf Isaus Fans begeistert als Neulinge. In „Der Kreis der Dämmerung“ oder „Der silberne Sinn“ erzählt der Autor deutlich spannender und origineller seine Geschichten. Der Leser kann sich mehr auf den Schriftsteller einstellen und vor allem seine Intention bei „Die Dunklen“ besser herausarbeiten. Wer die Plotzusammenfassung liest, wird in erster Linie an einen geradlinigen Abenteuerroman mit der obligatorischen Weltverschwörung und dem Kampf des Einzelnen gegen eine bis dahin übermächtige Organisation denken. Und hier liegt auch das größte Manko des Buches. Der Plot ist vorhersehbar und birgt überraschend wenige wirklich originelle Handlungsbögen. Damit soll nicht ausgedrückt werden, dass das Buch langweilig ist. Aber Isau kann die Erwartungshaltung seiner Prämisse nicht aufrechterhalten und wie zum Beispiel auch Umberto Ecos „Der Name der Rose“ ist die Reise deutlich interessanter als das Ziel. Der Autor bringt Sarah in entsprechend gefährliche Situationen, legt falsche Fährten und löst diese letzt endlich dann wieder zum Guten auf. Sarah besucht verschiedene europäische Städte, die Gelegenheit, den Leser in Form eines Reiseromans belehrend zu unterhalten. Das Buch fließt sehr angenehm dahin, aber es packt den Zuschauer nicht gänzlich. Das liegt sicherlich auch an der bewundernswerten komplexen Prämisse. Musik, die Botschaften enthält. Farbenhörer. Alleine das Wort und die dahinter stehende Idee heben den Roman aus der Masse heraus. Zu den besten Passagen des Buches gehört Sarah Erweckung. Für die Protagonistin ist es allerdings nicht mehr. Es ist eine Reise in die eigene Vergangenheit, viele Vermutungen bewahrheiten sich am Ende des Romans. Isau versucht diese äußere und innere Reise in einer sensiblen Balance zu halten und das gelingt ihm in erster Linie im ersten Teil des Buches. Kaum wird der Plot der „Dunklen“ ersichtlicher und Sarahs Reiseziel immer näher rückend, verliert der Roman seine interessante Mischung aus romantischer Musikstunde und packender Geschichte und wird zu einem eher durchschnittlichen Roman. Auf dem Weg dahin fordert Isau allerdings seine Leser. Nicht nur die Idee des Farbenhörens beinhaltet eine gewisse Erwartungshaltung des Leser, das Buch wird auch – damit es funktionieren kann – sehr eng an Franz Liszts Leben geknüpft. Zu erst muss Isau in seinen Lesern die Liebe zur klassischen Musik erwecken, sie als etwas Wichtiges, Erhabenes darstellen. Danach verbindet er diese Prämisse mit Orten und Zeiten, in denen Franz Liszt sein nicht immer ruhiges Leben verbracht hat und lässt den Betrachter durch Sarah diese Orte besuchen. Das wirkt teilweise zu Beginn des Romans ein wenig zu hektisch und viele Funde nach dem Zufallsprinzip eher konstruiert als überzeugend. Es besteht immer die Gefahr, die Übersicht zu verlieren und teilweise wirkt die Handlung unnötig komplex. Bei den einzelnen Rätseln, die Isau der Protagonistin in den Weg stellt, ist ein gehöriges Wissen erforderlich. Sarah verfügt über dieses Wissen oder eignet es sich auf eine – aus Isaus Sicht – für den Leser verständliche Art und Weise an. Wer sich aber wenig für das Thema Musikgeschichte interessiert, wird stellenweise vom Autoren alleine gelassen. Da reicht es nicht, über das Handy auf eine bekannte Suchtmaschine zurückzugreifen und dann die entsprechenden Schlussfolgerungen zwar laut, aber nicht unbedingt erleuchtend zu ziehen. Zu oft greift der Autor auf dieses Hilfsmittel zurück und nach dem ersten Mal verliert der Leser das Interesse. Das sich Isau mit seiner ganzen Prämisse – vor allem nach dem abgehobenen und im Grunde leider unnötig überzogenen Prolog – am Rand der Unglaubwürdigkeit bewegt, ist sehr deutlich im Auge des Betrachters. Für den Käufer des Buches gibt es nur zwei Möglichkeiten extremer Art. Über die Prämisse zu lächeln und den Plot abzulehnen oder sich auf die Seite des Autoren mit allen Vor- und Nachteilen zu schlagen und aus dieser Perspektive heraus der nicht unbedingt nach den ersten zweihundert Seiten sich überschlagenden Handlung zu folgen. Insbesondere der Mittelteil des Buches hätte deutlich gestrafft werden können. Akzeptiert der Leser den besonderen Menschen Franz Liszt und die Möglichkeit, in die Musik geheime, manipulierende Botschaften zu integrieren – im Kino oder Fernsehen ist so etwas ja schon seit den sechziger Jahren möglich, siehe Ingmar Bergmann oder natürlich das berühmteste Beispiel „Der Exorzist“ - , wird er bei „Die Dunklen“ auf eine unterhaltsame angenehme Weise durch das Leben und damit die Zeit Franz Liszts geführt. Die Mischung aus Realität und Fiktion gehört zu den Stärken des Romans. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Sorgfalt Ralf Isau historisch belegte Fakten in seine Geschichte überzeugend integriert hat.

Leider wirken insbesondere die Protagonisten teilweise sehr holzschnittartig gezeichnet und selten springt der Sympathiefunke zum Leser über. Teilweise muss der Autor sicherlich in einem Verschwörungsthriller die Figuren ambivalent zeichnen, aber insbesondere seine Identifikationsfigur Sarah ist stellenweise eindimensional, zänkisch und am Ende der Liebe verfallen klischeehaft beschrieben worden. Hier hätte dem Buch deutlich mehr Sorgfalt sehr gut getan. Es ist markant, daß wie nicht selten ausgerechnet die Schurken bis zum Augenblick Bond´scher Dimension der Selbstarroganz besser charakterisiert worden sind als die "Helden".

„Die Dunklen“ ist ein Buch, das in erster Linie mit seiner phantastischen Idee überzeugen kann. Es erfordert vom Leser einen nicht zu leugnenden Unglauben. Geht man auf das intelligente Spiel ein, entfaltet sich eine interessante Welt. Die Schwäche des Romans ist die Auflösung am Ende des Buches, die zu einfach, aber im Rahmen des Plots notwendig gestaltet worden ist. Für die Freunde der Geheimbünde und der Verschwörungstheoretiker sicherlich eine gelungene Lektüre, welche das Mainstreampublikum weniger ansprechen wird als es die grundlegende Idee verdient hat.

Ralf Isau: "Die Dunklen"
Roman, Hardcover, 592 Seiten
Piper Verlag 2007

ISBN 3-4927-0139-6

Weitere Bücher von Ralf Isau:
 - Der Mann, der nichts vergessen konnte
 - Die zerbrochene Welt

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