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Mystery (diverse)



Dean Koontz + Ed Gorman

Frankenstein- die Kreatur

rezensiert von Thomas Harbach

In Zusammenarbeit mit der hardboiled Krimi Autoren Ed Gorman – dessen eigenständige Romane oft die Grenze zwischen dem Ermittlergenre und dem urbanen Horror mühelos überschreiten – legt Koontz den zweiten Band seiner modernen Frankenstein- Saga vor. Die Grundlage dieser Serie war die Idee einer Miniserie, eine moderne Weiterentwicklung des Frankensteinmythos für das amerikanische Fernsehen. Als das Projekt sicherlich zuletzt aufgrund des zweifelhaften Erfolges und hohen Budgets nicht realisiert werden konnte, hat sich Koontz entschlossen, die fertigen Drehbücher in Kooperation mit bekannten Autoren zu Romanen umzuarbeiten und als Tetralogie zu veröffentlichen. In den USA hat der Verlag inzwischen gemeldet, das der Stoff zu einer Trilogie reduziert wird. Den ersten Band hat wahrscheinlich überwiegend Kevin J. Anderson geschrieben. Sehr cineastisch – wie auch dieser Roman – ausgelegt, doch Anderson hat einen ermüdenden Schreibstil und neigt dazu, unwichtige Szenen zu stark auszuwalzen. So blieb ein in erster Linie wegen der sehr modernen Neuinterpretation – Frankenstein als Gehilfe Mengeles, ein Unsterblicher, der seine eigene Herrenrasse schaffen möchte, die erste Schöpfung als eher unfreiwilliger Kämpfer für die ansonsten vom Untergang bedrohte Menschheit – noch unterhaltsam zu lesender Roman über, der weder stilistisch noch im Aufbau wirklich überzeugen konnte. Der Unterschied zu Koontz eigenen Romanen, in denen er selbst bekannte Ideen – siehe die „Terminator“ Idee aus „Twilight Eyes“ - unglaublich packend beschreiben konnte. Mit Ed Gorman betritt ein anderes Kaliber als Autor die Szene.

Es empfiehlt sich, den ersten Band vorher zu lesen, da die Handlung unmittelbar einsetzt und die Rückblicke eher spartanisch sporadisch sind. Victor Frankenstein lebt. Er verlängert sein Leben mit immer neuen Operationen, erschafft sich bei Bedarf seine Ehefrau Erika immer wieder neu, damit er seine dominanten Triebe an ihr und nicht mir ausleben kann. Im Laufe der Jahrhunderte hat er sein Vermögen gut investiert und besitzt offene und stille Beteiligungen an wichtigen Schlüsselindustrien besonders im Biotechnologiesektor. Dazu kommt seine Fähigkeit, sich mit den Mächtigen der Welt wie schon angesprochen Mengele und Hitler, Stalin oder schließlich Mao zu arrangieren. Auch wenn es nicht expliziert angesprochen wird, müssen die kapitalistischen und dogmatischen USA unter der jetzigen Regierung ein Paradies für einen so skrupellosen Mann darstellen. Er lebt als angesehener Victor Helios in New Orleans. In seinen geheimen Fabriken erschafft er seine neue Rasse, lässt die Fehler still und heimlich beseitigen und ansonsten seine Musterexemplare – dabei produziert er auch ganz bewusst nicht perfekte Exemplare, um deren Schwächen und potentiellen Stärken wie auf einem Seziertisch zu untersuchen – in einem Krankenhaus mit geschlossener Abteilung und geheimen Zugang für Frankenstein unterbringen. Seine perfekten Sklaven schleust er in politische und wirtschaftliche Schlüsselpositionen ein – ein Langzeitplan - , andere Agenten arbeiten im Untergrund der übernehmen die Ordnungskräfte. Wie in den James Bond Romanen allerdings konzentriert sich das Buch auf seinen charismatischen Antagonisten und das komplexe Netzwerk wird eher beiläufig ominös erwähnt als wirklich in Aktion gesehen. Diese Schwäche ist in der Struktur des Buches begründet, das wahrscheinlich selten von der Vorlage des Drehbuchs abweicht. Wie schon im Vorgängerband kommt der Widerstand gegen die erst jetzt einigen wenigen Menschen bekannt werdenden Plänen von zwei Detectives – Mann und Frau, die sich zwar mögen, aber selbstverständlich wissen, das berufliche und private Partnerschaft sich gegenseitig ausschließen, auch wenn wahrscheinlich am Ende des jetzt dritten Buches die Romanze stehen wird – und Deucallion, Frankensteins erste Kreatur.

Im ersten Band stand die Etablierung des Szenarios und der verschiedenen handelnden Protagonisten im Vordergrund der sehr geradlinigen Handlung. Der zweite Band bietet nach seinem düsteren Auftakt eine deutliche Überraschung. Natürlich versuchen Frankensteins Schergen die Verbündeten weiterhin zu eliminieren. Gorman hat eine sichere Hand für diese Art der Action und ihm gelingt eine Reihe von sehr guten Szenen. Aber Frankensteins Kreaturen beginnen sich zu entwickeln. Der Evolutionsprozess hört nicht mit der Geburt auf. Der Roman bezieht sich Faszination aus der inneren Entwicklung der Kreaturen. Sie entwickeln Gefühle – diese Tendenz hat sich schon in Frankensteins Frau Erika angedeutet, die mit jedem Kloning sich trotz aller Bemühungen Frankensteins innerlich von seinem devoten Original entfernte – jeglicher Form. Auf der einen Seite wollen sie sich vermehren und damit indirekt Gottes Wunsch – in einer Perversion der Tatsachen sieht sich selbstverständlich Frankenstein als Gottvater ohne über die logischen Konsequenzen sonderlich nachzudenken und damit steht er seinen ehemaligen Förderern und ihren verrückten Ideen in nichts nach – erfüllen. Andere laufen Amok und drohen dessen Pläne zu früh zu entlarven. Die Gefahr wird größer, dass sich insbesondere die wichtigen Schlüsselpositionsinhaber durch diese Kurzschlusshandlungen verraten und Frankensteins elementares Netzwerk zerstören.

Der Roman wechselt sehr schnell zwischen den einzelnen, unterschiedlichen Handlungsebenen hin und her. Die Ermittlungen der Cops stehen dabei – eher natürlich für Ed Gormans Romane – im Fokus. Für diese Suche hat Gorman eine Reihe von prägnanten, durchsaus realistischen Charakteren geschaffen. Erster Höhepunkt des Buches ist der ehemalige Verbrecherkönig, der den beiden Beamten die schweren Waffen besorgen soll. Mit viel Liebe zum Detail ohne in den Bereich der Parodie abzugleiten, zeichnet Gorman ein interessantes Portrait einer vom Leben gezeichneten Überlebenden. Dazu kommt seine bibelfeste Haushälterin, die ihm auf den letzten Schritten zum Tor des Paradieses oder in seinem Fall wahrscheinlich der Hölle zur Seite steht und ständig mit mahnenden Worten traktiert. Das auf die beiden Polizisten angesetzte Killerpärchen wirkt stellenweise überzeichnet und zu extrem charakterisiert, aber Gorman versucht an ihnen die Vorteile oder Beschränkungen der neuen Rasse fast exemplarisch aufzuzeigen. Sie sind im Grunde die einzigen wirklichen Charaktere, die der Leser neben Deucallion als Mitglieder Frankensteins Schöpfung wirklich kennen lernen kann. Andere Figuren wirken dagegen schematisch und seltsam distanziert. Während Frankenstein insbesondere in diesem Band zu einem Klischee, zum Schema des wahnsinnigen Verbrechers mit Größenwahn und James Bond- Antagonist Manieren reduziert wird, gewinnt Deucallion überraschend an Tiefe. Das beginnt in der Auftaktsequenz – Precredit ? -, in welcher er ein junges Mädchen vor ihrem brutalen Zuhälter rettet, diese schließlich vor einer Kirche absetzt, damit sie ihre Eltern abholen können. Die Symbole sind stark pointiert eingesetzt und hätten wahrscheinlich selbst auf der kleinen Leinwand charismatisch gewirkt. Danach verfolgt der Leser seine persönliche Suche nach seinem Schöpfer. Immer auf der Hut vor seinen Brüdern und Schwestern, mit denen der intelligente, emotional fühlende Erste nur die Formel teilt. Auf der anderen Seite verfolgt er aber auch rücksichtslos sein Ziel und ist sich bewusst, dass Gewalt nur ein Mittel zum Zweck ist, aber ein Wichtiges.

Wie eingangs erwähnt ist auch der zweite Band sehr cineastisch geschrieben. Ed Gorman besitzt selbst in der deutschen Übersetzung einen sehr fließenden Stil, der sich gut zwischen den Stilmitteln der Weird Fiction – die Erschaffung einer dunklen, bedrohlichen Atmosphäre – und dem Detektivroman – die Eruption der Gewalt scheinbar aus dem Nichts heraus – bewegt. Insbesondere in Bezug auf die verschiedenen Handlungsstränge hätte man sich viel mehr Informationen gewünscht. Natürlich fesseln die Beschreibungen der mehr oder minder exotischen, aber stimmungsvollen Handlungsorte. Wenn die beiden Polizisten mehr als ein Drittel des Buches durch New Orleans, ihre Stadt fahren und dem Leser diesen wundervollen Ort nahe bringen, ist es imposant, aber ein wenig mehr Hintergrundinformationen über die politisch- wirtschaftlichen Bezüge, einen stärken übergeordneten Zusammenhang – die Schwäche einer zu getreuen Adaption eines Fernsehstoff, der in erster Linie visuell erzählen will und weniger den Leser durch unnötigen Datenballast ablenken will – wären nicht nur wünschenswert, sondern elementar gewesen. So bleibt ein ambivalenter Eindruck, „Die Kreatur“ ist nicht Fisch noch Fleisch, sondern der Hybride aus einem gescheiterten Fernsehprojekt und einer Zweitauswertung als Buch. Hamburg, den 07.02.07

Dean Koontz + Ed Gorman: "Frankenstein- die Kreatur"
Roman, Softcover, 334 Seiten
Heyne- Verlag 2006

ISBN 3-4535-6506-1

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