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Mystery (diverse)



Thomas F. Monteleone

Das siebte Siegel

rezensiert von Thomas Harbach

In den achtziger Jahren gehörte Thomas F. Monteleone zu den hoffnungsvollsten neuen Talenten der amerikanischen Science Fiction Literatur. Ein ideenreicher Stilist, der sich vor allem durch herausragende Kurzgeschichten schnell einen guten Namen gemacht hat. Mit dem Niedergang des phantastischen Genres in den neunziger Jahren begann auch sein Stern zu sinken, seine Veröffentlichungen sind sporadisch geworden. Kurz vor der Jahrtausendwende meldete er sich mit dem Klonthriller „Das Blut des Lammes“ zurück. „Das siebente Siege“ ist die Fortsetzung seines bis dato erfolgreichsten, allerdings auch kommerziellsten Buches. Se ist in den USA im Jahre 2001 erschienen, der Heyne- Verlag legt jetzt die Taschenbuchausgabe auf.

Peter Carenza ist aus dem Blut Christi geklont worden. Inzwischen ist er Pabst geworden. Allerdings ist nicht klar, welche Pläne Carenza wirklich verfolgt. Am Ende des ersten Buches deutete Monteleone an, dass auch der Teufel seine Hand im Klongprozess gehabt haben könnte. Sieben Monate sind unter seiner Regentschaft ins Land gegangen. ER hat begonnen, die Kirche zu reformieren. Sein nächstes größeres Projekt ist die Aufhebung des Zölibats und die Heirat seiner Freundin. Diese fühlt sich mehr und mehr von dem charismatischen Carenza unterdrückt. Sie hat den Eindruck, als verberge er ein düsternes Geheimnis. Auch die kirchliche Opposition sucht nach Möglichkeiten, den selbst geschaffenen Herrn und Meister loszuwerden. Dieser entdeckt in uralten Schriften hinweise auf die sieben Siegel, die den Fortbestand der Menschheit bedrohen. Will Carenza wirklich die Apokalypse verhindern oder von ihr profitieren. Seine Freundin Marion entfremdet sich mehr und mehr von Peter Carenza und beginnt zusammen mit der Mutter Etienne nach einem Weg zu suchen, das Unheil noch in letzter Minute aufzuhalten.

Thomas Monteleone ist ein routinierter Thrillerautor, der inzwischen genau weiß, welche Knöpfe er drücken muss. Eine verschachtelte Handlung, insbesondere in der ersten Hälfte des Buches mit fast unzähligen Hin- und Querverweisen durchsetzt, zieht den Leser in seinen Bann. Es ist auf jeden Fall elementar, den ersten Band „Das Blut des Lamms“ gelesen zu haben. Die charakterliche Entwicklung der einzelnen Protagonisten wird nicht weiter fortgeführt, Peter Carenza ist über weite Strecken des ersten Bandes eher Opfer als Täter gewesen, erst auf dem Höhepunkt seiner von Wundern begleiteten Karriere zeigte er plötzlich ein anderes, wahres Gesicht. Auf dieser Prämisse baut die Fortsetzung auf und zeigt ihn nicht mehr als ambivalenten Charakter, sondern eindimensional verschlagen. Damit geht dem vorliegenden Buch sehr viel Charme und vor allen Emotionen verloren. Aus der eher passiven Marion wird dagegen eine aktive und entschlossene Frau. Im Zuge dieser Wandlung büßt sie allerdings auch die Perspektive des optimistischen Zweiflers ein. Zusammen mit der eher konzentriert und distanzierten beschriebenen Mutter Etienne bildet sie eine Art biblisches „Thelma & Louise“ Team auf der Mission, die Welt vom – wie es sich zeigt – Antipabst und damit Antichristen zu befreien und gleichzeitig die Menschheit zu retten. Ob diese Menschheit überhaupt Rettung verdient, ist einer der Punkte, mit denen Monteleone spielt, die er aber bewusst nicht weiter extrapoliert.

In verblĂĽffend simpler, aber zumindest mit ĂĽberzeugend geschriebenen Szenen unterlegter
Manier steuern die verschiedenen Handlungsebenen auf die obligatorische Showdownsituation zu. Der Autor wechselt die einzelnen Perspektiven in rascher Folge, um die inhaltliche Leere der ersten zweihundert Seiten zu überwinden. Dabei unternimmt Thomas Monteleone den zum Scheitern verurteilten Versuch, auf der einen Seite den Lesern des ersten Bandes etwas Neues anzubieten, auf der anderen Seite allerdings auch potentielle Erstkäufer in das Geschehen zu integrieren. Die Ansätze sind alle vorhanden, Peter Carenza erscheint als potentieller Weltverderber, aber die Effektivität der Schlussszene aus dem letzten Band erreicht er nicht. Dazu wirkt seine Präsenz zu mechanisch dargestellt. Hier wäre es sinnvoller gewesen, in der Tradition der „Omen“- Filme die Schockeffekte pointierter und vor allem prägnanter darzustellen. Seine Entscheidung, das Zölibat aufzuheben, damit er selbst heiraten kann, ist auf der einen Seite eine Provokation, in einer Zeit, in der sich – wie Monteleone aber selbst schreibt- Priester Prostituierte beiderlei Geschlechts mieten oder der sexuelle Missbrauch anvertrauter Kinder bekannt wird, verblasst diese Entscheidung. Außerdem fehlt die wirklich überzeugende Begründung. Marion ist seine Mätresse, Freundin, devote Helferin, die sich nach und nach aus seinem Bann herausarbeitet und wieder selbstständig zu denken beginnt. Es ist aus Peter Carenzas Sicht fast naiv, ihre bedingungslose Loyalität als Prämisse zu akzeptieren und zweitens sich den beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben im obligatorischen Showdown so offen zu stellen, ohne für diese Vorgehensweise eine wirklich überzeugende Erklärung zu liefern. So langatmig, vielschichtig und doch stillstehend sich der Beginn des Buches präsentiert, so hektisch und abrupt ist das Ende des Buches. Wenige Seite – weniger als eine Handvoll Seiten – vor dem Ende unterliegt der Leser dem Irrglauben, den zweiten Band einer verdeckten Trilogie in Händen zu halten. Zu viele Handlungsstränge erscheinen noch offen, die finale Konfrontation steht noch aus. Fast im Nebensatz beendet der Autor Peter Carenzas Karriere und stellt die bislang auch noch unbedingt als das Heil bringend beschriebene Ordnung wieder her. Ein vorhersehbares Ende, denn einen Roman, in dem der Teufel schließlich die Macht auf Erden erringt, kann ein Autor einem größeren Mainstreamverlag vor allem nach dem Jahre 2001 nicht verkaufen. Trotz der inhaltlichen Abgeschlossenheit ist insbesondere das Ende des Buches unbefriedigend und zu konstruiert angelegt. Auf den letzten einhundert Seiten versucht der Autor die einzelnen Handlungsebenen zu verbinden, eine Reihe von interessanten Charakteren zu töten oder anders auszuschalten, um quasi eine klassische Konfrontation zu präsentieren. Das Böse in Menschengestalt scheitert schließlich an den Menschen, für die es trotz aller Bösartigkeit etwas empfindet. Zynisch gesagt, Mutterliebe überwindet alle Barrieren. Dabei macht es sich Monteleone ein wenig zu einfach und hinterlässt insbesondere nach dem sehr guten und spannenden ersten Roman einen faden Beigeschmack. Der Mittelteil mit der obligatorischen Suche nach historischen Hinweisen auf die sieben Siegel und vor allem die Menschen, die Peter Carenza zu Fall bringen könnten, beinhaltet die besten Passagen des Buches. Ohne belehrend zu wirken bringt er Fakten und Fiktion zusammen und entwickelt einige interessante Theorien. Hier löst er sich auch von einer Reihe zu offensichtlicher Thrillerelemente und geht erzähltechnisch sehr souverän vor. Vergleicht man die beiden Romane miteinander, hat der Leser das unbestimmte Gefühl, als sollte die Geschichte „Das Blut des Lamms“ ursprünglich nur einen sehr umfangreichen umfassen. Sie ist vom Verlag geteilt worden und Thomas Monteleone sah sich gezwungen, um eine Kernidee einen neuen Rahmen zu stricken. Das Ende des Buches dagegen hätte selbst bei einem zusammengefassten Roman schwach ausgesehen. „Das siebente Siegel“ gehört wie „Das Blut des Lammes“ in das Subgenre des religiösen Thrillers, nimmt mit dem nicht unbedingt innovativen, aber zumindest vernünftig präsentierten Science Fiction Ansatz des Klonings Jesu Christi spekuliert Thomas Monteleone im Grunde im Dan Brown Reich. Auch wenn dessen „Da Vinchi Code“ über die Nachkommen Jesu Christi spekuliert und Thomas Monteleone direkt auf die höchsten Entscheidungsträger der katholischen Kirche zugeht, sind sich die Romane in ihrer Struktur ähnlich. Wer also sehr gerne Dan Brown liest, wird von dem nicht unbedingt neuen Monteleone gut unterhalten werden, wer allerdings Thomas Monteleone frühe Werke gerne gelesen hat, wird von dem vorliegenden Roman eher enttäuscht. „Das siebente Siegel“ ist ein rasant geschriebener, oft distanziert und vor allem konstruiert wirkender Verschwörungsthriller, der eine interessante Idee allerdings zu eindimensional extrapoliert.

Thomas F. Monteleone: "Das siebte Siegel"
Roman, Softcover, 463 Seiten
Heyne- Verlag 2007

ISBN 3-4534-3250-9

Weitere Bücher von Thomas F. Monteleone:
 - Das Blut des Lammes

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