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Thomas F. Monteleone

Das Blut des Lammes

rezensiert von Thomas Harbach

In den späten siebziger und frühen achtziger Jahren gehörte der 1946 in den Vereinigten Staaten geborene Thomas F. Monteleone zu den größten Talenten des Science Fiction Genres. Er konzentrierte auf eine originelle – sowohl von der Idee als auch der stilistischen Gestaltung – Kurzgeschichten sowie eine Handvoll Romane. Zusammen mit David Bischoff folgte danach eine konservative Space Opera Serie. Die meisten seiner Bücher erschienen auf Deutsch in den SF- Reihen der Verlage Heyne und Moewig, sein Debüt gab er allerdings mit dem Band „Time Connection“ in der wegen ihrer Qualität legendären silbernen KNAUR- Science Fiction Sektion.

In den neunziger Jahren konzentrierte sich Monteleone mehr auf das Genre des modernen, aber mit phantastischen Anklängen versehenen Thrillers. Aus dieser Zeit stammt auch der vorliegende Roman „Das Blut des Lammes“ in deutscher Taschenbucherstausgabe. Zusammen mit seiner direkten Fortsetzung „Das siebte Siegel“ vom Area Verlag ist das Werk schon als handlicher und nicht unbedingt teuerer Hardcover vor zwei bzw. einem Jahr veröffentlicht worden. Damit soll der erste Eindruck relativiert werden, wieder vor einem Buch in der inzwischen zum Klischee erstarrten Dan Brown Tradition zu stehen. „Das Blut des Lammes“ ist über weite Strecken ein sehr eigenständiges, geradliniges Buch mit einem außerordentlich interessant aufgebauten Plot und leider zweidimensionalen, zu Beginn sympathisch charakterisierten, aber im Zuge der Ereignisse immer klischeehafter und nur noch selten wirklich überzeugender Charaktere.

Im Jahr 1967 stiehlt der katholische Geheimdienst mit Wissen des Papsts eine Probe des Turiner Grabtuches. Ein deutscher Wissenschaftler soll aus dieser Probe später ein Kind klonen, das in einer jungfräulichen Empfängnis von einer Nonne ausgetragen wird. Der Junge wächst in einem katholischen Waisenhaus auf und wird schließlich Priester, ohne das er den Hintergrund dieser Geschichte kennt. Die Handlung schwenkt dann um nach New York, wo der Leser den amerikanischen Priester Peter Carenza kennen lernt. Er ist in seinem Bezirk sehr beliebt, ein charismatischer Redner. An seinem dreißigsten Geburtstag wird er in einer kleinen Gasse von einem Jungen überfallen. Das wenige Geld, welches er bei sich trägt, reicht dem Dieb nicht, er will seinen Frust mit der Ermordung seines Gegenübers freien Lauf lassen. Bevor er schießen kann, wird er von einem Blitz von innen heraus verbrannt. Die Kirche hat den jungen Mann nicht aus den Augen gelassen und als dieses erste Wunderzeichen auftritt, befiehlt sie ihn in einer überhasteten Aktion zurück zum Vatikan. Dort erfährt Carenza bei seinen heimlichen Recherchen die Wahrheit über seine mögliche Herkunft kurz vor dem Jahrtausendwechsel. ER flieht zurück in die Staaten und vertraut sich einer schönen, intelligenten Journalistin an, die er nach dem Überfall kennen gelernt hat. Dritter im Bunde ist sein Freund Dan, ein jesuitischer Priester, den er wieder belebt und seine Folterwunden heilt, nachdem ihn ein Mitglied des Geheimdienstes zu Tode gefoltert hat. Ein weiterer Ausdruck seiner einzigartigen Fähigkeiten.

Ein Roman mit dieser sicherlich fast ketzerischen Prämisse lebt nicht nur von seiner Handlung alleine, sondern benötigt in erster Linie sympathische, überzeugende Charaktere. Zu Beginn gelingt es dem Autoren, mit dem jugendlichen, eher unbekümmerten aber zuverlässigen Peter Carenza eine interessante und zumindest zu diesem Zeitpunkt überzeugende Figur zu erschaffen. Er muss sich nicht nur mit seiner Herkunft und seinen neu erworbenen Fähigkeiten auseinandersetzen, er verliebt sich in die Journalistin und wird auf seinen besten Freund eifersüchtig. Dazu verfolgt ihn der katholische Geheimdienst. Als sich schließlich die Ereignisse zu überschlagen beginnen, verwandelt sich – nicht zuletzt in Hinblick auf den abschließenden Plot – sein Charakter, er wird verschlagener und berechnender. Diese Wandlung geht im Zuge eines typischen Attentatsplot im wahrsten Sinne des Wortes unter und wirkt auch in der Konzeption des Buches nicht unbedingt eingeplant. Nachdem ein Wunder – für die Besucher eines Rockkonzertes mit integrierter Andacht in der Wüste Wasser herbeizubeten – außer Kontrolle gegangen ist und zehntausend Tote zu beklagen sind, beendet der Autor dieses Kapitel auf einer fast nihilistischen Note. Der angebliche zweite Jesus hat festgestellt, dass er weder allmächtig, noch vor Fehlern gefeit ist. Diesen interessanten Aspekt verliert das Buch später ebenso aus den Augen wie eine kontinuierliche Neucharakterisierung eines so wandelbar beschriebenen Protagonisten.

Die Journalistin Marion entspricht dagegen wie der jesuitische Priester den besten Klischees des Thrillergenres. Dieser wird dank Peters Fähigkeiten in seinem Glauben zuerst bis ins Mark erschüttert, dann wird er im Grunde zu einem seiner Jünger und beginnt selbst, Gefühle für Marion zu entwickeln. Diese verhängnisvolle Entwicklung kumuliert in einer Tragödie. Während die zarte Liebesgeschichte zwischen Marion und Peter noch über weite Strecken überzeugend und nachvollziehbar beschrieben worden ist, wirkt die „Explosion“ der kritischen Masse dieser labilen Dreierbeziehung schockierend, aber die Wirkung verpufft erstaunlich schnell und der Leser fragt sich, ob er nicht einem Trick aufgesessen ist. Spätestens hier wird deutlich, dass Monteleone im Grunde zu viele Ideen in seinen Plot integrieren wollte. Anstatt den einzelnen Protagonisten Zeit geben, eine Sympathieebene beim Leser zu finden, versucht der Autor zumindest in der zweiten Hälfte des Buches die Figuren in den Hintergrund zu drängen, um mit seinem Plot zumindest vorläufig fertig zu werden.

Von Beginn an nimmt Monteleone eine sehr kritische Haltung nicht nur der katholischen Kirche, sondern auch den kommerziellen Freikirchen in den Staaten gegenüber ein. In Person Freemason Coopers findet sich ein klassischer Scharlatan, reich, egoistisch, seine Schäfchen ausnehmend, junge Frau sexuell einschüchternd und arrogant. Nicht viel besser ergeht es den verschiedenen katholischen Priestern, denen es bei diesem Projekt eigentlich nur um die Stärkung der Position ihrer Kirche im ewigen Kampf mit den anderen Religionen geht. Nicht umsonst spielt dieser 1992 geschriebene Romane in den Jahren 1998 und 1999. Der Plot steuert direkt auf den bevorstehenden Jahrtausendwechsel hin, dieser wird aber ein elementarer Plotbestandteil des zweiten Romans sein. Aus heutiger Sicht erscheint das Milleniumproblem fast anachronistisch. Dazu kommt die Reaktion der Kirchenverschwörer, die Wahrscheinlichkeit, dass Jesus/Peters Fähigkeiten ausgerechnet und gerade rechtzeitig vor dem Jahrtausendwechsel und pünktlich mit dem dreißigsten Lebensjahr auftauchen, strapaziert die innere Logik des Buches zu sehr.

Nach der Hälfte des Romans findet sich der Leser nicht mehr in einer interessanten Spekulation auf modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen wieder, sondern in einem sehr geradlinig geschrieben, zum Teil allerdings ein wenig klischeehaft angelegten Thriller. Monteleone beherrscht die Parallelmontage insbesondere während des Showdowns sehr gut und lässt seine Leser über weite Strecken im Unklaren, ob auch der zweite Sohn Gottes von Menschen gerichtet wird oder nicht. Das eigentliche Ende ist dann überraschend gewalttätig, es wirkt unübersichtlich und nicht unbedingt schlüssig. Spätestens hier erkennt der Leser, dass dieser ereignisreichen Geschichte eine wichtige Komponente fehlt: die innere Zerrissenheit seines Hauptcharakters. Dazu kommt die Unentschlossenheit in der Umsetzung des Plots. Es wechseln sich eine Reihe von unangenehmen Szenen – besonders die Folterszene und zu Beginn der Straßenüberfall -, die tendenziell eher in den Bereich des modernen Krimis als des klassischen Horrorromans gehören mit einer Reihe von fast ketzerischen Spekulationen – die Begierde nach dem Fleisch nicht nur beim jesuitischen Priester, sondern auch in Peter Carenza, Gottes Sohn auf Erden. Aber auch hier fehlt dem Roman der Mut, die Grenze zwischen Spekulation und Provokation zu überschreiten. Zu vieles bleibt ungesagt, zu vieles angedeutet und in der Gesamtbetrachtung wirkt „Das Blut des Lammes“ seltsam unruhig und unrund. Trotzdem als Thriller präsentiert Monteleone einen gut zu lesenden, streckenweise packenden Roman, eine interessante, wenn auch nicht gänzlich durchdachte Spekulation. Das Ende ist ein zynisch, wenn auch zu abrupt und zu offen für den Leser in Hinblick auf die Fortsetzung.

Im Jahr 1993 hat Montelone für dieses Buch den „Bram Stoker Award“ als besten Roman des Jahres erhalten, ein Indiz, wie zerrissen insbesondere die Kritikergemeinde in Bezug auf die Qualität von auszeichnungswürdigen Werken zumindest in der ersten Post Exorzist, Post Omen und vor allem Post Stephen King Ära gewesen ist.

Thomas F. Monteleone: "Das Blut des Lammes"
Roman, Softcover, 537 Seiten
Heyne- Taschenbuch 1992

ISBN 3-4534-3202-9

Weitere Bücher von Thomas F. Monteleone:
 - Das siebte Siegel

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