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Mystery (diverse)



Christian Montillon & Catalina Corvo

Coco Zamis 28:
Der Palast der Knochen

rezensiert von Thomas Harbach

Nach einem Expose von Uwe Voehl verfassen Christian Montillon - eine Bereicherung des Teams, auch wenn sich die üblichen insbesondere stilistischen Ungenauigkeiten in Christian Montillons Romanhälfte eingeschlichen haben - und Catalina Corvo, welche eher überraschend mit dem ereignislosen Jahre 1936 wenig anfangen kann, mit „Palast der Knochen“ den ersten Band zum nächsten großen Handlungsabschnitt.
Nachdem die Konfrontation mit dem Anführer der Oppositionsdämonen Nocturno
Inklusiv Coco Zamis unfreiwilliger Odyssee so gut wie abgeschlossen worden ist, droht die Zamis Sippe in der Auseinandersetzung mit Asmodi zermahlen zu werden. Coco und ihr Bruder Georg kehren rechtzeitig nach Wien zurück, um die Forderungen Asmodis zu vernehmen. Da sich alle Versuche, Coco Zamis für sich zu gewinnen, als letzt endlich frustrierend nutzlos herausgestellt haben, möchte Asmodi zusammen mit Thekla Zamis seine eigene Coco zeigen. Die Alternative ist die Vernichtung der Zamis Sippe. Das bisherige Oberhaupt - Cocos Vater - hat Asmodi in einen Freak verwandelt, der in einem feuchten Kerker zur Belustigung des Publikums und als Provokation der Zamis festgehalten wird.

Thekla Zamis stimmt zumindest vordergründig dem Ansinnen Asmodis zu. Sie versucht mit verschiedenen kleineren Tricks Zeit zu gewinnen, um letzt endlich mit ihren Verwandten aus Wien zu fliehen und in Antwerpen bei einem alten Freund Schutz zu suchen. Hier schließt sich der Kreis mit der zweiten Handlungsebene des Romans, denn es handelt sich um einen Freund aus Theklas Jugend. Die Gegenwartsebene ist zumindest interessant gestaltet, es droht aber zum wiederholten Male eine im Grunde eher nutzlose Verfolgungsjagd um die halbe Erde. Die grundlegende Idee, mit Thekla Zamis eine Tochter zu zeugen, ist pervers genug, um die Aufmerksamkeit der Leser zu wecken. Theklas Versuch, Asmodi abzulenken, ist auf der einen Seite gelungen, auf der anderen Seite fragt man sich unwillkürlich, warum der Fürst der Hölle auf diese kleinen Tricks immer wieder hereinfällt. Zumindest haben die Zamis von Beginn an ausgeschlossen, Asmodi noch einmal mit einem Doppelgänger wie zu vor reinzulegen. Catalina Corvo baut den Handlungsbogen ausgesprochen direkt und sehr stark dialoglastig auf. Die Handlung hätte kompakter erzählt werden können, zumal gegen Ende des Plots das unbestimmte Gefühl bleibt, man hätte mehr Informationen in den vorliegenden Doppelband packen können.

Die Vergangenheitsebene - sie spielt im Jahr 1936 - beschreibt Thekla Zamis Ausbildung zur Hexe. Es ist allerdings unnötig, den Leser in jedem in der Vergangenheit spielenden Kapitel darauf hinzuweisen, dass die anfänglich Christine genannte junge Frau später Thekla Zamis sein wird. Nach den Jugendabenteuern Michael Zamis - bislang die mit großen Abstand besten historischen Aufarbeitungen - und Georg folgt mit Thekla Zamis eine Figur, die erst in den letzten Doppelbänden an Profil gewonnen hat. Auf Druck Asmodis sollte sie ihre eigene Familie verraten und erledigte diesen Auftrag zufrieden stellend, wenn auch nicht gänzlich erfolgreich. Das Problem dieser Vergangenheitsebene liegt in ihrer Vorhersehbarkeit. Zusammen mit ihrer sehr attraktiven Schwester besucht sie in dem kleinen Nordseebad Knocke die Schule. Während ihre Schwester sich vor jungen Männern und einigen Avancen der Lehrerin nicht retten kann, bleibt die unscheinbare Christine im Hintergrund. Als sich einer der Jungen für sie interessiert, gerät sie anfänglich in einen Gewissenskonflikt, den sie schließlich zu ihren Gunsten ausnutzt. Sie konzentriert sich schließlich auf die Ausbildung als Hexe und beginnt an ihren Mitmenschen grausame Rache zu nehmen. Wie schon angesprochen leidet die Vergangenheitsebene unter einer Reihe von Klischees. Der Kontrast zwischen der natürlich expressiven begehrenswerten Schwester und dem Mauerblümchen folgt den ungeschriebenen Regeln des Liebesromans mit entsprechenden sadistischen Implikationen. Christine alias Thekla wirkt zu blass, zu unscheinbar, wie in den meisten frühen Romanen der „Coco Zamis“ Zaubermondserie. Hinzu kommt, dass der Leser mit den Figuren nicht wirklich warm werden kann. Ähnliche insbesondere weibliche Protagonisten finden sich auch in der Gegenwartsebene der ganzen Serie. Während die Autoren das nationalsozialistische Gräuel mit Michael Zamis Heranwachsen sehr gut verbunden haben, bleibt die Ausbildung in dem wenig detailliert beschriebenen Nordseebad Knocke isoliert.
Nur in den letzten Zügen der Vergangenheitsebene, wenn sich Vergangenheit und Gegenwart geschickt verbinden, nimmt die Handlung nicht nur Fahrt auf, sondern wirkt interessanter. Kritisch gesprochen kommt dieses Wiedererwachen relativ spät. Es ist schade, dass die Charakterisierung der beiden sehr unterschiedlichen Schwestern nicht intensiver, nicht dreidimensionaler erfolgt ist.

Was „Palast der Knochen“ - ein markantes Sinnbild, das wahrscheinlich erst im folgenden Doppelband eine gewichtigere Rolle spielen wird - allerdings von den bisherigen „Coco Zamis“ Romanen unterscheidet, sind die pervers sadistischen Szenen, die insbesondere Christian Montillons Roman unangenehm bis überzeugend durchziehen. Dabei reicht das Spektrum von Menschenfressern, die inzwischen mit klinischer Funktionalität ihre Opfer möglichst lange und ausgesprochen frisch am Leben erhalten, um den Geschmack des Fleisches nicht zu verfälschen über die mögliche Zeugung einer zweiten Coco Zamis bis zu diversen Orgien, die ausgesprochen unangenehm ausführlich beschrieben worden sind. Es ist ein schmaler Grad zwischen gruseliger Unterhaltung und dem Aneinanderreihen von Splatterszenen. Während insbesondere die „Dorian Hunter“ Romane in dieser Hinsicht überzeugen konnte und die Bundesprüfstellen mehrmals provozierten, wirkt die Vorgehensweise insbesondere im vorliegenden „Coco Zamis“ eher wie ein Selbstzweck. Da wird mit Lydia nicht nur eine Dämonin, sondern auch bekennende Menschen verachtende Nymphomanin von mehreren Artgenossen vergewaltigt. Während sie sich in den bisherigen Romanen wahrscheinlich grausamen an den Dämonen gerächt hätte, wirkt sie hier überzogenes schockiert. Auch die anderen Mitglieder der Zamisfamilie reagieren verstört, was eher einen Widerspruch zu den von Christine/Thekla initiierten Aktionen im Jahre 1936 darstellt. Das Asmodi während seiner Liebeszeremonie sich an Georg vergnügt, ist dagegen ein provokantes homosexuelles Eingeständnis, das Georg mehr zu einem Täter denn ein Opfer macht. Das aber Asmodi nicht merkt, sich nicht mit Thekla Zamis zu vergnügen, sondern in eine Falle zu tapsen, die später dank magischer Kugeln - eine Art „youtube“ für Dämonen - in der Öffentlichkeit breit getreten wird, wirkt allerdings zu wenig fundiert und erscheint eher wie eine Augen zwinkernde Brüskierung des Fürsten der Hölle.

Zusammengefasst ist „Palast der Knochen“ nicht nur stilistisch ein deutlich Fortschritt gegenüber den letzten Doppelbänden. Während Nocturno und Coco Zamis Reise durch die verschiedenen Dimensionen trotz interessanter Hintergründe zu ausgedehnt erschienen ist, bemüht sich Uwe Voehl, den Konflikt zwischen Asmodi und den Zamis zu fokussieren. Es bleibt zu hoffen, dass insbesondere die Zamis nicht über mehrere Romane durch verschiedene Städte reisen, sondern die sich ausbreitende Unruhe zwischen den dunklen Familien zum eigenen Vorteil nutzen können. Dazu muss aber erstens Thekla Zamis das insbesondere im vorliegenden Roman gewonnene Profil effektiv und offensiv einsetzen und die Autoren sich wieder stärker auf die zum Leidwesen der ganzen Serie in den letzten Doppelbänden zu vorhersehbar eingesetzte Coco Zamis konzentrieren, die positiv gesprochen nicht mehr in unkoordinierten Alleingängen die größten Probleme lösen kann, die aber negativ gesprochen viel zu zögerlich, zu sehr überrascht/ schockiert auf Geschehen reagiert, die in dieser Form für sie nach den bisher gemachten Erfahrungen nicht neu sind. „Palast der Knochen“ ist ein lesenswerter Roman, der trotz der angesprochenen Schwächen solide unterhält und auf die Fortsetzungen neugierig macht.





Christian Montillon & Catalina Corvo: "Coco Zamis 28: Der Palast der Knochen"
Roman, Hardcover, 256 Seiten
Zaubermond- Verlag 2011

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